Mein Nachbar Tortoro
Gestern gleich nochmals im Rahmen meiner Hayao Miyazaki-Retrospektive gesichtet und „Mein Nachbar Totoro“ ist einfach ein wunderbares Werk über einen abenteuerlichen Sommer auf dem Lande, kindliche Fantasie und zwei Kinder, die in einer schwierigen Zeit immer wieder Hilfe von unerwarteter Seite bekommen, wenn Traurigkeit, Einsamkeit oder Langeweile droht. Ob der große Totoro aus einem Kinderbuch entsprungen ist, oder tatsächlich existiert ist dabei unerheblich und Miyazaki trennt seine Geschichte auch nicht wie üblich in „real“ oder „fantastisch“ sondern erzählt sie in einem Fluss und gänzlich aus der Sichtweise der beiden Kinder. Ein wunderbarer Film mit noch wunderbareren Figuren, der mit jeder Sichtung wächst und den man auch nur voll und ganz in sein Herz schließen kann.
Das Schloss des Cagliostro
Ich muss ja ehrlich gestehen, dass mir die Figur des Meisterdiebes Lupin III ja nicht so wirklich bekannt war, auch wenn die Serie und das Manga anscheinend ja sehr beliebt ist und es neben daneben auch ein paar Kinofilme gibt. Im Jahr 1979 realisiert Hayao Miyazaki mit „Das Schloss des Cagliostro“ einen sehr kurzweiligen Streifen irgendwo zwischen „Danger: Diabolik“ und „Inspektor Gadget“, der ursprünglich für den deutschen Markt wieder einmal grob gekürzt und unter dem Titel „Hardyman räumt auf“ (?) veröffentlicht wurde. Die ungekürzte Originalfassung ist da aber die bessere Wahl und präsentiert eine turbulente und unterhaltsame Geschichte für kleine und große Kinder, die augenzwinkernd um die Ecke biegt. Der Meisterdieb ist ja ein grundsympathischer Geselle mit dem Herz am rechten Fleck, dem auch noch die Frauen zu Füßen liegen und der auch in der aussichtslosesten Situation nicht seinen Mut, Coolness und Humor verliert und so auch durch die haarsträubendsten Abenteuer stolpert. Zeichnerisch lassen sich auch schon viele Dinge ausmachen, die Jahre später zu den Trademarks des Regisseurs werden sollten und irgendwie tut es mir jetzt im Nachhinein leid, dass ich die DVD so lange ungesichtet herumliegen hab lassen. Turbulenter Anime der rockt und Spaß macht und dem sein Enstehungsjahr auch überhaupt nicht anzusehen und anzumerken ist.
Clement
anstregend zu guckender und ziemlich fragwürdiger Arthouse-Murks im Dogma95-Stil über die Beziehung einer Mittdreißigerin zu einem Dreizehnjährigen.
Interstellar
In einer nahen Zukunft ist durch Nahrungsmittelknappheit und Sandstürme das Ende der Erde besiegelt und nur noch sehr wenigen Generationen scheint das Überleben gesichert. Durch ein seltsames Phänomen auf seiner Farm kommt Ex-NASA-Pilot Cooper mit seiner Tochter Murphy auf die Spur von Wissenschaftlern auf einer geheimen Basis, die in einem letzten Versuch und der Durchquerung eines Wurmlochs im All eine neue Bleibestätte für die verbliebenen Erdenbewohner suchen wollen. Als Cooper als erfahrener Weltraumpilot das Angebot bekommt, an der Mission zur Rettung der Welt teilzunehmen willigt Cooper ein, obwohl er weiß, dass er dafür auch seine Familie für immer verlassen muss und vermutlich niemals zurückkehren wird…
Eigentlich ganz großartiger Streifen von Christopher Nolan im Stil philosophischer Sci-Fi-Filme vergangener Jahrzehnte über einen Piloten, der für die Rettung der Welt seine Familie zurücklassen muss. Dabei beginnt der Streifen überraschend ruhig, bodenständig und unaufgeregt und statt Technik und CGI-Event-Origien liegt der Focus eher dem bewegten Seelenleben des Ex-Piloten, der für den positiven Abschluss seiner Mission auch einen hohen Preis zahlen muss. Die Geschichte wird nach rund 50 Minuten auch zunehmend wilder und am Ende runzeln sich die Gehirnwindungen ganz schön, auch wenn Nolan es vermeidet den Zuschauer mit zu viel Technik, Quantenphysik oder unnötigen Handlungssträngen zu belasten. Funktionale Action-Sequenzen passieren beiläufig und aus der Geschichte heraus und selbst die spektakulärsten Bilder lenken nie von der Tatsache ab, dass hier eine großartige und dramatische Geschichte mit einem wunderbaren Ensemble erzählt wird. Hier passt dann eigentlich auch jede Sekunde und mit „Interstellar“ hat Nolan auch eine Art Gegenentwurf zum gängigen, aufgeblasenen und inhaltsleeren „Blockbuster-Event-Kino“ geschaffen, der auch gar kein Dauerfeuer oder CGI-Eventorgien notwendig hat um den Zuschauer 169 Minuten angespannt in den Sessel zu drücken und begeistert zurückzulassen.