Der Mann mit der eisernen Maske - James Whale (1939)

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Der Mann mit der eisernen Maske - James Whale (1939)

Beitrag von buxtebrawler »

Der Mann mit der eisernen Maske (1939).jpg
Der Mann mit der eisernen Maske (1939).jpg (47.91 KiB) 62 mal betrachtet

Originaltitel: The Man in the Iron Mask

Herstellungsland: USA / 1939

Regie: James Whale

Darsteller(innen): Louis Hayward, Joan Bennett, Warren William, Joseph Schildkraut, Alan Hale, Walter Kingsford, Miles Mander, Bert Roach, Marion Martin, Montagu Love, Doris Kenyon, Albert Dekker, Nigel De Brulier, William Royle, Boyd Irwin, Howard Brooks, Reginald Barlow u. A.
König Ludwig XIII. von Frankreich wird Vater von Zwillingen. Da dies Probleme mit der Thronfolge mit sich bringen kann, wird die Geburt des einen Sohnes geheimgehalten. Der König vertraut Phillipe dem Schwertkämpfer D'Artagnan an, der diesen zusammen mit den drei Musketieren großzieht. Doch eines Tages kehrt Phillipe nach Paris zurück und sein Bruder Ludwig XIV. erfährt von seinem Bruder. Aus Angst den Ansrpuch auf den Thron zu verlieren, lässt er Phillipe in ein Verlies werfen, wo er hinter einer eisernen Maske von der Öffentlichkeit ferngehalten werden soll...
Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Re: Der Mann mit der eisernen Maske - James Whale (1939)

Beitrag von buxtebrawler »

„Jeder, dem zwei Söhne geboren werden, würde Gott dafür danken. Nur für mich, den König, bedeutet es Unglück.“

Für die erste Tonverfilmung des Romans „Der Mann mit der eisernen Maske“ des Schriftstellers Alexandre Dumas zeichnet niemand Geringerer als „Frankenstein“-Regisseur James Whale verantwortlich. Das in Schwarzweiß gedrehte Mantel-und-Degen-Abenteuerdrama erschien im Jahre 1939.

„Die Zukunft Frankreichs steht auf dem Spiel!“

Der französische König Ludwig XIII. (Albert Dekker, „Dr. Zyklop“) wird im Jahre 1683 Vater von Zwillingen (Louis Hayward, „Das letzte Wochenende“). Um Konflikte bei der Wahl seines Thronfolgers zu umgehen, hält er einen seiner Nachkommen der Öffentlichkeit gegenüber geheim. So gilt Ludwig als offiziell einziger Sohn, während man Philippe dem Musketier D’Artagnan (Warren William, „Der Wolfsmensch“) anvertraut. Als Philippe als junger Mann nach Paris zurückkehrt, bekommt es sein mittlerweile zum König gekrönter Bruder Ludwig XIV. mit der Angst zu tun und lässt Philippe einkerkern, inklusive dessen Gesicht verdeckender schmiedeeiserner Maske…

„Der Staat hier, der bin ich alleine!“

Mantel-und-Degenfilme assoziiere ich in erster Linie mit Männern in tuntiger Montur; das Morbide, das der Geschichte um den Mann mit der eisernen Maske innewohnt, und der Umstand, dass James Whale diese inszenierte, ließ mich jedoch neugierig auf dieses barocke Kostümabenteuer werden, in das eine kurze Texttafel einführt. Dass der Arzt (Wyndham Standing, „Dracula“) und die Hebamme (Dorothy Vaughn, „Nach dem dünnen Mann“) getötet werden, weil sie zu viel wissen, wird lediglich angedeutet und nicht gezeigt, und schon bald folgt ein durch eine weitere Texttafel eingeführter Zeitsprung. Thronfolger Ludwig XIV. ist ein eitles Ekel geworden, das sich an Hinrichtungen erfreut. Der königliche Berater Nicolas Fouquet (Joseph Schildkraut, „Rendezvous nach Ladenschluss“) intrigiert aus politischen Gründen gegen D’Artagnan und Philippe, Kurzum: Ein einziger monarcher Sauhaufen – doch bis zur französischen Revolution werden leider noch ein paar Jahre ins Land ziehen.

„Vertraut nie einem König!“

Damit das Filmpublikum die Übersicht wahrt, informieren weitere, übrigens hübsch wie alte Buchseiten gestaltete Texttafeln über jeden Ortswechsel. Als Philippe während der Feier seines 22. Geburtstags verhaftet werden soll, entbrennt ein flott inszenierter Degenkampf, dem er letztlich unterliegt. Maria Theresia (Joan Bennett, „Gefährliche Begegnung“) kommt zu Besuch, Ludwig XIV. will sich mit ihr verloben. Sie kritisiert die Armut der Bevölkerung, die gegen die Salzsteuer zu rebellieren beginnt. Doch der König reagiert mit Folterungen. Der Beginn einer solchen Szene liegt auf meiner DVD auf Englisch mit deutschen Untertiteln vor, die mehrere Rechtschreibfehler in nur einem Satz enthalten… puh.

„Ihr sauft zu viel, ihr Brüder!“

Dies ändert indes nichts an der Kraft der Bilder, besonders ein abgemagertes Folteropfer wird eindringlich in Szene gesetzt. Endlich wird ein Attentat auf Ludwig XIV. geplant. Die Ähnlichkeit seines gefangenen Bruders mit ihm wird ihm zugetragen und Philippe zu ihm gebracht, auf den Ludwig erstaunt reagiert. Aufgrund des drohenden Attentats soll Philippe Ludwigs Rolle einnehmen. Philippe stimmt zu, weil er hofft, damit seine verhafteten Freunde retten zu können. Damit einher geht aber auch, dass er gegen die Rebellen fechten muss, womit der Film seine nächste Actionszene bekommt. Dennoch gelingt ein konstruktiver Dialog mit den Rebellen, die daraufhin wieder zu ihm, dem vermeintlichen König, stehen. Philippe übernimmt auch weitere „Jobs“, was für die arme Marie Theresia zu einem Wechselbad der Gefühle wird. Doch die Strippen im Hintergrund ziehen ohnehin andere, nicht die Brüder selbst. Ja, dieses politische Intrigenspiel um einen ehrlosen Sausack von König sagt mir zu, funktioniert unter Whales Regie als dramaturgisch effektives Narrativ.

„Ich habe Mitleid mit ihm, obwohl ich ihn hassen müsste.“

Philippe jedenfalls kann seine seine Freunde befreien, soll aber gehenkt werden. Der noch nicht völlig amoralische Berater Jean-Baptiste Colbert (Walter Kingsford, „Tödliche Strahlen“) packt daraufhin aus, was Ludwig jedoch den teuflischen Plan um die titelgebende Maske entwickeln lässt. Diese wird geschmiedet, ihren einzigen Schlüssel trägt Ludwig an seiner Halskette. Toll gemacht: Überblendeffekte symbolisieren Philippes Isolation, Verzweiflung und seine Erinnerungsfetzen. Als zynischer Euphemismus wird sein Kerker fortan als „Königreich der Majestät“ bezeichnet. Als auch gegen Colbert intrigiert wird, schalten sich D’Artagnan und seine Musketiere ein, Maria wird reiner Wein eingeschenkt, ein Befreiungsversuch gelingt, auf eine pathetische Ansprache Philippes gegenüber seinem Bruder folgt der neuerliche Identitätstausch – und die Ereignisse überschlagen sich. Ich hänge gebannt vor der Glotze, voller Verachtung für die königliche Mischpoke, doch voller Sympathie für Philippe und dessen Haudegen und freue mich, wie gut mich als Mantel-und-Degen-Skeptiker dieser Film mitsamt seiner hochdramatischen Geschichte unterhält.

Ich habe Dumas nie gelesen und daher keinen Schimmer, wie werkgetreu diese Leinwandadaption ist. Ich habe bisher auch keine andere Verfilmung gesehen und wusste vorher nur grob, worum es geht. Vermutlich aufgrund meiner Unkenntnis habe ich Whales Film als aufregend und spannend empfunden. Dass es unter Whale jedoch so wirkt, als sei Philippe nur relativ kurz eingekerkert gewesen, dürfte nicht im Sinne des Erfinders gewesen sein. Unterm Strich aber ein schöner, kämpferischer Film vor recht frei ausgelegtem historischem Hintergrund, der mit liebevollen deutschen Inserts aufwartet und in dem niemand Geringerer als der ehrenwerte Peter Cushing in einer Nebenrolle als Offizier seinen Kinoeinstand gab.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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