Kleine Marisa Mell Retrospektive anlässlich ihres 75. Geburtstags:
Violent Blood Bath
Der als Befürworter der Todesstrafe bekannte und französische Staatsanwalt Oscar weilt mit seiner Frau Patricia Urlaub in einem feudalen Hotel am Strand. Mit der Ankuft des Journalisten Javier, sieht sich Oscar jedoch nicht nur mit einem Gegner der Todesstrafe konfrontiert, der seine Frau aus früheren Tagen kennt, sondern es geschehen schon bald seltsame Morde, die genau dem Muster der Taten von verurteilten Mördern entsprechen, bei denen Oscar die Todesstrafe durchsetzen konnte...
Psychodrama mit giallo-esken Zügen in der Tradition systemkritischer Polit- und Polizei-Thriller über einen Staatsanwalt mit reaktionären Prinzipien, die schon wenig später in Frage gestellt wurden, als sich dieser mit einem Nachahmungstäter konfrontiert sieht. Der amerikanische Titel schürt dabei wohl Erwartungen, die der eher unspektakulär erzählte Thriller aus spanischer Produktion auch sicher nicht erfüllen kann und Jorge Grau macht sich auch gar nicht die Mühe großartig Verdächtige einzuführen oder Spannung zu erzeugen. Zentraler Punkt des Streifens ist dann auch die wunderbare Marisa Mell und ihre Konflikt-beladene Beziehung zu dem pedantischen Fernando Rey, der zunehmend an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifelt und sich bald von allen Seiten in die Ecke gedrängt fühlt. Der Streifen ist dabei recht solide erzählt und wer solche Streifen mag und sich kein Highlight erwartet, kann auch gerne ein Äuglein riskieren. Die Hülle der amerikanischen VHS (dessen Bild oben bewusst nicht gewählt wurde) schafft es aber tatsächlich nicht nur mit dem Artwork, sondern auch einem Satz das gesamte Ende zu spoilern...
Historia de una traición
Die hübsche Carla lernt eines Tages durch eine Begleitagentur den industriellen Luis kennen, der die attraktive Frau reich beschenkt und ein Leben in Saus und Braus ermöglicht. Als Carla auf einer ihrer Reisen zufällig in einem Hotel auf ihre Jugendfreundin Lola trifft, die als Stubenmädchen ihr Geld verdient, beschließt Carla ihre Freundin zu unterstützen und teilt fortan Bett und Luxus mit ihr. Als sich Luis jedoch in Lola verliebt und die Beiden heiraten, will die doppelt gehörnte Carla ihrem Leben ein Ende setzen und wird im letzten Moment von dem Maler Arturo gerettet, der jedoch ebenfalls einen zwielichtigen Plan verfolgt und ein tragisches Unglück sorgt ebenfalls dafür, dass wenig später endgültig alles aus dem Ruder läuft...
Überraschend gelungener Erotik-Thriller ohne Netz und doppelten Boden, der mit seiner verschachtelten Erzählstruktur den Zuschauer auch immer hübsch auf die falsche Fährte lockt und welche Rolle nun gut und/oder böse ist, lässt sich in dem spanischen Streifen aus dem Jahr 1971 ja nicht so wirklich feststellen. Die Geschichte hat mir jedenfalls recht gut gefallen und ist von José Antonio Nieves Conde auch sehr cool und groovy in Szene gesetzt. Der Soundtrack ist stimmig, die Inneneinrichtungen, Klamotten und sonstige Ausstattung im besten Siebziger-Look und Marisa Mell und Sylvia Koscina sorgen auch dafür, dass es stets ordentlich knistert. Auch die männlichen Darsteller inklusive Stephen Boyd, Fernando Rey und Massimo Serrato überzeugen und Howard Ross und Simon Andreu schauen kurz vorbei. Alles in allem ein wunderbar-kurzweiliger Film über die Abgründe menschlicher Begierde um den sich endlich auch ein Label bemühen sollte. Verdient hätte es "Historia de una traición" ja auf jeden Fall. Dann am besten gleich im Doppelpack mit dem nicht minder empfehlenswerten "Marta".
Casanova 70
"Casanova 70" ist zweifelsfrei sehr gut gemacht, hat wunderbare Darsteller inklusive meiner Marisa und auch die Zeit vergeht dank turbulenter Handlung wie im Flug, nur frag ich mich am Ende, was uns Mario Monicelli mit seinem satirisch überspitzten Film eigentlich sagen will. Die märchenhafte Geschichte des umtriebigen Offiziers, der in zahlreichen Abenteuern und Eroberungen seine Männlichkeit beweisen muss, ist zwar nett erdacht, aber hinter den eher oberflächlichen Gags wird andererseits auch ein Frauenbild vermittelt, dass man wohl heutzutage nicht mehr gut finden muss und auf Dauer ist die Tatsache, dass alle hübschen Frauen wahlweise als dümmlich, naiv oder berechnend und (über)fordernd dargestellt werden, ist auf Dauer schon keine große Leistung des Autors. Irgendwie spielt Herr Matroianni ja auch immer die gleiche Rolle des charmanten und eloquenten Womanziers. Wenn man das jedoch ausblenden kann ist "Casanova 70" auch eher ein mäßig gelungenes Beispiel italienischer Komödienkunst im Spannungsfeld von Arthouse und Mainstream, aber wie gesagt muss man das heutzutage trotzdem nicht mehr gut finden.