Von der Schauburg zum Schauburgle

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Moderator: jogiwan

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sergio petroni
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

267. Censor (Prano Bailey-Bond, 2021)
Enid lebt im London des Jahres 1985. Sie gehört der Zensurbehörde an, die speziell im Horrorgenre ständig
auf der Suche nach möglichen Kandidaten für den Video-Nasty-Status ist. Dabei ist die alleinstehend
in einer bescheidenen Wohnung lebende junge Frau den schonungslosen Bildern dieser Terrorstreifen
ausgesetzt (wir bekommen zum Beispiel Ausschnitte aus "Frozen Scream" und "Driller Killer" zu sehen).
Zudem hat Enid mit einem Trauma aus Kindertagen zu kämpfen. Damals verschwand ihre Schwester spurlos.
Als Enid einen Snuff-Film zur Prüfung vorgelegt bekommt, glaubt sie, ihre Schwester unter den
Darstellerinnen zu erkennen. Eine fiebrige Suche in den Untiefen der billigen Horrorproduktionen
beginnt, bei der Wirklichkeit und Wahn nach und nach für Enid zu ein und demselben verschwimmen.
Dabei gelingt es der Regisseurin nicht ganz, den Zuschauer ebenso vollständig auf diese Reise
mitzunehmen. Dafür hat "Censor" aber genug Stoff und Zitate für den Genrefreund zu bieten,
um immer unterhaltsam zu bleiben. Es gibt leider noch keine deutschsprachige Veröffentlichung.
7/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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sergio petroni
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

268. Microwave Massacre (Wayne Berwick, 1983)
Bauarbeiter Donald bekommt von seiner ordnungsliebenden Frau jeden Tag eine Dose schmackhaftes
Mikrowellenessen mit zur Arbeit. Während seine Arbeitskollegen Frauen nachspannen, schlägt sich
Donald mit dem ungenießbaren Fraß herum. Eines Abends eskaliert die Situation bei Donald zu Hause.
Er tickt völlig aus, ruiniert die und uriniert in der Wohnung. Anschließend fällt ihm seine Frau zum Opfer.
Am nächsten Morgen kann sich Donald an nichts erinnern. Aber offensichtlich gefällt ihm seine neue
Freiheit. Sein Lunchbox füllt er mit inzwischen Selbstzubereitetem. Hauptzutat: Fleisch seiner Holden.
Seine Stimmung erklimmt immer neue Höhen und da Donald das auf seinen speziellen Fleischkonsum
zurückführt, müssen neue Opfer, respektive Nahrungsquellen her....

Abgedrehter Kultspaß, der zu Beginn der Slasherwelle 1979 gedreht, aber erst 1983 veröffentlicht wurde.
Das Ganze liefert derbe Zoten und nimmt sich selbst nicht das kleinste bißchen ernst. Einmalig allerdings,
wie Hauptdarsteller Jackie Vernon offenbar völlig am Rad dreht. "Microwave Massacre" war sein letzter Film.
Sleaze mit Längen.
4,5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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sergio petroni
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

269. Grotesque (Kôji Shiraishi, 2009)
Auf dem Nachhauseweg von ihrem ersten Date werden Aki und Kazuo von einem Mann überfallen
und entführt. Im Keller seines Anwesens erwachen die beiden. Gefesselt und den Launen ihres
Entführers und künftigen Folterknechts ausgeliefert. Was folgt ist eine psychische und
physische Gewaltorgie mit teilweise heftigen Details. Die ab und an menschlichen Anwandlungen
des Peinigers sind leicht zu durchschauen und tragen wenig zu einer sowieso kaum
bis gar nicht vorhandenen Spannung bei. Sollte es dem Regisseur um einen Kommentar
zu Beziehungen in einer schnelllebigen und auf Oberflächlichkeiten basierenden Welt
gegangen sein: Thema verfehlt!
Im Splatterfinale blinken noch ein paar Fünkchen von absurdem Humor durch, das
rettet die zähe Foltershow aber nicht mehr.
4/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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sergio petroni
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

270. Gangster Squad (Ruben Fleischer, 2013)
Wir befinden uns im Los Angeles des Jahres 1949. Gangster Mickey Cohen (Sean Penn) strebt nach der uneingeschränkten
Macht. Dabei sind ihm jegliche Mittel recht. Cop O'Mara (Josh Brolin) soll auf Anweisung von Chief Bill Parker (Nick Nolte)
eine Einheit von willigen Männern zusammenstellen, die sich dem organisierten Verbrechen entgegenstellen. Und das
nicht immer mit legalen Mitteln. Und so kämpfen alsbald neben Brolin noch Ryan Gosling, Michael Pena, Giovanni Risbisi
und Robert Patrick mit brachialen Mitteln gegen die Unterwelt. Dabei geht das Privatleben der Cops (sofern vorhanden)
nach und nach den Bach 'runter......

Ruben Fleischer stand für seinen ganz offensichtlich an die Referenzwerke "L.A. Confidential" und "The Untouchables"
angelehnten Film ein ordentliches Budget und ein großes Starensemble zur Verfügung. Und tatsächlich kann man sich an der
Ausstattung und den vielen bekannt sympathischen Gesichtern gar nicht sattsehen. Das kann dann sogar fast
reichen, die Story Marke Bierdeckel und die wenig packende bzw. spannungsarme Inszenierung zu kaschieren.
Aber nur fast.
5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

271. Das Unheimliche (Denis Heroux, 1971)
Der Sensationsauthor Wilbur Gray (Peter Cushing) möchte sein neuesten Buch an den Mann bringen.
Zu diesem Zweck wird er bei Verleger Frank Richards (Ray Milland) vorstellig. Gray hat schon diverse Themen
abgearbeitet, bei denen noch Erich von Däniken und Charles Berlitz aufhören würden. Sein neues
Werk will jedoch den beweis erbringen, daß Katzen das unsagbar Böse innewohnt. Um den
Verleger zu überzeugen, erzählt Gray drei natürlich auf unabweisbaren Fakten basierende
Geschichten, in denen Katzen verbrecherischen Protagonisten in die Parade fahren
und diese auf die eine oder andere Weise zur Strecke bringen.

Regisseur Denis Héroux drehte ein Jahr zuvor den Streifen "Die Hinrichtung", "Das Unheimliche" sollte
sein letztes Regiewerk werden. Das in Kanada entstandene Werk sollte auf die Erfolgswelle der
Omnibusfilme mit aufspringen und hat neben den beiden Veteranen in der Rahmenhandlung noch
Donald Pleasence, Susan Penhaligon und Samantha Eggar aufzubieten. Doch leider fallen die
Geschichten arg dröge und wenig furchteinflößend auf. Da kann eher noch der bisweilen
eingestreute schwarze Humor punkten.
6/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

272. Ex Machina (Alex Garland, 2014)
Der junge Caleb arbeitet in der Firma des superreichen Nathan. Dessen Reichtum begründet sich auf
seiner sehr erfolgreichen Internetsuchmaschine. Nun hat sich Nathan der Entwicklung von künstlicher
Intelligenz verschrieben und lädt dazu seinen "intelligentesten" Mitarbeiter zu sich nach Hause ein.
Natürlich trifft es den unbedarften Caleb. Wobei dieses Zuhause ein riesiges, kubisches Betonbauwerk in der Nähe
eines Gletschers ist, das nur per Hubschrauber zu erreichen ist. Während Nathan sich zunächst kumpelhaft gibt,
stellt er Caleb doch immer forderndere Aufgaben. Er soll Nathans neueste Schöpfung, die Roboterfrau Ava,
auf Herz und Nieren testen. Die selbstlernende künstliche Intelligenz Avas, soll durch Calebs Zutun
noch weiter verbessert werden. In der einsamen Wildnis entspinnt sich bald ein intensives Beziehungsgeflecht
zwischen Nathan, Caleb und Ava, bei dem plötzlich auch Mißtrauen mit in's Spiel kommt und so
nach und nach die Atmosphäre vergiftet.

Dieser durchgestylte, kühle Thriller von Alex Garland entführt den Zuschauer für knapp zwei Stunden
an einen abgeschlossenen Schauplatz, an dem sich die Protagonisten wie die Zuschauer ganz
dem intensiven zwischenmenschlichen (?) Zusammenspiel der drei Hauptfiguren widmen können.
Dabei wird die Spannung immer hochgehalten, werden Wendungen eingebaut, wird der Zuschauer
bisweilen an der Nase herumgeführt.
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9/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

273. The Night Agent (Netserie, 2023)
FBI-Agent Peter Sutherland beschützt die Computerexpertin Rose, die einer groß angelegten Verschwörung,
die bis in's Weiße Haus reicht, auf der Spur ist. Dabei wissen die beiden nie, auf wen sie sich verlassen
können, und wer mit den Verschwörern unter einer Decke steckt. So warten auf Peter und Rose im
Verlauf der zehn Folgen einige böse Überraschungen, bis hin zum explosiven Finale auf dem
Landsitz des US-Präsidentin (in diesem Fall: Präsidentin).

Die Actionserie "The Night Agent" bietet nun wahrlich nichts Neues und ist eher für ein jüngeres
Publikum gedacht. In dieser Hinsicht machen die zwei Hauptdarsteller alles richtig, sind jung, sympathisch
und man fiebert mit ihnen. Auch der Rest des Cast (u.a. Robert Patrick) macht seine Sache mehr
als ordentlich. Dennoch kann das nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich hier um Stangenware
nach Schema F handelt. Weichgespült und überdreht, bis an die Grenze zur Parodie
(man beachte die Allüren des durchgeknallten Killerpärchens Dale und Ellen).
Aber offenbar doch so erfolgreich, daß es wohl bald eine zweite Staffel gibt.
5,5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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