Luzifer - Peter Brunner (2021)

Moderator: jogiwan

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fritzcarraldo
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Luzifer - Peter Brunner (2021)

Beitrag von fritzcarraldo »

Fantasy Filmfest Nights.
Savoy Kino Hamburg.

"Wo ist der Teufel?"
Nach einer wahren Geschichte.
Luzifer
1406591.jpg
1406591.jpg (472.88 KiB) 350 mal betrachtet
Östereich 2021
Regie: Peter Brunner
Mit Susanne Jensen, Franz Rogowski.
Ein Haus in den Alpen. Abgelegen und fast von der Zivilisation abgeschnitten.
Der Film spielt im Hier und Jetzt.
Auf der Alm leben Mutter und Sohn. Maria und Johannes. Nach einiger Zeit erfahren wir, dass beide sehr religiös sind. Maria sagt, dass ihr Mann, der Elia, sie gerettet hat. Dem Alkohol verfallen, brachte er sie über Jesus zur Abstinenz. Deswegen beendet sie ihre täglichen Gebete an einem riesigen Wegekreuz immer mit dem Dank an die Nüchternheit. Elia ist tot. Wie, wann erfahren wir nicht. Es gibt einige Visionen Marias, in denen er wohl verstümmelt zu sehen ist. Johannes ist offensichtlich immer schon hier oben gewesen. Er redet nur bruchstückhaft und entdeckt immer mehr seine Umwelt. Ein moderner Kaspar Hauser.
In diese Welt der beiden dringt immer mehr eine Baufirma ein, die alles bis ins Tal hinunter zum Skigebiet ausbauen will.
Maria und Johannes fühlen sich bedroht und wie sich später herausstellt werden sie es auch.
Auch wenn dann später ein brutaler Übergriff einiger "Landvermesser" später die Initialzündung für die katastrophalen Ereignisse zum Ende hin ist, so hat man das Gefühl, dass alles sowieso eskaliert wäre.
Dieser Subplot, genau wie die wiederkehrenden Treffen mit einem weiteren Einsiedler und einer Tierärztin, zeigen aber auch das Leben und wieso beide so handeln wie sie handeln. Dadurch werden die Zusehenden zum Verstehen aufgefordert.
Denn als Maria todkrank wird, kennt Johannes nur die Religion und die Vorgehensweisen seiner Mutter.
"Wo ist der Teufel?" Er ist da. Und er muss ausgetrieben werden.
Regisseur Peter Brunner nennt LUZIFER einen Anti-Exorzismus-Film. Passt ganz gut.
Und was Susanne Jensen und Franz Rogowski hier machen, ist unfassbar.
Dazu noch die grandiosen Aufnahmen der Alpen und die ständig bedrohliche Soundkulisse.
"Das Leben ist noch verrückter als Scheiße!" (Joe Minaldi -Burt Young- Es war einmal in Amerika)

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"männlich, jung, hansestädtisch" (Phantom)

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buxtebrawler
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Re: Luzifer - Peter Brunner (2021)

Beitrag von buxtebrawler »

Ein neuer Alpen-Horrorthriller also - klingt gut.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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karlAbundzu
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Re: Luzifer - Peter Brunner (2021)

Beitrag von karlAbundzu »

Mutter Maria und ihr erwachsener Sohn Johannes leben zurück gezogen auf einem Berg. Vater Elias ist nicht mehr da, die beiden finden sich mit christlichen eigenen Ritualen zu Recht. Johannes kann kaum sprechen und scheint auch sonst eher das Gemüt eines Kindes zu haben. Doch dann bricht die Modene ein in Form von Drohnen und Landermessern, ein paar Lifte sollen entstehen.
Intensives Drama. Auch wenn es eine zeitlang sich so anfühlt, als würde es um eine Art Ökothriller mit starken religiösen Einschlägen geht, geht es doch um die beiden, alle anderen, die übergriffigen Landvermesser, die Tierärztin, der andere Einsiedler werden nur im Zusammenhang mit den beiden und ihren Befindlichkeiten gezeigt. Und das ist intensiv: Franz Rogowski ist ja schon bekannt und gut beschäftigt, ich finde den auch toll. Wenn ich die Einführung richtig verstand, ist Susanne Jebsen selbst eine tief religiöse Frau mit Missbrauchsvergangenheit. Aufgelöst wird hier nichts, Visionen und Erinnerungen Johannes und Marias durchbrechen den Erzählfluss, der insgesamt eher langsam ist und -die Landschaft Tirols spielt irgendwie auch eine Rolle. Interessanter Soundtrack auch.
Hat mich mitgenommen. Empfehlung!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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karlAbundzu
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Re: Luzifer - Peter Brunner (2021)

Beitrag von karlAbundzu »

Im Kino.
Immer noch intensiv, unangenehm und traurig. Manchmal sehr direkt in den Bildern. (Obwohl ich zuerst dachte, daß die Helikopter im Auftrag der Landvermesser Wucher heißt, wäre doch zu platt, aber die Heli Verleih Firma hieß wirklich so. ) Aber das schlußbild doch deutlich: Wer ist der Teufel?
War ja Zweitdichtung, in der Mitte wünschte ich mich in einen amerikanischen Slasher, so dass Johannes dann seine Axt packt und alle nieder mäht. Aber es kommt halt anders...
Starke Kino Erfahrung.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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