Bruno Mattei Double Feature
In the Land of the Cannibals
Als die junge Senatoren-Tochter Sara nach einer Expedition im Dschungel des Amazonas mit ihrem Team spurlos verschwindet und sich die Regierung ihres Landes große Sorgen macht, wird ein SWAT-Team unter der Leitung von Lt. Wilson mit dem Wildnis-Experten Romero auf die Spur der jungen Frau geschickt. Romero vermutet, dass das Team im unerforschten Dschungel auf einen Kannibalen-Stamm getroffen ist und als Teile der Ausrüstung der Expeditionsteilnehmer und wenig später auch Teile derselben gefunden werden, wagt sich das Team immer weiter in den unberührten Dschungel und trifft neben allerlei Eigeborenen und wilde Tiere letztendlich in der Abgeschiedenheit auf den ominösen Stamm und die junge Sara, die mittlerweile gefügig gemacht wurde und als Fruchtbarkeitssymbol vergöttert wird. Obwohl das Unterfangen aussichtslos scheint, will Wilson jedoch die junge Frau im Stück zurückbringen und startet so ein regelrechtes Himmelfahrtskommando durch die grüne Hölle…
Der 2003 auf den Philippinen entstandene „Land of Death“ ist neben dem zeitgleich gedrehten „Mondo Cannibale“ wohl Bruno Mattei
dreistestes Plagiat ähm… Hommage an den kontroversesten Kannibalen-Streifen aller Zeiten. Wie sonst ließe sich erklären, dass in beiden Filmen ganze Handlungselemente auch Deodatos „Cannibal Holocaust“ nicht nur im sprichwörtlichen Sinn wiederverwurstet werden. Hier geht es u.a. um den Teil der Suche nach einem verschwundenen Vorgängerexpedition und neben ganzen Szenen wie Ritualmord, Badeszene und vielen weiterenn Dingen kommt hier sogar Kermans Maispfeife wieder ausgiebig zum Einsatz, ehe der Film am Ende dann in Richtung „Predator“ kippt und mit allerlei Waffen durch den Dschungel geballert wird. Alles trotz bemühter Ernsthaftigkeit natürlich recht trashig, blutig und recht billig heruntergekurbelt ist „In the Land of the Cannibals“ aber irgendwie auch dank der vollkommen klischeehaften Figuren unterhaltsam, auch wenn ich auf den Tiersnuff gerne verzichtet hätte. Alles in allem ein Kannibalenwerk, dass sich mächtig weit aus dem Fenster lehnt und sich als Mattei-Fan gucken lässt, auch wenn sich der Großteil des Publikums aus vielerlei Gründen mit Grausen abwenden wird.
Mondo Cannibale
Da ihre Nachrichtensendung in Punkto Einschaltquoten vor sich hin dümpelt und abgesetzt werden soll, überredet die ehrgeizige Reporterin Grace ihren Sendeverantwortlichen zu einer letzten Expedition, der die junge Frau gemeinsam mit dem Kriegsreporter Bob Manson und seinem Team in die grüne Hölle führt, wo die junge Frau skandalträchtige Bilder aufnimmt, die auch rasch dafür sorgen, dass sich ihre Sendung wieder größter Beliebtheit erfreut. Doch Grace und Bob sind die Bilder nicht wüst genug und als sie auf einen berüchtigten Kannibalenstamm treffen, der sich als eher harmlos herausstellt, nehmen die beiden Reporter das Schicksal selbst in die Hand und verursachen mit Waffengewalt ein Massaker, dass ebenfalls bildschirmwirksam eingefangen wird. Während sich das Team gegenseitig zu immer wilderen Taten anstachelt, schlagen die Wilden zurück und die Rache der Kannibalen ist noch grausamer, als es sich die Reporter vorstellen können...
Nachdem Bruno Mattei mit „In the Land oft he Cannibals“ bereits ausgiebig Deodatos „Cannibal Holocaust“ gehuldigt hat und wenigstens noch etwas Eigenständiges hinzugefügt hat, geht er mit „Mondo Cannibale“ wieder einen Schritt zurück und strickt aus dem Handlungsstrang von Alan Yates und seinem Team bzw. dem Found-Footage-Anteil gleich einen ganzen Film, in dem er neuerlich ein skrupelloses Reporterteam in den Dschungel schickt, dass für spektakulären Bilder aus der grünen Hölle selbst Hand anlegt. Dazwischen gibt es Sendeverantwortliche, die zwischen Quote und Verantwortung hin- und hergerissen sind und auch Kermans abschließende Bemerkung über die wirklichen Kannibalen wird hier nochmals recycelt. Alles natürlich nicht annähernd so intensiv wie im übergroßen Vorbild, gibt es neben Mondo-Anleihen zu Beginn natürlich auch jede Menge abgeschmackter Szenen, die bis auf die gepfählte Frau auch alles bieten, das schon Deodato gebracht hat. Im Vergleich zum zeitgleich entstandenen „In the Land of the Cannibals“ ist dieser hier aber klar der unsympathischere Streifen, der auf kostengünstige Weise auch alles präsentiert, was das Genre so in Verruf gebracht hat. Ob man sich daher „Mondo Cannibale“ wirklich anschauen muss, oder gleich nochmal „Cannibal Holocaust“ in den Player wandert, muss wohl jeder selbst für sich entscheiden.