Von der Schauburg zum Schauburgle

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sergio petroni
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

168. Ein Mann geht über Leichen (Michael Winner, 1973)
Lou Torrey (Charles Bronson) wird wegen einer Schießerei von New York nach Los Angeles versetzt.
Dort hätte er endlich mal die Gelegenheit, seine Tochter wieder zu sehen. Doch offenbar ist Torrey daran
weniger gelegen, als Mafiosi hinter Gitter zu bringen. Als ihm ein ehemaliger Mafiakiller in's Netz geht
und etwas über eine groß angelegte Aktion in New York unter Führung von Don Vescari (Martin Balsam)
ausplaudert, wird Torrey wieder zurück in den Big Apple geschickt. Verbissen macht er sich daran,
den Racheplänen des Mafiosi zuvorzukommen. Dabei steigt der Bleigehalt in der Stadt und
die Leichenwagen stehen Schlange....

Ein Jahr vor "Ein Mann sieht rot" schufen Michael Winner und sein Hauptdarsteller Charles Bronson
dieses ähnlich gelagerte Werk. "Ein Mann geht über Leichen" wirkt nicht rund und ist beileibe
kein inszenatorischer Gourmethappen. Der Film atmet dafür ein schäbiges 70er-Flair, bietet
knallharte Actionszenen und macht kaum Gefangene. Frauen interessieren hier eher weniger.
Auf den Hinweis eines Kollegen, er könne ja nun endlich mal die Beziehung zu seiner in Los Angeles
lebenden Tochter in Ordnung bringen folgt eine mürrische Nichtreaktion Torreys. Danach
wird Torreys Familienleben auch gleich gar nicht mehr erwähnt. Umso fokussierter geht
er allerdings bei der Verbrecherhatz vor. Dabei ist Martin Balsam sein Gegenspieler, der
aus völlig hirnrissigen und vierzig Jahre zurückliegenden Gründen ein Massaker an
bisher mit ihm zusammenarbeitenden Capos plant.
Genug Gelegenheit jedenfalls, die Luft mit blauen Bohnen zu tränken.
Kurzweilig, schmierig, einfach unterhaltsam.
7/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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sergio petroni
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

169. Scorpio - Der Killer (Michael Winner, 1973)
Der alternde Cross (Burt Lancaster) ist Auftragskiller der CIA, der seinem Handwerk weltweit nachgeht.
Für einen Auftrag wird ihm der Franzose Laurier (Alain Delon), genannt Scorpio, zur Seite gestellt. Als es Cross
danach für angebracht hält, sich zur Ruhe zu setzen, sehen das seine Auftraggeber naturgemäß anders.
Flugs werden Beweise präsentiert, daß Cross mit der Gegenseite zusammenarbeitet, und sein Zögling Scorpio mit
der Beseitigung Cross' beauftragt. Tatsächlich hat Cross enge Kontakte zum in Wien agierenden Russen
Zharkov, mit dessen Hilfe er versucht, zu überleben. Doch wie soll Cross ein Wiedersehen mit seiner
geliebten Frau organisieren und zudem ist Scorpio inzwischen auch in Wien eingetroffen.
Die österreichische Metropole wird zum Schauplatz einer gnadenlosen Hatz.....

Der in jenen Jahren sehr produktive Michael Winner inszenierte diesen Agententhriller mit den
Superstars Burt Lancaster und Alain Delon an Originalschauplätzen in Wien und erstaunlicherweise
in der CIA-Zentrale in Langley. Während knapp zwei Stunden wird das Tempo hoch gehalten,
und der Zuschauer fiebert doch tatsächlich mit zwei Killern mit. Wer wird das Rennen machen:
der Erfahrene oder der Heißsporn? Um uns die beiden Hauptfiguren näher zu bringen, nimmt sich
Winner Zeit. Wir lernen Cross' Ehefrau kennen, ebenso wie Scorpios Freundin.
Es wird offensichtlich, daß Scorpio seinen Auftrag gar nicht ausführen will, außer Cross erwiese
sich tatsächlich als Doppelagent.

Sehenswert ist der Streifen alleine schon durch die zeitgenössischen Aufnahmen Wiens.
Das Geheimdienstgewerbe wird als eiskalt und menschenverachtend dargestellt,
das Böse lauert hinter jeder Ecke!
► Text zeigen
Fesselndes Starkino, knallhart ohne Weichspüler!
7,5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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sergio petroni
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

170. Candyman (Nia DaCosta, 2021)
Anthony McCoy ist Maler in einer Schaffenskrise. Zusammen mit seiner Freundin Brianna bezieht Anthony
eine schick renovierte Wohnung im Chicagoer Viertel Cabrini Green. Obwohl Brianna alles versucht,
um für Anthony eine Ausstellung zu organisieren, findet dieser in der etablierten Kunstszene keine
Anerkennung. Erst als Anthony per Zufall von dem Mythos Candyman erfährt, scheint er ein neues Ziel vor Augen
zu haben. Mit vollem Einsatz rekonstruiert er die wahren Begebenheiten und taucht tief in die
Vergangenheit Chicagos ein. Und diese ist geprägt von Rassismus, Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung
bis hin zu Lynchmorden. Anthony versucht das Candyman angetane Unrecht in einer neuen Bildserie
zu verarbeiten, was ihm recht erfolgreich gelingt. Plötzlich interessieren sich auch namhafte
Galerien für seine Bilder. Zeitgleich vollzieht Anthony allerdings auch eine charakterliche Wandlung,
und die Todesfälle in seinem Umfeld mehren sich.

Der inzwischen allseits bekannte Jordan Peele steckt maßgeblich hinter diesem neuen Candyman-Aufguß.
Die Regie wurde der bis dahin kaum bekannten Nia DaCosta übertragen. Wie bei Peele üblich, versucht sich
der große Horror-Fan an einer Melange aus Vollbluthorror und Aufarbeitung des an Schwarzen in Amerika
begangenem Unrecht; ohne dabei bei zweitem Punkt jemals oberlehrerhaft, anklagend oder gar unversöhnlich
zu wirken, ganz im Gegenteil. Allerdings kommt die Kunstszene Chicagos so gar nicht gut dabei weg.

Es wird direkt der Bogen zum Original von Bernard Rose geschlagen. Die Fortsetzungen
werden geflissentlich ignoriert, dafür wird ausführlich auf die inzwischen selbst zur Legende gewordene
Helen Lyle eingegangen; sogar ein Kommentar vor ihr bzw. Virginia Madsen wurde für diesen Film eingespielt.
Nachdem Anthony während seiner Recherchen von einer Biene gestochen wurde, und dieser Stich sich immer weiter entzündet,
findet bei ihm nicht nur eine geistige Verwandlung statt, sondern auch eine optische.
Und hier findet der Streifen mühelos in die Horror-Spur. Inszenierung, Effekte, Musik, Stimmung,
alles paßt und bietet einen mehr als gelungenen Genrestreifen, zusätzlich mit einer Botschaft versehen.
8/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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sergio petroni
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

171. The Prey (Edwin Scott Brown, 1980)
Drei junge Pärchen machen auf zum Campen in einem Naturpark. Der örtliche Ranger warnt die Sechs
vor den Gefahren der Natur. In einem bestimmten Gebiet des Parks kommt es seit Jahrzehnten immer
wieder zu unerklärlichen Vorfällen. Aktuell wird ein Lehrerehepaar dort vermißt.
Natürlich schert man sich wenig um die Warnungen und setzt seine Tour in Richtung des berüchtigten
Bergabschnitts fort. Als dann die Gruppe getrennt wird, denkt man sich zunächst auch nichts Böses.
Die Erforschung der Anatomie des anderen Geschlechts läßt keine Transmitter zu den Angstrezeptoren durchdringen.
Doch tatsächlich hat das mysteriöse Wesen im Wald schon zugeschlagen, und wird es wieder tun.....

Edwin Scott Browns Streifen sieht in der neuen Auflage von Arrow schon mal sehr gut aus! Aufwändige
Naturaufnahmen kommen in dieser Fassung hervorragend zur Geltung. Obschon der ein oder
andere aufgrund der Häufigkeit des eingefügten Naturmaterials von Füllszenen sprechen könnte.
"Prey" existiert in zwei Fassungen. In der längeren wird durch eine Rahmenhandlung ausführlicher
auf den entstellten Waldschrat eingegangen.
Wir haben es hier mit einem Backwood-Slasher zu tun, der mit straighter Story und blutigen Morden
punkten kann. Es mag viele ansehnlichere Streifen aus diesem Subgenre geben. Als Komplettist
kommt man um diesen sympathischen Vertreter jedoch keinesfalls herum.
5,5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

172. Windigo - Die Nacht des Grauens (James Makichuk, 1981)
Jenny, ihr Freund Marty und die unternehmungslustige Chrissy verbringen mit Freunden ein Wochenende
auf einer Berghütte. Da den Dreien offenbar langweilig ist, fahren sie mit ihren Schneemobilen tiefer
in die verschneiten Berge. Dabei stoßen sie auf ein nahezu menschenleeres Hotel. Lediglich die
Haushälterin Georgie hält sich in dem weitläufigen Anwesen auf. Aufgrund weiterer Schneefälle
müssen die Drei die Nacht im Hotel verbringen. Am nächsten Morgen sind die Schneemobile demoliert,
an ein Wegkommen nicht zu denken. Da trifft es sich gar nicht gut, daß Jenny sich immer sicherer ist,
daß noch jemand im Hotel haust. Die nächste Nacht steht bevor, und das Grauen nimmt seinen Lauf.....

James Makichuk mußte in seinem einzigen Spielfilm von vorneherein mit den finanziellen Mitteln
sparsam umgehen. Dennoch gelingt es ihm, eine eigentümliche und unheimliche Stimmung zu erzeugen.
Zum Ende wurden laut Makichuk die Mittel so knapp, daß geplante Szenen nicht gedreht werden konnten,
dem Werk ein beschleunigtes Ende aufgedrückt wurde. Waren zu Beginn offenbar noch Mittel für
Spezialeffekte vorhanden, werden diese gegen Ende immer unaufwändiger.
Ein Bonuspunkt von "Windigo" liegt auch in seiner Hauptdarstellerin Riva Spier, die in ihrem
Skianzug eine ziemlich gute Figur macht. Zudem gelingt es ihr, ihre Rolle mehr als glaubhaft 'rüberzubringen.
"Windigo" hat mich schon immer aufgrund seiner Atmosphäre mitgenommen,
daran hat sich wenig geändert.
6,5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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sergio petroni
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

173. Hotel "Zum verunglücken Alpinisten" (Grigori Kromanov, 1979)
Die Polizei erhält einen Notruf aus dem Hotel "Zum verunglückten Alpinisten". Daraufhin wird Inspektor Glebski zu
dem offenbar in den französischen Alpen gelegenen Hotel geschickt. Dort angekommen, stellt sich heraus,
daß der Notruf anscheinend ein Fehler war. Dennoch muß Glebski eine Nacht in dem Hotel verbringen.
Somit lernt er die anderen Gäste kennen. Von Berufs wegen mißtrauisch, nutzt Glebski das gemeinsame
Abendessen, um die doch recht eigentümlich erscheinenden Gäste zu befragen. Dabei treten einige Unstimmigkeiten zutage.
Und die folgende Nacht birgt weitere Unbill. Ein Lawinenabgang schneidet das Hotel von
der Außenwelt ab, und einer der Bewohner hat die Nacht nicht überlebt. Somit muß Inspektor Glebski,
wenn auch verspätet, doch noch seinem Beruf nachgehen. In akribischer Detektivarbeit
versucht er die vergangene Nacht nachzustellen, und damit den Verdächtigenkreis einzugrenzen.
Doch seine Nachforschungen führen zu Erkenntnissen, die ihn an seinem Verstand zweifeln lassen......

Regisseur Grigori Kromanov drehte diesen Science-Fiction-Streifen 1979 als eigentlich estnische Produktion,
offiziell natürlich sowjetischer Provenienz. Drehort war wohl ein Bergzug in Kasachstan, wo auch das "Hotelgebäude"
steht. Natürlich fällt einem sofort die Diskrepanz zwischen dem extravaganten, aber räumlich doch recht
kleinen Gebäude und seinem weitläufigen Innenleben auf. Was wenig wundert, wurden die Innenaufnahmen
in einer entsprechend eingerichteten Turnhalle gedreht.

Inspektor Glebski erzählt den Inhalt des Films rückblickend aus dem Gedächtnis. Dabei zweifelt er immer
wieder an seinen Wahrnehmungen und der Richtigkeit seiner damaligen Entscheidungen. Genauso wird
der Zuschauer in die widersprüchlichen, surrealen Ereignisse hineingezogen.
Widersprüchlich auch das außen immer gleißend scheinende Sonnenlicht, und die im modernistischen, mit allerlei
Kunstwerken bestückten Gebäude ständig herrschende Düsternis. Dem Betrachter begegnen Doppelgänger,
Personen, die nur aus einer Hülle zu bestehen scheinen, ein Ingenieur, der mehrmals Erich von Däniken
beschimpft, ein Hund, der Gepäck auf's Zimmer trägt, und, und, und......
Nimmt man noch die sphärischen Klänge von Sven Grünberg hinzu, entsteht ein fast hypnotisches Filmerlebnis.

Die Macher wollten bewußt auf der damals recht erfolgreichen Science-Fiction-Welle mitreiten.
Daß es dann am Ende heißt
► Text zeigen
kann durchaus als subversiv gewertet werden. Hier spielt natürlich die estnische Herkunft eine Rolle.
8,5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

174. Synchronic (Justin Benson/Aaron Moorhead, 2019)
Steve und Dennis sind Rettungssanitäter in New Orleans. Die beiden haben schon viel (unschönes)
erlebt und sind eine verschworene Gemeinschaft; sowohl beruflich als auch privat.
Aktuell häufen sich in der Stadt unerklärliche Todesfälle, die alle anachronistische Details aufweisen.
Es handelt sich um Morde bzw. Selbstmorde, die offenbar in Zusammenhang mit einer
neuartigen Droge stehen. Dadurch wird auch die Arbeit von Steve und Dennis immer schwieriger.
So bekommt Dennis nicht mit, daß zum einen seine Tochter Brianna offenbar ebenfalls mit Drogen
experimentiert und zum anderen Steve seine tödliche Krankheit vor ihm verbergen will.
Das ändert sich, als Brianna verschwindet. Nun müssen sich Dennis und auch Steve
den unangenehmen Dingen in ihrem Leben stellen. Nichts darf im Verborgenen bleiben,
sollte es noch eine Chance auf Briannas Überleben geben.....

Die Rollen der beiden Freunde Steve und Dennis wären eigentlich wie geschaffen gewesen für die beiden Regisseure.
Doch diesmal lassen Benson und Moorhead den renommierten Jamie Dornan und Anthony Mackie den Vortritt.
Wie in vorangegangen Werken ("Resolution", "The Endless") spielt die Zeitreisethematik jedoch wieder die Hauptrolle.
Das Ganze funktioniert als Thriller mit optischen Leckerbissen und thematisiert wichtige zwischenmenschliche
Themen wie Freundschaft und funktionierende Familie mit hohem Gefühlsduselfaktor,
kommt aber bei weitem nicht an die Wucht der genannten früheren Werke heran.
6/10
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

175. Dexter - Staffel 3
Staffel 3 wartet mit der gewohnten Besetzung auf. Staffelübergreifende Handlung ist die Suche nach einem
Mörder, "Häuter" genannt, der seinen Opfern bei lebendigem Leib ein Stück Haut abschneidet, nur
um sie dann einige Tage später zu töten. Bei einem seiner nächtlichen Streifzüge gerät Dexter in
eine gefährliche Situation und tötet sein Gegenüber. Da sein Opfer kein Krimineller war, sondern sogar
der jüngste Bruder des Staatsanwaltes Miguel Prado (Jimmy Smits), plagen Dexter Gewissensbisse.
Als Mordermittler ist er dem Fall zugeteilt, und hat so immer wieder mit Miguel Prado zu tun.
Die beiden entwickeln eine gewisse Zuneigung zueinander. Da Prado darüber gefrustet ist,
daß er oftmals Verbrecher laufen lassen muß, wäre er ein natürlicher Verbündeter Dexters.

Zum anderen ist Dexters Schwester Debra dem Häuter auf der Spur und bekommt mit Quinn (Desmond Harrington)
einen neuen und etwas zwielichtigen Partner zugeteilt. Dexters Freundin Rita verkündet wie
aus heiterem Himmel ihre Schwangerschaft. Dies wiederum führt bei Dexter zu familiären Gefühlen,
er will Rita heiraten.

Die dritte Staffel über den Serienmörder mit Gerechtigkeitsanspruch in Polizeidiensten ist temporeich,
legt einige rote Heringe aus und hat in Jimmy Smits einen beeindruckenden Gaststar, der in seinen
Szenen die Leinwand beherrscht. Es geht auch ansonsten gut zur Sache, und nach 12 Folgen und der
Geburt von Dexters Sohn ist man gespannt, wie das Ganze in Staffel Vier weitergeführt wird.
6,5/10
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Re: Von der Schauburg zum Schauburgle

Beitrag von sergio petroni »

176. Dear Dead Delilah (John Farris, 1972)
Luddy Dublin ist jung, wäre gerne attraktiv und begehrt und wird von ihrer herrischen Mutter
an der kurzen Leine gehalten. Über die Jahre hat sich offenbar eine Menge Frust in Luddy festgesetzt,
der sich eines Tages in einer Bluttat entlädt. Luddy bringt ihre Mutter mit einer Axt um.
Anschließend verbring sie die nächsten drei Jahrzehnte in einer Anstalt.

Im Gegensatz zu Michael Myers, der sich seine Freiheit irgendwann blutig erkämpfte,
wird Luddy als geheilt entlassen. Zufällig stößt sie kurz darauf auf Richard, der Luddy
auf das Anwesen der Patriarchin Delilah Charles mitnimmt. Richard ist der Freund von Debby, die
die Pflege der bissigen Delilah übernommen hat, nachdem ihre Vorgängerinnen jeweils
nur kurze Zeit mit der alten Dame klarkamen. Doch Debby scheint eine Heilige zu sein
und schluckt jegliche Spitzen von Delilah. Ihr Freund Richard ist da von anderem Kaliber,
treibt er es doch hinter Debbys Rücken mit Delilahs Schwester Grace.
Wie dem auch sei, auch Luddy erhält von Delilah eine Anstellung als Mädchen für alles.

Delilah bittet ihren Anwalt Roy, ein Familientreffen zu organisieren. Eine wichtige Entscheidung
soll verkündet werden. So kommt es kurz darauf auf dem alten, majestätischen Südstaatenanwesen
zum Zusammentreffen von Delilah, Grace und ihren Brüdern Morgan und Alonzo.
Bei einem opulenten Abendmahl verkündet Delilah die Enterbung ihrer Geschwister,
zugleich schwadroniert sie über einen auf dem Anwesen vergrabenen 500.000-Dollar-Schatz.
Nach der allgemeinen Empörung beginnt die Schatzsuche.

Die ungläubigen Bediensteten Marshall, Buffy und Luddy beobachten von nun an,
wie sich die Charles' bis auf's Blut bekriegen. Vor allem Morgan hat ob seiner Schulden
ein großes Interesse an dem vergrabenen Bargeld. Doch es dauert nicht lange,
da gibt es den ersten Toten, und aus Spiel wird Ernst.....

John Farris war mir als Autor diverser Horrorromane bekannt, die ich in den 1980ern gelesen hatte.
Hier haben wir es mit seiner einzigen Regiearbeit zu tun, bei der es sich um einen schön schrägen
Horrorfilm mit skurrilem Humor und teils blutigen Slasherelementen handelt.
Natürlich ist die als Axtmörderin verurteilte Luddy die erste Verdächtige, Parallelen
zur Axtmörderkollegin Lucy Harbin (Joan Collins) aus "Die Zwangsjacke" sind offenbar gewollt.
Aber natürlich ist die Geschichte nicht ganz so einfach. Neben den gelungen eingefangenen
Mordsequenzen halten die morbide Atmosphäre des Landhauses sowie die offenbar gut aufgelegten
Schauspieler den Zuschauer bei der Stange. Allen voran Agnes Moorehead als Delilah in ihrem letzten Film.
Aber auch die Haudegen Dennis Patrick als Alonzo und Will Geer als Roy spielen souverän.
Am Ende handelt es sich natürlich um einen Streifen aus der zweiten Reihe, der aber ob seiner
schrulligen Eigenheiten viele Sympathiepunkte einheimst. Schade, daß John Farris danach
nie mehr den Regiestuhl beehrte.
7,5/10
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