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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 28. Aug 2013, 17:01
von horror1966
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Play Dead
(Play Dead)
mit Yvonne De Carlo, Stephanie Dunnam, David Cullinane, Glenn Kezer, Ron Jackson, David Ellzey, Jo Livingston, Carolyn Greenwood, Jeff McVey, Robert Hibbard, Desmond Dhooge, John Caroll Perry
Regie: Peter Wittman
Drehbuch: Lothrop W. Jordan
Kamera: Robert Bethard
Musik: Robert Farrar
ungeprüft
USA / 1985

Es ist wie ein Alptraum! Die hübsche Audrey ist nach dem Tod ihrer Eltern am Rande der Verzweiflung. Es ist als ob ein Fluch über ihrer Familie liegen würde. Audrey's Tante Hester Ramsay schenkt ihr als neuen treuen Weggefährten den Rottweiler Greta. Kurze Zeit später kommt auch Audrey's Bruder Stephan auf mysteriöse Weise ums Leben. Audrey's Alptraum findet kein Ende, immer mehr Menschen werden zerfleischt und ermordet. Hat der Satan sie verdammt und seinen Höllenhund nach ihr geschickt?


Beim Namen Troma denkt man fast zwangsläufig an den "Toxic Avenger" oder anderen wunderbar hanebüchenen Trash, der aus der bekannten Film-Schmiede hervorgegangen ist. Das es auch vollkommen anders und ohne jeglichen Witz geht, wird in vorliegendem "Satan's Dog" mehr als eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das ist jetzt aber keineswegs positiv gemeint, präsentiert sich doch ein in der Hauptsache äußerst langatmiger Versuch eines Horror-Thrillers, der aufgrund der hohen Alterseinstufung zudem auch vollkommen falsche Erwartungen beim Zuschauer wecken kann. Die Geschichte an sich ist extrem simpel gehalten und muss außerdem ohne jegliche Höhepunkte auskommen, wobei das ein-oder andere Highlight sicherlich für etwas angenehmere Unterhaltung gesorgt hätte, als es hier leider der Fall ist. Zuerst einmal hinterlässt das Ganze von der ersten Einstellung an einen extrem billigen Eindruck, was bei Troma ja nicht unbedingt negativ anzukreiden ist. Hier aber ist das gesamte Szenario sehr altbacken gehalten und hinterlässt beim Betrachter den Eindruck, das es sich auch ohne Weiteres um einen Film aus den frühen 70er Jahren handeln könnte.

Als Hauptfigur dient der Rottweiler Greta, der durch eine seltsame Beschwörung dahingehend manipuliert wurde, damit er bestimmte Menschen tötet. Auch wenn sich das nun ein wenig dümmlich anhören mag, beinhaltet diese Story-Line doch immerhin genügend Potential, um daraus einen interessanten und teilweise blutigen Horror-Thriller Flick zu stricken, was jedoch leider vollkommen in die Hose ging. So baut sich auch in keiner Phase der Geschichte ein echter Spannungsbogen auf und auch Greta erscheint einem viel eher als braver Schoßhund, als das man eine reißende Bestie in dem Tier sehen würde. Um die ganze Chose künstlich aufzupeppen hat man die Passagen, in denen der Hund in Aktion tritt in Zeitlupe aufgenommen und erhoffte sich durch diese Maßnahme eventuell ein gewisses Kribbeln beim Zuschauer auszulösen. Das Ergebnis gestaltet sich allerdings eher gegenteilig, denn dieser Aspekt zieht das Geschehen viel eher ins Lächerliche, als das es zu einer dichteren Grundstimmung reichen würde.

Am schlimmsten sind aber die hier auftretenden Darsteller, von denen man noch nicht einmal den normalen Durchschnitt erwarten sollte. Insbesondere Hauptfigur Audrey geht einem dabei sogar richtiggehend auf die Nerven, denn ihr ständiges aufgesetztes Gekreische stellt einen schon vor eine harte Bewährungsprobe. Durch die Bank sind die schauspielerischen Leistungen jedoch kaum erwähnenswert, vielmehr animieren sie einen dazu, doch vorzeitig die Stop-Taste zu drücken, um dem Elend endlich ein Ende zu setzen. Selten bekommt man so hölzern und lustlos agierende Schauspieler zu sehen, die sich aber andererseits mit ihren Leistungen nahtlos dem unterdurchschnittlichen Gesamteindruck anpassen, den dieses Werk beim Betrachter hinterlässt. Als wenn das alles noch nicht genug wäre, offenbart sich auch noch ein vollkommen an den Haaren herbeigezogenes Ende, das einen nun erst recht mit einem absolut unbefriedigendem Eindruck zurücklässt und irgendwie ärgert man sich auch ein wenig darüber, das man einmal mehr kostbare Lebenszeit mit einem Film vergeudet hat, der diese keinesfalls wert war.

Letztendlich bürgt der Name Troma also längst nicht nur für wunderbar unterhaltsamen Trash, den ich in vorliegendem Fall eigentlich erwartet hatte. Stattdessen präsentiert sich ein in allen Belangen nichtssagendes Filmchen, das keinerlei nachhaltigen Eindruck zurücklässt. Dann lieber zum unzähligsten male den "Toxic Avenger" schauen, denn beim absoluten Aushängeschild von Troma weiß man wenigstens, das man extrem kurzweilige Unterhaltung geboten bekommt, die man sich auch sehr gern mehrmals anschauen kann.


Fazit:


"Satan's Dog" kann nicht annähernd das halten, was man sich durch die Inhaltsangabe eventuell von diesem Werk verspricht. Statt einer gelungenen Mischung aus Horror-und Thriller offenbart sich ein streckenweise schon recht langatmiges Filmchen, dessen Stärken einzig und allein in der hübschen Hartbox liegen, in die das Produkt verpackt ist. Ansonsten aber sollte man mit ganz geringen Erwartungen an den Film herangehen und selbst diese könnten vielleicht noch unterschritten werden.


3/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 29. Aug 2013, 11:04
von horror1966
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Men behind the Sun 2: Laboratory of the Devil
(Hak taai yeung 731 chuk chap ji saai yan gung chong)
mit Gong Chu, Yuen-Ching Leung, Wan Ying Ying
Regie: Godfrey Ho
Drehbuch: keine Information
Kamera: keine Information
Musik: keine Information
ungeprüft
Hongkong / 1992

1945, während des 2. Weltkrieges schließt sich der idealistische Arzt Morishima der geheimen Einheit 731 der japanischen Armee an, um Sieg und Ehre für sein Heimatland zu erringen. Dort ist Morishima jedoch schnell desillusioniert und zugleich schockiert, als er erkennen muss, dass unvorstellbar grausame menschliche Experimente an Kriegsgefangenen aus Russland und China durchgeführt werden. Morishimas Verlobte Chikida versucht indessen, Kontakt mit ihm aufzunehmen, wobei grundsätzlich aber jegliche Kontakte mit Mitgliedern des Camps 731 strikt untersagt sind. Völlig verzweifelt schleust sich Chikida daraufhin als chinesische Gefangene getarnt ins Camp ein, und kann ihren Verlobten im Dienst wiedersehen. Gelingt es Morishima nun, sie jetzt noch vor den grauenhaften Experimenten zu retten?


Die berüchtigte "Men behind the Sun" Film-Reihe zählt wohl ganz eindeutig zu denen, die den Zuschauer in erster Linie schockieren sollen und dieser Aspekt kommt auch in diesem zweiten Teil mehr als eindringlich zum Ausdruck. Im Prinzip bietet dieser Film gegenüber dem Vorgänger nicht wirklich viel Neues, denn im Prinzip wird die gleiche Geschichte mit einigen Abänderungen noch einmal erzählt. Zu Beginn bekommt der Zuschauer dabei ein Treffen der Wissenschaftler kurz nach dem Ende des Krieges gezeigt, die sich dann über die Ereignisse im berüchtigten Lager 731 unterhalten. Dabei dreht sich einmal mehr alles um die furchtbaren Experimente an Menschen, um eine wirksame bakteriologische Waffe zu finden, die den Feind möglichst schnell töten soll. Regisseur Godfrey Ho legt das Hauptaugenmerk dabei einmal mehr auf die Grausamkeit der Japaner, die hier als emotionslose Bestien dargestellt werden, denen das Leben anderer Menschen scheinbar vollkommen egal ist. Dieser Punkt wird wie schon im Vorgänger dadurch unterstrichen, das die Opfer nicht als Menschen, sondern abwertend als "Baumstämme" bezeichnet werden. In wie weit die erzählte Geschichte und auch das Verhalten der japanischen Wissenschaftler hier als glaubwürdig bezeichnet werden kann mag ich nicht zu beurteilen, aber das Geschehen hinterlässt auf jeden Fall einen absolut bitteren Beigeschmack, den man auch so schnell nicht wieder los wird. Das hier in einem Neben-Erzählstrang auch noch die Geschichte des Arztes Morishima erzählt wird fällt im Prinzip weniger ins Gewicht, ist der Fokus doch ganz eindeutig auf diverse Ekel-Passagen gerichtet.

Und so bekommt man dann auch etliche Szenen geboten bei denen sich der eigene Magen umdrehen möchte. Was hier für grausame Experimente an Menschen vorgenommen werden kann man kaum in Worte fassen, doch am schlimmsten trifft einen dabei die Eiseskälte der Täter, die ihre Handlungen als durchaus gerechtfertigt ansehen, da sie ihre Rasse auch über alle anderen stellen. Diese Arroganz tritt immer wieder ganz hervorragend in den Vordergrund und lässt beim Betrachter gleichzeitig eine unbändige Wut aufkommen. Nur zu gern würde man an dieser Stelle einen Rollentausch vornehmen und die Täter zu den Opfern ihrer eigenen Handlungen machen, damit sie die Verzweiflung und Schmerzen der sogenannten "Baumstämme" am eigenen Leib erfahren.

"Men behind the Sun 2" ist sicherlich kein Film, den man einfach als gut oder schlecht einstufen kann, handelt es sich doch definitiv um ein Werk, das man sich ganz bestimmt nicht mehrmals anschauen muss. Andererseits stimmt die Geschichte aber auch extrem nachdenklich und bietet einen äußerst tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele. Man möchte eigentlich gar nicht glauben, das man die hier gezeigten Dinge einem menschlichen Wesen antun kann und wenn man dann noch sieht mit welcher Selbstverständlichkeit die Opfer als Laborratten gebraucht werden, versetzt einem das Szenario einen derben Tiefschlag in die Magengrube. Obwohl der Film in Sachen visueller Härte eine Menge zu bieten hat, empfand ich persönlich die psychische Wirkung als weitaus schlimmer. Versetzt man sich einmal in die Lage der Opfer, dann verspürt man eine Beklemmung, die an Intensität nur schwerlich zu überbieten ist. Man kann das aber auch auf das gesamte Szenario beziehen, denn die Intensität des Gezeigten nimmt extreme Ausmaße an, so das einem die Ereignisse wirklich unter die Haut gehen und zudem äußerst nachhaltig im Gedächtnis hängen bleiben.

"Men behind the Sun 2" ist ebenso schockierend wie sein Vorgänger, dennoch hat mir der erste Teil etwas besser gefallen. Beinhaltet dieser doch eine teilweise dokumentarische Beinote, die das Ganze noch härter und glaubwürdiger erscheinen lässt. Zudem ist es ein kleiner Nachteil, das im Prinzip die gleiche Geschichte mit diversen Änderungen erzählt wird, so das man kaum etwas Neues entdecken kann. Ich kann es durchaus verstehen das es etliche Leute gibt, die nach dem Sinn solcher Filme fragen, die doch in der Hauptsache ausschließlich darauf ausgelegt sind zu schockieren, doch ist es auf jeden Fall interessant, die Schrecken eines Krieges auch einmal aus einer vollkommen anderen Sichtweise zu sehen. Zum einmaligen Ansehen geeignet handelt es sich aber um ein Werk, das man sich nicht unbedingt mehrmals ansehen muss, da es sich keinesfalls um unterhaltsame Filmkost handelt.


Fazit:


Die Geringschätzung gegenüber menschlichem Leben ist wohl der zentrale Kernpunkt der "Men behind the Sun" Film-Reihe und dieser Aspekt wird auch in vorliegendem Teil wieder sehr eindrucksvoll herausgearbeitet. Als "Baumstämme" bezeichnet müssen etliche Personen die schlimmsten Versuche über sich ergehen lassen und werden dabei schlimmer behandelt als Labortiere. Sicherlich treffen diese Werke längst nicht jeden Geschmack, was auch durchaus nachvollziehbar ist. Einen Blick riskieren sollte man aber schon, denn der tiefe Einblick in die Abgründe der menschlichen Natur verursacht auf jeden Fall eine Gänsehaut und stimmt einen selbst sehr nachdenklich.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Fr 30. Aug 2013, 16:37
von horror1966
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Scar 3D
(Scar)
mit Angela Bettis, Kirby Bliss Blanton, Ben Cotton, Devon Graye, Al Sapienza, Monika MarLee, Tegan Moss, Brittney Wilson, Bill Baksa, Carey Feehan, Kristin Kowalski, Brandon Jay McLaren, Christopher Titus
Regie: Jed Weintrob
Drehbuch: Zack Ford
Kamera: Toshiaki Ozawa
Musik: Roger Neill
ungeprüft
USA / 2007

Joan Burrows (Angela Bettis) geriet als Teenagerin in die Fänge des Psychopathen Bishop (Ben Cotton). Dieser gab seinen Opfern die perfide Wahl, entweder selbst zu Tode gefoltert zu werden oder dem Mord an einem weiteren Gefangenen zuzustimmen. Joan konnte sich damals befreien und tötete Bishop. Seine Mordserie schien damit beendet und Joan wurde zu einer Lokal-Heldin. Verwunden hat sie dieses Trauma jedoch nie. 16 Jahre nach ihrer Tortur kehrt Joan nach Ovid zurück, um dabei zu sein, wenn ihre Nichte Olympia (Kirby Bliss Blanton) zur „Prom Queen“ gekürt wird. Kurz nach ihrer Ankunft beginnt erneut eine Serie von grausamen Morden. Wieder sind Teenager die Opfer, vor allem Freunde von Joans Nichte werden wahllos verschleppt und getötet. Zurück bleiben jeweils verstümmelte Leichen. Joans erster Gedanke gilt Bishop, von dem sie glaubt, er sei wieder zurück. Als schließlich Olympia verschwindet, ergreift sie die Initiative und macht sich persönlich auf die Suche nach dem Mörder. Aber die Polizei verdächtigt zunächst Joan selbst und verhaftet sie. Doch die um das Schicksal ihrer Nichte besorgte Joan kann aus dem Gefängnis fliehen und setzt nun alles daran, Olympia zu retten und die Schatten ihrer Vergangenheit hinter sich zu lassen.


Ehrlich gesagt bin ich ein wenig überrascht, das diese Slasher-Variante doch in der Hauptsache eher negative Kritiken nach sich zieht, offenbart sich dem Zuschauer doch ein durchgehend sehr spannendes Szenario, das zudem auch noch äußerst atmosphärisch in Szene gesetzt wurde. Zugegeben, neue oder gar innovative Ansätze bietet das Werk von Regisseur Jed Weintrob zwar nicht, dafür wurden jedoch altbewährte Zutaten gut miteinander vermischt und ergeben ein durchaus kurzweiliges Horror-Erlebnis, das sich auf jeden Fall sehen lassen kann. Wäre dieser Film vor einigen Jahrzehnten auf den Markt gekommen, hätte man ihm im Laufe der Zeit wahrscheinlich den Kult-Status verliehen, doch in der heutigen Zeit handelt es sich eben lediglich um einen Slasher, dessen Thematik in den letzten Jahren schon unzählige Male verfilmt wurde. Dennoch präsentiert sich eine sehr interessante Geschichte, in der die Hauptfigur Joan vor etlichen Jahren einen brutalem Serienkiller entkommen konnte, um 16 Jahre später wieder in ihre Heimat zurückzukehren, die selbstverständlich die alten Erinnerungen wieder hervorruft. Doch damit nicht genug, es entsteht eine Art Deja Vu Erlebnis, denn wieder verschwinden Jugendliche, die später grausam zugerichtet tot aufgefunden werden. Weintrob lässt in seinem Szenario Vergangenheit und Gegenwart ineinander fließen und präsentiert dem Betrachter immer wieder Rückblenden, die einem die damaligen Geschehnisse in allen Einzelheiten näher bringen.

In Kombination mit den gegenwärtigen Ereignissen spielt sich so eine Story ab, die zwar nicht unbedingt überraschend erscheint, aber doch eine gehörige Menge an Spannungs-Potential beinhaltet, das in meinen Augen auch äußerst gut ausgeschöpft wird. Hinzu kommt ein nicht zu verachtender psychischer Effekt, der insbesondere in den Rückblenden immer wieder zum Vorschein kommt. Versetzt man sich nämlich einmal in die Lage der Opfer, dann nimmt einen das perfide-und sadistische Katz-und Mausspiel doch ziemlich mit, das der Killer mit seinen Gefangenen spielt. Mit diesen möchte man keinesfalls tauschen und mehr als einmal stellt man sich die Frage, wie man sich selbst in der gegebenen Situation verhalten würde. Das Ganze beinhaltet zugegebenermaßen so ziemlich jedes Klischee das man aus dieser Art von Filmen her kennt, doch muss dieser Aspekt denn zwingend zu negativer Kritik führen? Eigentlich nicht, denn auch wenn "Scar 3D" kein Ausbund von Innovation ist, bietet das Werk gut 80 Minuten sehr solide Horror-Kost, die zudem auch phasenweise recht derbe-und blutig in Szene gesetzt wurde. Dabei sprengt die Chose aber zu keiner Zeit den erträglichen Rahmen und ehrlich gesagt hat mich die psychische Komponente der Geschichte weitaus mehr mitgenommen, als die teils blutigen Effekte.

Auch wenn hier von der ersten Minute an klar ist, das der damalige Täter nicht für die jetzigen Morde in Frage kommt, mindert das keinesfalls die aufkommende Spannung. Doch da Joan die Ereignisse überlebt hat kann man sich denken, das ihr Peiniger nicht unbedingt gut davon gekommen ist. Es muss also einen neuen Verantwortlichen für die gegenwärtigen Morde geben, so das man sich ganz automatisch auf die Suche nach der Identität und den Motiven begibt. Nachdem gut 15 Minuten vor dem Ende die Identität des Mörders aufgedeckt wird ist man nicht wirklich überrascht, denn kleinere Indizien innerhalb der Geschichte haben Genre-Kenner sicherlich auf die richtige Spur gebracht. Auch die von ihm geäußerten Motive stellen keine sonderliche Überraschung dar und passen absolut typisch in die heutige Art des Slashers. Und ja, man hat die ganze Szenerie schon unzählige Male zu Gesicht bekommen, was natürlich ganz automatisch dafür sorgt, das beim Zuschauer kein echter Aha-Effekt aufkommen kann, aber trotzdem handelt es sich um eine grundsolide Story, die durchaus eine Menge Stärken vorzuweisen hat. Dazu zählt bestimmt die gelungene Grundstimmung, denn Weintrob ist es gelungen, dem Betrachter in etlichen Passagen einen gepflegten Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Die dreckigen-und siffigen "Arbeitsplätze der beiden Killer tun ihr Übriges, damit phasenweise eine sehr bedrückende Atmosphäre entsteht, der man sich schwerlich entziehen kann.

Im Endeffekt ist "Scar" sicherlich kein filmisches Meisterwerk und bietet auch keinerlei innovative Ideen. Dafür präsentiert sich aber ein Gesamtpaket, das man ohne Weiteres als gelungen bezeichnen kann. Natürlich wäre es lobenswert gewesen, wenn man der Story einige neue Impulse verliehen hätte, doch auch in vorliegender Form ist der Film absolut sehenswert und bietet keinerlei Grund für teils vernichtende Kritik, die meiner persönlichen Meinung nach größtenteils zu Unrecht erfolgt. Doch wie immer liegt das in der Sichtweise des jeweiligen Betrachters, denn nicht jedem erscheint es ausreichend, eine gut inszenierte Story mit altbekannten Zutaten vorgesetzt zu bekommen.


Fazit:


Wer Neues sehen möchte sollte die Finger von "Scar" lassen, denn das wird einem hier nicht geboten. Für Freunde des blutigen-und atmosphärischen Slashers wird jedoch eine ganze Menge geboten und insbesondere für Neueinsteiger in das Genre kann man eine absolute Empfehlung aussprechen.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 2. Sep 2013, 11:28
von horror1966
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Singapore Sling
(Singapore Sling)
mit Meredyth Herold, Panos Thanassoulis, Michele Valley
Regie: Nikos Nikolaidis
Drehbuch: Nikos Nikolaidis
Kamera: Aris Stavrou
Musik: keine Information
keine Jugendfreigabe
Griechenland / 1990

Er nennt sich Singapore Sling, einer dieser Typen, die ständig hoffnungslosen Fällen hinterherjagen, Fällen, die Frauennamen tragen und nirgendwohin führen. Seiner heißt Laura. Es ist Jahre her, dass er sie das letzte Mal gesehen hat. Obwohl er vermutet, dass das Mädchen schon lange tot ist, kann er nicht aufhören, nach ihr zu suchen. Eines Nachts erreicht er das Haus, verwundet und am Ende seiner Kräfte. Er hat nichts mehr zu verlieren. Es regnet. In der Dunkelheit stehen zwei Frauen um ein offenes Grab im Garten. Heute Nacht wird jemand sterben…


Das Label Bildstörung zeichnet sich ja gerade dadurch aus, das es außergewöhnliche Filme veröffentlicht. Die neueste VÖ "Singapore Sling" nimmt jedoch in der Reihe der bisher erschienenen Drop Outs noch einmal eine absolute Sonderstellung ein, denn eine Geschichte in der hier dargestellten Form gibt es wohl kein zweites Mal. Dabei fällt es wirklich nicht leicht, das Ausnahmewerk des griechischen Regisseurs Nikos Nikolaidis fair und objektiv zu bewerten, denn das Szenario wird die Meinungen ganz sicher extrem spalten. Wohl selten kommt es so sehr auf den persönlichen Geschmack des jeweiligen Betrachters an, denn die gezeigten Bilder rufen die unterschiedlichsten Gefühle in einem hervor. Rein optisch gesehen ist der Film ein absolutes Meisterwerk, die gediegene schwarz/weiß Inszenierung erinnert an den Film noir und das ist auch vollkommen beabsichtigt, stellt "Singapore Sling" doch eine Hommage an den 1944 erschienenen Film "Laura" von Otto Preminger dar. Der Film von Nikolaidis präsentiert dem Zuschauer jedoch eine Geschichte, die von der ersten Minute an ein bildgewaltiges Verwirrspiel darstellt, das selbst am Ende noch genügend Spielraum für eigene Interpretationen lässt. Genau an diesem Punkt beinhaltet das Werk auch seine größte Stärke, denn was hier mit lediglich 3 Schauspielern wie ein beklemmendes Kammerspiel in Szene gesetzt wurde, ist schwerlich zu durchschauen und strahlt dadurch eine unglaubliche Faszination aus. Man kann sich ehrlich gesagt nur sehr schwer einen Eindruck darüber verschaffen wie das Ganze zusammenhängt, wodurch ein extrem intensives Kopf-Kino in Gang gesetzt wird.

Dabei ist es insbesondere die äußerst beeindruckende Mischung aus Krimi, Sex, Folter-und stellenweise Komödie, die einen sehr nachhaltigen Eindruck beim Betrachter hinterlässt. Stellenweise tief-schwarzer Humor wechselt sich immer wieder mit teils ekligen Szenen ab, die einem den Magen umdrehen wollen. So kann man streckenweise nur äußerst schwer einen Sinn in den Ereignissen erkennen, ist aber definitiv nicht dazu in der Lage, seine Augen vom Geschehen abzuwenden. Zu sehr beeindruckt einen das Schauspiel der Darsteller, wobei die Rolle des Mannes durchaus zu vernachlässigen ist. Herausragend agiert hingegen Meredyth Herold in der Rolle der Tochter, denn ihre Performance ist einfach nur als brillant zu bezeichnen und trägt die gesamte Geschichte fast von allein. Wenn man sieht, wie vollkommen durchgeknallt die Darsteller agieren könnte man fast zu der Vermutung gelangen, das sie auch im realen Leben dem Wahnsinn nahe sind. Die Spielfreude und Autentizithät der Leistungen sind dermaßen intensiv, das man wie in einen magischen Bann gezogen wird, aus dem es kein Entrinnen gibt. Es fällt wirklich schwer diesen Film richtig einzuordnen, der wirklich jenseits jeglichen Mainstreams angesiedelt ist und ganz bestimmt nur eine bestimmte Zielgruppe ansprechen wird. Ist da einerseits die unglaubliche Faszination der beklemmenden schwarz/weiß Bilder und eine äußerst gelungene Kamera-Arbeit und auf der anderen Seite ein Szenario, das nur schwerlich einen wirklichen Sinn ergeben will.

Hinzu kommen diverse wirklich ekelerregende Passagen, die aber trotz ihrer fast schon schockierenden Wirkung einen immer ästhetischen Eindruck hinterlassen. "Singapore Sling" ist somit ein teils verstörendes Werk, das vollgestopft ist mit Gegensätzen. Man muss das Gesehene auch erst einmal wirklich verarbeiten und sacken lassen, hinterlässt die gesamte Chose doch einen mehr als verwirrenden Eindruck. Gleichzeitig muss man auch das extrem beklemmende Gefühl loswerden, das die Geschehnisse bei einem hinterlassen. Dazu passend erscheint auch der Aspekt, das man das Szenario mit einem anhaltenden Dauerregen ausgestattet hat, was für die nötige Schwermut und Tristesse sorgt, um einen in die richtige Stimmung zu versetzen. Diese braucht man nämlich unbedingt, denn ansonsten fällt es eventuell wirklich schwer, die knapp 2 Stunden Laufzeit durchzuhalten. Diesen Film darf man keinesfalls mal so nebenbei laufen lassen, zudem sollte man sich schon im Vorfeld darauf einstellen, das eine Art filmisches Experiment auf einen zukommt, das man auf keinen Fall mit den ansonsten üblichen Maßstäben messen sollte, denn diese sind in vorliegendem Fall keinesfalls anwendbar.

"Singapore Sling" ist definitiv alles andere als leichte Kost und setzt dem Betrachter auch wirklich zu. Selten ist es mir so schwer gefallen die richtigen Worte für die Beschreibung eines Filmes zu finden, der definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Jedoch sollte man fairerweise anmerken, das es sich in vorliegendem Fall wohl eher um ein einmaliges Erlebnis handelt, jedenfalls könnte ich mir dieses streckenweise fast schon morbide Werk kein zweites Mal anschauen. Nikolaidis bedient hier die gesamte Gefühls-Palette des Zuschauers, zwischen absoluter Faszination und dem Gefühl angewidert zu sein bewegt man sich auf einem emotionalen Trip durch eine Geschichte, die man selbst gesehen haben muss, um die manigfaltigen Eindrücke zu spüren, die das Szenario hinterlässt. Und auch wenn ich selbst nie wieder zu der DVD greifen werde, kann ich die Veröffentlichung von Bildstörung nur wärmstens empfehlen, denn einmal mehr hat das Label ein Gesamtpaket geschnürt, das diesem grausam-schönen Film würdig ist. Freunde des außergewöhnlichen Filmes sollten definitiv zugreifen, aber von Beginn an wissen, das sie sich auf ein filmisches Experiment einlassen, das in vorliegender Form wohl absolut einzigartig sein dürfte.


Fazit:


Einmal mehr hat Bildstörung seinen Ruf eindrucksvoll untermauert, das man ganz spezielle-und auch einzigartige Werke veröffentlicht. Dabei sticht "Singapore Sling" in der Reihe der bisher veröffentlichten Werke noch einmal gesondert heraus, präsentiert sich doch eine Kombination, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Selten war die Bewertung eines Filmes so sehr vom persönlichen Geschmack des Betrachters abhängig wie in diesem Fall, denn dieses schockierende Werk wird die Meinungen sicherlich extrem spalten.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 4. Sep 2013, 17:16
von horror1966
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Eraser
(Eraser)
mit Arnold Schwarzenegger, James Caan, Vanessa Williams, James Coburn, Robert Pastorelli, James Cromwell, Danny Nucci, Andy Romano, Nick Chinlund, Michael Papajohn, Joe Viterelli, Mark Rolston, John Slattery
Regie: Chuck Russell
Drehbuch: Tony Puryear / Walon Green
Kamera: Adam Greenberg
Musik: Alan Silvestri
FSK 16
USA / 1996

Im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms löscht FBI-Agent John Kruger die bürgerliche Identität aussagewilliger Verbrecher. Seine neueste Klientin Lee Cullen ist Top-Managerin in einem Rüstungskonzern und hat eine brisante Waffenschmuggel-Affäre aufgedeckt, an der selbst höchste Regierungsbeamte beteiligt sind. Als der stellvertretende Verteidigungsminister den Befehl erteilt, die mißliebige Zeugin zu ermorden, beginnt eine gnadenlose Jagd. Cullens einziger Verbündeter ist John Kruger.


Arnold Schwarzenegger hat in seiner langen Karriere nun wirklich in etlichen erstklassigen Action-Filme mitgewirkt, von denen vorliegender "Eraser" eigentlich immer recht selten genannt wird wenn es darum geht, Arnies beste Werke aufzuzählen. Dabei hat Regisseur Chuck Russell hier ein absolutes Paradebeispiel für extrem kurzweilige Mainstream-Action abgelegt, das man sich auch nach gut 17 Jahren immer wieder gern anschaut. Der ehemalige Gouvernator läuft in diesem Werk zur absoluten Höchstform auf und bietet in der Rolle eines US-Marshalls des Zeugenprogrammes eine blendende Performance. Natürlich darf man dabei diverse Passagen nicht ganz für voll nehmen, denn in Sachen Action wird streckenweise recht dick aufgetragen. Die berühmte Fallschirm-Szene oder auch der Kampf mit Krokodilen im Zoo von L.A dienen an dieser Stelle lediglich als 2 Beispiele für teils stark überzogene Action, die jedoch äußerst unterhaltsam daher kommt. Zudem nimmt man Arnie diese Situationen durchaus ab, werden sie doch zudem mit einer gehörigen Prise Humor versehen, die das Ganze noch weitaus ansehnlicher gestaltet und den Zuschauer mit jeder Menge Kurzweil belohnt.

Doch auch die Geschichte an sich erscheint ziemlich rund, der dramaturgische Spannungsaufbau kann sich jederzeit sehen lassen und sorgt dafür, das erst gar keine Chance für eventuelle Langeweile entsteht. Mit Sängerin Vanessa Williams hat man dem Action-Helden zudem eine Partnerin an die Seite gestellt, die nicht nur durch ihr hübsches Äußeres ins Auge fällt, denn die gute Frau meistert ihren Abstecher in die Filmwelt mit einer Menge Bravour und kann durchgehend überzeugen. Natürlich ist der "Terminator" einmal mehr fast ausschließlich auf sich selbst angewiesen, doch selbst gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen Gegner erscheint es phasenweise fast schon spielerisch, wie Arnie seine Gegner ausschaltet. Das gesamte Szenario wurde dabei äußerst temporeich und rasant in Szene gesetzt, so das sich auch während der gesamten Laufzeit kaum einmal Möglichkeiten ergeben, um ein wenig durchzuschnaufen.

So wie hier dargestellt muß ein kurzweiliger Actionfilm aussehen, dabei ist es dann auch vollkommen egal, ob das Geschehen besonders glaubwürdig erscheint oder nicht. Bei dieser Art von Film sollte man im Vorfeld eigentlich ganz genau wissen auf was man sich einlässt, so das ich diverse Nörgeleien einiger Leute im Bezug auf mangelnde Realität immer nicht so ganz nachvollziehen kann. Diese beziehen sich zumeist immer auf die Passagen des Filmes, die sich zum Ende hin auf den Docks von Baltimore abspielen und in denen es so richtig zur Sache geht. Da wird mit sagenhaften High Tech Waffen um sich geballert was das Zeug hält und insbesondere in diesen Einstellungen fühlt sich Arnie bekannterweise extrem wohl. Einige markige Sprüche, diverse schwerere Verletzungen und jede Menge Selbstüberwindung kommen dann vermehrt zum Vorschein und runden einen nahezu perfekten Actioner ab, der in Sachen Kurzweil schwerlich zu überbieten ist und zudem jede Menge Laune macht.


Und so zählt "Eraser" sicherlich nicht nur für mich persönlich zu Schwarzeneggers absolut besten Filmen, auch wenn dieses Werk in diesem Zusammenhang doch eher selten genannt wird. Überzogene Passagen, eine äußerst spannende Story, sehr gut agierende Darsteller und eine Menge Humor ergeben hier ein Gesamtbild, das man im Prinzip nur als sehr gut einordnen kann. Der Gouvernator ist in einer seiner etlichen Paraderollen zu sehen und mimt einmal mehr den unerschrockenen Einzelkämpfer, der auch vor Gegnern aus den eigenen reihen nicht zurückschreckt, um der Gerechtigkeit letztendlich zum Sieg zu verhelfen..


Fazit:


Ein blendend aufgelegter Arnie ist ganz bestimmt das Aushängeschild dieses Filmes, der jedoch auch in allen anderen Belangen restlos überzeugen kann. Ein Feuerwerk an Action und guter Laune vertreibt dem Betrachter hier die knapp 2 Stunden Laufzeit, die fast wie im Flug vergehen.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 4. Sep 2013, 18:08
von horror1966
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Barbarella
(Barbarella)
mit Jane Fonda, John Phillip Law, Anita Pallenberg, Milo O'Shea, Marcel Marceau, Claude Dauphin, Véronique Vendell, Giancarlo Cobelli, Serge Marquand, Nino Musco, Franco Gulà, Catherine Chevallier, Marie Therese Chevallier
Regie: Roger Vadim
Drehbuch: Jean-Claude Forest / Terry Southern
Kamera: Claude Renoir
Musik: Charles Fox
FSK 16
Frankreich / Italien / 1968

Wir schreiben das Jahr 40000, und Geheimagentin Barbarella steht vor ihrem schwierigsten Auftrag: Sie soll den kriminellen Wissenschaftler Durand Durand daran hindern, für die gefürchtete Schwarze Königin eine vernichtende Geheimwaffe zu entwickeln. Auf der Suche nach Durand gerät Barbarella in allerhand erotische Abenteuer, muss des öfteren um ihr Leben fürchten und steht schließlich der Schwarzen Königin persönlich zum Duell gegenüber.


Vom absoluten Kultfilm bis zum totalen Schund hat dieser wunderbare Klassiker aus den späten 60er Jahren wohl schon jede Beschreibung erfahren, wobei die Mehrzahl der Zuschauer auch heute noch ihre wahre Freude an diesem herrlich überzogenen SCI/FI-Klassiker haben, den man allerdings alles andere als ernst nehmen sollte. Auf einer französischen Comic-Vorlage basierend brachte Regisseur Roger Vadim die Heldin Barbarella 1968 auf in die Kinos, so das die naive-aber extrem hübsche Amazone ihren gefeierten Siegeszug starten konnte. In der Hauptrolle ist die noch junge und bildhübsche Jane Fonda zu sehen, die in der Rolle der Geheimagentin eine absolut blendende Leistung an den Tag legt, denn besser als sie hätte man den charmant-naiven Charakter Barbarella's kaum darstellen können. Doch nicht nur Fonda's sehenswertes Äußeres dient hier als Hingucker, ist doch das gesamte Szenario unglaublich bunt-und grell gestaltet, das es einen phasenweise fast schon in den Augen schmerzt. Bei einem damaligen Budget von geschätzten 9.000.000 $ stellt man sich des Öfteren die Frage, wofür das ganze Geld eigentlich ausgegeben wurde, erscheinen einem die Kulissen doch äußerst primitiv und naiv dargestellt, wobei das natürlich vollkommen beabsichtigt ist. Die extrem künstlich wirkenden Locations verleihen der Geschichte etwas absolut Einzigartiges, zudem beinhalten sie einen hohen Wiedererkennungswert, was übrigens auf die gesamte Produktion zutrifft, die einen absolut bleibenden Eindruck im Gedächtnis des Betrachters hinterlässt.

Über die Geschichte an sich braucht man keine weiteren Worte verlieren, selbst die knappe Inhaltsangabe gestaltet sich hierbei viel ausführlicher, als es die Story im Endeffekt hergibt. Die Inhalte des teils skurrilen Geschehens kann man jedoch auch getrost vernachlässigen, sind sie doch für den Unterhaltungswert dieses wunderbar trashigen Früh-Produktes keinesfalls ausschlaggebend. Viel mehr erfreut man sich am naiven Haupt-Charakter, an etlichen sexuellen Anspielungen, seltsamen Sprachen und irrwitzigen Figuren wie am unvergleichlichen Charme, den dieser Film auch in der heutigen Zeit immer noch ausstrahlt, was ihn fast schon zwangsweise in die Kategorie der Klassiker einordnen lässt. Da nimmt man es auch gern in Kauf, das die jeweiligen Geschehnisse im Prinzip vollkommen hanebüchen daher kommen und die Story schon gar keine inhaltliche Tiefe erkennen lässt.

Ich persönlich fühle mich bei "Barbarella" sogar immer ein wenig an "Flesh Gordon" erinnert, der in einer ähnlichen Trash-Granate 1972 die Galaxie unsicher machte. Natürlich sollte man hier keinesfalls einen direkten Vergleich anstellen, doch in irgendeiner Weise lassen sich schon diverse Parallelen erkennen. Der vorhandene Humor in "Barbarella" ist gerade aus heutiger Sicht etwas gewöhnungsbedürftig und mag auf manch einen eventuell ein wenig altbacken oder gar albern wirken. Hier sollte man jedoch keinesfalls den Zeitfaktor außer acht lassen, denn immerhin hat das Filmchen schon fast ein halbes Jahrhundert auf dem Rücken und trifft vor allem den Zeitgeist der damaligen Ära. Doch genau deswegen funktioniert diese herrlich abstruse Geschichte auch heute noch ganz hervorragend, denn der vorhandene Nostalgie-Faktor ist an dieser Stelle auf keinen Fall zu unterschätzen.

Ganz egal wie man zu diesem teils grotesk anmutenden Werk steht, "Barbarella" ist ein Film, der jung und alt begeistert. Nicht umsonst hat sich die bunte Geschichte in den vergangenen Jahrzehnten einen vollkommen verdienten Kultstatus erarbeitet, an dem auch in der heutigen Zeit nicht gekratzt werden kann. Eine blendend agierende Jane Fonda und ein wunderbar überzeichnetes Szenario bringen dem Betrachter eine grell-bunte und total hanebüchene Story näher, bei der gute Unterhaltung auf jeden Fall garantiert ist.


Fazit:


Roger Vadim hat hier eine Hommage an die Comic-Vorlage ins Bild gesetzt, an der man auch nach mehrmaliger Sichtung immer wieder seine helle Freude hat. Es macht einfach nur eine Menge Spaß, die hübsche "Barbarella" auf ihrer obskuren Mission zu begleiten, die auch für sie selbst so einige Überraschungen parat hat.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 4. Sep 2013, 19:55
von horror1966
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Maximum Risk
(Maximum Risk)
mit Jean-Claude Van Damme, Natasha Henstridge, Jean-Hugues Anglade, Zach Grenier, Paul Ben-Victor, Frank Senger, Stefanos Miltsakakis, Frank Van Keeken, David Hemblen, Stéphane Audran, Dan Moran
Regie: Ringo Lam
Drehbuch: Larry Ferguson
Kamera: Alexander Gruszynski
Musik: Robert Folk
FSK 18
USA / 1996

Inspektor Alain Moreau von der Mordkommission in Nizza wusste nie, daß er einen Zwillingsbruder hat - bis er eines Tages vor einem Toten namens Mikhail steht, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht. Moreau weiß, er kann das Geheimnis Mikhails nur erkunden, indem er in dessen Haut schlüpft. Die Spur führt über Paris nach New York, mitten hinein in die höchsten Kreise der Russen-Mafia. Am eigenen Leib muß Moreau nun erfahren, daß sein Bruder mächtige Feinde hatte, mit denen er ein lebensgefährliches Spiel trieb...


"Maximum Risk" zählt zu immerhin 3 Filmen (Geballte Ladung, Replicant), in denen der Belgier Jean-Claude Van Damme in einer Doppelrolle zu sehen ist. Und auch wenn diese in vorliegendem Fall eher klein ausfällt, birgt sie doch gleich zu Beginn des Geschehens genügend Potential, um den Zuschauer auf die folgenden Ereignisse neugierig zu machen. Regisseur Ringo Lam (In Hell, Triangle) hat hier eine Geschichte ins Bild gesetzt die zwar nicht so sehr mit Action überladen ist wie einige andere Werke des Belgiers, doch gerade dieser Aspekt kommt dem Szenario extrem zu Gute. Entwickelt sich doch von der ersten Minute an eine Story mit sehr viel Spannung und immer wieder eingestreuten Action-Passagen, die ziemlich gut über die gesamte Laufzeit verteilt sind. Vielleicht vermisst manch einer die ansonsten im Überfluss vorhandenen Nahkämpfe, denn diese sind eher etwas spärlich gesät, dafür ist es aber die Gesamt-Komposition, die durchgehend zu überzeugen weiß.

Um mehr über seinen Zwillingsbruder zu erfahren, begibt sich Polizist Moreau dabei in die Welt des Verbrechens und wird dort in New York mit der Russen-Mafia konfrontiert, die ihm von nun an auf den Fersen ist. Es entwickelt sich eine gnadenlose Hetzjagd, die ihren finalen Showdown im französischen Nizza erfährt. Voller Tempo und mit etlichen gelungenen Stunts garniert entwickelt die Geschichte dabei ihre ganz eigene Dynamik und liefert dem Zuschauer auch vom Inhalt her gesehen einige interessante Ansätze. Es handelt sich nämlich keineswegs um einen der ansonsten üblichen Klopper-Filme, Ringo Lam hat seinem Werk auch durchaus qualitativ gut gelungene Passagen beigefügt, die einen insgesamt sehr guten Gesamteindruck entstehen lassen.

Auch für das Auge des männlichen Betrachters wird gut gesorgt, denn mit der bildhübschen Natasha Henstridge (Species) steht dem belgischen Muskelpaket eine der damals schönsten Darstellerinnen zur Seite, die zudem auch darstellerisch durchaus gelungene Kost anbietet. Auch bei Van Damme selbst ist meiner Meinung nach ein deutlicher Aufwärtstrend in Sachen Schauspiel zu beobachten, denn konnte die Action-Ikone bisher in ihren Werken fast ausschließlich durch das Fliegen seiner Fäuste und seiner Kampfkunst überzeugen, so kann man in vorliegendem Fall eine durchaus größere Ausdrucksstärke beobachten, die ansonsten nicht vorhanden war. Zwar wird der gute Mann wohl niemals zu einem Charakter-Darsteller aufsteigen, aber diverse Fortschritte sind hier auf jeden Fall zu erkennen. Das macht die ganze Chose umso interessanter, denn man bekommt endlich einmal eine Geschichte mit ihm präsentiert, die sich nicht einzig und allein durch ihre Action-Passagen definiert, sondern ein wenig mehr anbietet.

Letztendlich sind das für mich persönlich genügend Argumente, damit "Maximum Risk" einen weitaus höheren Stellenwert in Van Dammes Filmografie einnimmt, als manche Kritiken vermuten lassen. Zu oft wird dieses Werk viel zu niedrig bewertet und hat eigentlich nie die Aufmerksamkeit erhalten, die ihm aufgrund der vorhandenen Klasse auf jeden Fall zustehen müsste. Natürlich liegt das wie immer im Auge des Betrachters, aber man sollte diesen Film nicht zwangsläufig in die übliche Van Damme Schublade stecken, da er dort nicht hingehört. Vielmehr ist hier eine Story entstanden, die weitaus mehr zu bieten hat als die üblichen Prügeleien und die zudem auch inhaltlich so Einiges zu bieten hat.


Fazit:


Man kann Ringo Lam nur zu "Maximum Risk" gratulieren, denn endlich einmal bekommt der Zuschauer einen Film mit der belgischen Action-Ikone geboten, der sich nicht nur rein auf die vorhandene Action reduziert. Vielmehr offenbart sich ein durchgehend überzeugendes Gesamtpaket, das im Prinzip in allen Belangen überzeugen kann.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 5. Sep 2013, 15:22
von horror1966
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Tango & Cash
(Tango & Cash)
mit Sylvester Stallone, Kurt Russell, Teri Hatcher, Jack Palance, Brion James, James Hong, Marc Alaimo, Philip Tan, Michael J. Pollard, Robert Z'Dar, Lewis Arquette, Edward Bunker, Leslie Morris, Roy Brocksmith
Regie: Andrey Konchalovskiy / Albert Magnoli
Drehbuch: Randy Feldman
Kamera: Donald E. Thorin
Musik: Harold Faltermeyer
FSK 18
USA / 1989

Die L.A. Cops Tango und Cash haben in dem Gangsterboss Perret einen unversöhnlichen Feind. Anstatt sie umzubringen, läßt er die hochdekorierten Polizisten in eine raffinierte Falle laufen. Dem FBI erscheint es, als seien Tango und Cash korrupte Drogendealer und Mörder. Die beiden werden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und in die Hölle hinter Gittern geschickt. Hier warten einige Ganoven nur darauf, sich an den beiden Cops zu rächen. In einer dramatischen Aktion gelingt ihnen die Flucht. Mit Hilfe eines ausgeflippten Polizeitechnikers und einem hochgerüsteten Spezial-Truck stürmen Tango und Cash das Hauptquartier Perrets und können im letzten Moment auch Tangos Schwester befreien.


Die goldenen 80er Film-Jahre haben so manch eindrucksvollen Actionfilm herausgebracht und zudem einige wahre Ikonen hervorgebracht. Vorliegender "Tango & Cash" nimmt dabei schon fast eine kleine Ausnahmestellung ein, sind hier doch gleich 2 der zur damaligen Zeit angesagtesten Heroes im Einsatz. Und genau von diesem Aspekt zehrt die Geschichte dann auch ganz gewaltig, denn das Zusammenspiel von Sylvester Stallone und Kurt Russell ist absolut großartig, bekleiden die beiden doch die Rollen der beiden besten Cops aus L.A, die jedoch charakterlich nicht unterschiedlicher sein könnten. Während nämlich Ray Tango (Stallone) im edlen Beverly Hills seinen Dienst schiebt, ist Gabriel Cash (Russell in einer weniger feinen Gegend am Werk. Dennoch sind die beiden einem Schurken ein wirklicher Dorn im Auge, so das dieser einen perfiden Plan schmiedet, um die beiden aus dem Verkehr zu ziehen. So entwickelt sich hier von Beginn an eine äußerst unterhaltsame Geschichte, in der die Zutaten Action und Humor sehr ausgewogen verteilt sind. Nachdem der Zuschauer zu Beginn ein wenig über die Haupt-Charaktere erfährt dauert es nicht lange, bis es zum ersten Aufeinandertreffen kommt. Hier eröffnet sich dann auch sofort die humorige Seite des Filmes, denn das Zusammenspiel der beiden ist von brillantem Wortwitz und phasenweise skurriler Situationskomik durchzogen.

Markige Sprüche und erstklassige Dialoge zeichnen das Szenario aus, das aber zudem auch genügend Action-Passagen enthält, um den geneigten Genre-Fan jederzeit zufrieden zu stellen. Dabei geht es durchgehend sehr spannend und voller Tempo zur Sache, die 2 Super-Cops müssen außerdem so manch brenzlige Situation überstehen, um das gegen sie stattfindende Komplott aufzudecken, um ihren guten Ruf wieder herzustellen. Dabei wurde sorgsam darauf geachtet, das der Betrachter bestens unterhalten wird und das Ganze zudem immer mit einem Augenzwinkern betrachten kann. So merkt man auch äußerst schnell, das die gegenseitige Ablehnung untereinander eher vorgeschoben ist und durchaus eine Menge Sympathie vorhanden ist, die immer wieder durch Kleinigkeiten zum Ausdruck kommt. Die gegenseitigen Sticheleien der 2 Helden sind als das absolute Highlight eines Filmes auszumachen, der aber auch ansonsten mit etlichen Höhepunkten gesegnet ist. Für einen optischen Augenschmaus sorgt dabei die hübsche Teri Hatcher, die in der Rolle als Tango's Schwester zu sehen ist.

Als sie dann auch noch ein Auge auf Cash wirft kann man sich denken, das neuer Ärger unter den Männern vorprogrammiert ist, so das die Dialoge ab diesem Zeitpunkt noch einmal einen Qualitäts-Anstieg zu verzeichnen haben. Eher selten bekommt man eine Geschichte serviert, in der sich die Zutaten Action-und Komödie so sorgsam die Waage halten, denn zumeist tendiert die Mehrzahl der Action-Komödien zu sehr in eine Richtung, was hier jedoch definitiv nicht der Fall ist. So entsteht dann auch ein absolut grandioser Gesamteindruck, der "Tango & Cash" zu einem absolut zeitlosen Klassiker des Genres macht, den man sich auch in der heutigen Zeit immer wieder gut anschauen kann, ohne das Interesse an ihm zu verlieren. Zu gelungen ist die gefundene Mischung, als das irgendwann das Gefühl der Langeweile aufkommen könnte.


Letztendlich handelt es sich hier meiner Meinung nach auf das Genre bezogen um einen der mit Abstand besten Beiträge der 80er Jahre und das will bei diesem Jahrzehnt schon etwas heißen. Kaum ein anderes Werk hat so eine gelungene Kombination aus Action-und Humor zu bieten, die einen zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißt. Russell und Stallone liefern hier grandiose Performances ab und drücken der Geschichte so einen unverwechselbaren Stempel auf. Die Spielfreude ist den beiden Haudegen dabei in jeder einzelnen Einstellung anzumerken und sie scheinen ganz offensichtlich jede Menge Spaß daran zu haben, hier gemeinsam vor die Kamera zu treten. Kein Wunder also, das sich dieser Aspekt auch auf das gesamte Geschehen überträgt und auch vor dem Zuschauer nicht halt macht, der hier mit einem grandiosen Film-Erlebnis belohnt wird, das man sich gern immer wieder anschaut.


Fazit:


"Tango & Cash" ist immer noch ein absolut herausragender Genre-Beitrag und wird dies auch für alle Zeit bleiben. Eigentlich ist es sehr schade, das man Stallone und Russelll nicht öfter gemeinsam in einem Film gesehen hat, denn im Prinzip hätte dabei nur etwas Gutes herauskommen können. Wie dem aber auch sei, mit diesem Werk haben sich die beiden Darsteller meiner Meinung nach ein kleines Denkmal gesetzt, denn beste und kurzweilige Unterhaltung ist definitiv vorprogrammiert.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 8. Sep 2013, 16:16
von horror1966
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Der Blender - The Imposter
(The Imposter)
mit Adam O'Brian, Anna Ruben, Cathy Dresbach, Alan Teichman, Ivan Villanueva, Maria Jesus Hoyos, Anton Marti, Amparo Fontanet, Ken Appledorn, Carey Gibson, Bryan Gibson, Beverly Dollarhide, Frédéric Bourdin
Regie: Bart Layton
Drehbuch: keine Information
Kamera: Lynda Hall / Erik Wilson
Musik: Anne Nikitin
FSK 16
Großbritannien / 2012

Mitte der 90er Jahre verschwindet in San Antonio, Texas, spurlos der dreizehnjährige Nicholas Barclay. Seine Familie gibt die Hoffnung auf ein Wiedersehen nicht auf, organisiert Suchen, und erhält schließlich drei Jahre später eine gute Nachricht. Ihr Sohn wird im fernen Spanien aufgespürt, dort ist er eben erst mit knapper Not den Fängen eines Kindersexsklavenrings entkommen. Die Schwester reist nach Spanien, identifiziert ihren Bruder, und bringt ihn heim nach Texas. Die Medien sind begeistert, doch dann tauchen Zweifel auf.


Das Annehmen einer fremden Identität stellt man sich als Außenstehender recht schwierig vor, sind bei einer solchen Maßnahme doch unglaublich viele Kleinigkeiten zu beachten. Was einem jedoch die Dokumentation "Der Blender" präsentiert scheint so unglaublich, das sich der eigene Verstand phasenweise weigern will, das Gesehene wirklich zu glauben. In Szene gesetzt wie eine Pseudo-Dokumentation wird hier eine Geschichte erzählt, die auf einem wahren Fall beruht und Regisseur Bart Layton hat das Ganze dermaßen interessant-und packend in Szene gesetzt, das man von der ersten bis zur letzten Minute im Bann dieser unglaublichen Story gefangen ist. Dabei ist es in erster Linie die Erzähl-Struktur des Szenarios die für jede Menge Spannung sorgt, werden die Geschehnisse doch aus der Sicht des Serienhochstaplers Frederic Bourdin erzählt, der sich der Identität des vermissten Nicholas Barcley bedient und damit scheinbar jede Person täuschen kann. Besonders auffällig ist hierbei der Aspekt, das sich die beiden Personen rein Äußerlich vollkommen unterscheiden, zudem ist Bourdin auch noch einige Jahre älter als der 1994 verschwundene Nicholas.

Dennoch werden selbst die engsten Verwandten des vermissten Jungen getäuscht, wobei das Szenario hier ganz deutlich die Frage aufwirft, ob die Familie nicht sogar getäuscht werden will, da man lediglich froh darüber ist, den verlorenen Sohn wieder im Haus zu haben. Andererseits lässt das Geschehen aber auch durchaus die Möglichkeit zu das ein Verbrechen in der eigenen Familie vorliegt, gibt es doch etliche Andeutungen darüber, das eventuell ein Familienmitglied den kleinen Nicholas getötet hat. Beide Varianten erscheinen durchaus möglich und bis zum Ende erhält der Zuschauer auch keine wirkliche Antwort darauf, doch wenn man versucht sich einmal in die Lage der Betroffenen hineinzuversetzen, kann nur eine der beiden Möglichkeiten dafür verantwortlich sein, sich so offensichtlich bereitwillig täuschen zu lassen. Zugegebenermaßen hat Bourdin selbst alles in seiner Macht stehende getan um glaubhaft in seiner neuen Identität zu erscheinen, doch ohne die Hilfe Außenstehender wäre ihm das überhaupt nicht möglich gewesen. Damit meine ich ganz besonders die Hilfe seiner angeblichen Schwester, die ihm diverse Erinnerungen förmlich einbläut, damit er bei einer gerichtlichen Anhörung überhaupt etwas vorzuweisen hat.

Aus diesen Punkten bezieht das Werk eine ganz besondere Intensität und sorgt für eine kontinuierlich ansteigende Spannungskurve, der Zuschauer fühlt sich dabei immer mehr der Faszination der Ereignisse ausgeliefert, wobei die Ungläubigkeit über das Gesehene nie so ganz weichen will. Der eigene Verstand weigert sich ganz einfach zu akzeptieren, das bei so vielen ganz offensichtlichen Widersprüchen ein Mensch dazu in der Lage sein soll, nicht nur die eigene Familie, sondern auch sämtliche Behörden zu täuschen. Dennoch geschieht das bis zu einem gewissen Punkt, an dem die Ungereimtheiten Überhand nehmen und der Betrug aufgedeckt wird. Bart Layton hat hier eine exzellente Mischung aus Pseudo-Dokumentation und einer realen Geschichte gefunden und diese zudem mit echtem Archiv-Bildmaterial angereichert, so das sich letztendlich gut 90 Minuten lang eine unfassbare Geschichte offenbart, in der man die Thematik des Identität-Diebstahls nicht besser hätte umsetzen können. Der Betrachter wird dabei schon fast an die Grenzen zwischen Realität-und Fiktion herangeführt, denn auch wenn der Verstand das Gesehene vom rein logischen Aspekt her nicht glauben kann, so erscheint das Ganze doch aus der Sichtweise der Betroffenen vollkommen anders und bringt die emotionale Seite mit ins Spiel.

Von dieser aus gesehen vernachlässigt man gern einmal sämtliche Logik und schaltet den gesunden Menschenverstand aus, andererseits kann es aber auch eine Masche sein, um von einem eigenen Verbrechen abzulenken. Hieraus bezieht diese Dokumentation dann auch ihren ganz besonderen Reiz, denn da man auf diese Fragen keine wirkliche Antwort erhält, ist genügend Freiraum für eigene Vermutungen vorhanden. Wie dem aber auch sei, "Der Blender" ist eine der mit Abstand besten-und eindrucksvollsten Dokus, die ich bisher gesehen habe. Spannend und extrem intensiv wird man mit einem wahren Kriminalfall konfrontiert, der auf der einen Seite äußerst bizarr erscheint, auf der anderen Seite jedoch unwahrscheinlich glaubhaft erzählt wird. Auf jeden Fall aber bekommt man hier gut 90 Minuten lang beste Unterhaltung geboten, die einen größtenteils auch ziemlich nachdenklich stimmt und gleichzeitig ziemlich drastisch aufzeigt, wie leicht Menschen doch zu manipulieren sind, wenn tiefe Emotionen mit im Spiel sind.


Fazit:


"Der Blender" ist eine absolut überzeugende Dokumentation, die absolut brillant in Szene gesetzt wurde. Eine interessante Thematik jede Menge Gegensätze und eine großartige Erzähl-Struktur ergeben einen Gesamteindruck, den man letztendlich nur als herausragend bezeichnen kann. Spannender kann auch ein Krimi im Spielfilm-Format nicht gestaltet sein und Freunde niveauvoller Dokus sollten hier unbedingt zugreifen, es lohnt sich.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 8. Sep 2013, 18:28
von horror1966
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Tanz der Dämonen 2
(Slaughterhouse Rock)
mit Toni Basil, Nicholas Celozzi, Tom Reilly, Donna Denton, Hope Marie Carlton, Tammy Hyler, Steven Brian Smith, Ty Miller, Al Fleming, Michael J. Scherlis, Danny Somrack, Lenka Novak, Julie Rohde-Brown, Richard Hench
Regie: Dimitri Logothetis
Drehbuch: Dimitri Logothetis / Sandra Willard
Kamera: Nicholas Josef von Sternberg
Musik: Gerald V. Casale / Mark Mothersbaugh
ungeprüft
USA / 1988

Alex Gardner ist ein ganz normaler amerikanischer Teenager, besucht ein ganz normales amerikanisches College - doch seine Träume unterscheiden sich von denen eines normalen Amerikaners. Denn seine Schreckensvisionen nehmen Gestalt an und bedrohen sein Leben! Er wird von Wesen verfolgt, die aus dem Vorhof der Hölle kommen! Alex wendet sich an die Traumdeuterin Carolyn Harding, die herausfindet, dass das Grauen seinen Ursprung auf der berühmten Gefängnisinsel Alcatraz hat. Gemeinsam mit ihr, seinen Freunden und seinem Bruder Richard fährt Alex auf das düstere Eiland, um sich den blutrünstigen Dämonen zu stellen. Dort machen die finsteren Mächte Alex's Bruder zu einem der ihren und verwandeln ihn in ein mordendes Monster. Was folgt, ist ein schreckliches Massaker, bei dem einer nach dem anderen sein Leben lassen muss! Es gibt nur eine Möglichkeit, das Gemetzel zu beenden - Alex muss die eiskalte Welt der Toten durchqueren, um die Kreaturen zu besiegen.


Manchmal verhält es sich schon recht komisch mit den Dingen, denn obwohl dieses Werk von Dimitri Logothetis schon 1988 erschien, wird der Film im Arbeitstitel als "Tanz der Dämonen 2" geführt und das obwohl "Demon Wind (Tanz der Dämonen)" erst 1990 heraus kam. Ist aber im Prinzip auch vollkommen egal, da die beiden Filme sowieso nichts gemeinsam haben und 2 vollkommen voneinander unabhängige Geschichten erzählen. Der Begriff Geschichte erscheint bei der vorliegenden Rahmenhandlung allerdings ganz generell etwas befremdlich, denn die Handlung des Filmes passt auf einen halben Bierdeckel. Zudem stellt sich das Geschehen ehrlich gesagt auch phasenweise als ziemlich konfus dar, so das die größtenteils hanebüchenen Ereignisse nicht wirklich viel Sinn ergeben. Dazu fehlt es dem Szenario ganz einfach an echten Zusammenhängen, die ganze Chose scheint ziemlich an den Haaren herbeigezogen, so das sich stellenweise ein eher etwas wirres Filmchen ohne jegliche Höhepunkte offenbart. Das mag sicherlich in erster Linie am äußerst schwachen und löchrigen Drehbuch liegen, an das man ganz offensichtlich nicht viel Zeit verschwendet hat und so entwickelt sich dann auch lediglich ein maximal mittelmäßiges Filmchen ohne jeglichen Anspruch, das höchstens zur einmaligen Sichtung geeignet scheint und keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

Was sich in der Inhaltsangabe noch einigermaßen spannend anhört und Appetit auf einen typischen 80er Jahre Slasher macht, entpuppt sich schon nach einer verhältnismäßig kurzen Zeitspanne als eher lahmer Dämonen-Aufguss, in dem sich zu keiner Zeit ein wirklicher Spannungsaufbau erkennen lassen will. Viel mehr scheint der Regisseur gesteigerten Wert darauf zu legen, den Zuschauer mit einer übernatürlichen Note zu begeistern, doch dieser Versuch geht leider vollkommen nach hinten los. Lediglich die aufkommende Atmosphäre kann sich durchaus sehen lassen, denn die auf Alcatraz spielenden Passagen sind ziemlich düster in Szene gesetzt worden. Damit sind die Pluspunkte von "Slaughterhouse Rock" aber auch schon aufgezählt, denn mehr positive Argumente kann man nicht in die Waagschale werfen. Zu vorhersehbar sind sämtliche Abläufe, die zum Teil noch nicht einmal einen echten Sinn ergeben wollen. Am schlimmsten ist allerdings das dargebotene Schauspiel der Akteure, denn auch wenn man in einem Film dieser Machart sicherlich kein oscarreifes Schauspiel erwatet, sind Dinge wie Ausdruckskraft und Überzeugung doch ganz elementare Sachen, die jeder Darsteller beherrschen sollte.

Davon ist jedoch weit und breit nichts zu sehen, vielmehr erscheinen die Akteure durch die Bank extrem hölzern und in manchen Passagen kann man ihnen sogar jegliches Talent an ihrem Beruf absprechen. Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, übertreffen sich die Figuren auch noch in unlogischen-und kaum nachvollziehbaren Handlungsweisen. Sicher, aus Horrorfilmen ist man diesen Aspekt ja gewöhnt und irgendwie zeichnet das ja auch das Genre aus, was sich einem hier aber streckenweise offenbart, das geht auf keine Kuhhaut mehr und überschreitet die Grenzen des Erträglichen. Eigentlich ist das schade, denn ganz bestimmt wäre hier genügend Spielraum für ein weitaus besseres Gesamtbild gewesen, doch die Inszenierung von Dimitri Logothetis beinhaltet so viele Defizite, das man sie unmöglich alle aufzählen kann. So ist es für mich auch schwer nachvollziehbar, wie dieses doch recht billig wirkende Filmchen anscheinend ein Budget von 2.000.000 $ verschlungen haben soll, wo doch wirklich überhaupt nichts auf eine solch hohe Summe hindeutet. Und dann wäre da auch noch der ominöse Aspekt, das bis zum Erscheinen der DVD von Retrofilm bisher lediglich eine zensierte deutsche DVD erhältlich war, denn auch in der ungeschnittenen Version bietet das Werk kaum Nennenswertes, was auf diese Tatsache hindeuten würde.

Im Prinzip ist das aber auch alles vollkommen egal, denn "Tanz der Dämonen 2" ist ein eher schwacher Genre-Beitrag aus den späten 80er Jahren, den man sich zwar durchaus mal anschauen kann, der jedoch keinerlei nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt und schnell wieder in Vergessenheit gerät. Eine schlecht umgesetzte-und teilweise wenig sinnvolle Geschichte, kaum Spannung und jede Menge schlechtes Schauspiel sind nicht unbedingt dafür geeignet, diesem Film ein gutes Gesamtzeugnis zu attestieren. Da gibt es etliche weitaus besser gelungene Werke mit ähnlicher Thematik, zu denen ich jederzeit eher greifen würde, als das ich vorliegenden Film noch einmal in den DVD-Player lege.


Fazit:


Eine nett klingende Inhaltsangabe gibt längst nicht das Fiasko wieder, das "Slaughterhouse Rock" streckenweise beim Betrachter hinterlässt. Zu unausgegoren erscheint der Plot und die schlechten Darsteller tragen ihr Übriges dazu bei, das sich dieses Werk lediglich im unteren Durchschnitts-Bereich ansiedeln kann, wo es allerdings bestens aufgehoben ist.


4,5/10