Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Frankie Freako

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Conor ist zwar im Job erfolgreich und hat eine wunderbare Ehefrau namens Kristina, aber ansonsten ist sein Leben eher berechenbar und ohne Überraschungen. Das ändert sich eines Tages, als Kristina übers Wochenende wegfährt und er im Job wieder einmal den Vorwurf bekommt, spießig zu sein. Kurzerhand wählt er die Nummer einer Telefonhotline namens „Frankie Freako“ und holt sich so drei freakige kleine Gesellen ins Haus, die nicht nur sein Eigenheim, sondern auch sein Leben grundlegend auf den Kopf stellen. Nach einer Nacht voller Party brummt nicht nur der Schädel, auch die kleinen Freaks machen keine Anstalten Conors Haus wieder zu verlassen und als er mehr über das Leben der drei exzentrischen Freaks erfährt, beginnt erst recht das Abenteuer seines Lebens…

„Frankie Freako“ ist eine sympathische Verbeugung oder Hommage an Filme wie „Puppet Master“ oder auch „Garbage Pail Kids“ und im Grunde eine recht turbulente Angelegenheit mit viel Witz, überdrehten Blödsinn und dem Mut auch mal etwas zu schmoddern. Doch irgendwas scheint hier falsch gelaufen zu sein, da der Film zumindest bei mir nicht gezündet hat und stets auch etwas bemüht wirkt. Abgesehen von den Puppentricks und den lustigen Effekten ist die Geschichte und vor allem die sehr überschaubaren Figuren ziemlich mau und vor allem Conor als Hauptfigur war mir einfach viel zu unsympathisch, als das mich sein erwartbarer Weg vom Spießer zum Helden interessiert hätte. Auch die Chemie zwischen den menschlichen Figuren fand ich nicht so gut und vor allem am Anfang kommt der Film so überhaupt nicht richtig in die Gänge. Jedenfalls fand ich „Frankie Freako“ auch in der englischen Sprachfassung weit nicht so gut, wie ich es mir eigentlich erwartet hätte und ich finde auch, dass hier doch recht viel Potential liegen gelassen hat. Etwas mehr Fokus auf Storytelling statt auf Effekte hätte dem Streifen aus der Astron-6-Schmiede meines Erachtens jedenfalls nicht geschadet, auch wenn es sicherlich schön ist, dass so ein kleiner B-Streifen mit Puppen überhaupt existiert.

Schaurige Geschichten [Serie]

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02.png (201.38 KiB) 229 mal betrachtet
Nachdem ich die Serie nun durch und Zeuge von 13 wirklich sehr seltsam anmutenden Episoden geworden bin, kann ich behaupten, dass „Schaurige Geschichten“ dem Zuschauer wirklich schaurig schlechte Geschichten bietet. Am Anfang war ich ja noch etwas von der Spießigkeit der Geschichten begeistert und teilweise wirkt alles arg naiv präsentiert und man ist angesichts des Titels verwundert, dass hier nichts Übernatürliches, nichts Schauriges oder Sonstiges in Richtung Genre geht. Eher als hätte Fassbinder eine triste Teenie-Serie aus dem Arbeitermilieu gemacht. Ist man erst mal alle Folgen durch merkt man aber den gemeinsamen Nenner und der ist leider ziemlich konservativ ausgefallen. Alle Episoden handeln von jugendlichen Protagonisten, die das erste Mal auf eigenen Beinen stehen, der ersten Urlaub ohne Eltern machen oder sonst irgendwie etwas in Abwesenheit von Erziehungsberechtigten machen und sich dabei in Schwierigkeiten manövrieren. Zwar lösen sich alle Episoden harmlos auf, aber der moralische Zeigefinger ist hier omnipräsent, wenn es darum geht Jugendlichen die erste Selbständigkeit, den Urlaub, das Trampen oder einfach nur die Abenteuerlust zu vermiesen. Das steigert sich dann in einer Folge, in der zwei Jugendliche von einem alkoholisierten Mann bedroht, genötigt und eingesperrt werden und das trotz eindeutig strafrechtlicher Komponente mit einer Opfer/Täter-Umkehr einhergeht, die man heutzutage nur noch mit Verwunderung hinnehmen kann. „Schaurige Geschichten“ ist eine deutsch-schwedische Serie mit Zeit- und Lokalkolorit, die wirklich sehr schlecht gealtert ist und die man auch nur als Kuriosum sehen und durchstehen kann.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Cat Sick Blues

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01.png (184.05 KiB) 204 mal betrachtet
Haustiere und ihre Besitzer sind oft ein Kapitel für sich und wie bei richtigen Kindern ist das eigene Tier immer das Liebste, Netteste und Bravste, auch wenn sich das für Außenstehende nicht immer erschließt. Katzen und Hunde haben aber nun mal andere Lebenserwartungen als Menschen und irgendwann kommt wohl oder übel auch der Zeitpunkt, wo man von seinem Tier Abschied nehmen muss und doch überraschend sehr viele damit so gar nicht klarkommen. „Cat Sick Blues“ handelt von Menschen, die mit dem Tod des geliebten Tieres gar nicht mehr in die Spur finden und im Falle von Ted sogar dafür sorgt, dass dieser als Killer mit Katzenmaske und Katzenpenisattrappe junge Frauen durch die Gegend meuchelt. Klingt schräg und ist es auch, wenn hier ohne Rücksicht auf Verluste das volle Panoptikum seelischer und menschlicher Abgründe aufgefahren wird. „Cat Sick Blues“ ist dann auch irgendwo zwischen Psychogramm, Splatter und Experimentalhorror, dass auch sicherlich nicht für die breite Horrormasse konzipiert wurde. In jungen Jahren hätte ich diese Radikalität und Mut des Regisseurs vermutlich mehr abgefeiert, als heutzutage und so richtige Begeisterung hat „Cat Sick Blues“ nicht ausgelöst, auch wenn man Herrn Jackson sicher Respekt zollen muss, so ein Werk gegen – vermutlich – viele Widerstände zu realisieren. Herausgekommen ist ein sperriges Werk für aufgeschlossene ZuschauerInnen, dass aber wie auch beim werten Sergio vermutlich nicht nochmal so schnell im Player landen wird.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Bugie Rosse / The Final Scoop

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01.png (119.71 KiB) 182 mal betrachtet
Auf der Suche nach einer großen Story landet der mit der hübsch Adria verheiratete Journalist Marco in der Schwulenszene von Bologna, die seit einiger Zeit von Serienmorden erschüttert wird. Sein erster Besuch bei einem Mann, der sich als angesehener und ebenfalls verheirateter Professor entpuppt, endet jedoch ohne das etwas passiert und wenig später wird dieser auch ermordet aufgefunden. Marco gerät in Verdacht gerät und taucht weiter ab in die homosexuelle Subkultur und lernt dort auch Andrea kennen, der sich mit Prostitution in einem Nachtclub seinen Lebensunterhalt verdient. Das Interesse des Journalisten geht bald über ein journalistisches Maß hinaus und er und auch Adria entdeckt eine Seite an Marco, die er bislang verborgen hielt, ehe weitere Morde geschehen und das Leben aller Beteiligten auf den Kopf gestellt wird.

„Bugie Rosse“ entpuppt sich doch tatsächlich als schwuler-schwüler Giallo, der inhaltlich etwas an Friedkins „Cruising“ erinnert, da beide Protagonisten nach dem Abtauchen in die schwule Subkultur Seiten an sich entdecken, die bislang im Geheimen verborgen waren. Im Falle von Regisseur Pierfrancesco Campanella ist das aber nicht sonderlich explizit, auch wenn es viel nackt Haut zu betrachten gibt, für die sich jedoch eher die weiblichen Darsteller verantwortlich zeigen. Die Story über einen Killer im Schwulenmilieu wird auch eher nebenher abgehandelt und das Ende mangels potentieller Verdächtiger absehbar. Aber „Bugie Rosse“ macht irgendwie Laune, wenn hier die Anfänge des Online-Datings gezeigt werden, genauso wie das Cruising im Park oder der Besuch eines Sexkinos, der in sehr realen Bahnen verläuft. Auch beim Cast hat man sich nicht lumpen lassen und neben Tomas Aran, den ich erst letzten in „L.A. Confidential“ gesehen habe, geben sich hübsche Damen wie auch Alida Valli in einer kleinen Rolle die Ehre. Im ebenfalls mitgelieferten Interview mit dem Regisseur erzählt dieser auch von den Vorgaben, die den Charakter seines Films doch maßgeblich geändert haben, da die Welt im Jahre 1993 wohl noch nicht so wirklich mit einem schwulen "Happy-End" klargekommen wäre und man den Film natürlich auch kommerziell an ein breiteres Publikum vermarkten wollte, was in einem Finale mündet, dass auch etwas zum Schmunzeln animiert. Vielleicht ist „The Final Scoop“ mit all seinen Produzenten-Vorgaben Richtung Mainstream nicht mehr der Film, der er hätte sein können, aber als Giallo-Fan gibt es hier nicht viel zu meckern und schon aufgrund seiner Figuren und seines Themas, ragt der Spät-Giallo aus der Maße vergleichbarer Werke heraus.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

After... Part Two: Tied Up and Tied Up Well

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exorcismo.png (102.4 KiB) 156 mal betrachtet
Auch der zweite Teil der Doku „Después de…“ ist angesichts der weltpolitischen Lage starker Tobak und beschreibt die unterschiedlichen Kräfte, die nach dem Tode Francos und dem Macht-Vakuum, dass er hinterlassen hat an die Macht kommen wollen. Und sie stehen Gewehr bei Fuß, die Faschisten, Separatisten und Nationalisten, die teils offen demokratische Strömungen bekämpfen oder diese als Vorwand für terroristische Ziele hernehmen. In Teil zwei geht es auch weniger um liberale Kräfte, Feminismus oder das Ziel Spanien zu vereinen, sondern viel mehr um das genaue Gegenteil: die Rückkehr in die Diktatur oder der Abspaltung von der zentralen Führung, zu mehr Autonomie. Teils wird es wild und auch sehr laut, wenn Parolen geschrien werden und Steine fliegen oder die Überreste terroristischer Akte gezeigt werden. Die Doku ist sicherlich für politisch interessierte Menschen nicht ganz einfach zu schauen, aber so wie Teil zwei recht abrupt endet, so hat sich in Spanien letztendlich die liberale und freiheitliche Demokratie durchgesetzt, Im Gegensatz zum ersten Teil wirkt hier alles recht unversöhnlich und die Gefahr wird spürbar, dass in Spanien auch alles in eine andere Richtung hätte gehen können. Und wie wichtig es ist, stets wachsam zu sein, wenn diese Parteien und ihre vermeintlich starken Männer wieder ihre Stunde gekommen sehen und mit kleinen Schritten die Demokratie aushöhlen und Menschen für ihre Zwecke mittels Feindbilder auseinanderdividieren. Es funktioniert leider immer noch.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Omicidio a Luci Blu / Murder in a Blue Light

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01.png (137.11 KiB) 128 mal betrachtet
Die Prostituierte Sherry arbeitet in New York und erfüllt ihren Kunden jeden noch so seltsamen Fetisch-Wunsch, während Mike im Nebenzimmer aufpasst, dass diese nicht übergriffig werden. Was jedoch weder Kunden noch Aufpasser wissen, ist die Tatsache, dass Sherry in Wirklichkeit ein hochbezahltes Top-Model ist, dass sich nur aus einem bestimmten Grund auf dieses gefährliche Spiel eingelassen hat. Zur gleichen Zeit geht in New York auch ein Serienmörder im Rotlichtbezirk um und Polizist Flanagan tappt trotz unorthodoxer Ermittlungsmethoden im Dunkeln. Wenig später gerät auch Sherry und Mike ins Visier des Polizisten, der Sherry enttarnt und so ihrem Geheimnis auf die Schliche kommt, das auch mit seinem ungelösten Fall in Zusammenhang steht.

Giallos, die Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger entstanden sind, stehen ja oftmals etwas in Verruf und „Omicide a Luci Blu“ wird diesen zweifelhaften Ruf auch mehr als gerecht. Was sich hier den Augen der Zuschauer und unter der Regie von Alfonso Brescia bietet ist mehr Softsex-Erotik als Thriller und Spannung eher mit der Lupe zu suchen. Die bizarre Mordserie, an dem der Killer eine Plastik-Handgranatenattrappe auf seinen Opfern hinterlässt ist wieder einmal mit einer sehr zweifelhaften Motivation gesegnet und auch eher der Aufhänger, Hauptdarstellerin Florence Guérin in erotischen Posen und freizügigen Outfits zu zeigen. Diese verhält sich als Model wie auch als Prostituierte mit Schwerpunkt Alltags-Fetisch auch eher zweifelhaft und dennoch scheinen die Klienten Schlange zu stehen. David Hess als Ermittler läuft durch die Straßen und benimmt sich bei den Kollegen und Verdächtigen ebenfalls wie die Axt im Walde. Die Figuren wirken seltsam gezeichnet, die Geschichte ist ziemlich gaga, die Regie routniert und der Handlungsort New York ist ebenfalls schön eingefangen. „Murder in Blue Light“ ist sicher kein guter Film, aber er macht Spaß, weil er so daneben ist. Die Handlung wirkt die wie Darsteller bunt zusammengewürfelt, insgesamt wenig harmonisch und punktet eher mit trashiger Note, nackter Haut und allerlei skurrilen Momenten, die man als eingefleischter Giallo-Fan ja auch nicht missen möchte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Madness / Eyes without a Face

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jogiwan hat geschrieben: So 22. Mär 2015, 11:25 Bruno Matteis gelungener Nachzügler zum Giallo-Genre lässt sich überraschend gut gucken und bietet eigentlich auch alles, was man sich von einem derartigen Streifen erwartet. Zwar orientiert sich die Geschichte etwas stark an einem ungleich bekannteren Werk von Dario Argento, aber abgesehen von der unterkühlten Neunziger-Optik gibt es in dem kurzweiligen Werk mit seinen Darstellern aus der zweiten Reihe nicht viel zu bemängeln. Die Geschichte ist durchwegs spannend, die Morde drastisch und über mangelnde Tatverdächtige kann man sich im Verlauf von „Eyes without a Face“ auch nicht beklagen. Wer die Chance hat, diesen eigentlich sträflich vernachlässigten Thriller zu gucken, sollte die Möglichkeit auch nutzen. Die Kiste der Spät-Giallos bietet jedenfalls weit schlechtere Beispiele als Matteis solider Streifen, der auch positiv aus dem ansonsten eher durchwachsenen Output des umtriebigen Regisseurs aus dieser Schaffensperiode heraussticht.
Nun auch auf Blu-Ray gesehen ist "Madness" irgendwie ein typischer Mattei - sprich: bekannte Geschichte, weniger bekannte Gesichter, zweckmäßige Settings, nackte Haut, Schmodder und viel Overacting. Auffällig sind hier sicher die etwas lieblose Neunziger-Optik und dass irgendwie alles nicht nach dem aussieht, was es eigentlich sein sollte. Die Comic-Zeichnerin sieht mehr an Aerobic-Lehrerin aus, das Büro des Verlags wie ein ausgeräumtes Büro, der Innenraum des Schiffes wesentlich größer als das Schiff selbst, aber so sind sie eben, die Filme von meinem Bruno. Ansonsten gibt es nicht viel zu meckern und wer diese amerikanisierten Spätachziger und Frühneunziger-Werke mag, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Die neunzig Minuten vergehen flott, ständig passiert irgendwas, die Auflösung ist passabel und selbst wenn das Werk mit keinem seiner zahlreichen Vorbilder auch nur ansatzweise mithalten kann, so macht er dank Mattei-Fanbrille meinerseits einfach Laune.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Night of the Executioner

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„La Noche del Ejecutor“ ist laut Paul Naschy Sohn Sergio ja bereits 1988 mit wenig Budget und Freunden aus dem Umfeld des Regisseurs gedreht worden, da zu der Zeit kaum noch Budget für Genre-Filme zu bekommen war. Dafür ist das spanische Rip-Off von „Ein Mann sieht rot“ aber ganz gut geraten und dank der Blu-Ray von Mondo-Macabro weiß ich nun auch endlich, worum es bei den anderen Handlungssträngen geht und die behandeln Thema wie Rehabilitation von Strafgefangenen, aber auch Selbstjustiz, wenn der Polizei die Hände gebunden sind. Unser Paule fackelt ja nicht lange, um seine verstorbene Frau und Tochter zu rächen und mischt eine Horde Punks samt Hintermänner auf. Das ist dann auch wenig geschmackssicher und überraschend heftig und wenn man der eigentlichen Rache-Story nicht viel hinzufügen kann, so kann man sie ja zumindest noch wilder präsentieren. Da wird geschmoddert, geschossen, Körperteile weggeschnippelt und allerlei anderes gemacht und unser Paule meuchelt sich als stummer Rächer durch das böse Gesocks. Paul Naschy ist für mich ein Held und „La Noche del Ejecutor“ ein würdiger Abschluss einer jahrzehntelangen, noch immer weitgehendst unterschätzten Karriere.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

You'll kill me

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01.jpg (19.8 KiB) 59 mal betrachtet
Durch seine Alkoholsucht versemmelt der polnisch-stämmige Auftragskiller Frank aus Buffalo einen wichtigen Mord und gefährdet so auch ernsthaft seine Organisation. Um sein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen, wird er unter Aufsicht nach San Francisco geschickt, wo er vorrübergehend einen Job in einem Beerdigungsinstitut erhält und zu den Anonymen Alkoholikern geschickt wird. Dort erkennt er auch erstmals den Ernst seiner Lage und auch, dass er damit nicht allein ist. Als er auf einer Beerdigung auf die abgeklärte Laurel trifft, mit der er wenig später ein Date ausmacht, scheint sein Leben auch endlich in etwas geordneteren Bahnen zu verlaufen, wären da nur nicht die Iren und Chinesen, die hinter ihm und seiner geschwächten Organisation her wären, so wie auch die ständigen Verlockungen des Alkohols, denen er ebenfalls nur schwer widerstehen kann…

„Kommt ‘nen Mann in ‘ne Bar…“ – Ne, anders… „Kommt ‘nen Auftragskiller zu den Anonymen Alkoholikern…“ Damit ist der Witz hier eigentlich auch bereits auserzählt und „You kill me“ ist leider nicht die schwarzhumorige Killer-Komödie, sondern eher ein etwas seltsamer Film über alkoholkranke Menschen, die Mafia und einem Auftragskiller, der von einer skurrilen Situation in die nächste geschickt wird und dabei auf abgeklärte Figuren trifft, die weder mit seinem Alkoholproblem noch seinem Beruf ein Problem haben. Wenn man mal im echten Leben mit alkoholkranken Menschen zu tun hatte, ist das sowieso alles andere als lustig und hier werden ja sowohl die Alkoholsucht verharmlost wie auch das organisierte Verbrechen immer mit viel Pathos präsentiert. Dabei zündet eigentlich kaum ein Gag und auch die ganze Szenerie, die Figuren und seine Entwicklungen wirken aufgesetzt und wenig nachvollziehbar. Dazu wieder mal eine Liebesgeschichte, die für mein Empfinden so gar nicht passt und damit das Ganze nicht völlig in schrullige Liebesgefilde abdriftet, gibt es am Ende noch ein paar blutige Schusswechsel. Dabei ist „You kill me“ auch unterhaltsam, dank seiner Schauspieler und Regisseur auch nicht schlecht gemacht oder gespielt, aber ich hatte ständig das Gefühl, dass hier leider so gar nichts passt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Croupier

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Der erfolglose Autor Jack ist auf der Suche nach einer Idee für ein Buch und landet nach Empfehlung seines Vaters als Croupier in einem britischen Spielcasino. Die Regeln für die Angestellten sind streng und das ist auch nötig in einem Business, dass von verlogenen und abgebrühten Charakteren bevölkert ist. Auch der eher disziplinierte Jack verliert sich immer mehr in einer Welt aus Geld und Korruption und droht weitere Grenzen zu überschreiten, als er von einer hübschen Kundin ein zweifelhaftes Angebot unterbreitet bekommt. Gemeinsam mit weiteren Komplizen soll das Spielcasino um eine große Summe erleichtert werden und während Jack immer in die Intrige hineingezogen wird, ergibt sich der Inhalt seines kommenden Buches quasi von selbst.

Überraschend kurzweilige Mischung aus Drama und Thriller mit Clive Owen als Autor und Croupier, der auf der Suche nach einer Idee für einen Roman immer mehr von der glitzernden Welt der Spielhöllen, Verlierer und Opportunisten eingenommen wird. Dabei wird man als Zuschauer Zeuge, wie der eigentlich sehr zielstrebige und aufmerksame Autor immer mehr die schlechten Eigenschaften seines Quasi-Alter-Egos annimmt und gipfelt in dem Versuch, das Spielcasino mit Komplizen zu berauben. Mike Hodges ist ja auch nicht irgendwer, sondern hat ja auch immerhin ein paar Gerne-Kracher zu verantworten und präsentiert hier einen mehr als soliden Streifen. Es gibt jede Menge spannende und vielschichtige Charaktere, überraschende Ereignisse und zusammengehalten wird das Ganze mit unterkühltem und lakonischem Humor britischer Ausprägung, der mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Ich habe mir ja eigentlich nicht viel erwartet, aber „Croupier“ ist als Thriller-Dramödie überraschend funktional, gut gemacht und vor allem auch sehr gut gespielt. Eigentlich ein rundum gelungener Streifen, der auch bis zum Ende hübsch unberechenbar bleibt und bei dem selbst die im Grunde recht schreckliche Neunziger-Optik nicht weiter stört.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Millenium Actress

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01.jpg (133.33 KiB) 13 mal betrachtet
jogiwan hat geschrieben: Do 25. Aug 2016, 07:34 Mit „Millenium Actress“ erzählt der viel zu früh verstorbene Regisseur Satoshi Kon nicht nur die bewegte Geschichte der fiktiven Schauspiel-Legende Chiyoko Fujiwara, sondern auch gleichzeitig die Geschichte von hundert Jahren Filmgeschichte Japans. Das Besondere an dem wunderbaren Anime ist seine Erzählweise, in der beim Interview in der Jetzt-Zeit unterschiedlichste Stationen aus dem Leben der Schauspielerin mit ihren Rollen verschmelzen und der Streifen von Historien-Drama, Frauengefängnis-Film und Kaijū bis zu Science-Fiction dabei alles mitnimmt, was den Fan japanischer Werke seit je her begeistert. Die Einflüsse reichen dabei von Kurosawa („Das Schloss im Spinnwebwald“) bis zu Kobayashi („Kwaidan“) und so abwechslungsreich wie die Filme aus den unterschiedlichen Epochen ist auch die Optik des wunderbaren Streifens, der jedoch auch ohne das Wissen um Japans Filmgeschichte bestens funktioniert. Das liegt an der wunderbaren Geschichte, den sympathischen Charakteren und Kons erzählerischen Talent, der trotz sprunghafter Erzählweise nie den Faden verliert und dabei auch noch eine überaus große Leidenschaft zum Thema Film offenbart.
Jeder Film des viel zu früh verstorbenen Satsohi Kon ist ja eigentlich ein Lieblingsfilm von mir, obwohl alle unterschiedlich sind. Verbunden sind sie aber alle durch sein enormes Talent unterschiedliche Erzählebenen miteinander zu vermengen und dabei großartige Geschichten mit lebendigen Charakteren zu erzählen. "Millenium Actress" ist zwar vielleicht sein ruhigster Film, aber zugleich auch eine Liebeserklärung an den Film, sein Entstehungsland und an das Leben. Klingt hochtrabend, wird hier aber mit einer völligen Selbstverständnis und aus der Fan-Perspektive abgehandelt und ehe man sich versieht ist man schon mittendrin in einer spannenden Lebensgeschichte einer fiktiven Schauspielerin, die auch eine schöne Botschaft für den Zuschauer bereithält. Ganz großartiger Film über den Film!
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