Ringo mit den goldenen Pistolen - Sergio Corbucci (1966)

Helden, Halunken, staubige Dollars, Pferde & Colts

Moderator: jogiwan

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Die Kroete
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Ringo mit den goldenen Pistolen - Sergio Corbucci (1966)

Beitrag von Die Kroete »

Johnny_Oro.jpg
Johnny_Oro.jpg (38.16 KiB) 355 mal betrachtet

Originaltitel: Johnny Oro

Herstellungsland: Italien

Erscheinungsjahr: 1966

Regie: Sergio Corbucci

Darsteller: Mark Damon, Valeria Fabrizi, Franco De Rosa, Andrea Aureli, Loris Loddi, John Bartha, Ettore Manni u.a.

Inhalt:
"Der Kopfgeldjäger Ringo zieht sich die tödliche Feindschaft des mexikanischen Banditen Juanito Perez zu, als er dessen Brüder erschießt.
Juanito, der jetzt nur noch die Rache an Ringo im Kopf hat, verbündet sich mit einem Apachenstamm und fordert nun die Freilassung Ringos, der wegen illegalem Waffenbesitzes im Gefängnis von Coldstone einsitzt.
Da der Sheriff Ringo nicht ausliefern will, kommt es zu einem blutigen Kampf..."
Quelle: DVDuncut.com

Fazit:
Entstand beinahe zeitgleich mit Django und wurde von Corbucci auch als dessen "Gegenstück" erdacht. Während Django, als der Finstere im Düsteren agierend, in Matsch und Dreck durch eine trostlose Endzeit-Landschaft wandert, zieht es Johnny Oro (Ringo) vor, sich der Schönwetter-Front auszusetzen und sich jedem, durch glitzernde Colts, als Leuchtfigur prachtvoll zu zeigen.
Aber nicht nur die Hauptfiguren unterscheiden sich grundlegend von einander, sondern auch die Ausstattung und Ausrichtungen sind, mal abgesehen von der italienischen Härte die in beiden Filmen vorhanden ist, recht unterschiedlich ausgelegt.
Indem Ringo eher den klassischen Western verkörpert, war dagegen Django ein typisches Beispiel, für den damals neu-aufkommenden Italo-Western.
Als Co-Regisseur war hier Ruggero Deodato ebenso beteiligt. Da Corbucci die Dreharbeiten nicht zuende geführt hat, weil er nicht an beiden Drehorten gleichzeitig sein konnte, kann man davon ausgehen, daß auch bei diesem Film, einige Szenen von Ruggero bewerkstelligt wurden.


8,5/10

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buxtebrawler
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Re: Ringo mit den goldenen Pistolen - Sergio Corbucci

Beitrag von buxtebrawler »

Erscheint voraussichtlich am 11.09.2020 bei White Pearl Classics als Blu-ray/DVD-Kombination im Mediabook:

Bild

Extras:
- 16-seitiges Booklet mit tollen Fotos und Hintergrundinformationen

Bemerkungen:
- Erstmals auf DVD und Blu-ray
- Digital remastered
- Blu-ray in HD neu abgetastet
- uncut Kinofassung von MGM (nicht synchronisierte Szenen deutsch untertitelt)

Quelle: https://ssl.ofdb.de/view.php?page=fassu ... vid=105129
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!

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sid.vicious
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Re: Ringo mit den goldenen Pistolen - Sergio Corbucci (1966)

Beitrag von sid.vicious »

Originaltitel: Johnny Oro
Regisseur: Sergio Corbucci
Kamera: Riccardo Pallottini
Musik: Carlo Savina
Drehbuch: Adriano Bolzoni, Franco Rossetti

220px-Johnny-oro-poster.jpg
220px-Johnny-oro-poster.jpg (31.92 KiB) 293 mal betrachtet
Mit der Eliminierung der Brüder Perez zieht der Kopfgeldjäger, Ringo, den Hass des letzten verbliebenen Familienmitglieds, Juanito, auf sich, sodass Ringo kurz nach seiner Ankunft in Coldstone von Juanitos Todesboten frequentiert wird. Doch der clevere bounty hunter verzichtet auf einen Meinungsaustausch und verweist die Halunken (mithilfe von etwas Sprengstoff) postwendend an die Pforten zur Hölle. Damit verstößt Ringo allerdings gegen das Waffengesetz und landet vorerst im Kittchen. Sehr zum Ärger von Juanito, der allerdings die Zeit nutzt, um sich mit den Apachen zu verbünden und anschließend Ringos Auslieferung zu fordern. Sofern man seiner Forderung nicht nachkommt, droht der mexikanische Desperado, die indianischen Hundes des Krieges von der Leine zu lassen, damit diese Coldstone dem Erdboden gleichmachen. Da der penible Sheriff die Auslieferung verweigert, müssen die Dorfbewohner fortan um ihr Leben bangen und einige von ihnen werden gar zu einer internen Gefahr…

- Ringo, so heißt der Duke, der John Fords famose „Postkutsche“, deren Fahrgäste einen Querschnitt der amerikanischen Gesellsaft präsentieren, (beg)leitet.
- Ringo, so heißt John Ireland in John Sturges' „Gunfight at the O.K. Corral“.
- Ringo, so heißt ein Beatle, der dem Blindman ganz schwer auf die Eier geht.
- Ringo, so heißt Sir Quicklys Ochse in Franz Xaver Bogners toller TV-Serie „Irgendwie und Sowieso“…

Diese Liste kann beliebig weitergeführt werden, allerdings sollte man derartige Spielereien nicht übertreiben, um sich nicht zu weit vom eigentlichen Thema, dem „italienischen Ringo“, zu entfernen. Einem Western(anti)helden, der - wie die zahlreichen Djangos - keine in Stein gemeißelte Persönlichkeit darstellt, sondern sich aus den jeweiligen Grundkonstellationen eines italienischen Westernvehikels zusammensetzt. Demnach spielt es keine Rolle, ob der Antiheld als Strahlemann oder Spaßbremse seine Colts „glühen“ lässt, da sein Name als ein Chiffre fungiert, hinter dem sich x-beliebige Westmänner verbergen, deren Ambitionen allerdings meist konform, sprich von finanzieller Natur geprägt, sind. Zur Verwirklichung ihrer Ziele spielen sie, wie es sich für wahre Pfiffikusse gehört, gern zwei Parteien gegeneinander aus, um schlussendlich das Edelmetall oder die klimpernden Dollars für sich einzustreichen und anschließend dahin zurückzukehren, wo sie herkamen.

Der Erfolg, den Duccio Tessari mit „Eine Pistole für Ringo“ und „Ringo kommt zurück“ verbuchen konnte, ließ einige Ringo-Imitate aus den Tiefen des italienischen Westernmeers aufsteigen. Deren Existenz war allerdings meist Mister „Reim dich oder ich fresse dich“, dem eifrigen Sprücheschöpfer am Spieltisch des jeweiligen Verleihs, geschuldet. Aus „Johnny Oro“ wurde somit „Ringo mit den goldenen Pistolen“, dessen deutsche Synchronisation zudem einige auditive Parallelen zu „Eine Pistole für Ringo“ aufweist. Folglich wird der eifrige IW-Lehrling auch von keiner Verwunderungsattacke überrannt, wenn er Johnny Oro beziehungsweise Johnny Ringo als ein bis über beide Ohren strahlendes Honigkuchenpferd erfasst, denn Mark Damon gibt – wie bereits Giuliano Gemma vor ihm - einen pfiffigen und fortwährend entkrampften Spitzbuben, dessen Optik deutlich vom unrasierten Antihelden der italienischen Westernlichtspiele abweicht.

Sergio Corbucci lieferte in der Frühphase des italienischen Westerns mit „Minnesota Clay“ und „Massacro al Grande Canyon“ (zur Info: der Film kam erst 3 Jahre nach der italienischen Uraufführung als „Keinen Cent für Ringos Kopf“ in die deutschen Kinos) zwei mittelprächtige Genrebeiträge ab. Auch wenn mir „Ringo mit den goldenen Pistolen“ mehr als die simultan genannten Titel zusagt, kann der Film ebenfalls nicht über die „Kategorie Durchschnitt“ hinauswachsen. Dieses ist seiner eher behäbigen Inszenierung geschuldet, die den (für einen besseren Schulabschluss) nötigen und vielbesagten Funken nicht überspringen lässt. Denn obwohl „Johnny Oro“ mit Besetzung und Ausstattung vieles richtig macht, schleppt sich der Streifen zeitweise dahin und kann erst innert des letzen Drittels mehr Fahrt aufnehmen.

Was die drei Filme (ungeachtet der künstlerischen Leitung) verbindet, ist deren gemeinsamer Hang zum US-Western. „Ringo mit den goldenen Pistolen“ kann diesen Ausdruck gar besonders manifestieren, da sich dessen Grundgedanke von Howard Hawks´ „Rio Bravo“ ableiten lässt. Folglich ist es nicht schwierig, „Johnny Oro“ als ein Bindeglied zwischen dem amerikanischen und dem italienischen Western zu begreifen. Dafür zeugen einerseits dessen Look und eine eindeutige Trennlinie zwischen Gut und Böse, sowie andererseits ein (Anti-)Held, der bevorzugt in seine eigene Tasche wirtschaftet und folglich nicht mit den amerikanischen Tonfilmwesternhelden der 1930er, 1940er und teilweise 1950er konform ist.

Ringo, der sich innerhalb der deutschen Synchronisation als Jonathan Jefferson Gonzalez vorstellt, zeigt sich fortwährend als lockerer Bursche, der scheinbar ein Dauerabonnement bei der Glücksgöttin Fortuna abgeschlossen hat, da er jede noch so aussichtlose Situation mit einem Lächeln kommentiert. Doch jeder lockere Draufgänger benötigt einen Gegenpol, der ihm die Grenzen aufzeigt und ihn – wenn die Situation es erfordert – auch mal aus dem Verkehr zieht. Dieser Part kommt dem von Ettore Manni verkörperten Sheriff, Bill Norton, zugute, der seine Rolle ordentlich, aber stur nach amerikanischem Vorbild, beschreitet. Gefährlich wird es allerdings, wenn sein kleiner Sohn ins Geschehen eingreift, was wieder einmal bestätigt, dass Blagen in italienischen Western einfach nichts zu suchen haben, da sie gewaltig nerven und somit die Stimmung eines jeden TRVE IW-Fans versauen. Der ungekrönte König dieser Nervensägen ist zweifelsohne Sven Valsecchi in Lucio Fulcis „Silbersattel“.

„…und neben uns haben wir Sebastian, er und alle Stammesbrüder hassen euch Amerikaner. Ich kann verstehen warum, ihr habt sie von ihrem Land vertrieben.“ (Juanito Perez)

Begleitend zum umrissenen Handlungsstrang werden die einstige Eroberung, die Unterdrückung und die damit verbundene Internierung der „amerikanischen“ Ureinwohner aufgegriffen. Währenddessen transportiert Corbucci seine Chefrothaut, Sebastian, erwartungsgemäß als einen versoffenen Aggressor, der nach Blut lechzt. Zu diesem Zweck bündelt er sein Hasspotential, definiert das kleine Städtchen Coldstone als Angriffsziel und assoziiert einhergehend deren Einwohner als die Verantwortlichen für das erlittene Leid seines Volkes. Sebastian will ein Gleichgewicht herstellen und mit einem Massaker an einer „Handvoll“ unschuldiger Bleichgesichter die Geschichte Amerikas bereinigen. Und damit Sebastian seinem Buhmannimage vollends gerecht wird, verbündet er sich („Der Feind meines Feindes ist mein Freund“) mit Juanito Perez und seinen mexikanischen Desperados.

Alles Arschlöcher? Nicht wirklich, denn bei derartigen Interpretationsvorgängen wird immer gern (oder ungern?) vergessen, dass Amerikas Ureinwohner sehr friedliebend waren und schlussendlich mithilfe von Feuerwasser in das Hassschema der Entdecker und späteren Eroberer gepresst wurden, um die geplante Ausrottung der Indianer zu legitimieren. Eine (als vorgezogener McCarthyismus suggerierbare) Methode, die bis dato ihren Zweck erfüllt, da sie dem ein oder anderen unbedarften Zeitgenossen immer noch vorgaukeln kann, dass die wilden Eroberer oder besser gesagt die erobernden Wilden die besseren Menschen gewesen sind. Na denn: Gute Nacht!

Solange es noch Verbrecher gibt, komme ich schon zurecht…! (Ringo)

Fazit: „Ringo mit den goldenen Pistolen“ orientiert sich an den amerikanischen Westernvorbildern und kombiniert diese Vorgangsweise mit diversen Versatzstücken des Italo-Western, sodass unter dem Strich eine solide, manchmal allerdings fade, Inszenierung steht, die den Zuschauer mit ansprechenden Landschaftsaufnahmen und einem sympathischen Antihelden beliefert.
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buxtebrawler
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Re: Ringo mit den goldenen Pistolen - Sergio Corbucci (1966)

Beitrag von buxtebrawler »

Erscheint voraussichtlich am 19.11.2021 noch einmal bei White Pearl Classics auf Blu-ray und DVD:

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Achtung: Es bestehen Bootleg-Gerüchte!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
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