Women's Camp 119
Die junge Medizinerin Maria kommt eines Tages mit einer Handvoll weiblicher Gefangener in das KZ in Rosenhausen, dass von dem Mediziner Dr. Wieker mit eiserner Hand geführt wird und in dem mit den Insassen schreckliche Menschenversuche stattfinden. Dort soll Maria als Assistentin von Dr. Meisel mitarbeiten, der ebenfalls von den Nazis zu schrecklichen Experimenten gezwungen wird, um eine makellose Herrenrasse heranzuzüchten, die allen anderen Rassen überlegen ist. Zwischen dem harten KZ-Alltag, der von Gewalt, Erniedrigung und sexuellen Übergriffen seitens der Nazis geprägt ist, entwickelt sich zwischen Maria und Dr. Meisel jedoch eine zarte Liebesaffäre und während das berüchtigte Camp auch zunehmend das Ziel von Alliierten-Angriffen wird, plant auch das Pärchen aus dem schrecklichen Ort in eine ungewissere Zukunft.
Mit N.ziploitation ist es ja immer so eine Sache und auch Bruno Mattei lässt in seinem 1977 entstandenen Streifen keine Möglichkeit aus, dem Zuschauer allerlei Abscheulichkeiten und Geschmacklosigkeiten in drastischen Bildern zu präsentieren. In dem episodenhaft angelegten Werk über ein KZ in Rosenhausen gibt es zahlreiche Menschenversuche, Exekutionen, von den Nazi-Schergen vorgetragenes und sehr fragwürdiges Gedankengut und sogar ein paar unfreiwillig-komische Momente, wenn Homosexualität auf sehr fragwürdige Weise geheilt werden soll. Ansonsten herrscht in dem Werk aber ein ernster und sehr menschenverachtender Grundton und mit der melancholischen Musik von Alessandro Alessandroni und etwas Archiv-Material ist „Women’s Camp 119“ auch gar nicht so trashig, wie es vielleicht der Name Bruno Mattei und sein sonstiges Output vermuten ließe. Das Ende ist ebenfalls sehr düster ausgefallen und der Streifen daher insgesamt auch sicher kein Kandidat für den Gute-Laune-Abend.
Eyes Without a Face
Giovanna ist die Zeichnerin des Comics „Doctor Dark“, dass sich trotz drastischer Gewaltdarstellung seiner Figur an ein jugendliches Publikum richtet. Als ein mysteriöser Mörder beginnt, wie die Figur im Comic seinen Opfern die Augen zu rauben gerät die junge Frau in die Fronten zwischen aufgebrachter Presse und der Polizei und die Zeichnerin wird indirekt für die Taten verantwortlich gemacht. Als sich auch noch der Mörder telefonisch bei Giovanna meldet und diese in ihrer Wohnung bedroht, wird wenig später ein Journalist, der sich bereits bei einer Pressekonferenz sehr seltsam verhalten hat, als Täter entlarvt und hinter Gitter gebracht. Doch die seltsame Mordserie geht weiter und schon bald wird klar, dass es sich bei dem eigentlichen Mörder um jemanden aus dem direkten Umfeld der Zeichnerin handeln muss…
Bruno Matteis gelungener Nachzügler zum Giallo-Genre lässt sich überraschend gut gucken und bietet eigentlich auch alles, was man sich von einem derartigen Streifen erwartet. Zwar orientiert sich die Geschichte etwas stark an einem ungleich bekannteren Werk von Dario Argento, aber abgesehen von der unterkühlten Neunziger-Optik gibt es in dem kurzweiligen Werk mit seinen Darstellern aus der zweiten Reihe nicht viel zu bemängeln. Die Geschichte ist durchwegs spannend, die Morde drastisch und über mangelnde Tatverdächtige kann man sich im Verlauf von „Eyes without a Face“ auch nicht beklagen. Wer die Chance hat, diesen eigentlich sträflich vernachlässigten Thriller zu gucken, sollte die Möglichkeit auch nutzen. Die Kiste der Spät-Giallos bietet jedenfalls weit schlechtere Beispiele als Matteis solider Streifen, der auch positiv aus dem ansonsten eher durchwachsenen Output des umtriebigen Regisseurs aus dieser Schaffensperiode heraussticht.