Vampire
Technisch gut gemachter und flotter Horrorstreifen, der leider nur etwas daran krankt,dass ich moderne Vampirfilme generell etwas langweilig finde und auch noch über eine Western-Atmo verfügt, die man imho ja ebenfalls knicken kann. Ansonsten ist "Vampire" aber gut gemachtes Horror-Kino, das sich nicht lang mich Nebensächlichkeiten aufhält und in der ungekürzten Fassung auch ganz tief in die blutige Trickkiste greift. Die Story mit dem übermächtigen Ober-Vampir mit seinen Anleihen in der katholischen und europäischen Kirchengeschichte geht ebenfalls in Ordnung und mit John Woods, Sheryl "Laura Palmer" Lee und Maximilian Schell hat man auch mehr als passable Darsteller am Start, während der Dicke von den Baldwin-Brüdern doch stets eine Spur zu hölzern daherkommt. Am Ende rumpelt es jedenfalls ganz ordentlich im Sarg und insgesamt gesehen ist "Vampire" dann dennoch ein kurzweiliges Ereignis im höheren Härtegrad, das Vampir-, Western- und John Carpenter-Fans auch uneingeschränkt zusagen sollte.
No one heard the Scream
Die attraktive Elisa reist einmal im Monat auf Kosten eines reichen Geschäftsmanns für Wochenende nach London um mit ihm ein schönes Wochenende zu verbringen. Als eines Tages ihr Flieger etwas Verspätung hat, beschließt sie spontan ihren geplanten Trip abzusagen und kehrt in ihre Wohnung zurück, wo sie nach einem Streit in der Nebenwohnung Zeuge wird, wie ihr Nachbar Miguel gerade eine Frauenleiche in den Fahrstuhlschacht entsorgt. Elisa ist entsetzt und wird, als sie sich in ihrer Wohnung verbarrikadiert und die Polizei alarmieren möchte, von Miguel mit Waffengewalt dazu genötigt, ihm bei der Entsorgung der Leiche in dem ansonsten unbewohnten Wohnkomplex zu helfen. Obwohl Elisa von der Tat schockiert ist, hilft sie Miguel und steht ihm auch loyal zur Seite, als die Beiden von der Polizei aufgehalten werden. Elisa scheint sich in den smarten Schriftsteller verliebt zu haben, doch das Schicksal hat für Beide noch eine überraschende Wendung parat...
Netter und schön gemachte Mischung aus Psychothriller, Giallo und Liebesdrama von Eloy de la Iglesia mit zwei charismatischen Hauptdarstellern und einer ungewöhnlichen Story, die dramaturgisch ordentlich das Gebälk krachen lässt. Die Geschichte über den brutalen Mord und der Handlangerin wider Willen, die sich auch noch in den vermeintlichen Mörder verliebt ist zwar wie so jeder zweite spanische Genre-Beitrag aus dieser Entstehungszeit reichlich konstruiert, aber nette Wendungen und die Überraschung am Ende, die aufmerksame Zuschauer schon ab der Mitte erahnen können, wertet den solide inszenierten Film dann auch zusätzlich auf. Zwar ist "Nadie oyó gritar" im Vergleich zu "Einbahnstraße in den Tod" und "Cannibal Man" über weite Strecken eher ruhig und vergleichsweise unspektakulär gehalten, aber die originelle Geschichte macht Laune und Carmen Sevilla ist ebenfalls eine wahre Augenweide. Ein nettes B-Movie mit flockiger Musik und Charme, dass sich auch gut gucken lässt.
Yo soy la Juani
Die junge Juani lebt noch bei ihren Eltern am Stadtrand, jobbt beim Media Markt an der Kasse und ist schwer in ihren Freund Jonah verliebt. Dieser interessiert sich jedoch mehr für Autotuning, ist ständig pleite und auch noch chronisch eifersüchtig. Als sie eines Tages ihren Freund beim Seitensprung erwischt, beschließt sie ihr bisheriges Leben zurückzulassen und mit ihrer Freundin Vane nach Madrid zu gehen um dort ihren Traum als Schauspielerin erfolgreich zu werden, in die Tat umzusetzen. Zuerst läuft auch alles gut und die beiden Mädchen leben ein aufregendes Leben zwischen Clubs und Shopping. Wenig später muss Juani jedoch erkennen, dass sie sich alles etwas leichter vorgestellt hat und Geldnot, Heimweh und die immer noch vorhandene Liebe zu Jonah setzt ihr ebenfalls zu...
Wenn alternde Regisseure Filme über die Probleme junger Menschen drehen, ist es ja oft der Fall, dass hier lediglich die Sichtweise der älteren Generation auf junge Menschen gezeigt wird und wie im Falle von Larry Clark die Story als Aufhänger für höchst zweifelhafte Dinge genutzt wird. Bei Bigas Luna ist das aber anders und sein "Yo soy la Juani" ist dann auch ein recht gelungener Streifen, der die Nuller-Jahre und die dazugehörige Generation Spaniens in der Wirtschaftskrise recht glaubwürdig und authentisch präsentiert und dabei auch etwas an schnell-geschnittene Youtube-Clips und Hochglanz-Werbespots erinnert. Alles durchaus gelungen und mit dem Finger am Puls der damaligen Zeit hat der Streifen mit "Halte an deinem Traum fest" und "Männer sind Schweine" auch zwei Botschaften, die ja sowieso immer Gültigkeit besitzen und da sich Juani auch nicht unterkriegen lässt, ist der Streifen im Gegensatz zu Lunas sonstigen Werken fast schon optimistisch gehalten.