Die Walze und die Geige
Während die anderen Kinder seines Wohnhauses im Hof spielen, übt sich der siebenjährige Sascha aus gutem Hause im Geigenspiel, was ihn zwar zu einem talentierten Jungen, aber auch zu einem Außenseiter macht. Als er eines Tages auf dem Weg zur Musikstunde wieder einmal von den Gleichaltrigen gehänselt wird, verscheucht Igor, der Fahrer einer Straßenwalze von einer nahen Baustelle die Kinder und lässt den Jungen danach auch etwas an seiner täglichen Arbeit teilhaben. Sascha hilft Igor bei der Reparatur der Walze und er darf auch eine Runde mit dem eindrucksvollen Gefährt fahren, während der Junge dem Arbeiter stolz ein Stück auf seiner Geige vorspielt. Als sich die Beiden am Abend verabreden und gemeinsam ins Kino zu gehen, wird dieses jedoch von Saschas Mutter verboten.
Andrei Tarkowskis Diplomfilm für das staatliche Institut für Kinematographie dreht sich um die Freundschaft eines Jungen und eines Arbeiters, die im Moskau der Sechzigerjahre aufeinandertreffen und ein sehr kurzes Stück ihres Lebens gemeinsam gehen. Während Igor stolz auf die körperliche Arbeit ist, die er täglich vollbringt, beeindruckt Sascha den Arbeiter mit seinem musikalischen Talent und jeder „lernt“ etwas vom anderen, bevor die aufkeimende Freundschaft zwischen dem Kind und dem Erwachsenen durch das Verbot der Mutter jäh beendet wird. „Die Walze und die Geige“ ist dabei ein Kinderfilm, der unaufgeregt und mit poetischen Bildern erzählt und zeigt auch schon mit spiegelnden Oberflächen und plötzlich einsetzenden Regen auch Dinge und Naturelemente, die auch in seinen späteren Filmen immer wieder prägnant in Szene gesetzt werden. Statt dem Problem mit den hänselnden Kindern und dem Verbot der Mutter stehen auch die eher unbeschwerten Momente im Vordergrund, in denen der Junge aus seinem Trott ausbrechen kann und mit Igor eine für ihn abenteuerliche und neue Welt entdecken darf. Ein schöner Film für Kinder und Erwachsene über eine unbeschwerte Zeit, der trotz harmlosen Inhalt mit seiner technischen Perfektion und ausgefeilten Bilderwelten wohl auch den Grundstein für Andrei Tarkovskys Karriere legte.
Max Headroom
Episode 1: Blipverts
Sender 23 ist der erfolgreichste Sender der Zukunft, der diesen Status auch sogenannten „Blipverts“, komprimierten Werbeclips zu verdanken hat, der den Zuschauer am zappen hindert. Als es einen mysteriösen Todesfall zu vermelden gibt, ahnt Enthüllungsjournalist Edison Carter einen Zusammenhang und als Edison eine Reportage plant und in Besitz eines Videos kommt, befiehlt der Senderboss sein Verschwinden und während einer wilden Verfolgungsjagd kracht der Journalist gegen einen Schranken. Als der junge Computerspezialist Bryce ein elektronisches Abbild seines Geistes anfertigt, ist Max Headroom geboren und gemeinsam mit seiner Controllerin Theora, die den für Tod gehaltenen Edision aus einer Organ-Bank rettet, schafft das Team um den bekannten Journalisten den Verantwortlichen das Handwerk zu legen.
Episode 2: Rakers
Auch in der nahen Zukunft gibt es ein Problem mit Jugendarbeitslosigkeit und Armut und skrupellose Geschäftemacher nutzen die Not der Cyberpunks aus, in dem sie moderne Gladiatorenkämpfe organisieren, bei denen die Teilnehmer mit aufgemotzten Skatebords auf Leben und Tod kämpfen. Als die Rechte der vermeintlichen Trendsportart „Raking“ an den Sender 23 verkauft werden sollen, wird auch Theoras Bruder in die Sache hineingezogen und die Controllerin macht sich auf dem Weg um ihn zu helfen. Als Edisons Boss Theora wegen ihrem Verschwinden feuern möchte, bittet er um Verständnis für das Verhalten seiner Partnerin, wittert hinter der ganzen Sache bereits eine große Enthüllungsstory und wird auch in einem aufgelassenen Lagerhaus fündig, in dem gerade einer dieser tödlichen Bewerbe läuft.
Was war ich Ende der Achtziger doch Fan dieser Cyberpunk-Serie mit seinem stotternden „computergenerierten“ Max und dem Enthüllungsjournalisten Edison im Kampf gegen Verbrechen und Korruption durch böse TV-Sender, bei denen er von seiner Controllerin Theora beherzt durch alle Gefahrensituationen gelenkt wird. Heutzutage wirkt „Max Headroom“ mit seinem pseudo-futuristischen Look und Themen ja eher etwas unfreiwillig komisch und vor allem Max (der popkulturell aus den Achtzigern ja gar nicht mehr wegzudenken ist) wirkt ja so gar nicht mehr cool, sondern mit seinem Gestottere und zynischen Kommentaren eher etwas nervig. Die Serie will ja auch temporeich daherkommen und kritisch das Fernsehverhalten der Menschheit hinterfragen und ist dabei doch schon längst von der Realität und den Schattenseiten des Internets eingeholt worden. Trotzdem ist die etwas brave Dystopie natürlich ein lustiges Zeitdokument und hat man sich erst einmal wieder an den Hairspray-Make-Up-Cyberpunk-Look der Achtziger und das Gestammel von unserem Max gewöhnt, kann man „Max Headroom“ im Rahmen eines Nostalgie-TV-Serien-Abends auch wieder gut gucken.