Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Moderator: jogiwan

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karlAbundzu
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

17.10.25
Zollkantine Bremen
Elsen / Angelika Express
Die Zollkantine ist ein recht kleiner Laden, organisiert von einem Verein der Musiker*innen Bremens. In dem alten Zollgebäude proben allerlei Bands, und oben in der ehemaligen Kabine gibt es häufig Konzerte. Das hat dadurch ein recht schrägen Charme, es sieht viel nach 70er Büro aus, hat aber auch eine große Fensterfront, so dass man immer zwischendurch weit in die Bremer Nacht schauen kann. Ich mag es gern, die Leute sind nett, die Getränke günstig, der Sound gut.
Ursprünglich sollten als Vorgruppe Wirr spielen, eine Bremer Kombo, die ich noch nicht kenne, wäre daher spannend gewesen. Doch kurzfristig sprangen die Elsen ein. Immer eine Bank. Fünf Frauen (Schlagzeug, Gitarre, Bass, Keyboard, Gesang), die verschiedenste Ecken des Postbank erkunden. Da wird sowohl bei PIL als auch bei Gang of Four sich angelehnt, der Punk ist aber auch immer da. Der Bass spielt schöne Melodien, ist eher JJ Burnel als DeeDee, die Gitarre wie bei New Order eher Rhythmusinstrument, das Keyboard hat schräge Orgelsounds, die Drummerin richtig nach vorne Druck. Manches hätte eine gute Single bei Crass Records sein können. Die Sängerin gab auch wieder sehr viel. Insgesamt machen sie aber vor allem Spaß, das Publikum liebte sie, direkt vor mir standen zwei von Angelika Express, die mit am lautesten Zugabe schrien. Doch sie ließen sich nicht erweichen: Da kurzfristig eingesprungen (sie proben auch da, der Weg war nicht weit) und lange aus verschiedenen Gründen ohne Probe, hatten sie schnell dieses Programm. Erfahren, wie sie sind, war das allerdings auch gar nicht so kurz. Und so auf den Punkt sah ich sie kaum. Sehr gut.
Dann Angelika Express. Anscheinend hatte ich ihre Bekanntheit/Beliebtheit überschätzt, das Publikum war tatsächlich überschaubar (40 Leute?), ihre bekannteste Zeit hatten sie wohl in den 00er Jahren. Da waren sie mit ihrem Sound und den ironisch, mit pop-Wissen gewürzten Texten irgendwo zwischen NNDW in Folge der Helden und Deutschpunk unterwegs. Und vielleicht von beiden Szenerien dadurch nicht ganz so angenommen. Ich kannte ja nur das Alltag Für Alle Album, das ich allerdings eine Zeitlang rauf und runter hörte. Einzig ständiges Mitglied ist ja der Gitarrist und Sänger Robert Drakogiannakis, begleitet wurde er von einer Bassistin und einem Schlagzeuger aus der Heavy Metal Szene. Und so war ihr Sound. Härter, garagiger als auf Platte, Robert spielte eher eine White Stripes Gitarre, mit vielen kleinen Zitaten, die Dani am Bass musste die ganze Zeit auf und ab hüpfen und verzückt lächeln und grinsen, wenn sie nicht mitsang. Und Drummer Tscherno gab ordentlich Druck, sein HM Background war durchaus zu spüren.
Das riss mich von Anfang an mit. Mittendrin im Set gab es eine meiner liebsten Nummern, eine Hommage an Nico. Es gab launige (vielleicht ein bisschen zu lange) Ansagen, die Elsen feierten mit. Sehr intensiv, die guten Texte waren durchweg zu verstehen, und alle Anwesenden hatten ihren Spaß. So rockten sie Recht lange, gaben zwei gute Zugaben und ließen uns selig in die Nacht. Danke.
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karlAbundzu
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

19.10.25
Modernes Bremen
Howard Jones
Trotz meiner Zugehörigkeit zu den eher außenseitigen Jugendkulturen in meiner Teenagezeit, hatte ich doch auch immer ein Ohr und ein Platz in meinem Herzen für Pop der in den Charts stattfand. Und die Songs des jungen Mann aus Southampton mit dem Synthesizer mochte ich, und den Sound und dir Frisur auch. Während die erste LP noch eine Sammlung sehr guter Lieder war, war das zweite Dream Into Action ein in sich auch sehr gelungenes Album. 40 Jahre her, war es der Anlass für eine neue Tournee. Ich zögerte lange, da der Eintrittspreis nicht gerade günstig war, aber da die LP wichtig für mich war, und ich das Modernes mag, ging ich doch hin.
In den Anfangstagen noch alleine mit einem Tänzer/Pantomimen/Performer unterwegs, ist er jetzt mit Band am Start: Bass, Gitarre, Schlagzeug, zwei weitere Keyboarder. Howard selbst an verschiedenen Tasteninstrumenten und am Gesang.
Irgendwie vermutete ich, dass er die LP zur Gänze nachspielt, aber schon der Opener Pearl in the Shell, ein Hit der ersten LP bewies, das dem nicht so war. Und bewies auch etwas anderes: Howard ließ das Publikum gerne und oft mitsingen. Dies war leider nicht ganz so zahlreich wie gedacht, das Modernes war halbvoll. Und obwohl er alle Töne traf, und die vielen Höhen problemlos mitging, hatte das Mitsingenlassen wohl auch seine Gründe, dass er in Sachen Ausdauer und druckvolles singen nicht mehr ganz so stark war. Nun, der Mann ist 70. Sehr schön das Licht, inklusive Bühnenklamotten, die auch Effekte hatten, Brillen, die rote Strahlen versendeten, oder im Dunkeln glitzernden Anzüge. Doch auch die Gestaltung der Songs nicht ganz so gelungen, es gab viel Gitarre, die so altherrenmäßig rockte. Die erste Ansage gab es nach drei Songs (keins vom Dream into Action), dass er vermehrt DiA Lieder spielen werden würde. Es wurden am Ende 7 von 12. Immerhin. Aber richtig gut wurde es nicht. Immer wieder ließ er mitsingen, die Gitarre gniedelte, der wunderbare Bass kam kaum dagegen an, und ein paar wichtige Dream into Action Lieder fehlten mir: Hunger for the Flesh bspw. Nun, Howard war trotzdem gut gelaunt, zog sich gerne um, und war immer dann am besten, wenn er mühelos zwischen Sitzpiano, Steh-Synthie und Umhängetastatur wechselte. Besonders schön waren zwei Lieder hintereinander: Das nachdenkliche No One Ever is to blame, was er alleine am Piano anfing und behutsam steigerte. Und der eher schräge Hit Hide And Seek (auch wenn er ihn mit den Worten einleitete, wie toll das war, es mit 72000 in Wembley zu singen....), in dem er sich wirklich mal an andere Sounds traute. What is Love? Gab es dann am Ende nach dem regulären Set, und als Zugabe eine lange Things can only get better Version, so dass circa 75 Minuten zusammen kamen. Das Publikum um mich herum war im Gegensatz zu mir begeistert, weiter hinten sahen sie nicht ganz so euphorisch aus. Ob der letzte Titel Prophezeiung ist. Nun, das hat sich jedenfalls nicht so recht gelohnt. Aber wäre ich nicht hingegangen, hätte ich mich wohl geärgert.
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fritzcarraldo
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von fritzcarraldo »

So. Spontan gestern Tori Amos Tickets für 2026 klar gemacht, da 2023 verpasst.
"Das ist nicht möglich!"
"Aber notwendig!"

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"J&B straight and a Corona!"
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buxtebrawler
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von buxtebrawler »

09.11.2025, Metropolis-Kino, Hamburg:
THE TYPHOONS


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Im Rahmen des großartigen „Monster machen mobil“-Filmfestivals, das im Hamburger Metropolis satte vier Tage lang stattfand, gab es am Sonntag im Vorprogramm des vergnüglichen mexikanischen Batgirl-Rip-Off-Trash-Heulers „Draculas Tochter und Professor Satanas“ anstelle einer Trailer-Show einen Live-Auftritt der lokalen Surf-Rock’n’Roll-Legende THE TYPHOONS (aus Schulau bei Wedel bei Hamburg). Die hatte ich vor etlichen Jahren mal in der Wedeler Villa live gesehen und als überaus kompetent abgespeichert, seither aber nicht mehr das Vergnügen gehabt.

Ich hatte keine Ahnung, wie lange die spielen würden oder wie das im opulenten, nicht vollständig, aber durchaus großzügig gefüllten Kinosaal klingen würde, und ließ mich einfach überraschen. Nach einer launigen Ansage und dem Versprechen an die furchtlos die erste Reihe besetzenden Gäste, einen Hörschaden davonzutragen, ließ es die mit zwei Gitarren spielende Band ordentlich krachen – und siehe bzw. höre da: Der Sound war perfekt! So kam der klassische, (bis auf Zwischenrufe des Bassers) instrumentale ‘60s-Surf-Sound mit ordentlich Reverb und Twang optimal zur Geltung und stimmte auf das pulpige Filmvergnügen ein. Nach einer Handvoll Songs suggerierte man, auch noch Zugaben spielen zu können, was dankend angenommen wurde. Ich glaube, das rasante „Barracuda“ bildete nach einer guten halben Stunde den Schlusspunkt eines klasse Auftritts in besonderem Ambiente – und das am Sonntagmittag! Verrückt.

Inklusive ein paar Live-Bildern auch hier:
https://www.pissedandproud.org/09-11-20 ... -typhoons/
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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karlAbundzu
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

15.11.25
Helga Kneipe
Koprolith + Die Behörde
Zweimal Punk in Walles Finest Kneipe, mittlerweile ja auch ein beliebter Auftrittsort.
Zuerst gab es Koprolith aus Leipzig, drei Menschen, Bass, Gitarre, Schlagzeug, alle drei singen. War es zuerst noch nur hart und schnell mit Gebrüll, und kaum zu verstehen (es ging um Moloch, um Polizisten...) wurde es nach und nach immer abwechslungsreicher. Das Tempo variierte und die drei sangen mit verschiedenen (2 weibliche, eine männliche) Stimmen verschiedene Texte. Das wurde richtig intensiv, erinnerte an die düsteren Sachen aus der Crass-Ecke, aber auch an dunklen Postpunk wie frühe Killing Joke. Nach anfänglicher Zweifelei pusteten sie mir meine vorgefestigten Klischees aus dem Kopf und auch der Saal, gut gefüllt, ging mit.
Danach die Bremer Die Behörde. Die wohl demnächst in Leipzig vor Koprolith spielen. Ich sah sie ja schon mal im Sportamt. Zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Sängerin. Also recht eng. Aber sie nahmen sich die Energie und hauten ein wütenden Knaller nach dem anderen raus. Insgesamt genauer, weniger rumpelig, und aggressiver als im Sommer. Sie deuteten an, dass sie im Studio aufnehmen, vielleicht gibt es da bald was. Als Lokalmatador*innen hatten sie das Publikum sowieso in der Hand und so wurde es ein klasse Abend.
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jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

16.11.25
Lila Eule
Bella and The Bizarre
Jon Spencer
In der altehrwürdigen Kellerdisco gibt es ja immer mal wieder Konzerte, und diesmal kam Jon Spencer den weiten Weg. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn nochmal sehen würde. Doch ist er auch nach seiner Hochzeit in den 90ern und dem späteren Split der Blues Explosion immer aktiv geblieben, und so freute ich mich auf einen Auftritt auf kleiner Bühne.
Davor gab es noch Bella and The Bizarre aus Berlin. Und anscheinend mit Bremer Bezug.
Sängerin und Gitarristin Bella Khan wurde begleitet von einer Bassistin, einer weiteren Gitarristin, einem Schlagzeuger. Und zu zwei Songs spielte noch die Tourfahrerin auf Gitarre mit.
Im Herzen eine 60s Garagen Band, mit exotischen Ausflügen. Und wunderbare Instrumentalist*innen. Der Schlagzeuge mit richtigem Gefühl, dabei schien er kaum mehr als seine Handgelenke zu bewegen (und trug ein Devo-Shirt), die Bassistin (und Backgroundgesang) arbeitete hart am Bass, und neben Bellas wunderbarer Stimme und bezaubernder Ausstrahlung (erinnerte mich zum Teil an Susannah Hoffs) (und für Nerds: sie hatte ihre Gitarre mit der original Enterprise und dem Vulkan-Spruch verschönt) gab es die unglaubliche Oliwia, die sich zwar auf der Bühne im Hintergrund hielt, aber wohl eine der abgefahrensten Gitarrist*innen des Genres ist. Wie das passend schräge und überraschende leicht aus ihr Spiel floss, toll.
Die Band selbst ging dabei nicht auf Geschwindigkeit oder Big Beat, sondern auf Melodie und leicht exotischem Touch.
Das war schon mal sehr gut, und die LP im Kopf schon gekauft. Nun noch Hallo Spencer in der richtig vollen Eule. Und die Umbaupause war kurz, er betrat die Bühne mit zwei jungen Musiker*innen, einer Bassistin und einem Schlagzeuger, wohl sonst bei den Bobby Lees beschäftigt. Und es ging von Anfang an laut und hart zur Sache. Der Jon spielte aus seiner gesamten Geschichte Songs, die zwar irgendwas mit RnR und Blues und Garage und Punk, angereichert mit Noise und Alternative Sounds. Dabei „singt“ er auf seine eigene Art (und verliert dabei sehr viel Wasser, wie wir aus der Nähe sahen), er schreit, erzählt, hechelt. Der Schlagzeuger ein unentwegter Unruhiger, der aus seinem minimalen Schlagzeug schon einen derben Hard Rock Sound rausholt, immer etwas mit seinen Händen macht, wenn sie nicht spielen, dreht er etwas, macht Zeichen, hält sie hoch. Die Bassistin spielt einen verzerrten Noise Punk Sound, geht dabei auch gern auf die hohen Töne oder spielt Riffs. Also ein anderer Sound als bei der Explosion. Doch passt es wunderbar. Und sie sind auch sehr gut eingespielt. Eigentlich gibt es keine Pausen. Nach jedem Lied, die meist recht abrupt enden, nennt Jon ein Lied, und es geht sofort weiter, erstaunlich, da sie meist zu dritt anfangen. Mitten drin ist immer wieder Zeit für musikalische Kommunikation auf der Bühne oder Kommunikation mit uns, inzwischen seinen Jüngern, im Publikum. Wenn Reverend Jon uns auffordert, dem Götzen Little Richard zu huldigen, oder auch mal mitzuklatschen, mache sogar ich das. Ansonsten bin ich ja kein Freund davon.
Insgesamt ein einziger Rausch in wirklich beinah intimer Atmosphäre. Danke.
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jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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29.11.2025, VeB, Lübeck:
BOLANOW BRAWL + THE UNMARKED + 1323


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Die Anti Racist Skinhead Crew Lübeck hatte uns zu ‘nem Gig ins VeB eingeladen, mit THE UNMARKED aus Berlin und den Hamburger Kollegen von 1323 standen bald (THE UNMARKED) bzw. eher kurzfristig (1323) die anderen beiden Kapellen fest. Es sollte unser erstes Konzert in Lübeck seit unserem Auftritt mit THE NILZ im Jahre 2019 werden, zudem unser erster überhaupt seit Veröffentlichung unseres „First Shots!“-Albums und unser erster mit unserem zurückgekehrten Lead-Gitarristen Ole. Das VeB befindet sich auf dem „Walli“-Gelände direkt neben dem größeren Treibsand und in Bahnhofsnähe – ein gemütlicher kleiner D.I.Y.-Laden, in dem es zu fünft auf der Bühne etwas eng wird, der aber gerade für Auftritte kleinerer, keine Massen ziehenden Bands prädestiniert ist. Nebenan spielten die MONSTERS OF LIEDERMACHING, die mutmaßlich ein etwas größeres Publikum zogen…

Die Lübecker Skins versorgten uns mit einer reichhaltigen Getränkeauswahl, einer warmen Mahlzeit und für mich sogar einer „Extrawurst“ in Form eines köstlichen Risottos, nachdem ich die Frage nach etwaigen Lebensmittelunverträglichkeiten im Vorfeld recht ausführlich beantwortet und damit Aubergine, Rosenkohl und wie sie alle heißen ausgeschlossen hatte – wow, allein schon dafür besten Dank! Nachdem die Bühne aufgebaut war, wollte unsere weltbeste Fahrerin und gute Seele Sandy noch ‘nen anatolischen Imbiss aufsuchen, was wir kurzerhand mit einem Besuch des Weihnachtsmarkts verbanden. Gerüchten zufolge goss sich der eine oder andere lediglich heißen Kakao ein, was wiederum andere durch erhöhten Konsum alkoholhaltiger Heißgetränke glaubten kompensieren zu müssen und sich kaum wieder loseisen ließen, obwohl auch auf dem Walli-Gelände Glühwein ausgeschenkt wurde – herrlich bekloppt wieder.

Um kurz nach 22:00 Uhr machten 1323 dann den Auftakt mit überwiegend deutschsprachigem Hardcore-Punk der alten Schule, meist schön hektisch nach vorne peitschend, aber aufgelockert von diversen Offbeat-Parts und abwechslungsreich gehalten mit dem spanischen „La pinche soledad“, dem in doppelter Geschwindigkeit runtergeholzten CANALTERROR-Cover „Staatsfeind“ und als besonderem Bonbon „Police navidad“, das auf dem weltbekannten spanischen Weihnachtslied basiert. Gitarrist Phil und Basser Ali setzten sich Nikolausmützen auf, Drummer Andi ‘nen Bullenhelm und brüllte voller Inbrunst seine Festtagswünsche ins Mikro, während ich mich sorgte, dass unser spanisches Bandmitglied Urko einen Kulturschock erleidet. Ein grandioser Spaß. Ansonsten ging’s aber subgenretypisch eher ernst zu und nahm man in den Ansagen Bezug auf aktuelle politische Ereignisse. Weiteres bisher unveröffentlichtes Material klang vielversprechend, den Hauptgesang teilten sich der gesundheitlich angeschlagene Phil und Andi, und als geforderte Zugabe gab’s die Progrockoper „Bundeswehr“ von YACØPSÆ. Ein klasse Gig, bei dem in Sachen Raumakustik besonders der Basssound positiv hervorstach und optimal durchkam. Phil verabschiedete sich anschließend, um das Bett zu hüten (Gute Besserung und danke fürs Durchziehen!), während Ali offenbar solchen Gefallen an seiner Mütze gefunden hatte, dass er sie gar nicht mehr absetzte.

THE UNMARKED sind irgendwie typisch Berlin: Die Band vereint Angehörige verschiedenster Nationalitäten, die in der ehemaligen Mauerstadt zusammenfanden, auf Englisch miteinander kommunizieren – und natürlich über die Musik! Und die hat’s in sich: Flott gezockter Streetpunk US-amerikanischer Prägung, rau, melodisch und mit fetten Chören. Es war ihr erster Gig in der aktuellen Quartettbesetzung, und der ging ohne viel Federlesens von null auf hundert. Ohne viel Gesabbel reihten sie Song an Song, darunter ein THE-GC5-Cover. Zusammen erzeugten beide Gitarren einen fetten Sound, den die Rhythmusfraktion arschtretend nach vorne blies und der von Sänger Johns kratzigem Organ durchdrungen wurde. Pures Adrenalin und ein verdammt beeindruckender Auftritt einer Band, von der man mit Sicherheit noch einiges hören wird. Gemeinsame Gigs sind bereits angedacht!

Das konnten wir natürlich nicht toppen, aber darum geht’s ja zum Glück auch nicht. Uns als letzte Band zu platzieren, kann durchaus so’ne Sache sein – irgendwo zwischen optimistisch und grob fahrlässig –, wir sind’s bisher kaum gewohnt. Zudem haben wir in Flensburg unser Banner im Suff verloren, dafür hat Christian eine programmierbare Leuchtreklame besorgt. Banner 2.0. Digitalisierung – da sind wir ganz vorne mit dabei… Wir zockten die zwölf Songs unseres Albums in an die Livesituation angepasster Reihenfolge durch, hatten aber Schwierigkeiten, einen echten Spielfluss zu entwickeln. Offenbar hatten wir den Line-Check vorschnell mit „Passt schon!“ beschieden. Das hatte zur Konsequenz, dass Christian während des Sets bemerkte, seine Gitarre auf der monitorlosen, aber bis auf den Gesang auch nicht über eine P.A. abgenommenen Bühne nicht richtig herauszuhören und ständig nachzujustieren versuchte. Bis es wirklich besser wurde, dauerte es aber einige Songs. Die Zwangspausen versuchten wir mit dem üblichen Blödsinngequatsche zu überbrücken, während Raoul an den Drums schon den nächsten Song anzählte. Wie aus einem Guss wirkte das wohl eher nicht und üblicher Kleinkram wie mal ein Texthänger kam hinzu. Die zweite Hälfte flutschte aber besser, Spielrauschgefühl kam auf und als nach Zugaben gerufen wurden, spielten wir noch zwei Stücke der alten EP. Insofern war’s ‘ne ideale Generalprobe für unsere Record-Release-Party kommenden Samstag in der Hamburger Lobusch.

Ein geiler Abend war’s so oder so! Danke an die Anti Racist Skinhead Crew Lübeck, 1323, THE UNMARKED sowie das VeB samt allen Besucherinnen und Besuchern! Und nicht zuletzt danke an Sandy für die Schnappschüsse unseres Auftritts.

Reich bebildert auch hier:
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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von fritzcarraldo »

Auch ein kleines bisschen Konzert
Heinz Strunk - Kein Geld. Kein Glück. Kein Sprit.
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IMG_20251207_192438864_HDR.jpg (2.12 MiB) 118 mal betrachtet
Im Schauspielhaus Hamburg. Sonntag 7.12.25.
Rückblick. Eine Woche vor der Veranstaltung.
"Hey, nächste Woche Sonntag? Spontan ?Hamburg? Weihnachtsmarkt? Und danach Heinzer im Schauspielhaus?" fragte sie. Sie, meine Kino-,Konzert und sowieso allerbeste Freundin, machte dann nach meinem kurzen "Ja" umgehend die fast letzten Tickets klar. Wie immer hatte ich, begeistert von der Idee, nur oberflächlich geschaut, ob das denn überhaupt geht. "Mach mal". Das Go des heimischen Haushalts ging schon mal klar.
Aber mir war klar, ich würde das Spiel Bremer SV - Altona 93 verpassen. Hamburg kommt nach Bremen und ich fahr nach Hamburg. Dass das Nordderby IN Hamburg sein sollte, war mir da auch noch nicht klar. Aber all das sollte sich sogar als vorteilhaft erweisen. Denn der Zug nachmittags gen Norden war auffallend leer und pünktlich.
In ausgelassener Stimmung schlenderten wir dann über den Weihnachtsmarkt, um die "richtige" Bratwurst zu finden. Um 19.30 kamen wir dann pünktlich am Schauspielhaus an. Wein. Cola. Gute Stimmung.
Herr Strunk fing dann pünktlich um 20.00 Uhr gut gelaunt an. Durchaus melancholische Texte mit vielen Pointen und drei musikalischen Einlagen. Sein Drohnentext begleitete er mit einem Mini- Keyboard a la Trio, "Computernerd" mit dem Tambourine und auf der Querflöte gab es "You can't hurry Love".
Yeah. It's a Game of Give and Take!
Ach und Graf Fauchi tauchte auch noch auf.
Ganz groß.
Ansonsten ging es um Riesen mit Glasknochenkrankheit vs Echsen im Flugzeug, Heiratsanträge, Suizid, Mezzo Mix und vieles mehr. Holte mich alles ab.
Nach zwei Stunden war der Spuk dann vorbei.
Beseelt verließen wir die Kulturstätte, um draußen in die harte Wirklichkeit entlassen zu werden.
Schnell noch einen Burger am Bahnhof?
Jepp. Und es wurde knapp, denn die Deutsche Bahn war an diesem Tag sehr pünktlich.
Fast noch den Zug wegen zweier Burger verpasst.
Aber alles gut.
Im Zug noch schnell alle möglichen Probleme dieser Welt besprochen und gelöst. Gender Pay Gap, Führerschein, Age Gap inklusive der half your age plus 7 Regel und ob die Serie PLATONIC realistisch ist. Ist sie nicht. Natürlich nicht. Aber lustig.
Der Zug war immer noch pünktlich.
"Pünktlich" war anscheinend das Wort des Tages.
Denn zur Geisterstunde trudelten wir wieder in Bremen ein. Auch gut.
Heute noch den Heinzer Kalender bestellen? Ich überlege noch.
"Das ist nicht möglich!"
"Aber notwendig!"

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von Onkel Joe »

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IMG_20251204_212004.jpg (2.08 MiB) 112 mal betrachtet
Am 04.12. spielte Calibro 35 im SO 36 :mrgreen:.
Insgesamt 5 Mal habe ch die Jungs aus Italien nun Live gesehen und mit dem Konzert vom letzten Jahr wo sie Morricone Stücke spielten, war dieses jetzt das Beste Konzert was ich erleben durfte.
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
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buxtebrawler
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Beitrag von buxtebrawler »

06.12.2025, Lobusch, Hamburg:
BOLANOW BRAWL + VOLKSVERRÄTER + OMA-BASHING


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Im August haben wir endlich unser Album „First Shots!“ veröffentlicht. Die Konvention verlangt, dass man dann relativ zeitnah ein als Record-Release-Party deklariertes Konzert gibt, worauf wir natürlich auch Bock hatten. Erst mal war aber Urlaubssaison angesagt. Trotzdem hatten wir unsere Fühler ausgestreckt; wir dachten, dass es vielleicht passend wäre, im Monkeys oder Indra bei irgendeinem größeren Streetpunk-Act im Vorprogramm zu zocken, unseren „Release Party“-Stempel draufzupacken und uns damit ‘nen schlanken Schuh zu machen. Blöderweise war, was das betrifft, irgendwie Flaute in beiden Läden, und als dann doch mal was kam, was einigermaßen gepasst hätte, hatte man uns anscheinend nicht mehr auf dem Schirm oder es wäre aus irgendwelchen Gründen sowieso nicht gegangen. Umso schöner, dass sich dann die Gelegenheit ergab, in der Lobusch, wo ich seit zig Jahren ein- und ausgehe, aber noch nie mit BOLANOW BRAWL gespielt hatte, zu spielen. Andi, ein Freund des Hauses, hatte dort nämlich den ersten Gig seines konspirativen Cover-Projekts OMA-BASHING geplant und die Band seines Kumpels Gizmo, VOLKSVERRÄTER aus Limburg, eingeladen – eine dritte Band, die wiederum einen ganz anderen Sound spielt, kam ihm da gerade recht. Mike aus der Lobusch vermittelte den Kontakt und gänzlich unkompliziert wurde das Unterfangen besiegelt. Ein kurzer Blick in den Kalender verriet daraufhin, dass zeitgleich LOIKAEMIE, BERLINER WEISSE und OXO 86 im Docks aufspielen würden – super! :D Ich fühlte mich an Konzerte in der Vergangenheit erinnert, die wir zeitgleich (aber nicht zusammen!) mit Bands wie COCK SPARRER oder MOTÖRHEAD spielten. Irgendwas ist immer – so auch ein nerviger Verdauungstraktinfekt, den ich mir zugezogen hatte. Hätte das Konzert nur einen Tag früher stattgefunden, hätte ich’s absagen müssen…

Es sollte unser erster Hamburg-Gig mit dem zurückgekehrten Ole an der Lead-Klampfe werden, der zweite seit seinem Wiedereinstieg überhaupt. Wegen eines Fahrrad-Korsos auf der Straße traf der von unserem Proberaum aus gestartete Teil unserer Band mit ‘ner guten halben Stunde Verspätung (dafür ohne blut- oder gedärmverschmierte Speichen-, Fahrradhelm- und Funktionskleidungsreste am Kühlergrill) ein. Für ‘nen Soundcheck, den Mike mit uns durchführte, blieb trotzdem genügend Zeit. Das war ideal, weil Mike unseren Sound kennt – immerhin hatten wir bei ihm die Hälfte unserer Platte aufgenommen. Anschließend gab’s lecker Mampf in Form eines Kartoffel-Kokos-Currys. Und da wir gerne mal vor’m Gig eine lokale Kneipe aufsuchen, verschlug es uns in die Marktschänke, wo wir auf Freunde und Bekannte trafen, die dort ebenfalls vorglühten. Urkos Freundin Sheila hatte Geburtstag und wollte ‘ne Runde Kurze ausgeben. Christian sollte welche bestellen und fragte den Wirt, was er empfehlen könne. Dieser riet zum Marillen-Schnappo, der, wie ein späterer Blick auf die Karte verriet, der teuerste Sprit des Ladens war. Chapeau, Herr Wirt! „Is this the way to a Marillo“ singend, goss man sich den edlen Tropfen in den Schlund, während ich dankend verzichtete. Dafür begann ich bald darauf zu drängeln, denn ich wollte unbedingt pünktlich zur ersten Band zurück sein.

Das gelang mir per Punktlandung, Andi & Co. hatten gerade die Bühne betreten. OMA-BASHING ist natürlich nichts Geringeres als ein Coverprojekt der kuriosen FEHLGEBURT, genauer: ihrer 16-Song-EP „Abtreibung“ aus dem Jahre 1987, seinerzeit auf Stumpfpunkplatten (nomen est omen) erschienen und einer neuen Generation Ende der 1990er mit zwei Beiträgen auf der „Stumf Ist Trumpff“-Compilation von Teenage Rebel Records nähergebracht worden (wodurch auch ich auf die Band aufmerksam geworden war). Wat ‘ne geniale Idee, sich dieses Zeug noch mal vorzuknöpfen und als Liveset zum Besten zu geben! Die Band hielt sich möglichst originalgetreu an die Vorlagen, der Sound war live aber natürlich wesentlich besser als auf der alten Platte. Stilecht baute man den einen oder anderen Verspieler ein, wie es FEHLGEBURT wohl auch getan hätten. Andi sang sich durch Zwei- bis Viersekünder wie „Anarchie“ oder „Das geniale Lied gegen die Genmanipulation“ ebenso wie durch längere Stücke à la „Gummigas“ oder eben „Oma-Bashing“ und führte mit dem gebotenen Ernst in „die Probleme der einfachen Menschen aufgreifendes“ Material wie „Ich hasse Schnupfen“ ein, lieferte Hintergrundinformationen zu Stücken wie „Zimmermann“ oder „Antiberliner“ und versuchte sich in Fantasierussisch an den russischen Songs. Zwischendurch klagte er regelmäßig, wie anstrengend das alles sei – ja, verdammt, endlich sagt’s mal einer: So’n ganzes Set als Sänger durchzuziehen, ist harte Arbeit! Ohne Zugaben ließ man sie trotzdem nicht von der Bühne, also gab’s noch mal „Anarchie“, „Haare“ und „Oma-Bashing“. Der Publikumsandrang war groß, vor der Bühne tanzten sogar vom ersten Song an ein paar Kenner der Materie. Großartig! Von mir aus könnte jedes Konzert damit beginnen, dass Andi & Co. eine legendäre alte Punk-EP durchcovern.

VOLKSVERRÄTER bekamen bühnenumbaubedingt erst jetzt ihren Soundcheck, was den Ablauf etwas hinauszögerte. Ein paar Punks, die anscheinend nur für OMA-BASHING gekommen waren, gingen schon wieder und verpassten dadurch angepissten Oldschool-Pogo-HC-Punk mit giftigen deutschsprachigen Texten, die den politischen Rechtsruck zerpflücken, aber auch durchblicken lassen, dass man weiß, wie man Spaß hat. Die Band um den auch von SEKRETSTAU und FRONTEX bekannten Gitarristen Gizmo gönnt sich gleich zwei Sänger, die aber die meiste Zeit dasselbe und dazu auch recht ähnlich klingend keifen und brüllen. Da könnte man vielleicht etwas mehr draus machen. Der Bass hat einige coole Läufe im Angebot, Gizmo an der Klampfe schrubbt die Akkorde halbverzerrt dazu und haut immer mal wieder ‘ne simple Lead-Melodie raus. Ich glaube, das 2023 erschienene „Schräge Töne“-Tape wurde komplett durchgezockt; „Gib die Hülse her“ feierte unser Gitarrist Ole plötzlich pogend ab, nachdem er zuvor lediglich aufmerksam zugehört hatte. Instant-Lieblingssong! Mit „BWL“ gab’s ‘ne neue, bisher unveröffentlichte Nummer, nach ein paar weiteren eigenen Songs gefolgt von einem Cover-Block: „Bulle“ von HASS mit „Ganz Hamburg hasst die Bullerei“-Intro, „Scheiß drauf“ von RAPE (damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet!), NOTDURFTs „Arschkriecher-Einheitsfront“ usw. – sehr coole Wahl, nur war man gefühlt mittlerweile bei Song Nummer 25 und hatte sogar noch weitere im Köcher, während die Aufmerksamkeitsspanne, auch aufgrund der vorgerückten Stunde, beim einen oder anderen langsam, aber sicher erschöpft war. Dass nicht jeder Song auf Anhieb funktionierte und noch mal begonnen wurde, ist natürlich kein Beinbruch und passt zum Charme der Band, ein wenig Straffung hätte dem Set aber meines Erachtens gutgetan. Nichtsdestotrotz macht dieser authentische, rotzige, unangepasste und völlig trendresistente Sound immer Laune, insbesondere dann, wenn sich eine Art hungrige Hektik von der Bühne aufs Publikum überträgt.

Als krönender (?) Abschluss waren wir an der Reihe, nachdem wir seit unserer Ankunft wacker versucht hatten, den richtigen Pegel zu halten (gar nicht so einfach, denn als letzte zu spielen sind wir nicht gewohnt). Auf Limburger Pogo-D-Punk folgte also englischsprachiger Streetpunk aus Hamburg. Wir spielten alle Songs des „First Shots!“-Albums plus zwei Zugaben von der alten EP – und alles, was uns am vorausgegangenen Wochenende in Lübeck noch nicht so ganz geglückt war, funktionierte hier. Wir hatten eine tollen Bühnensound und entwickelten einen Spielfluss mit nur wenigen technikbedingten Zwangspausen. Ich hatte keine Texthänger und auch, wenn aus Christian hin und wieder die Marille sprach, quatschte er keine Opern. Die Lobusch brach zwar nun nicht mehr aus allen Dämmen, aber der Gig machte verdammt viel Spaß, zumal mein Körper meine angeschlagene Gesundheit per Adrenalinausstoß weitestgehend vergessen machte. Ein Typ, den ich nie zuvor gesehen hatte, kam an die Bühne und ließ wissen, dass er aus Afrika komme, ihm unsere Musik aber super gefalle. Ein Fan mehr! :D Er hatte sich aber auch den richtigen Auftritt ausgesucht, denn das dürfte unser bester seit dem „Relaunch“ der Band gewesen sein. Zwar war die Oi!-/Streetpunk-Szene Hamburgs nur spärlich vertreten, da sie offenbar überwiegend brav ins Docks gepilgert war, aber das war auch kaum anders zu erwarten gewesen. Paar Plünnen haben wir trotzdem verkauft – und ich bin froh, an das Thema „Release-Party“ endlich ‘nen Haken machen zu können. Gig-Anfragen sind uns natürlich immer willkommen, also ran an den Speck, so lange wir so gut eingespielt sind ;)

Riesendank an Andi und die Lobusch-Crew samt allen Helferinnen und Helfern, beide Bands, alle, die mitgefeiert haben, sowie an Sandy, Keith und Nickel für die Unmengen Schnappschüsse unseres Auftritts!

Reich bebildert auch hier:
https://www.pissedandproud.org/06-12-20 ... a-bashing/
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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