Die Frau im Nebel - Park Chan-wook (2022)

Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Die Frau im Nebel - Park Chan-wook (2022)

Beitrag von jogiwan »

Die Frau im Nebel

01.jpg
01.jpg (31.66 KiB) 234 mal betrachtet
Originaltitel: Heeojil kyeolsim

Alternativtitel: Descision to leave

Herstellungsland: Südkorea / 2022

Regie: Park Chan-wook

Darsteller:innen: Tang Wei, Park Hae-il, Lee Jung-hyun, Go Kyung-pyo, Park Yong-woo

Story:

Polizist Hae-Joon ist ein korrekter, eigentlich übergenauer Mensch mit einer guten Spürnase für Verbrechen und seine Aufklärung. Eines Tages stürzt ein Hobbysportler von einem Felsen und Jang trifft auf Seo-Rae, seine chinesische Witwe, die über den Tod ihres wesentlich älteren Mannes nicht sonderlich bestürzt zu sein scheint. Diese gerät auch rasch in den Fokus der Ermittlungen und Hae-Joon, der während er die Frau beschattet auch immer mehr Verlangen nach ihr entwickelt. Doch Seo-Rae scheint dieses Spiel ebenfalls zu gefallen und die beiden verstricken sich immer mehr in einem Netz aus gegenseitigem Verlangen, Mord und weiteren Rätseln, die schon bald weitere Kreise ziehen, als neuerlich ein Mord geschieht…
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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jogiwan
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Re: Die Frau im Nebel - Park Chan-wook (2022)

Beitrag von jogiwan »

Park Chan-wook galt ja lange Zeit eher als Mann fürs Grobe, wobei seine Filme wie die Trache-Trilogie inklusive „Oldboy“ oder auch Werke wie „Durst“ und „Snowpiercer“ seinen Anteil hatten. Dazwischen gab es aber auch ruhigere Filme und auch „Die Frau im Nebel“ wirkt wesentlich subtiler und ruhiger als die Filme, die ich sonst von ihm kenne. Hier geht es zwar anfänglich auch um einen Mordfall, der sich jedoch relativ rasch in eine Art Katz-und-Mausspiel zwischen den ermittelnden Beamten und der mysteriösen Frau entwickelt, in dem nicht nur Sprachbarrieren, sondern auch viele andere Dinge mitgenommen werden. Die Figuren sind vielschichtig und das Verlangen spürbar, während auf plakative Elemente oder drastische Bilder nahezu gänzlich verzichtet wird. Viel mehr sind es hier die Dinge zwischen den Zeilen oder auch das Unausgesprochene, dass hier mehr wiegt, als die Bilder, die man zu sehen bekommt. Die sind übrigen wunderschön, meisterlich montiert und ergänzen perfekt die vertrackte Erzählweise, die mir ebenso ausnehmend gut gefallen hat. Die 138 Minuten vergehen fast wie im Flug, während man immer mehr hineingezogen wird in einen hypnotischen Sog aus Pflichtbewusstsein, sexuellen Begehren und auch dem Wunsch aus seinem alltäglichen Leben ausbrechen zu können und die Vernunft und Erwartungen anderer hinter sich zu lassen. Aber auch das sind wieder nur Dinge, die vielleicht nur ich so wahrgenommen habe, in einem vielschichtigen, verwirrenden, spannenden und vor allem sehr guten Streifen, den man nur jeden ans Herz legen kann. Tipp!
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Onkel Joe
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Re: Die Frau im Nebel - Park Chan-wook (2022)

Beitrag von Onkel Joe »

Sehr schön geschrieben Jogiwan und das unterschreibe ich alles zu 100%. Auf Empfehlung von Blap irgendwann letzten Jahres gesichtet und der ist wirklich toll!
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
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Dick Cockboner
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Re: Die Frau im Nebel - Park Chan-wook (2022)

Beitrag von Dick Cockboner »

Ich lese unten rechts im Bild das Wort Oscar. Wofür gab's den denn?
Obwohl, eigentlich egal, BD is im Einkaufskorb.
“It’s hard to see things when you’re too close. Take a step back and look.”
Bob Ross
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karlAbundzu
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Re: Die Frau im Nebel - Park Chan-wook (2022)

Beitrag von karlAbundzu »

Ich schrieb nach dem Kinobesuch:
Ein Kommissar wird zu einem Todesfall gerufen, irgendetwas erscheint ihm nicht koscher, er beobachtet die Witwe und verliebt sich in sie. Wie wir aus einigen Tatorten wissen, kann das nicht gut gehen.
13 Monate später, der Kommissar ist inzwischen zu seiner Frau in eine andere Stadt gezogen, wohl auch, um der Witwe nicht mehr zu begegnen. Doch auch da passiert ein Todesfall und die Witwe ist auch nicht weit.
Krimi und Liebesgeschichte sind der Rahmen für einen existentialistischen Film, der auch die großen Fragen stellt, wer sind wir, was macht uns aus usw. Und erinnert an französisches Kino der 60er, der Exis. Und das hätte ich vom Regisseur Park Chan-wok nicht erwartet, hier wird so gar nicht am Rad gedreht. Klar, in der ersten Hälfte ist auch noch Humor dabei, meist durch seinen etwas trotteligen und unkontrollierten Assistenten, aber in der zweiten Hälfte bekommt er eine kluge, leicht zynische Mitermittlerin.
Mir hat das gut gefallen, der Soundtrack, Kamera, Ausstattung waren top, und trotz 2:20 nicht zu lang.
Toll auch die beiden Hauptdarsteller, er ein häufig gesehener Schauspieler in koreanischen Genrefilmen, zwischen überlegt und verzweifelt, sie eine Chinesin, mir bisher unbekannt, nimmt man alles ab, vermutet aber auch immer mehr.
Es wäre wohl gut, etwas zum Verhältnis China Südkorea oder der südkoreanischen Stimmung zu Einwanderern aus China zu wissen; ich hatte den Eindruck, da hier und da Anspielungen und Details nicht zu verstehen.
Wie alles von Park Chan-wok zu empfehlen, auch wenn er sich in seinem Oeuvre außergewöhnlich macht.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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fritzcarraldo
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Re: Die Frau im Nebel - Park Chan-wook (2022)

Beitrag von fritzcarraldo »

Huch. Ein Thread zum Thema.

Ich schrieb damals:

Die Frau im Nebel
Kunstvolles Film-noir-Puzzle.
Atemberaubend wie sich Szenen immer wieder miteinander verweben.
Park Chan-wook stellt hier natürlich Verbindungen zu BASIC INSTINCT (ohne Sex und Gewalt) und Hitchcock (besonders VERTIGO) her, ohne aber einfach nur schnöde zu kopieren. DIE FRAU IM NEBEL ist sicherlich ein eigenständiges Meisterwerk.
Und eigentlich umweht das Ganze ja auch immer irgendwie eine mehr oder minder sanfte Giallo-Brise. Toller Film!
"Das ist nicht möglich!"
"Aber notwendig!"

(Interstellar)

"J&B straight and a Corona!"
(Patrick Bateman, American Psycho)

https://www.latenight-der-fussball-talk.de
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