Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE

Alles, was nichts oder nur am Rande mit Film zu tun hat

Moderator: jogiwan

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jessicaRabbit
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE

Beitrag von jessicaRabbit »

Leon Engler - Botanik des Wahnsinns
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Das habe ich in den letzten Wochen zufällig entdeckt, als ich ein ganz anderes Buch bestellen wollte. Es ist wohl das Erstlingswerk von Leon Engler, und meine Güte, habe ich mich in dieses Buch verliebt! Wie das so ist mit Literatur, sagt das ziemlich viel über mich aus, dass ich mein Herz so an dieses Werk gehängt habe: der Protagonist erzählt auf ca. 200 Seiten aus der Ich-Perspektive und stellt sich die große Frage, ob er, weil die psychischen Krankheiten seinen Stammbaum durchziehen wie ein roter Faden, zwangsläufig wohl auch irgendeiner Psychose/Depression o.ä. anheim fallen muss. Was ist eigentlich ein normaler Mensch, wer definiert Normalität und warum ist aus dieser Norm fallen überhaupt ein Problem? Man folgt ihm dabei vom Ausräumen des Elternhauses über sein Studium nach Wien wieder zurück in die Gegenwart und es entfaltet sich eine zuweilen massive traurige, aber rührende und wahnsinnig authentische Familiengeschichte voller Irrungen und Schmerz. Ich finde es fantastisch geschrieben, sehr kurzweilig, aber sicher auch speziell mit einigen Zeitsprüngen zwischen den verschiedenen Kapiteln (muss man mögen, den Stil) und sehr sehr vielen Verweisen in die Psychoanalyse und die Geschichte der Psychotherapie inkl. Zitate, Namen etc. Ich mochte das sehr und fand den zärtlichen, aber ehrlichen Blick auf diejenigen, die sich in der Welt irgendwie nicht zuhause fühlen, ihre eigene Realität finden oder an ihr zerbrechen, sehr berührend und kann das Buch nur empfehlen, wenn man mit der Thematik etwas anfangen kann.
"I'm lookin' at your face and I just wanna smash it. I just wanna f***in' smash it with a sledgehammer and squeeze it."
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karlAbundzu
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE

Beitrag von karlAbundzu »

Fürsten der Finsternis - Vampirkult im Film
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Ich weiß noch, da bin ich ein paar Jahre beim Mondo-Weekender in Düsseldorf drum herum geschlichen. Ist der Katalog zur Ausstellung im Filmmuseum Düsseldorf von 2013. Die Ausstellung selbst habe ich nicht gesehen, doch das Buch sah immer interessant aus, Irgendwann schlug ich zu.
Und jetzt endlich zum lesen gekommen.
Neben einer kurzen Einleitung der beiden Herausgeber gibt es sechs Aufsätze zu verschiedenen Themen. Vampirmotive im frühen Film, Sowohl biographisches als auch Besonderheiten als Draculadarsteller der vier großen Stars: Schreck, Lugosi, Lee, Oldman. Etwas zum hypnotisierenden Blick gerade beí Browning, Repräsentationsformen weiblicher Monstrosität, Selbstreflexivität, Streifzug durch ein Vierteljahrhundert europäischen Vampirfilm abseits von Hammer.
Gerade die letzten beiden Kapitel fand ich sehr gelungen, auch sehr passend für das Forum, beide von Hans Schmid. Auch die anderen sind interessant und gut geschrieben, sowohl lesbar als auch dem wissenschafltichen Anspruch gerecht. Dazu gibt es viele Bildvergleiche, so dass die Erinnerung erleicchtert werden bzw. nichts auf den Bildträgern oder im Netz gesucht werden muss. Ein wirklichen Anhang mit den behandelten Filmen oder zitierten Büchern gibt es leider nicht.
Sehr lohnend.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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buxtebrawler
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE

Beitrag von buxtebrawler »

@Karlschi: Danke für die Vorstellung! Für filmbezogene Bücher kannst du auch gern eigene Threads erstellen ;)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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karlAbundzu
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE

Beitrag von karlAbundzu »

buxtebrawler hat geschrieben: Sa 10. Jan 2026, 16:10 @Karlschi: Danke für die Vorstellung! Für filmbezogene Bücher kannst du auch gern eigene Threads erstellen ;)
War ich gerade schon am tun und ist erledigt :D
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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karlAbundzu
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE

Beitrag von karlAbundzu »

Richard Matheson: Ich bin Legende
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Mehrere Geschichten Mathesons sind neu heraus gekommen, und für mich zum Glück auch als e-Book, und das recht günstig, und die Legende wollte ich schon immer mal lesen. Die verschiedenen Filme, die darauf beruhen, kennen wahrscheinlich die meisten. Zumindest Der Omega-Mann (1971) mit Charlton Heston. Ansonsten möcht ich noch The Last Man on Earth mit Vincent Price empfehlen, und abraten von I Am Legend mit Will Smith.
Der letzte Mensch auf Erden, nach einer Krankheitswelle, die die Menschen entweder umbrachte oder zu Vampiren macht. Robert Neville bringt Frau und Tochter zu Grabe, verbarrikadiert sich zu Hause, trinkt die Sorgen in den Hintergrund, und versucht die Zeit zu nutzen, um die Ursachen der Seuche heraus zu finden.
Toll erzählt, mit Rückblicken, Innenansichten Nevilles, zwischendurch Action. Mitreißend, da muss noch mehr ran von Matheson.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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buxtebrawler
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE

Beitrag von buxtebrawler »

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Naomi Fern (Hrsg.) / Reinhard Kleist (Hrsg.) – Bettgeschichten: Comics für Erwachsene

In dem im Jahre 2012 im Stuttgarter Zwerchfellverlag erschienen, rund 110-seitigen Softcoverband im Zwischenformat geben sich 18 Zeichnerinnen und Zeichner der deutschen Independent-Comicszene ein Stelldichein, darunter Maike Plenzke, Mawil, Steffi Schütze, Calle Claus und auch die Herausgeberin und der Herausgeber. Allen gemein ist, dass sie einmal ihren libidinösen Fantasien freien Lauf lassen und eine Kurzgeschichte für diesen Band beisteuern. Dadurch umfasst der vollfarbige Band eine kunterbunte stilistische Mischung. Manches ist eigentlich reiner Porno, bekommt aber doch noch eine leicht amüsante Pointe angehängt; anderes ist hingegen von vornherein deutlich humoristisch angelegt.

Schön ist’s, dass mehrere Frauen dabei sind – deren Fantasien sich offenbar gar nicht so sehr von denen der männlichen Kollegen unterscheiden. Manche „Geschichte“ geriet ultrakurz, beispielsweise Mahlers Beitrag, der sich eher einen kleinen Spaß erlaubt haben dürfte. Ein anderer Beitrag leidet etwas unter den vielen Rechtschreibfehlern. Allen aber merkt man die Freude daran an, einmal an einem solchen Projekt partizipieren zu können. Mawils Nackedeis in seinem typischen schrägen Zeichenstil sind urst schau. Heterosex trifft in „Bettgeschichten“ auf Gleichgeschlechtliches und Zwitterfantasien; eine Wundertüte, in der für jeden etwas dabei ist und die weitestgehend ohne patriarchalen Sexismus auskommt. Aber Obacht: Es geht mitunter sehr explizit zu, entsprechend ist der Band auch erst ab 18 Jahren freigegeben.

Das stabile, matte Papier fasst sich gut an und hinterlässt einen wertigen Eindruck. Die Kurzportraits aller Zeichnerinnen und Zeichner im Anhang sind aber leider etwas arg klein geraten.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
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