Dakota - Nur der Colt war sein Gesetz - Edoardo Mulargia (1971))

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sid.vicious
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Dakota - Nur der Colt war sein Gesetz - Edoardo Mulargia (1971))

Beitrag von sid.vicious »

Originaltitel: Rimase uno solo e fu la morte per tutti!
Regisseur: Edoardo Mulargia
Kamera: Antonio Modica
Musik:Felice Di Stefano, Gianfranco Di Stefano
Drehbuch: Ian Danby, Edoardo Mulargia, Alessandro Schirò
Darsteller: Tony Kendall, James Rogers, Sophia Kammara, Dino Strano, Omero Gargano, Domenico Maggio, Celso Faria, Fortunato Arena, Attilio Dottesio, Sergio Sagnotti, Luciano Conti, Michele Branca, Nino Musco, Franco Marletta, Bruno Boschetti, Enzo Pulcrano, Enzo Maggio
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Brother-Outlaw-1971-poster-02-350.jpg (82.07 KiB) 80 mal betrachtet
Sheriff Joe Russell alias Dakota hat die Verantwortung für einen Goldtransport. Da das gelbglänzende Edelmetall eine große Anziehungskraft besitzt, wird der Transport von einem Bunch Desperados ausgeraubt und Joe Russells Helfershelfer allesamt eliminiert. Dem suspekten Staatsanwalt Donavon liegt es fortan am finsteren Herzen, Dakota für den Raub verantwortlich zu machen. Obwohl Donavons Beweisführung alles andere als überzeugend klingt, kommt das Gericht von Tombstone zu einem einstimmigen Urteil: 15 Jahre Zwangarbeit! In seinem neuen zuhause (dem Steinbruch) angekommen, wird Joe zwar nicht mit offenen Armen, aber mit diebischer Freude empfangen, denn ein langjähriger Insasse hat seine Haftstrafe dem ehemaligen Sheriffstern- und jetzigen Fußkugelträger zu verdanken - das riecht nach Ärger. Doch wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Das Lichtlein nennt sich Slim, Joes Bruder, der den zu Unrecht Verurteilten mittels einer List aus der Zwangsarbeit sowie aus einer lebensbedrohlichen Zwangslage befreit. Vor Stund an gilt es, den wahren Verantwortlichen für den Überfall zu finden, um Joe Russells Ehre wiederherzustellen.

DAKOTA - NUR DER COLT WAR SEIN GESETZ beziffert in Edoardo Mulargias Regie-Œuvre seine achte und vorletzte Westernarbeit. Doch um es gleich vorwegzunehmen, der Mann, der noch knapp zwei Jahre zuvor (1969) mit EL PURO (s)ein absolutes Glanzstück lieferte, hat sich mittels DAKOTA nicht im Entferntesten mit Ruhm bekleckert.

Wie EL PURO geht auch DAKOTA mit einer gepfiffenen wie pfiffigen Melodie an den Start. Eine hübsche Tonfolge, die allerdings in ein lieblos vorgetragenes Leitmotiv mündet. Analog zur Akustik werden die Credits inklusive der dazugehörigen Gesichter präsentiert. Das sieht wirklich fesch aus und liefert einem deutlich unter dem IW-Durchschnitt liegenden Genrevertreter eine dito fesche Verpackung.

Was bewegt mich zu diesem negativen Urteil? In erster Linie die langweilige Inszenierungsweise. Der Film inkludiert ellenlang ausgespielte Szenen, die das Team Mulargia, Alabiso und Modica - ohne den Handlungsablauf wie das Handlungsverständnis zu gefährden - innerhalb eines Achtels der beanspruchten Spielzeit hätte abwickeln können. So werden der Angriff auf den Goldtransport sowie der Blick auf die Zwangsarbeit im Steinbruch unnötig in die Länge gezogen. Auch der Moment vor einem Banküberfall zieht sich wie das Wrigley-Bubblegum aus Chi-City.

Obwohl das Warten auf den zitierten Banküberfall respektive die damit verbundenen Bildkompositionen an SPIEL MIR DAS LIED VON TOD angelehnt sind, wird nahezu niemand dem Präsentierten eine visuelle Unverzichtbarkeit attestieren. Was im Metawestern funktioniert und zu Recht gefeiert wird, wirkt bei DAKOTA wie die nicht fruchtende Absicht über filmische wie handwerkliche Unzulänglichkeiten hinwegzutäuschen. Aber: Hätte Enzo Alabiso mittels einer effektiven Montage gewerkt und den Film simultan von seinem Leerlauf befreit, dann würde unter dem Strich vermutlich eine nicht abendfüllende Spielzeit von gerade mal 35 Minuten stehen.

Wie unschwer zu erraten, mag während der Sichtung von DAKOTA - NUR DER COLT WAR SEIN GESETZ keine wirkliche Spannung aufkeimen. Nach 10 Minuten ist eh klar, wer wem gefährlich werden kann, denn schließlich kennt man den Bösewicht und seinen später vorgestellten Handlanger dito in- und auswendig wie den nun anstehenden Handlungsverlauf. In diesem Kontext liefert der Originalfilmtitel ein ordentliches Potential für spitzzüngige Wortspielereien. RIMASE UNO SOLO E FU LA MORTE PER TUTTI heiß zu Deutsch soviel wie NUR EINER BLIEB UND ES WAR DER TOD FÜR ALLE. Da der Tod innert der Rhetorik für jedermann hin und wieder mit der Langeweile in Verbindung gebracht wird (todlangweilig), können Sie bei Bedarf emsig mit Nomen wie Verben herumjonglieren, sodass ich nicht weiter ins Detail gehen muss und mich vorerst von Ironie und Sarkasmus lossage.

DAKOTA - NUR DER COLT WAR SEIN GESETZ wurde vornehmlich in Cinecitta fotografiert. Als den im fertigen Film propagierten Handlungsort hat man Tombstone ausgewählt. Tombstone, zu Deutsch Grabstein, erlangte seine Geburt und folgende Bekanntheit mithilfe der Entdeckung einer Silberader. Die von Ed Schieffelien, dem Entdecker des Edelmetalls, gegründete Stadt erarbeitete sich sukzessive einen mieseren Ruf, sodass die Ortschaft alsbald dem allegorischen Sodom und Gomorra, der berüchtigten Cattle Town (kurz und knapp als Rinder-Umschlagplatz definierbar) Dodge City Konkurrenz machte. In Scharen kamen die übelsten Gestalten nach Arizona, um so schnell wie möglich reich zu werden.

In Mulargias Western sind es allerdings nicht die versoffenen wie verhurten Glückjäger und Abenteurer, die den schlechten Ton angeben, sondern ein Hasardeur mit Namen Donovan. Donovan traf irgendwann in Tombstone ein und machte gar Karriere als Staatsanwalt. Doch mit seinem gesellschaftlichen Aufstieg hat sich Donovan nicht von seiner angeborenen Verkommenheit verabschiedet. Demgemäß lässt der angebliche Vertreter der Gerechtigkeit auch diverse Goldtransporte überfallen und schustert die Verantwortung für seine befohlenen Schandtaten dem örtlichen Sheriff zu. Donovan reflektiert jene IW- typische Herrscherfigur, die als Wirtschafts- wie Hirnverbrecher über Leichen geht. Dessen Darsteller Omero Gargano macht seine Sache recht ordentlich. Ein Urteil, das man dem Mann für die Drecksarbeit, Alvarez, nicht bescheinigen kann, da dieser in der Gestalt von Dino Strano einen schwachen Eindruck hinterlässt. Strano will so dermaßen cool und so hart wirken, aber schlussendlich wirkt er einfach nur panne. Was allerdings beim geeigneten IW-Konsumenten (gemeint ist jene elitäre Minderheit, die sich über einen Fidani-Western herzlich amüsieren kann) für den einen oder anderen Schmunzler sorgen wird.

Fazit: DAKOTA - NUR DER COLT WAR SEIN GESETZ ist eine äußerst fade Angelegenheit, die keine Überraschungen sowie keine Spannung bietet und mit bestenfalls durchschnittlich agierenden Protagonisten besetzt ist. Definitiv Mulargias schwächster Western.
https://italo-cinema.de/item/dakota-nur ... ein-gesetz
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