bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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Special Terminator C.I.A.

„Was ist das? Ein Wesen von einem anderen Stern?“

Nach dem Erfolg von James Camerons „Terminator“ ließen Nachahmer und Trittbrettfahrer nicht lange auf sich warten. Einer von ihnen ist der 1986 fürs US-amerikanische Bezahlfernsehen produzierte „Assassin“ von Regisseur Sandor Stern („John & Yoko“, „Amityville Horror Teil 4“), der es als „Special Terminator C.I.A.“ auch zu einer deutschen Videoauswertung brachte.

„…ausschließlich aufs Töten programmiert…“

Der aufs Töten programmierte Android Robert Golem (Richard Young, „Freitag der 13. Teil V - Ein neuer Anfang“) wurde für eine geheime Spezialabteilung des C.I.A. gegen politische Gegner eingesetzt, hat jedoch ein beunruhigendes Eigenleben entwickelt und ist flügge geworden. Ex-Agent Henry Stanton (Robert Conrad, „Flammen am Horizont“) wird reanimiert und auf den Robotermenschen angesetzt, um ihn ausfindig zu machen und auszuschalten. Man findet heraus, dass sich Golem auf einem Rachefeldzug gegen US-Regierungskreise befindet. Zusammen mit der ehemaligen C.I.A.-Agentin Mary Casallas (Karen Austin, „Das Messer“) begibt sich Stanton in Lebensgefahr, denn Golem verfügt über übermenschliche Kräfte. Eine Schwäche hingegen hat er für Ann Walsh (Jessica Nelson, „Masters of the Universe“), außerdem muss er alle 72 Stunden für 30 Minuten an die Steckdose…

„Ihr könnt lachen und sterben – oder zuhören und leben!“

„Special Terminator C.I.A.“ ist eines dieser „Terminator“-inspirierten Science-Fiction-Action-Vehikel à la „Paco – Kampfmaschine des Todes“, „Vindicator“ oder „Eve 8 – Außer Kontrolle“ und bedient sich als Ausgangssituation eines typischen Action-Sujets: Ein ehemaliger knallharter Profi lebt seit geraumer Zeit zurückgezogen als Einsiedler, doch die sich verzettelt habenden Regierungskreise sind dringend auf seine Hilfe angewiesen, weshalb er, in diesem Falle Henry Stanton, sich widerwillig zu einem gefährlichen Einsatz überreden lässt. Zusammen mit Mary führt die Spur zu Golems verstorbenem Entwickler, dessen Tagebücher die beiden suchen wollen. Stantons Chef hat zwar angeblich schon alles erfolglos nach ihnen durchsuchen lassen, doch Henry findet sie kurioserweise recht schnell und liest die dicken Wälzer offenbar in Windeseile.

Noch kurioser: Golem kann angeblich auch Sex haben und besucht unterdessen Bars, flirtet mit Frauen und knutscht schließlich mit Jessica, schläft mir ihr und lächelt am nächsten Morgen wie ein Sonnyboy. Kein Wunder, dass die Gute bei so viel, nun ja, Menschlichkeit keinerlei Lunte riecht und erst recht keines, dass man bei so viel unpassendem Quatsch den sich trotz allem ernstnehmenden Film in erster Linie als unfreiwillig trashig und weniger als spannend oder futuristisch empfindet. Letztgenannten Effekt versuchen Stern und Co. durch dokumentierende Orts- und Zeit-Einblendungen im leidlich futuristischen Digitalfont sowie ein paar durchschaubare, aber durchaus charmante Spezialeffekte zu erreichen, während Schießereien und der eine oder andere schöne Stunt den Action-Anteil besorgen.

Zehn Meilen gegen den Wind jedoch war von vornherein die obligatorische Liebesaffäre zwischen Henry und Mary zu riechen, deren Ambivalenz den Film wenigstens nicht ganz so flach wie die Nordseeküste bei Ebbe erscheinen lässt. Das völlig abstruse Ende hingegen, in dem (Achtung, Spoiler!) Golem sich plötzlich um die eigene Achse dreht und explodiert, weil er eingesperrt wurde, setzt dem Film hingegen endgültig die Narrenkappe auf. Zudem müffelt „Special Terminator C.I.A.“ die meiste Zeit über arg bieder – er wäre gern abgefahren-futuristisch, wirkt aber völlig altbacken, wie ein missratener Bastard-Sohn aus ‘70er-TV-Piefigkeit und ‘80er-Sci-Fi-Cyborg-/Android-Action aus der Discount-Abteilung. Immerhin ist der Synthie-Soundtrack ganz nett und der Film zumindest für diejenigen historisch interessierten Genrefreunde interessant, die im Nachhinein gern wissen möchten, welche Blüten diese Art Genre-Mix seinerzeit trieb.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Vindicator

„Was ist denn nun, Dr. Frankenstein? Sollten wir ihn nicht aktivieren?“

Die kanadische Produktion „Vindicator“ von Regisseur Jean-Claude Lord („Das Horror-Hospital“) aus dem Jahre 1986 ist einer dieser Science-Fiction-Actioner, die sich nach dem Erfolg von James Camerons „Terminator“ an dessen Revers hefteten und in eine ganz ähnliche Kerbe schlugen. Trotz eines Vier-Millionen-Dollar-Budgets gelang es ihm jedoch nicht, dessen Qualitäten zu erreichen.

„Aus dem Primatenlabor kommt ein Alarmsignal!“

Eine Gruppe regierungstreuer Militär-Wissenschaftler um Alex Whyte (Richard Cox, „King of the Mountain“) forscht an einem neuen, extrem widerstandsfähigen Raum- und Kampfanzug. Dem an einem anderen Projekt arbeitenden Carl Lehman (David McIlwraith, „Ausgeflippt“) wird in diesem Zuge eine Falle gestellt: Als er versucht, die Ursachen für einen Alarm in einer technischen Anlage zu beseitigen, explodiert diese und reißt Carl vermeintlich in den Tod. In Wirklichkeit aber hat er schwerstverletzt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt überlebt und muss nun, mit einem elektrischen, quasi unzerstörbaren Metallgerüst verdrahtet, als Prototyp eines Cyborgs herhalten, der in Zukunft auf dem Mars landen können soll. Doch man verliert die Kontrolle über den „Vindicator“ mit seinen übermenschlichen Kräften, der sich fortan auf einem Rachefeldzug befindet…

„Der sieht ja aus wie der Weihnachtsmann – aber nachdem ihn Frau Holle zur Pechmarie gemacht hat!“

Wie damals üblich, hantiert man für Texteinblendungen mit einem ach-so-futuristischen Digitalfont, was heutzutage fast schon wieder hübsch „retro“ wirkt. Der eigentliche Film beginnt mit unschönen Bildern von Tierversuchen an Affen, bevor mehrmals der Name „Frankenstein“ fällt und an den großen Klassiker aus dem Bereich der Erschaffung künstlichen Lebens und dessen Parallelen zu dieser Handlung erinnert. Nach seiner Erschaffung gelingt es dem Vindicator alias Carl Lehman bzw. dem, was von ihm übrig ist, in einem Müllwagen zu entkommen – jedoch nicht, ohne im Müll zu verbrennen. Dies ist Anlass für die vielleicht stärksten Bilder des Films, wenn der Cyborg trotz dessen die Tür aufstößt und hinausschreitet; hinaus in die Freiheit, die ihm verglichen mit seinem früheren Leben – seine ihn tot wähnende Frau Lauren (Teri Austin, „Terminal Choice – Todespoker“) erwartet ein Kind von ihm – nichts außer grausamer Rache zu bieten hat.

„Es kann sein, dass ich radioaktiv verseucht bin!“ – „Ja, das bist du bestimmt – es stinkt ganz schön hier!“

Die Gewalteruptionen indes finden häufig lediglich im Off statt, manch Gewaltspitze wurde jedoch auch von der Zensur in der von mir gesehenen Fassung gekappt (anscheinend waren sowohl die deutsche Kino- als auch sämtliche VHS-Fassungen unvollständig). Der Vindicator ist noch normal zu sprechen imstande, seine Stimme ist lediglich leicht verfremdet. Dass er trotz seiner Aggressionen kein grundlegend schlechter Kerl Robotermensch ist, sollen kitschige Szenen verdeutlichen, in denen er sich mit einem Kind anfreundet. Interessant ist, dass Lord hier bereits einige Motive vorwegnimmt, die Paul Verhoeven ein Jahr später mit „RoboCop“ zur Formvollendung führte und auch bisweilen an die tragische Note aus Sam Raimis erst vier Jahre später gedrehten „Darkman“ erinnert. Ansonsten ist der Film aber gerade im Vergleich mit seinem Cameron’schen Vorbild reichlich handzahm, oberflächlich und wenig stimmig, nicht zuletzt dank der deutschen Synchronisation hier und da gar unfreiwillig komisch. Das rechte Low-Budget-Trash-Gefühl will sich hingegen auch nicht einstellen, dafür ist er dann doch zu durchschnittlich, unauffällig und geleckt. Die Spezialeffekte Stan Winstons, der bereits Camerons „Terminator“ erschaffen hatte, schwanken in ihrer Qualität von prima (Creature Design) bis zu kaum erwähnenswert und der Actionanteil feuert eher gering dosiert übliche Genre-Charakteristika ab. Ein weitaus größerer Trumpf des Films ist die Verpflichtung von Blaxploitation-Star Pam Grier („Foxy Brown“) als böse Powerfrau Hunter, die damit die Klischeesuppe mit einem interessanten Charakter würzt.

Fazit: Ein Termi-Darkman-Robo-nator aus einer unteren Liga und typisches End-‘80er-Videothekenfutter, das wenig Begeisterungsstürme hervorgerufen haben dürfte, filmhistorisch aufgrund seiner „RocoCop“-Referenzen jedoch nicht uninteressant.
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Conquest

„Der Tod wartet auf jeden von uns.“

Der Erfolg von „Conan, der Barbar“ trat Anfang der 1980er eine kurze Welle dieser Sorte Fantasyfilme (Sword and Sorcery oder schlicht Barbarenfilme) los, in denen sich muskulöse, meist knapp bekleidete, überzeichnet männliche Krieger mit Hieb- und Stichwaffen durch eine vorzeitliche phantastische Welt kämpfen. Die italienische Filmindustrie mischte damals kräftig mit und schickte diverse zweifelhafte Helden ins Feld; viele dieser Filme gelten als trashige Schnellschüsse. Ich persönliche empfinde bereits das gesamte Sujet (und damit das Subgenre als solches) als reichlich debil und durch das mit ihm verbundene Pathos und die verkniffene, gestelzte Ernsthaftigkeit wird es nicht besser, im Gegenteil: für meinen Geschmack eher hochnotpeinlich. Als italophiler Exploitation- und Genre-Filmfreund kreuzen sich meine Wege dann aber doch immer mal wieder mit diesen Produktionen und wenn der von mir für seine Horrorklassiker und Gialli geschätzte Italiener Lucio Fulci im Jahre 1983 mit „Conquest“ ebenfalls einen Beitrag zum Fellbekleidungsfetisch abgeliefert hat, komme ich auf Dauer nicht drum herum.

Worum geht’s also? Nun, da wäre der junge Krieger Ilias (Andrea Occhipinti, „Der New York Ripper“), der im kitschigen Prolog von einem silbergelockten und bärtigen Kerl, der aussieht wie der Weihnachtsmann, mit dem Auftrag betraut wird, mithilfe eines magischen Bogens die „Göttin der Sonne“ alias dämonische Hexe Ocron (Sabrina Siani, „The Throne of Fire“) auszuschalten. Diese läuft, nur mit einer goldenen Crimson-Glory-Maske und einem knappen Slip bekleidet, grundsätzlich oben ohne herum und überfällt derweil mit den ihr untergebenen Hundemenschen einen Stamm, wobei sie unverständliche Laute ausstößt. Erst steigt eine heftige Splatterparty inkl. Durchreißen einer Frau und Gehirnverköstigung, im Anschluss scheint man sich Rauschmitteln hinzugeben und Ocron befriedigt sich an einer Schlange… Da platzt Ilias hinein und stört die Sause empfindlich, indem er Ocron mit einem Laser-Pfeil erschießt und eine junge Dame vor der Schlange rettet. Die Dame ergreift daraufhin die Flucht, Ilias hat weiter zu tun und entledigt sich zahlreicher Angreifer mittels handelsüblicher Pfeile. Unerwartete Hilfe bekommt er vom dazustoßenden Mace (Jorge Rivero, „Manaos - Die Sklaventreiber vom Amazonas“), der mit einem Chakku herumwirbelt und die Hundemenschen plattmacht. Mace entpuppt sich als einsamer Krieger, der die Tierwelt sehr schätzt, jedoch keine Freunde hat. Dies ist wiederum kein Wunder, wie die Szene beweist, in der er einen alten Mann tötet, nur um an sein Essen zu kommen. Ocron unterdessen ist gar nicht tot und erhebt nun Besitzanspruch auf Elias‘ Zauberbogen. Mace schließt sich Elias an und wird zu dessen Begleiter, zusammen zieht man durch die Lande. Elias trifft das gerettete Mädchen – ebenfalls Anhängerin der Freikörperkultur – wieder und geht gewissermaßen mit ihr essen, doch kurz darauf wird die Gute von maskierten Angreifern erschlagen. Elias wird daraufhin von Hundemenschen verschleppt, die ihn zu Ocron bringen wollen. Ein brutaler Kampf entbrennt. Aus Wut über die missglückte Entführung verbrennt Ocron einen Hündling bei lebendigem Leibe auf einem Feuerstein, macht anschließend wieder mit ihrer Schlange herum und fantasiert von Elias und seinem Bogen.

Da bekommt sie einen rettenden Einfall: Sie ruft Zora (Conrado San Martín, „Todesmelodie“) herbei und beauftragt ihn, Elias zu finden. Elias wurde von einem Giftpfeil getroffen und hat eine fiese Eiterwunde am Bein davongetragen, die zu allem Überfluss auch noch wandert und sich vermehrt. Sein Kumpel Mace bekommt es unterdessen mit Sumpfzombies zu tun, gegen die er sich zur Wehr setzt. Plötzlich steht Mace seinem eigenen Ebenbild gegenüber, das ihn zum Kampf herausfordert, welches sich als Zora entpuppt. Elias und Mace gehen nach diesen Vorfällen getrennte Wege, woraufhin Mace von Kreaturen überfallen wird, die aussehen, als wären sie in Spinnweben gehüllt. Sie wollen aus ihm Elias‘ Aufenthaltsort herauspressen, doch da kommt dieser auch schon zurück, befreit seinen Freund und tötet die grün blutenden Unholde. Mace indes hängt noch immer an einem Kreuz und fällt mit ihm ins Wasser, wo er jedoch für seine Tierliebe belohnt und von Delphinen (!!!) gerettet wird. Die Helden sind wieder vereint, doch die Wiedersehensfreude währt nur kurz, denn nun wird Elias von einem Krallenmonster entführt und schließlich… ja, schließlich bringt Zoar Ocron Elias‘ Kopf. Das hat allerdings auch nicht den von Ocron erwünschten Effekt. Verzweifelt über den Verlust seines einzigen Freundes verbrennt Mace Elias‘ Torso und reibt sich mit seiner Asche ein, wodurch seine Kräfte auf ihn übergehen (oder so). Er schießt mit Laser-Pfeilen um sich und damit durch einen Berg hindurch Ocroms Maske von ihrem Haupt, wodurch er ihr fürchterliches Antlitz enthüllt: Sie sieht aus wie ein toter Fisch. Vor lauter Scham verwandelt sie sich in einen Hund und läuft davon.

Äh, worum also geht’s? Ich habe keine Ahnung – anscheinend schlicht fragwürdigen Fellbekleidungs-Brutalo-Quatsch mit völlig nebensächlicher Gaga-Handlung, die lediglich als Aufhänger dient, um a) ein Kreaturen- bzw. Maskenspektakel zu entfachen, das dem Splatter- und Gore-affinen Fulci einige Gelegenheiten für krude Gewaltausbrüche bietet und b) die Barbarenfilm-erfahrene Sabrina Siani einmal mehr oben ohne durchs Ambiente zu scheuchen, um von ihrem Erotikfaktor zu profitieren. Zugegeben, beides funktioniert gar nicht übel: Die Masken- und Make-up-Arbeit ist zwar mitunter recht billig, aber in Kombination mit den blutigen Spezialeffekten krude und übertrieben genug, um Aufsehen zu erregen. Ebenso unterhalten dürften sich Freunde des schlechten Geschmacks fühlen, wenn Siani sich räkelt und Schlangen oder auch mal Leichenteile an ihrem Körper reibt. Den Ekelfaktor der Eiterszene zelebriert Fulci minutenlang und ohne Rücksicht auf den Zuschauer und schreckt auch vor vollkommen verrückten Einfällen wie Maces Befreiung durch einen Delphin in aufwändigen Unterwasseraufnahmen nicht zurück – wer bereits den Kampf Zombie vs. Hai aus „Woodoo“ kurios fand, sollte sich das hier erst einmal anschauen.

Aber: So richtig detailliert erkennt man vieles gar nicht. Das liegt daran, dass der Film irgendwo im frühen England spielen muss, so nebelverhangen ist die ganze Chose. Zusätzlich wurde kräftig am Weichzeichner gedreht, so dass viele Konturen verschwimmen und „Conquest“ nicht nur inhaltlich schleierhaft wirkt. Neben der kaum nennenswerten Dramaturgie ist dies möglicherweise ein Grund für die einschläfernde Wirkung des Films. Er legt sich wie ein Grauschleier über die Augen und entführt einen langsam aber sicher ins Reich der Träume. Vermutlich ist es das, was der eine oder andere Kritiker meint, wenn er „Conquest“ als „traumartig“ bezeichnet. Dazu dürfte auch Claudio Simonettis musikalische Untermalung beitragen, dessen sphärische, einlullende, bisweilen aber unpassend fröhlich oder repetitiv-monoton dudelnde Synthesizer-Teppiche sicher nicht zu den herausragenden Stücken des Goblin-Mitglieds zählen. Liest man sich durch, was in „Conquest“ alles passiert, kann man sich kaum vorstellen, wie wenig aufregend all das erscheint, wohnt man ihm vor der Glotze bei. Fulci ist es leider kaum gelungen, seinen Film spannend zu gestalten, statt mitzufiebern wird das Ansehen zur Geduldsprobe oder eben Einschlafhilfe, da man nie Teil der präsentierten Welt wird, sich nie wirklich ins Geschehen involviert wähnt. Wo andere Fantasy-Filmer es schaffen, autarke, faszinierende Welten zu erschaffen, erstickt „Conquest“ im Nebel, ersäuft in Klischees und kaschiert die nur unzureichend skizzierte Handlung mit Gewalteruptionen und Absonderlichkeiten. Dennoch oder auch gerade deshalb genießt „Conquest“ so etwas wie eine Sonderstellung innerhalb des Subgenres, hat zweifelsohne seine Schauwerte, seinen Trash-Appeal und diese eigenartige komatöse Atmosphäre, die im irgendwie faszinierenden Kontrast zur vordergründigen Action steht. Nichtsdestotrotz kann er nicht verhehlen, dass er ungefähr den Wendepunkt in Fulcis Karriere markiert, ab dem es qualitativ bergab ging.
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Die Nacht der Creeps

„Ich glaub‘, ich bin in einem B-Film und nicht bei der Mordkommission!“

Die zweite Hälfte der 1980er entpuppte sich als gute Zeit für Horrorkomödien. Seinerzeit zwischen „House“, „Critters – Sie sind da!“ und „The Return of the Living Dead“ etwas untergegangen, avancierte das Debüt des jungen US-Regisseurs und „House“-Drehbuchautors Fred Dekker, die Science-Fiction-Horrorkomödie „Die Nacht der Creeps“, im Laufe der Jahre zu einem Kultklassiker in Genrefan-Kreisen. Mit „Monster Busters“ legte Dekker ein Jahr später eine weitere Horrorkomödie nach, bevor er bereits nach seinem dritten Film „RoboCop 3“ seine Regiekarriere quittierte.

1959 irdischer Zeitschreibung: Starrgesichtige hässliche Babys in Strampelanzügen, die sich als Außerirdische in einem Raumschiff entpuppen, versagen bei ihrem Versuch, einen der ihren aufzuhalten, etwas durch die Luftschleuse ins All zu schleudern. Dieses Etwas landet als Meteorit in einer Gegend der USA, in der gerade ein entflohener Axtmörder sein Unwesen treibt. Nun überschlagen sich die Ereignisse: Eben noch hat Johnny (Ken Heron) unter freiem Himmel mit seiner Freundin im Auto geknutscht, da springt der Inhalt des Meteorits, ein nacktschneckenartiges Alien, in seinen Mund, während der irre Killer seine Freundin einen Kopf kürzer macht. Schnitt, wir schreiben das Jahr 1986: An der örtlichen Corman-Universität wurde die Pledge Week ausgerufen, die Studenten sind in Feierlaune. Chris Romero (Jason Lively, „Projekt Brainstorm“) will in die Beta-Studentenverbindung aufgenommen werden, um an die heiße Cynthia Cronenberg (Jill Whitlow, „Thunder Run - Geheimcode Charly“) heranzukommen. Dafür muss er auf Geheiß des Bundeswehr-Achselhemden tragenden Kotzbrockens Brad (Allan Kayser, „Hot Chili“) jedoch erst eine Mutprobe bestehen: Er soll eine Leiche stehlen. Zusammen mit seinem gehbehinderten Kumpel J.C. Hooper (Steve Marshall, „Shades of Love - Tangerine Taxi“) suchen sie das örtliche Leichenschauhaus auf und finden dort den durch Einfrieren konservierten Johnny vor. Sie packen sich ihn, werden jedoch entdeckt, lassen den kalten Körper fallen und suchen das Weite. Was sie nicht ahnen: Die außerirdische Kreatur springt aus dem tauenden Johnny auf den Labortechniker über... Der Ex-Freund der eingangs Enthaupteten, Detective Ray Cameron (Tom Atkins, „Die Klapperschlange“), träumt derweil schlecht von der damaligen Horrornacht, in der er, nachdem er seine ehemalige Angebetete gefunden hatte, Rache schwor. Bald soll er Gelegenheit dazu bekommen, denn nicht nur Johnny stapft barfuß durch die Gegend, auch der Labortechniker ist fortan von den sich rasant vermehrenden Creeps gesteuert, die ständig neue Wirte suchen…

Nach dem Prolog im All zeigt Dekker die 1959 spielenden, an den „Blob“ und andere Sci-Fi-Horrorklassiker aus den 1950ern erinnernde Szenen stilecht in Schwarzweiß und sorgt für eine herrlich nostalgische Stimmung, um sich nach dem im Off stattfindenden Axtmord (die Kamera blendet rechtzeitig ab) ganz den knallbunten 1980ern zu widmen. „Die Nacht der Creeps“ ist eine zitatenreiche Hommage an das Horrorgenre, angefangen in den 1950ern über Cronenbergs „Shivers“ bis hin zu den splatterigen Zombieklassikern eines George A. Romero. Idealerweise vernachlässigt er seine eigene Handlung dabei kaum und funktioniert so auch ohne jegliches Insider-Vorwissen. Quasi sämtliche Charaktere erhielten die Nachnamen verdienter Genrefilmer (neben den Genannten werden einem Detective Landis, Sgt. Raimi, Mr. Miner und James Carpenter vorgestellt, auch der Name Cunningham fällt). Wer diese Namen nicht zuordnen kann, dem wird das schlicht nicht auffallen. Ebenso zurückhaltend äußert sich der feine Humor, der nie zu sehr in Albernheiten abdriftet. Die Spezial- und Make-up-Effekte haben es in sich und lassen es auf gehobenem Niveau splattern, vor allem, wenn den zombieartig umherschlurfenden Wirten aufgrund der rasenden Vermehrung der Creeps in ihrem Hirn der Schädel platzt und die schleimigen, aber wieselflinken Kriecher herausschießen. Auch Tiere können befallen werden und so bekommt man u.a. eine Zombiekatze zu Gesicht – und während sich im TV gerade Tor Johnson in „Plan 9 From Outer Space“ aus seinem Grab quält, ersteht analog dazu sogar der Axtmörder als Skelett wieder auf. Freunde handgemachter ‘80er-Horroreffekte können frohlocken!

Bevor im Finale sogar, ähnlich wie später in „Braindead“, der Rasenmäher zum Einsatz kommt, wird „Die Nacht der Creeps“ mit ein paar sexy Szenen ebenso zusätzlich aufgepeppt wie von einem Cameo der Genre-Ikone Dick Miller, „Shaun of the Dead“ vorgreifenden Ideen wie der des Tonbands, das J.C. kurz nach seinem Befall für Chris aufnimmt und natürlich einem zeitgenössischen, nie unpassenden ‘80er-Pop-Soundtrack. Dieser lässt zudem Raum für auch mal an „Goblin“-Scores erinnernde Momente und macht im Prolog Platz zugunsten ‘50er-Schmusesongs. Schauspielerisch wäre jedoch sicherlich etwas mehr drin gewesen, Lively und Marshall erscheinen wenig charismatisch, sind im Vergleich zu beispielsweise den erinnerungswürdigen Gestalten aus Dan O'Bannons Zombiekomödienkracher weniger memorabel und bleiben insbesondere gegenüber dem mit parodistischen Zügen den Härtner-Bullen spielenden Atkins etwas blass. Auch die Dialoge hätten, zumindest in der deutschen Synchronfassung, etwas mehr Esprit vertragen können. Doch das sind lediglich Abzüge in der B-Note für dieses ansonsten fulminante Genre-Vergnügen von Genre-Kennern und -Fans für ebensolche, das seine Zutaten und Qualitäten derart wohldosiert einsetzt, dass nicht nur keinerlei Längen aufkommen, sondern man mit Einsetzen des Abspanns unmittelbar Lust auf MEHR hat!
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Ich seh, ich seh

Das Spielfilm-Debüt der Österreicher Veronika Franz und Severin Fiala, die zuvor bereits zusammen am Dokumentarfilm „Kern“ gearbeitet hatten, ist der von Ulrich Seidl, Franz‘ Ehemann, produzierte Psycho-Thriller/Horrorfilm „Ich seh, ich seh“ aus dem Jahre 2014.

Die präpubertären Zwillingsbrüder Lukas und Elias (Lukas und Elias Schwarz) verbringen ihre Ferien auf dem weiten, abgelegenen Lande. Ihre Mutter (Susanne Wuest, „Mörderschwestern“), die nach einem Krankenhausaufenthalt nach Hause kommt, erkennen Sie jedoch nicht wieder: Nach einer Operation steckt ihr Gesicht unter einem dicken Verband und sie braucht ihre Ruhe. Lukas und Elias glauben der Frau auch nach Abnahme des Verbands nicht mehr, dass sie überhaupt ihre Mutter ist – und versuchen mit Nachdruck, aus ihr herauszupressen, wo ihre wirkliche Mama steckt...

Um es gleich vorwegzunehmen: „Ich seh, ich seh“ steuert auf einen Mindfuck-Plottwist, also eine mehr oder weniger überraschen Wendung zu, die den Zuschauer damit konfrontiert, die meiste Zeit nicht der filmischen Realität, sondern der einer der Rollen beigewohnt zu haben. Allzu schwierig zu erraten ist dieser nicht und auch die Idee war 2014 alles andere als originell, jedoch kann ich „Ich seh, ich seh“ zugute halten, dass er dennoch funktioniert, da er es gar nicht unbedingt auf diese Wendung als Pointe oder Höhepunkt anlegt. Hauptgrund dafür ist der überpräsente Subtext, der von innerfamiliärem Misstrauen und einer gestörten, entfremdeten Mutter-Kind-Beziehung in alleinerziehenden Lebensumständen handelt. Was den Film zur Geduldsprobe werden lässt, ist zum einen die abweisende, unterkühlte Atmosphäre im modernen Haus, das fast wie ein Fremdkörper im dörflichen Idyll wirkt. Dort spielt sich der überwiegende Teil der Handlung ab und obwohl es um Kinder geht, agieren diese beim Misshandeln ihrer Mutter extrem nüchtern und trocken – ganz so, wie sich auch der Film darstellt, beispielsweise durch den weitestgehenden Verzicht auf musikalische Untermalung. Keine Frage, „Ich seh, ich seh“ wirkt sehr unangenehm – fast, alle wolle er den Zuschauer strafen.

Doch was z.B. bei Landsmann Haneke in „Funny Games“ immerhin noch einen stilistisch interessanten Spannungs-Thriller inkl. kleinem Ausflug ins Surreale ergab, avanciert hier zum vorrangig psychischen (und auch physischen) Torture-Porn-Realismus, der zu großen Teilen ohne genretypische Überzeichnungen auskommt und mir besonders aufgrund seiner speziellen Thematik übel aufstößt, zumal man dem Zuschauer auch keine Katharsis oder Happy End gönnt. Gedehnt wird das bisweilen langatmige Beinahe-Kammerspiel durch das vereinzelte Auftauchen weiterer Figuren, die keine andere Funktion besitzen, als im Zuschauer kurz die Hoffnung aufkeimen zu lassen, sie würden Lunte riechen und letztlich die Befreiung der Mutter einleiten, was jedoch ausbleibt. Ungefähr ab dem Punkt, ab dem sich findigen Zuschauern die Frage nicht mehr stellt, ob die Mutter wirklich die ist, die sie vorzugeben scheint und sich die gruseligen Visionen als Phantastereien der Zwillinge, vor allem aber als rote Heringe entpuppen, machte mir „Ich seh, ich seh“ keinen rechten Spaß mehr. Der Film schlachtet seinen psychologischen Unterbau letztendlich ausschließlich aus, um zu darzustellen, wie eine Mutter nach einer Zäsur der Familienidylle von ihrem eigenen Nachwuchs gefoltert und gequält wird und versucht auch erst gar nicht, eine darüber hinaus gehende Geschichte zu erzählen und mehr aus seinen Allegorien zu machen – und das ist mir zu wenig; insbesondere, wenn man sich derart spröde gibt und dann auch noch mit teilweise fragwürdigen schauspielerischen Leistungen aufwartet. Deshalb kann ich in den allgemeinen Lobeshymnen-Kanon leider nicht einstimmen, in Anerkennung des ersten neugierig machenden, durchaus spannenden Teils des Films sowie einiger visueller Kniffe aber immerhin noch durchschnittliche Qualitäten zugestehen.
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Der Fluch – The Grudge 2

„Jetzt wird alles noch schlimmer!“

Nach „Reincarnation“ beendete der Japaner Takashi Shimizu mit „Der Fluch - The Grudge 2“ seine Regie-Tätigkeit für die durch ihn einst ins Leben gerufene ostasiatische Gruselhorror-Reihe im Jahre 2006 in Form einer US-koproduzierten Fortsetzung der erfolgreichen Neuverfilmung, die zwei Jahre zuvor das westliche Kino-Publikum in Angst und Schrecken versetzte. Hierfür vermengte er Ereignisse und Motive aus „Ju-on: The Grudge“ und dessen ursprünglicher Fortsetzung und knüpfte direkt an das genannte Remake an.

Kommt jemand in einem Zustand unbändiger Wut zu Tode, lastet ein Fluch auf dem Ort des Verbrechens – dieses japanische Sprichwort ist auch Grundlage der Ereignisse, die Aubrey Davis (Amber Tamblyn, „Ring“-US-Verfilmung) widerfahren, nachdem sie ihre Schwester Karen (Sarah Michelle Gellar, „The Grudge – Der Fluch“) in Tokio aufgesucht hat. Karen war als Austauschstudentin nach Japan gekommen und in den Bann eines solchen verfluchten Hauses geraten, das sie schließlich niederzubrennen versuchte; seither liegt sie im Krankenhaus. Aubrey freundet sich für ihre Recherchen mit dem Journalisten Eason (Edison Chen, „The Dark Knight“) an, der an einer Story über das Haus arbeitet. Was sie noch nicht ahnen: Bald kommen sie dem Fluch näher, als ihnen lieb ist…

Nach einem ultrafiesen Prolog, in dem Karen ihren Freund Doug mit siedendem Öl übergießt, folgt auf den mit Rückblenden zur Fluchursache unterlegten Vorspann ein böser Mädchenstreich: Die Schülerinnen Vanessa (Teresa Palmer, „December Boys“) und Miyuki (Misako Uno) locken ihre neue Klassenkameradin Allison (Arielle Kebbel, „Der Fluch der 2 Schwestern“) in das verfluchte Haus, wodurch sie sich ebenfalls dem Fluch aussetzen. Dies ist einer von drei Handlungssträngen, die zudem auf verschiedenen Zeitebenen spielen. Derjenige um Aubrey und Eason beginnt in Pasadena, Florida, wo sich Aubrey zum Besuch ihrer Schwester in Fernost entschließt, dort jedoch schon bald mit Karens Tod konfrontiert wird. Der dritte Handlungsstrang spielt in Chicago, Illinois, wo der kleine Jake (Matthew Knight, „Skinwalkers“) besorgniserregende Veränderungen innerhalb seiner Familie bemerkt und sich in unmittelbarer Nachbarschaft jemand unter einer dunklen Kapuze versteckt und sich weitestmöglich abschottet. Alle drei Stränge offenbaren ihre Zusammenhänge erst im Laufe der Zeit bzw. gegen Ende und werden unterschiedlich gewichtet immer wieder stückweise aufgegriffen – wobei das Kunststück gelang, alle drei gleichsam mysteriös, Neugierde weckend und spannend zu gestalten, denn anstatt seine psychologisch ausgefeilten Schockszenen unmotiviert aneinanderzureihen oder sich ausschließlich auf diese im Zusammenhang mit der unheimlichen Atmosphäre zu verlassen, erzählt „Der Fluch – The Grudge 2“ richtige kleine Geschichten.

In diesen werden die Menschen natürlich immer wieder mit dem Katzenjungen dem langhaarigen weiblichen Gespenst konfrontiert, so zunächst vor allem das Schülerinnen-Trio, das nacheinander heimgesucht wird. Wie schon im Asia-Horror-Konkurrenten „The Ring“ wird u.a. mithilfe von VHS-Technik geforscht, um den Spuk auf den Grund zu gehen. Als aufschlussreicher erweist sich jedoch das Tagebuch des weiblichen Gespensts (bzw. dessen menschlichen Ursprungs), dessen Mutter offenbar böse Geister an sie verfüttert hat. Prompt sucht man die Mutter auf, was der Film zum Anlass nimmt, in einer unter die Haut gehenden Rückblende die damaligen Ereignisse nachzuzeichnen. Im Anschluss erfährt man, dass sich so ein Gespenst auch unbemerkt an einen heften kann – und von den möglichen Folgen… An derlei Gestalten mangelt es indes nicht, auch der Geist des ursprünglichen Mörders bekommt sein Stelldichein.

In Chicago trinkt derweil jemand Milch auf ex und erbricht sie zurück in die Flasche, der Kapuzennachbar hat ebenfalls mit Geistern zu kämpfen und der kleine Jake bekommt all das mit. Dessen Eltern reagieren auch immer gereizter, sind auch sie vom Fluch befallen? Am Ende wird die Identität des scheuen Nachbarn enthüllt und dem sich gruselnden Zuschauer konsequent ein Happy End nach westlichen Sehgewohnheiten vorenthalten.

„Der Fluch – The Grudge 2“ vereint viele Markenzeichen des Fernost-Grusels und ist einmal mehr verdammt gruselig ausgefallen, und zwar bei weitestgehendem Verzicht auf Blutfontänen, und trotz mehrschichtiger, doppelbödiger Handlung westlichen Sehgewohnheiten zugänglicher als manch reinrassiger Asia-Horrorfilm. Die altbekannte Geräuschkulisse der „Ju-on“-Reihe fehlt ebenso wenig wie satte Schockeffekte, zahlreiche Appelle an Urängste sowie in diesem Bereich noch nicht obligatorische Variationen wie z.B. das sich zu bewegen beginnende und real werdende Foto. Die kulturelle Mixtur, die sich auch in der internationalen, teilweise West-Ost-Crossover-Horror-erfahrenen Darstellerriege äußert und auch nach dem frühen Ableben des Stars aus dem Vorgänger, Sarah Michelle Gellar, gut miteinander interagiert, dürfte auch das Interesse bisher Asia-Horror ggü. eher wenig aufgeschlossenen Publikums wecken und es evtl. hierfür anfixen. Mit seinen abwechslungsreicheren Handlungselementen, seiner für mein Empfinden zwar nach wie vor komplexen, jedoch nicht sperrigen Erzählweise und seiner Potenzierung geliebter bzw. gefürchteter Genre-Charakteristika, ohne es zu überzeichnen und zu übertreiben, gefällt mir „Der Fluch – The Grudge 2“ sogar eine Idee besser als die erste Zusammenarbeit Shimizus mit US-Produzent (und „Tanz der Teufel“-Erfinder) Sam Raimi, wenngleich sich beim Publikum vermutlich verständlicherweise langsam aber sicher ein gewisser Sättigungseffekt bemerkbar machte.
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It Follows

Freddy Krueger Inc. präsentiert: Sadakos finale Bestimmung in Haddonfield

Nach seinem Spielfilm-Debüt, der Coming-of-Age-Komödie „The Myth of the American Sleepover“ aus dem Jahre 2010, dauerte es vier Jahre, bis US-Regisseur und -Drehbuchautor David Robert Mitchell mit seinem Zweitwerk „It Follows“ einen waschechten Horrorfilm präsentierte.

Nachdem die 19-jährige Jay (Maika Monroe, „The Guest“) mit dem ungefähr gleichaltrigen Hugh (Jake Weary, „Zombiber“) Sex hatte, klärt dieser sie mit Nachdruck darüber auf, dass er dadurch einen mysteriösen, jedoch akut lebensbedrohlichen Fluch an sie weitergegeben habe: Nur sie könne ihn sehen, er könne verschiedene menschliche Formen annehmen und werde sie unnachgiebig verfolgen. Sie könne ihn nur loswerden, indem sie – wie er es tat – ihn sexuell weitergebe. Sterbe jedoch der neue Verfluchte, falle der Fluch auf sie zurück. Zunächst glaubt Jay ihm kein Wort, muss jedoch bald einsehen, dass es sich anscheinend um mehr als nur die Hirngespinste eines irren Halbstarken handelte…

Angesiedelt in tristen und ärmlich wirkenden, herbstlichen Vororten Detroits, erzählt Mitchell in weitläufigen atmosphärischen Bildern eine Geschichte, die nur vordergründig unmittelbar mit Sexualität zu tun hat. Im Prolog rennt eine junge Frau in Unterwäsche auf die Straße, steigt in ein Auto und braust panisch davon. Später sitzt sie allein am Strand und telefoniert – und wird am nächsten Morgen zerfetzt aufgefunden. In angenehmem Tempo ohne künstliche Hektik wird man auf verdammt spannende und gruselige Weise Zeuge, wie der Fluch zunächst Jays Leben und schließlich das ihrer Clique bestimmt. Letztere glaubt ihr natürlich zunächst nicht und hält sie für paranoid, doch als Jay nach einem bösen Jump-Scare-Schockeffekt von einer für die anderen Unsichtbaren an den Haaren gezogen wird, die auch ihren Stiefbruder kurzerhand wegboxt, besteht kein Zweifel mehr. Trotz einiger Schockszenen setzt „It Follows“ nicht vornehmlich auf ihren inflationären Gebrauch, sondern erzeugt eine Stimmung permanenten paranoiden Misstrauens und ständiger Verunsicherung, garniert mit unheimlichen Bildern des in verschiedenen Verkörperungen auftretenden Fluchs wie einer schlurfenden alten Frau oder eines nackten Manns auf einem Hausdach, die sich gern langsam, aber beharrlich ihrer von ihnen beobachteten Opfer nähern und dabei unberechenbar wirken, menschlich und doch unmenschlich zugleich, der Realität entrückt, unfassbar, doch plastisch.

Seinen visuellen Vorzügen zum Trotz gibt sich „It Follows“ gern minimalistisch und pragmatisch; die Mimik der Schauspieler sagt oft mehr als tausend Worte, geschwätzig ist die Handlung nicht. Anstelle übertriebener Spezialeffekte zeigt sich „It Follows“ zurückhaltend und ist dafür in den entscheidenden Momenten umso effektiver. Man integrierte nur wenige Musikeinsprengsel, doch diese werden dramaturgiebezogen stimmig mittels lauter verzerrter Klänge oder als diffuse Hintergrunduntermalung eingesetzt. Weniger ist hier eindeutig mehr, ohne den Film spröde oder unzugänglich erscheinen zu lassen, im Gegenteil: Die Kamera vermittelt Sommerausklang und Herbstblues, während sie alleehafte Bilder sucht und findet oder ihren Film unterschwellig mit etwas Sex-Appeal versorgt, wenn sie immer mal wieder auf makellose Frauenbeine zoomt.

Oberflächlich betrachtet provoziert „It Follows“ natürlich, für eine – möglicherweise sogar reaktionär-lustfeindliche – Allegorie auf und Warnung vor Geschlechtskrankheiten durch vorehelichen Geschlechtsverkehr und Sexualpartnerwechsel gehalten zu werden. Doch das greift viel zu kurz, allein schon, weil man Geschlechtskrankheiten nicht durch Weitergabe loswird. Nein, „It Follows“ bietet mit seinem Subtext Anlass für Interpretationen, ohne ihn auf dem Silbertablett zu servieren. Nur eines ist klar: Es geht um Angst. Ich verstehe die Sexualität in Mitchells Film als Gegenentwurf zum unverbindlichen, schnellen Sex, den manch anderer Genre-Film – vornehmlich Slasher – als jugendliche bzw. adoleszente Realität zu verkaufen versucht. Ich meine, hier die sensible, zerbrechliche Seite der Sexualität zu erkennen, die oftmals eben nicht mit kühler Abgeklärtheit, sondern mit Verunsicherung, Selbstzweifeln, Zweifeln am Partner, durchaus auch Furcht vor Krankheit, einhergeht und nur ein Teil des Teenage-Angst-Gesamtpakets ist, das sensible Heranwachsende gern gerade zu den dunklen Jahreszeiten und in wenig Sicherheit und Geborgenheit vermittelnden Umgebungen befällt, während sie sich nach der Abkapselung von ihren Eltern einem Umfeld ausgesetzt sehen, in dem Miteinander daraus zu bestehen scheint, gemeinsam einsam zu sein. Eine deprimierte Einstellung zu sich selbst und zum Leben, die einen geradezu verfolgt und sich nicht einfach so abschütteln lässt. Und exakt dieser Gemütszustand ist es, den mir dieser Film vermittelte.

Wenn „It Follows“ auch nicht gänzlich ohne Klischees wie das pünktlich zum Finale einsetzende Unwetter auskommt, erscheint er mir recht originell, ohne dabei seine Vorbilder und Einflüsse zu verleugnen. So ging offenbar die Fernost-Horrorfilm-Welle um Fluchfilme wie „Ring“, „The Grudge“ und Konsorten ebenso wenig spurlos an Mitchell vorüber wie „Final Destination“ mit seinem festen Todesregelwerk und verdiente Slasher à la „Halloween“, dessen herbstliches Kleinstadtambiente ihn neben der gleichzeitigen Phantomhaftigkeit und Entschlossenheit des Antagonisten inspiriert haben dürfte oder auch „A Nightmare on Elm Street“, dessen offensichtliche sexuelle Metaphern sich in „It Follows“ genauso finden wie der Zusammenhalt der Jugendlichen im Finale, die das Böse ganz ohne Hilfe Erwachsener anlocken, um es zu besiegen. Dadurch wiederum fühle ich mich auch an „Es“ erinnert und, hey – damit an eine ganze Reihe meiner Lieblingsfilme!

Kein Wunder also, das mich „It Follows“ sprichwörtlich an den Eiern packte. Es handelt sich um ein herrlich unprätentiöses Juwel unter den aktuellen Genrefilmen, das länger nachwirkt. Moderner Teenage-Horror vom Feinsten.
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Antisocial

„Du bist wieder Single – das ist toll!“

Das Regiedebüt des Kanadiers Cody Calahan lautet „Antisocial“, ein (Science-Fiction-)Horrorfilm aus dem Jahre 2013, der Motive aus Filmen wie „Night of the Living Dead“, „Videodrome“ oder auch „Pontypool“ zu einem soziale-Netzwerke-kritischen Gebräu zusammenmischt:

Fünf Freunde (ohne Timmy, den Hund) wollen anlässlich des Jahreswechsels zusammen eine Hausparty feiern. Doch was sie noch nicht wissen: Draußen ist eine Epidemie ausgebrochen. Als diese immer näher kommt, verbarrikadieren sie sich im Haus und informieren sich per Smartphones, Laptops und TV. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass es sich um ein Virus zu handeln scheint, das sich über das soziale Internet-Netzwerk „Redroom“ verbreitet und dessen Anwender in zombieähnliche Wesen verwandelt…

„Wie bleibst du mit den Leuten in Kontakt?“ – „Ich treff' sie persönlich.“

Auf einen Prolog in Webcam-Optik, in dem eine junge Frau ihre Freundin umbringt, folgt eine Trennung per Chat: Sams (Michelle Mylett, „The Drownsman“) Freund macht mit ihr unsensiblerweise per „Redroom“ Schluss. Damit wäre die „Generation Web“ bereits hinlänglich charakterisiert und kritisiert, die anschließenden Bilder der Party werden erst beschleunigt, dann wieder abgebremst und mit Technomusik unterlegt. Im Hintergrund thematisiert eine TV-Sendung Cyber-Mobbing-Todesfälle, während plötzlich ein Einbrecher einzudringen versucht und von Steve (Romaine Waite, „Scratch“) vom Balkon gestoßen wird. Überraschenderweise überlebt er den Sturz, doch bei der Polizei meldet sich nur der Anrufbeantworter. Von draußen dringen selbst für Silvesterabende Geräuschkulissen von Schüssen und Tumulten in besorgniserregender Frequenz zu den Jugendlichen durch und als der vermeintlich Tote erneut angreift, verbarrikadiert man sich. Noch geht man von biologischen Anschlägen in den USA aus, bis etwas aus dem Telefon mit unbekannter Nummer Steve beißt. Der schwangeren Sam gelingt es, mit Tara (Laurel Brandes), der Überlebenden aus dem Prolog-Video, per Videochat Kontakt aufzunehmen, kurz darauf erleiden ihre Freunde Halluzinationen. Steve verliert den Verstand und greift an, wird in der Konsequenz von Mark (Cody Ray Thompson, „Die Bären sind los“) totgeschlagen. Eine andere wird mit einer Lichterkette erhängt, mit der sie vorher gefesselt wurde, Mark fängt sich das Virus am Laptop-Display ein und sticht sich das Auge aus, sein Kumpel beobachtet den Selbstmord eines Freundes und tut es ihm gleich – und so weiter und so fort…

„Ich mach' keine Gehirnchirurgie mit Haushaltsgeräten!“

Dieses zunächst an den Belagerungszustand aus „Night of the Living Dead“ erinnernde klaustrophobische Kammerspiel dezimiert in Möchtegern-„Videodrome“-Manier also einen nach dem anderen, doch was unter Cronenberg die gute alte Videokassette war, ist hier das soziale Netzwerk „Redroom“, das natürlich für „Facebook“ steht. Über dieses wird das Virus übertragen, als reichlich trashige Erklärung muss ein neues „Unterbewusstseinsprogramm“ des Netzwerks herhalten. Dass man über die Geschehnisse draußen fast ausschließlich über Nachrichten informiert wird und sie selbst nicht wirklich zu sehen bekommt, erinnert ebenfalls an diverse Vorbilder, u.a. den eingangs erwähnten „Pontypool“, dessen Virus sich ebenfalls über extrem ungewöhnliche Wege verbreitete. Pompöses Weltuntergangskino ist „Antisocial“ nicht und das ist auch gut so – dumm nur, dass quasi sämtliche filmischen Inspirationsquellen wesentlich gehaltvoller sind als diese schlechte, bemüht originelle Kopie: „Antisocial“ punktet zwar mit einem schön dreckigen Erscheinungsbild und ein paar bizarren Ideen wie der Übertragung von Webvideos aus Leichen heraus, wird jedoch mit der Zeit immer absurder und nimmt sich gleichzeitig offenbar bitter selbst. So ist plötzlich von Tumoren die Rede, als ein Video einer Rettungs-OP auftaucht, auf das hin sich Mark und Sam gegenseitig operieren wollen. Mark hört Stimmen, die das zu verhindern versuchen und wird schließlich erschlagen, so dass sich Sam am Schluss doch tatsächlich selbst die Stirn aufbohrt. Ich habe selten einen solch ausgemachten Schwachsinn gesehen, von der völlig sinnlosen Schlusspointe ganz zu schweigen…

Damit ist „Antisocial“ leider nicht viel mehr als ein lächerlicher Versuch der „Facebook“-Kritik, der angesichts seiner völligen Absurdität gnadenlos verpufft. Übrig bleibt ein sich viel zu ernst nehmender, trashiger Low-Budget-Horrorstreifen, der trotz seines Hantierens mit moderner Kommunikationstechnologie nicht verhehlen kann, lediglich mehr oder weniger Bekanntes neu zusammenzusetzen, ohne jemals die Intensität seiner Vorbilder zu erreichen. Die mitunter nett und effektiv umgesetzten Spezialeffekte allein lohnen das Ansehen jedenfalls nicht, die unbekannten, unauffällig bis passabel agierenden Schauspieler ebenso wenig. Keine gute Idee war es auch, mit Jed (Adam Christie) und Chad (Ry Barrett, „The Demolisher“) zwei Rollennamen zu vergeben, die zumindest in der deutschen Synchronisation so verdammt ähnlich klingen, dass sie kaum auseinanderzuhalten sind. Fazit: Mark Zuckerberg würde sich einen Ast lachen, sollte er überhaupt jemals von diesem Filmchen Notiz nehmen. Doch genug nun, bevor ich mir durch meine Textverarbeitung noch irgendetwas einfange, und sei es nur eine Sehnenscheidenentzündung…
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Die Rückkehr der reitenden Leichen

„Trinken macht zwar lustig, schlafen aber schön!“

Ein Jahr, nachdem der spanische Filmemacher Amando de Ossorio erstmals die blinden Templer für seinen Horrorfilm mit dem blumigen Titel „Die Nacht der reitenden Leichen“ aus dem Totenschlaf geweckt und aufs Kinopublikum losgelassen hatte, drehte er, erneut in spanisch-portugiesischer Koproduktion, die erste von drei Fortsetzungen: „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ versetzte ein portugiesisches Bergdorf in Angst und Schrecken.

Vor 500 Jahren blendete eine Dorfgemeinschaft in den Bergen Berzanos die mordenden Templer, die im Bund mit dem Bösen standen, und verbrannte sie. Zeit also, dieses Jubiläum gebührend zu feiern! Bürgermeister Duncan (Fernando Sancho, „Der Gehetzte der Sierra Madre“) hat mithilfe des Feuerwerksmeisters Jack Marlowe (Tony Kendall, „Der Dämon und die Jungfrau“) ein Dorffest anberaumt, beobachtet jedoch mit Argwohn, wie sich seine Verlobte Vivian (Esperanza Roy, „Garten der Lüste“) doch noch für ihren Verflossenen Jack zu interessieren scheint. Tatsächlich funkt es wieder zwischen beiden, als weitaus dramatischer soll sich jedoch herausstellen, dass der bucklige Krüppel Murdo (José Canalejas, „Für eine Handvoll Dollar“), der von den Dorfbewohnern nur verlacht und erniedrigt wird, die Templer speziell für diese Nacht wieder zum Leben erweckt…

Den Prolog nutzt de Ossorio, um als Rückblende erneut ein blutrünstiges Ritual der Templer zu zeigen, woraufhin sie sich jedoch der Verfolgung der Dörfler ausgesetzt sehen (noch können sie es ja) und nach gegenseitigen Verfluchungen ihre Augen ausgebrannt bekommen – garstig und blutig in Szene gesetzt. In der Gegenwart wird der mitleidserregende Murdo misshandelt, bis Touristen ihm zur Hilfe eilen. Als sich Jack und Vivian körperlich näherkommen, bespannt Murdo sie und weiht sie in die Geschichte der Templer sowie seinen Plan ein, diese ins Dorf zu führen. Zu diesem Zwecke opfert er tatsächlich eine junge Frau, woraufhin sie sich in gewohnt gruselig-stimmungsvoller Weise aus ihren Gräbern erheben und Murdo frohlockt. Die Feier ist mittlerweile in vollem Gange und de Ossorio arbeitet mit Gegenschnitten auf die nahenden Templer. Diese überfallen zunächst ein anderes Liebespaar in einer Hütte, während der noch nichts ahnende eifersüchtige Duncan den Liebhaber seiner Verlobten verprügeln lässt. Nachdem ihnen auch ein Schrankenwärter zum Opfer fiel, sprengen die Templer die Party, das daraus resultierende minutenlange Gemetzel fällt jedoch zunächst erstaunlich unblutig aus. Man verschanzt sich in der Kirche, wo man auf Murdo trifft. Streit und Intrigen entbrennen Duncan denkt nur an sich und versucht, andere für seine Interessen zu instrumentalisieren. Murdo will zumindest der blonden Touristin helfen, nachdem sie ihm zu Beginn zur Seite stand – eine Hand wäscht die andere. Duncans Vorhut wiederum wird durch die Templer ausgedünnt, woraufhin er gar ein Kind (Maria Nuria) opfern will und hinausschickt. Doch diesem tun die Templer nichts, dafür springt Duncans Auto nicht an… Die gegen Ende nur noch wenigen Verbliebenen dezimieren sich zu allem Überfluss auch noch selbst, nachdem es zu einem Vergewaltigungsversuch kam. Das blutige Treiben mündet in ein Herzschlagfinale bei Morgendämmerung.

Sonderlich differenzierte, ambivalente Charakterzeichnungen sind bestimmt nicht Sinn dieser Fortsetzung. Am ehesten wäre da noch Murdo zu nennen, dessen Bösartigkeit bzw. Rachsucht in der herkömmlichen internationalen Schnittfassung übrigens gar nicht im ganzen Ausmaße deutlich wird, er sich in der Komplettfassung jedoch sich nach anfänglicher Opferrolle schnell zwischen den Tätern wiederfindet. Duncans überzeichnete Egozentrik und Verantwortungslosigkeit ist auch kein Problem, dient er doch als Projektionsfläche für Autoritätskritik. Die anderen Charaktere in diesem im Gegensatz zum ersten Teil zeitweise vor Menschen nur so wimmelnden Iberenhorror jedoch entsprechen eher flachen Klischees und die romantisch angelegte Nebenhandlung ufert bisweilen auf niedrigem Niveau etwas zu sehr aus. Bei genauerer Betrachtung nicht immer ganz nachvollziehbar agieren sie alle, denn statt einfach in der sicheren Kirche zu verharren, versuchen sie immer wieder, die Flucht zu ergreifen. Zugute halten kann man ihnen jedoch, dass sich ihre Erfahrungen mit reitenden Leichen bisher auf ein Minimum beschränkt haben dürften und sie daher nicht wissen konnten, dass sie im Prinzip einfach nur bis zum nächsten Morgen warten müssen. Als Running Gag funktioniert es recht gut, dass der immer wieder antelefonierte Minister (Juan Cazalilla, „Eine Pistole für Ringo“) Duncan kein Wort glaubt, seltsamerweise scheint er aber der einzige zu sein, dessen Telefonnummer man griffbereit hat. Und dass man gegen Ende dem armen Mädchen ins Gesicht lügt, seine Eltern würden noch leben, ist zumindest fragwürdig.

Viel mehr Kritik gibt es hier durch meine Euro-Horrorkult-Brille betrachtet aber gar nicht anzusetzen, denn de Ossorio arbeitet erneut mit den gewinnbringenden Charakteristika des Vorgängers: den charakteristischen Schreien aus der unheilschwanger hallenden Geräuschkulisse, den schnellen Zooms, den langsamen Suspense-Szenen, den bedeutungsschwangeren Zeitlupen und der musikalischen Untermalung mit ihren Mönchsgesängen, die die festliche Musik auf dem Dorffest kontrastieren. Die Templer sehen immer noch furchterregend aus, diese Knochengerippe in den vermoderten Kutten, die sich ohne jeglichen Ausdruck und ohne Laute von sich zu geben langsam, doch unnachgiebig ihren Opfern nähern, wofür sie sich aufgrund ihrer Blindheit an deren Geräuschen orientieren müssen – doch es fällt den Opfern hier verdammt schwer, leise zu sein. Dadurch bekommen die Kuttenträger auch Gelegenheit, es immer mal wieder schmoddern zu lassen und in der Tat setzt der Film (natürlich in seiner Komplettfassung) immer mal wieder blutige und brutale Akzente, ohne diese zum Selbstzweck gedeihen zu lassen. Die Templer schwingen kräftig ihre Schwerter, fangen nur leider etwas leicht Feuer. Im Vordergrund steht erneut die reife atmosphärische Leistung de Ossorios und wenn diese Fortsetzung auch qualitativ nicht mehr an das Original heranreicht, so vermengt sie doch auf gekonnte, unnachahmliche Weise beschwingte Urlaubsstimmung mit herrlichem Genre-Horror der alten Schule, in der man noch nicht ADHS-geplagt war – handgemacht und schnell zum spanischen Horror-Exportschlager der 1970er abseits Paul Naschys und Co. gereift.
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Addams Family

“They're creepy and they're kooky, mysterious and spooky, they're altogether ooky, the Addams Family.”

Die „Addams Family“ hat ihren Ursprung in den 1930ern Jahren: US-Zeichner Charles Addams entwarf Comic-Strips um eine bürgerliche Idealvorstellungen kontrastierende, morbide veranlagte Familie, die ab 1938 in der Zeitung „The New Yorker“ abgedruckt wurden. Im Jahre 1964 entstand daraus eine SitCom-Fernsehserie, für die 64 rund halbstündige Schwarzweiß-Episoden von verschiedenen Regisseuren gedreht wurden, die in drei Staffeln drei Jahre lang liefen und sich mit leichten Startschwierigkeit zumindest ab ihrer ersten Wiederholung großer Beliebtheit erfreute.

Familie Addams bewohnt eine große viktorianische Villa inmitten eines ansonsten unauffälligen US-amerikanischen Orts. Das Gebäude ist dekoriert mit zum Teil uralten Devotionalien wie Ritterrüstungen, einem noch immer brummenden Eisbärenfell, einem Elchschädel mit verdrehtem Geweih oder einem Schwertfisch – mit einem Fuß im Maul. Das Anwesen verfügt ferner über Kerker und Folterkammern. Die Addams sind die vermögenden Nachfahren von Ghoulen, Hexen, Missgebildeten und anderen bizarren Gestalten, die sich normalen anatomischen und biologischen Gesetzen entziehen. Das Familienoberhaupt ist Gomez Addams (John Astin, „Gremlins 2“), gigolohafter Rechtsanwalt und Börsenzocker spanischer Abstammung, der gern seine Modelleisenbahn entgleisen lässt, Zigarre raucht und durch Zen-Yoga seine innere Ausgeglichenheit erlangt. Seine schöne Frau ist Morticia Addams (Carolyn Jones, „Das Kabinett des Professor Bondi“), geb. Frump, die mit langen pechschwarzen Haaren und ihren schwarzen Gewändern über eine dunkle Aura verfügt, die die spätere Gothic-Subkultur maßgeblich beeinflusst haben dürfte, und sich neben den gemeinsamen Kindern Pugsley (Ken Weatherwax) und Wednesday (Lisa Loring, „Blood Frenzy“) liebevoll um ihre fleischfressende Schlingpflanze Cleopatra kümmert. Pugsley, der ältere Junge, hält sich einen Kraken als Haustier und experimentiert gern mit Sprengstoff, während die kleine Wednesday vernarrt in ihre Puppe Marie Antoinette ist, die sie gern einen Kopf kürzer macht.

„Sie haben geläutet?“

Mit im Haus lebt Onkel Fester (Jackie Coogan, „Der Vagabund und das Kind“), der aussieht wie ein glatzköpfiger Mönch und durch dessen Körper Elektrizität fließt, so dass er mit seinem Mund Glühlampen zum Leuchten bringen kann. Außerdem ist stets Morticias Mutter (Marie Blake, „Der Kandidat“) anwesend, eine Hexe und Wahrsagerin im Ruhestand. Das eiskalte Händchen wiederum ist eine einzelne Hand, die in einer Schatulle lebt und der Familie gern assistiert. Die Familie hat einen Butler angestellt: Lurch (Ted Cassidy, „Butch Cassidy und Sundance Kid“) ist ein kräftiger, über zwei Meter großer Kerl, der mit seinen Gesichtszügen und seiner steifen Art an Frankensteins Monster erinnert. Doch er ist ein leidenschaftlicher und versierter Cembalo-Spieler, der vornehmlich klassische Stücke interpretiert. Häufiger zu Besuch kommt Vetter It, ein Kleinwüchsiger, der so lange Haare hat, dass man sein Gesicht nie sieht und der so irrsinnig schnell spricht, dass Normalsterbliche kein Wort verstehen. Allen gemein ist der ausgeprägte Hang zum Morbiden: Alles, was mit Tod und Verderben zu tun, ist zunächst einmal positiv konnotiert; unwirtliche Gegenden wie Friedhöfe und Sümpfe zählen zum bevorzugten Ambiente, während gemeinhin positiv Besetztes Abscheu erzeugt.

Der Witz dabei ist jedoch, dass die Addams keinesfalls bösartig oder schlechte, nun ja, „Menschen“ sind, sondern „schlicht“ eine sich liebevoll umeinander kümmernde Familie, die im Endeffekt anderen ästhetischen Idealen und Interessen folgt, aufgrund ihrer Eigenheiten andere Bedürfnisse hat und mitunter divergierenden Wertvorstellungen nachhängt, aber von sich aus niemandem etwas zuleide tut. Im Gegenteil: Sie sind gastfreundlich und Fremden gegenüber aufgeschlossen, sich aber nicht bewusst, dass normale Mitmenschen ihre Lebensweise, ihr Erscheinungsbild und ihre Einrichtung verängstigt und schockiert oder zumindest in Erstaunen versetzt. Daraus bezieht die erste Staffel dann auch in erster Linie ihren Humor: Fremde besuchen aus verschiedenen Gründen nichts ahnend die Familie zu Hause und wissen nicht, wie ihnen geschieht. Die mitunter gutgläubig erscheinende Addams-Familie löst daraus resultierende Probleme gern unbewusst durch Zufall, denn gleich, mit welcher Intention andere an sie herantreten: Mit dem, was sie dort erwartet, rechnet niemand.

Running Gags und wiederkehrende Charakteristika der Serie sind neben der Kult gewordenen Titelmelodie mit ihrem unverkennbaren Fingerschnippen u.a., wie Morticia erhaben durch die Szenerie tänzelt (statt normal zu gehen), Gomez für seine Zen-Yoga-Techniken ständig Kopf steht, Morticia ihren Rosen die Köpfe abschneidet, Folterinstrumente zu Wellness-Zwecken eingesetzt werden, Moriticia für dem Zuschauer unbekannte Verwandtschaft Kleidung in den bizarrsten Formen strickt (und dadurch Kopfbilder entstehen lässt, wie diejenigen wohl gebaut sein müssen), ständig etwas explodiert, Hauslöwe „Kitty“ gerade zum Entsetzen von Gästen die Treppe herunterkommt oder der etwas einfältige Fester wieder einmal jemandem, der der Familie seines Erachtens nichts Gutes will, mit seiner Flinte in den Rücken schießen möchte. Nicht zu vergessen natürlich, wie Gomez darauf anspringt, wenn Morticia französische Wörter verwendet oder ihn „Bubele“ nennt: Er vergisst alles um sich herum, ergreift ihren Arm und küsst ihn ungestüm von unten nach oben.

Eines der inhaltlichen Kernstücke der Serie ist nämlich die Beziehung der Eheleute zueinander, die nicht nur von größtem gegenseitigem Respekt, sondern auch von feuriger Leidenschaft geprägt ist. Gomez und Morticia machen sich ständig gegenseitig Komplimente und viele Episoden beginnen damit, dass sie etwas miteinander spielen, dabei gern auch Ungewöhnliches wie sich Degenkämpfe zu liefern. Zudem drücken sie sich für gewöhnlich überaus gewählt aus und entsprechen damit aller Bizarrerie zum Trotz sehr viel mehr dem tatsächlichen Ideal einer liebevollen, erfüllten Ehe zwischen zwei kultivierten Menschen, als es viele „normale“ Verheiratete tun. Das Feuer zwischen beiden dürfte im US-amerikanischen TV seinerzeit zudem vor dem Hintergrund aufsehenerregend gewesen sein, dass andere TV-Eltern so prüde dargestellt wurden, dass sie sogar in getrennten Betten schliefen.

Dieses herrliche Spiel gerade nicht nur mit Grusel- und Horror-Klischees ist es, das die Serie so wertvoll macht. Der grobschlächtige, monströse Lurch, der weitestgehend emotionslos wie ein Roboter wirkt und vornehmlich schlechtgelaunt zu grummeln scheint, entlockt dem Familien-Cembalo die filigransten Klänge und die Familie wirkt auf Außenstehende abschreckend und gefährlich, ist letztlich aber so viel menschlicher als andere. „Beurteile ein Buch nicht nach seinem Umschlag“, ist eine der essentiellen Aussagen der Serie, die sich in der zweiten Staffel vermehrt den einzelnen Familienmitgliedern und ihren jeweiligen Befindlichkeiten widmet und in der dritten Staffel verstärkt deren Schwächen aufgreift, sie damit bisweilen der Lächerlichkeit preis- und ihr Konzept als über den Dingen stehende Familie damit ein Stück weit aufgibt. Zugegebenermaßen ist auch die Erklärung für den Reichtum der Familie, der ihr ihren exzentrischen, von gesellschaftlichen Konventionen unabhängigen Lebensstil ermöglicht, reichlich simpel ausgefallen und bewegt sich irgendwo zwischen Erbe und Börsenerfolg, was den Spaß jedoch kaum mindert. Dies mag durchaus auch in Tradition bewusster Absurditäten und Logikbrüche innerhalb der Serie stehen, was bei den gesundheitsschädlichen Lebensmitteln der Familie anfängt und beim scheinbaren Umfang des Händchens Schatulle aufhört.

Ein sicheres (eiskaltes) Händchen bewies man auch bei der Wahl der Schauspieler. Mit vollem Einsatz und sichtlicher Freude sind sie bei der Sache, mit der sich alle zu identifizieren und in ihr voll aufzugehen scheinen. Besonders hervorzuheben sind indes Jackie Coogan, der seinem als kindsköpfigen und aufbrausenden Kontrast zum Rest der Familie skizzierten Onkel Fester eine wunderbar grimassierende Charakterfresse verleiht sowie zweifelsohne der hünenhafte Ted Cassidy, dem es gelingt, seine Rolle als Lurch durch die Maskerade hindurch um eine gewisse Tiefe und Melancholie zu erweitern und zudem mit viel Mut zur Selbstironie letztendlich ja auch seine eigene Statur auf die Schippe nimmt. Unvergessen seine Tanzeinlagen! Tragisch: Wie so viele Großwüchsige aus dem Show- und Entertainment-Geschäft ist auch Cassidy viel zu früh – mit gerade einmal 46 Jahren – verstorben. Auch mit Carolyn Jones, die neben Morticia auch ihre eigene nicht minder exzentrische Schwester Ophelia, der Blumen aus dem Kopf wachsen, spielte, meinte es das Schicksal leider nicht allzu gut: Sie starb bereits mit 53 Jahren.

Da Familie Addams bereits damals als trendunanfällig und anti-modernistisch, eher Altertümlichem zugeneigt und aus der Zeit gefallen konzipiert wurde, haben die Jahrzehnte gar nicht allzu sehr an der Serie genagt, wenngleich die (nur spärlich zum Einsatz kommende) Tricktechnik natürlich sehr durchschaubar wirkt und die Komik für jüngere Generationen, die mit den außerdem farbigen „Addams Family“-Spielfilmen aus den 1990ern aufgewachsen sind, hier und da ein wenig Staub angesetzt hat. Doch gerade für diejenigen, die es selbst unkonventionell bevorzugen und/oder ebenfalls einen Hang zum Morbiden haben und sich diesbzgl. gemischten Reaktionen bis hin zu Vorurteilen ausgesetzt sahen oder sehen, ist diese Serie noch immer Genugtuung und Genuss. Man kann nur ahnen, wie sie damals zu wesentlich spießigeren Zeiten einschlug und aufgefasst wurde – und was sie bewirkt hat. Popkulturell ist sie jedenfalls nicht mehr wegzudenken. Interessanterweise lief noch im selben Jahr – 1964 – eine direkte Konkurrenz mit ähnlichem Konzept, „Die Munsters“, an. Dazu später an anderer Stelle mehr.
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