horror's Reise durch die große Welt der Filme

Euer Filmtagebuch, Kommentare zu Filmen, Reviews

Moderator: jogiwan

Benutzeravatar
horror1966
Beiträge: 5596
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 01:46
Wohnort: Hildesheim

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

Bild




Pimp Bullies - Opfer eines Bordells
(Pimp Bullies)
mit Ving Rhames, Steven Bauer, Adrian Bellani, Marcos Bonetti, Chiquinquirá Delgado, Laura García, Hemky Madera, Fard Nasir, Kristen Quintrall, Catalina Rodriguez, Lizbeth Santos
Regie: Alfonso Rodríguez
Drehbuch: Jose Miguel Bonetti
Kamera: Eduardo Fierro
Musik: keine Informationen
keine Jugendfreigabe
Dominikanische Republik / 2011

Isabel ist alleinerziehende Mutter in einem der miesesten Viertel von Santo Domingo. Ihr Leben besteht aus Schmerz und Verzweiflung. Ihrem zehnjährigen Sohn, der an einer schrecklichen Krankheit leidet, kann sie nicht helfen, weil ihr die finanziellen Mittel fehlen, ihn behandeln zu lassen. Ihr bleibt nur eine Möglichkeit, Geld zu verdienen: Illegal nach New York einzureisen und sich dort als Prostituierte zu verdingen. Isabels Leben wird nicht besser, sie wird missbraucht, manipuliert, unter Drogen gesetzt – und dann ist sie tot. Aber wer hat sie umgebracht? Fünf Verdächtige gibt es. Sie alle wissen etwas über dieses Verbrechen. Wird die Wahrheit ans Licht kommen?


Was soll man von einem offensichtlichen C-Movie aus der Dominikanischen Republik halten, der ausgestattet mit einer augenscheinlich billigen Optik und etlichen Kraftausdrücken daher kommt? Eigentlich nicht viel könnte man meinen und auch die wenigen Kritiken zu diesem Werk lassen nichts Gutes erahnen. Doch wie immer liegt es in der jeweiligen Sichtweise des Betrachters und so kann man durchaus seine Freude an diesem Film haben, der meiner persönlichen Meinung nach zwar wie ein Thriller aufgebaut ist, letztendlich aber doch viel eher ein Drama erzählt, in dem die tragische Geschichte einer jungen Mutter erzählt wird, die aus Sorge um ihren kranken Sohn einen Lebensweg einschlägt, der sie im Endeffekt ihr Leben kostet. Nun bietet "Pimp Bullies" sicherlich keine sonderlichen Überraschungsmomente, denn ziemlich schnell weiß der Zuschauer, um wen es sich bei dem Polizisten handelt, der 15 Jahre nach dem Tod der jungen Isabel den damaligen Fall auf eigene Faust aufklären will und dabei die seinerzeit Verdächtigen Personen unter die Lupe nimmt, um Licht in den unaufgeklärten Mord zu bringen. Das Geschehen ist in der Gegenwart angesiedelt und aus den Erzählungen der einzelnen Personen heraus offenbart sich dem Zuschauer die tragische Geschichte der jungen Frau, die in New York als Prostituierte gearbeitet hat, um die medizinische Versorgung ihres kranken Sohnes zu gewährleisten. Die größtenteils billig wirkende Optik des Szenarios kann man hier sogar als Stärke ausmachen, vermittelt sie einem doch einen recht glaubwürdigen Eindruck in ein Milieu, in dem Begriffe wie Würde und Anstand als Fremdwörter einzuordnen sind.

Auch die von manchen Leuten kritisierten Dialoge tragen zu diesem Eindruck bei, denn die mit etlichen Schimpfwörtern und Kraftausdrücken belegten Wortwechsel geben dem Ganzen eine durchaus authentische Note, so das man sich äußerst gut in die hier dargestellte Welt aus Sex und Brutalität hineinversetzen kann. Die Aufklärung des Mordes an Isabel gerät dabei eigentlich fast schon in den Hintergrund, denn viel interessanter erscheint der Leidensweg der jungen Frau, den sie zwangsläufig beschritten hat, als sie in die USA kam. Dabei ist es Regisseur Alfonso Rodríguez gut gelungen, den Abstieg der hübschen Frau eindringlich zu beleuchten. Manch einer mag das ja anders sehen, doch entwickelt sich mit der Zeit ein eindringliches Drama, das durchaus einiges an Klasse beinhaltet. So hält man sich beispielsweise im Bezug auf Action-Passagen eher bedeckt und setzt den Fokus ganz eindeutig auf die tragischen Ereignisse, die den unaufhaltsamen Abstieg eines Menschen darstellen, der seelisch sowie körperlich immer mehr zerfällt.

Die Frage nach der Identität des Mörders wird hier erst ganz am Ende beantwortet und zieht zu keiner Zeit die Aufmerksamkeit des Betrachters in den Vordergrund, der vielmehr mit der jungen Frau mitleidet, für die es offensichtlich kein Entkommen aus dem Sumpf von Drogen und Prostitution gibt. Anfangs noch von anderen Menschen verleitet, kommt Isabel nämlich schon bald nicht mehr von den Drogen los und selbst die Hilfe einiger Menschen die ihr sehr zugetan sind, kann sie nicht vor dem endgültigen Absturz retten. Der vorgezeichnete Weg kann nicht mehr verlassen werden und aus der einst bildhübschen Frau wird immer mehr ein Drogen-Wrack, das letztendlich sein Leben verliert. Man mag über "Pimp Bullies" denken wie man will, aber der Film hinterlässt einen durchaus nachhaltigen Eindruck und stimmt einen phasenweise sogar etwas nachdenklich. Natürlich handelt es sich hier sicherlich nicht um ein filmisches Meisterwerk, aber man sollte eine solche Produktion auch nicht nur aufgrund einer zugegebenermaßen etwas billigen Inszenierung vollends niedermachen.

Letztendlich bekommt man nämlich eine Geschichte präsentiert, die einem sogar stellenweise unter die Haut geht und auch die Darstellung viel nackter Haut ist für das Szenario durchaus notwendig, um einen glaubwürdigen Eindruck zu hinterlassen. Die ganzen Aspekte, die von einigen Leuten als eher negativ angesehen werden, sind in meinen Augen vielmehr die Stärken eines Werkes, das man keinesfalls unterschätzen sollte, da es mehr inhaltlichen Tiefgang beinhaltet, als man zunächst vermuten könnte.


Fazit:


"Pimp Bullies" ist alles andere als ein filmisches Meisterwerk und wird auch zu recht in die C-Kategorie eingeordnet. Das bedeutet aber keinesfalls automatisch, das es sich auch um einen schlechten Film handeln muss, denn die hier erzählte Geschichte sollte den Betrachter eigentlich eines Besseren belehren.


7/10
Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
Beiträge: 5596
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 01:46
Wohnort: Hildesheim

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

Bild




Stone Cold - Kalt wie Stein
[Stone Cold)
mit Brian Bosworth, Lance Henriksen, William Forsythe, Arabella Holzbog, Sam McMurray, Richard Gant, Paulo Tocha, David Tress, Evan James, Tony Pierce, Billy Million, Robert Winley, Gregory Scott Cummins
Regie: Craig R. Baxley
Drehbuch: Walter Doniger
Kamera: Alexander Gruszynski
Musik: Sylvester Levay
ungeprüft
USA / 1991

Joe Huff ist ein knallharter Cop mit Nerven aus Stahl. Aber auf diesen höllisch heißen Job hätte er besser verzichtet: Er soll sich unter dem Decknamen John Stone in die Motorrad-Gang "Die Bruderschaft" einschleichen. Die Rocker-Gang mischt bei Drogen-Deals im großen Stil mit, kassiert Schutzgelder und arbeitet mit der Mafia zusammen. Anführer der Gang ist der skrupellose Chains Cooper, der dem Staat Mississippi den Krieg erklärt hat. Stone soll der Gang als Undercover-Agent des FBI eine Falle stellen. Stone schafft es, das Vertrauen Coopers zu gewinnen. Die Grenzen der Legalität hat er längst hinter sich gelassen. Doch dann findet Cooper Stones wahre Identiät heraus. Stone sitzt in der Falle. Aber er gibt nicht auf...


In den 80er und 90er Jahren hatte der B-Movie Actioner absolute Hochkonjunktur und hat dabei auch so manchen Action-Hero herausgebracht. Brian Bosworth zählt nicht unbedingt zur ersten Riege, hat jedoch gleich mit seinem ersten Film "Stone Cold" einen der besten B-Movies überhaupt ins Genre gebracht, wobei sich vorliegendes Werk auch durchaus mit so mancher A-Produktion messen könnte. Regisseur Craig R. Baxley erzählt hier eine äußerst unterhaltsame Geschichte, in der es stellenweise ordentlich zur Sache geht und die mit gut ins Bild gesetzter Action nicht gerade geizt. Zudem verfügt das Szenario über ein sehr ordentliches Tempo, doch die größte Stärke der Story ist sicherlich der Aspekt, das sich dem Zuschauer ein Geschehen offenbart, das gar nicht einmal so weit jenseits der Realität angesiedelt ist. Als Undercover-Cop wird Bosworth in die sogenannte Bruderschaft eingeschleust und bei der Darstellung dieser straff organisierten Rocker-Organisation muss man fast schon zwangsläufig an eine Gruppe wie die "Hell's Angels" denken.

Nach einer eher kurzen Einführung in die Geschichte entwickelt sich dann ein wirklich höchst gefährlicher Auftrag für den Cop, der immer auf der Hut sein muss, das seine Tarnung nicht auffliegt. Als Haupt-Gegenspieler wurde Bosworth mit Lance Henriksen einer der wohl besten B-Movie Darsteller überhaupt zur Seite gestellt und der gute Mann spielt in der Rolle des Rocker-Chefs Chains fast alles an die Wand. Absolut authentisch mimt er den grimmigen-und augenscheinlich eiskalten Gang-Leader, wobei ihm Bosworth in Sachen Coolness in nichts nachsteht. Die beiden liefern sich dann auch einen furiosen Showdown, auf den die Ereignisse letztendlich hinauslaufen. Doch auch bis dahin weiß der Film durchgehend zu überzeugen, relativ tiefe Einblicke in die kriminelle Gang und jede Menge Action vertreiben einem kurzweilig die Zeit, wobei es meiner Meinung nach sehr lobenswert ist, das hier auf vollkommen überzogene Action-Passagen verzichtet wurde, wodurch die Ereignisse eine Menge an Glaubwürdigkeit gewinnen.

Ein weiteres Highlight ist bestimmt die extrem gelungene Grundstimmung, geht es doch die ganze Zeit über äußerst rau zur Sache. Für einen Film mit dieser Thematik ist das zwar auch zwingend nötig um authentisch zu erscheinen, dennoch ist es hier ganz hervorragend gelungen, eine manchmal herrlich siffige Atmosphäre zu erzeugen, die den von Haus aus schon sehr guten Gesamteindruck noch einmal zusätzlich aufwertet. Mit dafür verantwortlich zeichnet auch die gänzlich großartig aufspielende Darsteller-Riege, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist "Stone Cold" nahezu perfekt besetzt. Neben Henriksen und Bosworth fällt einem insbesondere William Forsythe ins Auge, der in einer tragenden Nebenrolle eine blendende Performance abliefert.

Im Endeffekt ist "Stone Cold - Kalt wie Stein" ein herausragender B-Movie, der den Beinamen kalt wie Stein auch durchaus zu recht trägt. Vor allem die beiden Haupt-Darsteller stellen das durchgehend unter Beweis, wobei Mr. Bosworth außerdem auch noch rein optisch ein absoluter Leckerbissen ist. Betrachtet man nämlich einmal seine blonde Haarpracht, so muss man sich doch manchmal ein Lachen verkneifen. Die Vokuhila-Matte erscheint wie ein eher geschmackloser Scherz und ist dennoch ein wunderbares Relikt vergangener Tage. Manch einen mag die Frisur eventuell auch an eigene Jugendsünden erinnern, doch letztendlich handelt es sich hier lediglich um eine visuelle Nebensächlichkeit. Auch wenn die beiden weiter oben erwähnten Jahrzehnte so manch guten B-Actioner geliefert haben, so sticht "Stone Cold" doch ganz eindeutig aus der breiten Masse heraus und erscheint auch in der heutigen Zeit immer wieder absolut sehenswert. Genre-Fans kommen jedenfalls voll auf ihre Kosten und dürften ihre helle Freude an diesem Filmchen haben.


Fazit:


Fallen andere Genre-Vertreter der damaligen Zeit eher durch übertriebene Action-Passagen auf, so zeichnet sich vorliegendes Werk viel eher durch eine glaubwürdig inszenierte Geschichte aus, in der es zwar genügend Action zu sehen gibt, die aber grundlegend eher unspektakulär daher kommt. Auf jeden Fall aber sollte man dieses Werk in der Sammlung haben, greift man doch immer wieder gern darauf zurück, wenn man gut 90 Minuten gelungene Actionkost sehen möchte.


8/10
Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
Beiträge: 5596
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 01:46
Wohnort: Hildesheim

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

Bild




Blutdurst
(Thirst)
mit Chantal Contouri, Shirley Cameron, Max Phipps, Henry Silva, Rod Mullinar, David Hemmings, Rosie Sturgess, Robert Thompson, Walter Pym, Amanda Muggleton, Lulu Pinkus, Chris Milne, Jacqui Gordon
Regie: Rod Hardy
Drehbuch: John Pinkney
Kamera: Vincent Monton
Musik: Brian May
juristisch geprüft
Australien / 1979

Die junge Kate Davis gerät unverschuldet in die teuflischen Fänge eines ominösen Vampir-Syndikats. Doch den überwiegend kultivierten Mitgliedern des Clans geht es keineswegs um das frische Blut der hübschen Kate. Sie sehen in ihr die letzte Nachfahrin der legendären Blutgräfin "Bathordy" und wollen sie daher für die Interessen ihres Clans gewinnen. Als sie sich weigert, wird sie in der gigantischen, als Forschungsklinik getarnten "Menschenfarm", in der unschuldigen Opfern auf industrielle Art das Blut entzogen wird, einer systematischen und ausgeklügelten Gehirnwäsche unterzogen. Mit letzter Kraft kann sie dem Wahnsinn entfliehen...doch sie kommt nicht weit...


Dunkle Schlösser, charismatische Blutsauger, eine düstere Atmosphäre, Holzpflöcke und ein silbernes Kreuz sind normalerweise die Zutaten für den klassischen Vampirfilm. Von all diesen Dingen sollte man sich schon vor der Ansicht dieses innovativen Horror-Thrillers aus Australien verabschieden, denn "Blutdurst" bedient sich der Thematik lediglich als Aufhänger für eine Geschichte der Neuzeit, die man schon fast als visionär bezeichnen kann. Regisseur Rod Hardy, der zuvor lediglich für diverse TV-Serien verantwortlich zeichnete, stellt mit vorliegendem Werk sein Spielfilm-Debüt vor und hat damit auch sogleich einen äußerst bemerkenswerten Genre-Beitrag abgeliefert. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die hübsche Kate (Chantal Contouri), die anscheinend eine direkte Nachfahrin der berühmten Blutgräfin Bathordy ist und dieser Aspekt ruft eine Vereinigung von Menschen auf den Plan, die in einer Art Forschungsklinik regelrecht Vampire züchtet. So soll auch die junge Frau konditioniert werden, um den unweigerlichen Blutdurst in ihr wach zu rufen, wobei sich die Wahl der Mittel um dieses Ziel zu erreichen, äußerst vielfältig gestaltet. Von verbaler Überzeugungskraft bis hin zu einer echten Gehirnwäsche wird hier nichts ausgelassen, um die junge Kate zu überzeugen, so das sie selbst zu der Erkenntnis kommt, das in ihrem Inneren ein echter Blutsauger schlummert.

Das gesamte Szenario hinterlässt dabei einen fast schon stinknormalen Eindruck, beinhaltet aber auf der anderen Seite diverse Passagen, die der Geschichte schon einen leichten SCI/FI Einschlag verleihen. Dies kommt besonders immer dann wieder zur Geltung, wenn man sich innerhalb der "Menschenfarm" befindet und den etlichen Experimenten beiwohnt, die hier am Menschen vorgenommen werden um bestimmte ziele zu erreichen. Insbesondere die wie apathisch erscheinenden Blutopfer hinterlassen dabei einen geistesabwesenden Eindruck und wirken wie ferngesteuert. Kaum ansprechbar laufen die leblos wirkenden Körper durch die Anlage, kaum fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Gelegentlich bekommt man sogar diverse Führungen durch die Einrichtung geboten und kann sich dabei des Gefühls nicht erwehren, das man sich auf einer Art Jahrmarkt befindet, auf dem die Zuschauer sensationelle Kreaturen begutachten. Es ist schon eine seltsame Menschen-Schau, die beim Zuschauer ein starkes Gefühl der Beklemmung hervorruft, das übrigens auch durchgehend die Grundstimmung des Szenarios bestimmt. Von der üblichen Vampir-Atmosphäre ist an dieser Stelle herzlich wenig zu verspüren, wobei dies keinesfalls als negativer Kritikpunkt aufzufassen ist, denn "Blutdurst" überzeugt durch seine ganz eigene-und extrem außergewöhnliche Stimmung, die dem Betrachter phasenweise kalte Schauer über den Rücken jagen kann und dabei ein starkes Unbehagen verursacht.

Vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes treten visionsartige Passagen in den Vordergrund, denn nachdem sämtliche normale Mittel nicht bei Kate gefruchtet haben, um auch in ihr die Erkenntnis reifen zu lassen, das sie wirklich eine Nachfahrin der Blutgräfin ist, greift das Ärzte-Team zum Mittel der Gehirnwäsche. So wird die junge Frau immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen es auch für den Zuschauer nicht gerade leicht ist, die Grenze zwischen Vision und Realität zu ziehen. Gerade diese Einstellungen verleihen dem Ganzen etwas nahezu Fantastisches und werten das bis dahin schon äußerst gute Gesamtbild noch einmal zusätzlich auf. Hier weicht der Vampirfilm einem waschechten Psycho-Thriller und diese Gratwanderung macht das Geschehen noch einmal interessanter, als es bisher schon erschien. Man merkt also ganz eindeutig, das diese australische Produktion wohl einen der außergewöhnlichsten Genre-Beiträge überhaupt darstellt, denn in dieser Form hat wohl bisher noch niemand die vorliegende Thematik ins Bild gesetzt. Nun mag das eventuell nicht jeden Geschmack treffen, doch nimmt der Film von Rod Hardy schon eine absolute Ausnahmestellung ein.

Abschließend kann man also festhalten, das mit "Blutdurst" ein gänzlich ungewöhnlicher Vampirfilm vorliegt, der äußerst innovativ-und teilweise fast schon visionär gestaltet wurde. Auch für die Darsteller-Riege konnte man für diese mit 750.000 AUD budgetierte Produktion auch diverse bekannte Gesichter verpflichten, denn insbesondere mit David Hemmings oder auch Henry Silva sind bekannte Darsteller an Bord, die man auch aus etlichen italienischen Filmen her kennt. Ganz generell kann man sich über das dargebotene Schauspiel der Akteure keinesfalls beschweren, wobei vor allem Hauptdarstellerin Chantal Contouri durch Spielfreude und Überzeugungskraft glänzen kann. So ist die Verwandlung der jungen Frau in jeder einzelnen Nuance perfekt für den Zuschauer nachzuvollziehen und verursacht einem dabei schon so manch gepflegte Gänsehaut. Wer also einmal einen vollkommen abweichenden Beitrag zur Vampir-Thematik sehen möchte, ist mit diesem Film aller bestens bedient und bekommt außergewöhnliche Genre-Kost serviert.


Fazit:


Mit "Blutdurst" hat Rod Hardy ein wirklich beeindruckendes Langfilm-Debüt abgeliefert, das auch nach über drei Jahrzehnten immer wieder zu begeistern weiß. Das Werk hebt sich dabei durch seine innovativen Ideen sehr wohlwollend von üblichen Vampirfilmen ab und bietet ein Seh-Vergnügen, in dem eine Menge an Klasse steckt.


8/10
Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
Beiträge: 5596
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 01:46
Wohnort: Hildesheim

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

Bild




Hit & Miss
(Hit and Miss)
mit Jonas Armstrong, Chloë Sevigny, Karla Crome, Reece Noi, Jorden Bennie, Vincent Regan, Peter Wight, Erin Shanagher, Laura Greenwood, Ben Crompton, Roma Christensen, Jordan Hill, Ethan Griffin
Regie: Sheree Folkson / Hettie Macdonald
Drehbuch: Paul Abbott / Sean Conway
Kamera: David Luther
Musik: Dickon Hinchliffe
FSK 16
Großbritannien / 2012

Für den Gangster Eddie ist Mia schlicht und einfach eine verdammte Maschine: Methodisch und skrupellos erledigt die Auftragskillerin jeden Job für den Unterweltboss. Doch außer ihrer tödlichen Profession und einem einsamen, routinierten Leben in einem verlassenen Lagerhaus hat Mia noch ein Geheimnis: sie ist ein präoperativer Transsexueller. Als Eddie ihr unerwartet einen Brief überreicht, holt ihre Vergangenheit als Mann sie plötzlich wieder ein. Ihre Ex-Freundin Wendy liegt im Sterben und offenbart ihr, dass Mia der Vater eines elfjährigen Jungen ist. Die Killerin soll sich um Ryan und dessen Geschwister kümmern. Plötzlich muss sie sich zwischen den Welten zurechtfinden - als skrupellose Assassine für Eddie und als Vormund für ihre neue Familie.


Mit dieser TV-Mini Serie ist unseren britischen Nachbarn einmal mehr ein grandioser Überraschungs-Coup gelungen, denn "Hit & Miss" stellt nun wirklich eine absolut außergewöhnliche Mischung dar, die man in dieser Form nicht jeden Tag präsentiert bekommt. Schon die kurze Inhaltsangabe deutet dabei an, das es sich hier um eine Kombination aus Familien-Drama, Thriller-und Selbstfindungs-Trip handelt, was sich dann auch schon nach relativ kurzer Zeit bewahrheiten soll. Unter der Regie von Sheree Folkson und Hettie Macdonald ist dabei eine Geschichte entstanden, die den Zuschauer von der ersten Minute an begeistert und immer tiefer in ihren Bann zieht, so das man eigentlich gar nicht anders kann, als sich diese Mini Serie an einem Stück anzuschauen. Wenn es hier überhaupt eine Schwäche zu erkennen gibt dann ist es sicherlich das offene Ende der sechsten und letzten Episode, das einem einen doch eher unbefriedigenden Eindruck vermittelt und man kann sich im Prinzip nur der Hoffnung hingeben, das es noch eine zweite Staffel geben wird. Der bisherige Abschluss ist nämlich keinesfalls würdig und trübt ein wenig den ansonsten wirklich hervorragenden Gesamteindruck, den "Hit & Miss" hinterlässt.

Mit Chloë Sevigny konnte man die absolut perfekte Besetzung für die Hauptrolle verpflichten, die junge Frau liefert in der Rolle der transsexuellen Mia eine wahre Glanzleistung ab. Besonders gut kommt dabei die immer wieder in den Vordergrund tretende innere Zerrissenheit des Charakters zum Vorschein, der trotz weiblicher Brüste immer noch im Körper eines Mannes steckt, auch wenn dies auf den ersten Blick keinesfalls ersichtlich ist. Gleichzeitig ist Mia als eiskalte Profi-Killerin unterwegs, die ohne jegliche Gefühlsregung ihre Aufträge ausführt, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken. Ganz im Gegensatz dazu ist ihr Umgang mit ihrer neuen Familie einzuordnen, denn in diesem Teil der Geschichte kommen erstaunlich viele Emotionen ans Tageslicht, die man Mia eigentlich gar nicht zugetraut hätte und gerade dieser emotionale Spagat ist das absolute Highlight dieser Serie, denn besser hätte man die vorhandenen Kontraste wohl kaum in Szene setzen können. So bietet "Hit & Miss" dann auch einerseits knallharte Elemente eines waschechten Thrillers mit einem fast schon tragischen Familien-Drama und bietet gleichzeitig tiefe Einblicke in das Innenleben eines transsexuellen Menschen, der sich in einer emotionalen Phase der Selbstfindung befindet. Man sollte anmerken, das die verschiedenen Genres hier sehr gleichmäßig zur Geltung kommen, wobei aber dennoch die emotionale Schiene ein wenig die Oberhand gewinnt. Dennoch erscheint das Geschehen zu keiner Zeit auch nur annähernd kitschig, vielmehr gestaltet sich das gesamte Szenario unglaublich authentisch.

Dazu trägt insbesondere die Darsteller-Riege bei, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist diese Serie absolut perfekt besetzt, so das es im Bezug auf das dargebotene Schauspiel keinerlei Grund zur negativen Kritik gibt. Die einzelnen Figuren werden allesamt eingehend beleuchtet, so das der Betrachter zu sämtlichen Personen einen Bezug aufbauen kann und die meisten von ihnen aufgrund extrem hoher Sympathiewerte fast automatisch in sein Herz schließt. So leidet man dann auch phasenweise richtiggehend mit und durchlebt diverse Situationen auch selbst, was für einen äußerst hohen Identifikations-Faktor des Szenarios spricht. Die Mixtur aus Alltags-Problemen und einem der Kriminalität verschriebenem Leben sorgt hier für jede Menge explosives Potential, was auch an etlichen Stellen sehr eindrucksvoll zum Ausdruck kommt. Man kann es drehen und wenden wie man will, "Hit & Miss" stellt auf jeden Fall etwas ganz Besonderes dar und bietet eine Symbiose aus Gewalt und Emotionen, wie man sie eher selten zu sehen bekommt. Man ist hin-und her gerissen zwischen zwei vollkommen verschiedenen Welten, in denen trotz der verschiedensten Gefühle auch noch ein wenig Platz für diverse humorige Passagen bleibt. Dieser extrem außergewöhnliche Mix beinhaltet so viel Charme und Klasse, das man letztendlich nur zu einem überragenden Gesamteindruck gelangen kann, der lediglich durch das offene Ende ein wenig geschmälert wird.

Insgesamt gesehen kann man dieser Mini Serie nur ein grandioses Zeugnis ausstellen, muss sich aber auch der Hoffnung hingeben, das hier eventuell die Geschichte noch weitergeführt wird. Man möchte nämlich doch sehr gern wissen, wie sich aufgeworfene Fragen beantworten und wie es mit Mia und ihrer neuen Familie weitergeht. Denn auch wenn eine Menge Dinge klar dargestellt wurden, so bleiben doch andere Fragen offen und ein solches Ende hat diese Produktion nun wirklich nicht verdient. Zudem würde man sich auch gern noch weiterhin am hervorragenden Schauspiel der Akteure ergötzen, die durch die Bank zu überzeugen wissen. Genügend Potential für eine weitere Staffel ist jedenfalls definitiv vorhanden, was die Macher hoffentlich auch als Grund ansehen, das Szenario noch weiter zu führen, damit das Geschehen ein Ende erfährt, das sich im Endeffekt auch als würdig erweist.


Fazit:


"Hit & Miss" bietet eine äußerst gelungene Mixtur verschiedener Genres und erzählt eine Geschichte, die dem Betrachter stellenweise richtig unter die Haut geht. Brillant agierende Darsteller und eine alles überragende Chloë Sevigny sorgen hier für einSeh-Vergnügen, wie man es nicht alle Tage präsentiert bekommt. Dabei handelt es sich bei dieser Produktion schon um mehr als nur einen Geheim-Tipp, denn jeder, der eine außergewöhnlich gute-und qualitativ hochwertige Mini Serie zu schätzen weiß sollte hier unbedingt zugreifen.


9/10
Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
Beiträge: 5596
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 01:46
Wohnort: Hildesheim

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

Bild




Oloympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr
(Olympus Has Fallen)
mit Gerard Butler, Aaron Eckhart, Finley Jacobsen, Dylan McDermott, Rick Yune, Morgan Freeman, Angela Bassett, Melissa Leo, Radha Mitchell, Cole Hauser, Phil Austin, James Ingersoll, Freddy Bosche, Lance Broadway
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Creighton Rothenberger / Katrin Benedikt
Kamera: Conrad W. Hall
Musik: Trevor Morris
FSK 16
USA / 2013

Als die Ehefrau des US-Präsidenten bei einem Autounfall ums Leben kommt, macht sich Leibwächter Mike Banning Vorwürfe und wird in Folge zu einem Schreibtischjob verdonnert. Dann wird das Weiße Haus von einer Bande nordkoreanischer Terroristen überfallen und die zur Hilfe eilenden Soldaten werden von den Terroristen ausgeschaltet. Letztlich gelingt es nur Banning lebend in das Weiße Haus zu gelangen. Sein Special Forces Training kommt ihm nun gelegen und er schaffte es, die Terroristen mit seiner Ein-Mann-Kriegstaktik in die Knie zu zwingen.


Das es in amerikanischen Action-Filmen eher selten glaubhaft-und realistisch zur Sache geht dürfte wohl jedem bekannt sein. Wenn dann auch noch die nationale Sicherheit bedroht-und das Weiße Haus von nordkoreanischen Terroristen überrannt wird, schreit das schon förmlich nach einer ein Mann Armee, die hier dann auch in Person von Gerard Butler in Aktion tritt, um die Verhältnisse wieder ins rechte Licht zu rücken. War bisher eigentlich immer Bruce Willis für die unmöglichen Dinge zuständig, so kündigt sich langsam eine Wachablösung an und sicherlich sind in diesem Szenario auch nicht zufällig diverse Anlehnungen an einen Film wie "Stirb langsam" zu erkennen. Das dieses Mal die Nordkoreaner die Seite der Bösen übernehmen liegt dabei fast schon logischerweise auf der Hand, denn denkt man an das diesjährige Säbelrasseln des kommunistischen Staates bietet sich die hier verwendete Thematik natürlich geradezu an. Und so ist es im Prinzip wie immer, eine Menge Propaganda und der handelsübliche Patriotismus kommen hier stellenweise äußerst stark zum Ausdruck, was man letztendlich aber noch nicht einmal als negative Kritik ansehen sollte.

Bei dieser Art von Film sollte man nämlich sehr wohl im Vorfeld wissen auf was man sich einlässt, denn Dinge wie tiefgehende Charakter-Beleuchtungen oder unbedingt logische Abläufe bekommt man eher selten zu Gesicht. Dafür bekommt man dann aber Action satt und die dementsprechenden Passagen sind zudem extrem gut ins bild gesetzt worden. Auch an dieser Stelle sollte man sich nicht am Hang zum Übertriebenen aufhängen, denn ob das hier dargestellte Szenario sehr viel Glaubwürdigkeit beinhaltet, kann man mehr als bezweifeln. Wie dem aber auch sei, Freunde der rasanten Actionkost kommen hier voll auf ihre Kosten und bekommen mit Gerard Butler einen Helden vorgesetzt, der nicht nur durch eine äußerst gelungene Performance ins Auge fällt, sondern außerdem noch unheimlich hohe Sympathiewerte für sich verbuchen kann. Natürlich schafft der gute Mann im Alleingang die Wende, denn echte Helden brauchen nun einmal keine großartige Unterstützung, die sich im Endeffekt sowieso viel eher als Behinderung herausstellen würde.

Und so kann man sich durchaus denken auf welcher Schiene "Olympus Has Fallen" fährt, der film lässt nach einer etwas ruhigeren Einführung eine gigantische Temposteigerung erkennen, die sich bis zur letzten Minute kaum einmal ruhigere Phasen gönnt. Wie nicht anders zu erwarten, siegt am Ende natürlich das Gute, was in diesem Fall nichts anderes bedeutet, das der amerikanische Hang zum Patriotismus letztendlich vollkommen befriedigt wird. Regisseur Antoine Fuqua (Shooter) hat hier einen echten Action-Kracher im Oldschool-Stil abgeliefert und mit einigen High Tech Waffen angereichert, so das der geneigte Genre-Fan streckenweise in Beifallsstürme ausbrechen kann. Kraftvolle Bilder, eine durchgehend spannende Geschichte und eine gut agierende Darsteller-Riege sorgen für Unterhaltung der besten Art und lassen die knapp 2 Stunden Laufzeit wie im Flug vergehen.

Letztendlich handelt es sich um einen Film, der keinerlei Anspruch auf Logik und Glaubwürdigkeit stellt, denn das hier gezeigte Geschehen ist wahrlich nicht dazu angetan, sich selbst als realistisch zu deklarieren. Das ist im Prinzip jedoch auch völlig egal, denn im Mittelpunkt steht ganz eindeutig die Kurzweil und der äußerst hoch angesiedelte Unterhaltungswert. Wer Filme wie "Stirb langsam" zu schätzen weiß, ist bei "Olympus Has Fallen" an der genau richtigen Adresse. Extremes Tempo und Action satt sind die Stärken eines Werkes, das mit einem glänzend aufgelegten Gerard Butler in der Hauptrolle absolut perfekt besetzt ist und auch in den Nebenrollen mit etlichen bekannten Schauspielern aufwarten kann.


Fazit:


Freunde von realistischen-und glaubwürdigen Szenarien sollten eher einen Bogen um diesen Film machen, der diese Dinge ganz bestimmt nicht beinhaltet. Vielmehr präsentiert sich ein spannend-und temporeich inszenierter Action-Kracher, der in bester Oldschool-Tradition absolut sehenswerte Filmkost bietet.


8/10
Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
Beiträge: 5596
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 01:46
Wohnort: Hildesheim

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

Bild




Tod im Spiegel
(Shattered)
mit Tom Berenger, Bob Hoskins, Greta Scacchi, Joanne Whalley, Corbin Bernsen, Debi A. Monahan, Bert Rosario, Jedda Jones, Scott Getlin, Kellye Nakahara, Donna Hardy, Frank Cavestani
Regie: Wolfgang Petersen
Drehbuch: Richard Neely / Wolfgang Petersen
Kamera: László Kovács
Musik: Alan Silvestri
FSK 16
USA / 1991

Seit seinem schweren Autounfall, den er nur dank der Kunst der Ärzte ohne schwerste Entstellung überlebte, ist der wohlhabende David Merrick ein Mann ohne Gedächtnis. Seine Frau Judith versucht, ihn mit liebevoller Hingabe wieder an sein Leben vor dem Unfall zu erinnern - vergebens. Eher hat Merrick den Eindruck, man verschweige ihm entscheidende Tatsachen. Mit Hilfe des Privatdetektivs Gus Klein will David die Rätsel lösen, die sich mit seinem früheren Leben verbinden.


Mit einer seiner ersten Hollywood-Produktionen hat der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen (Das Boot) auch gleichzeitig einen seiner besten Filme abgeliefert. "Tod im Spiegel" erinnert dabei durch seine phasenweise herrlich düstere Inszenierung an den berühmten Film noir und erzählt ganz nebenbei eine grandios ineinander verschachtelte Geschichte, die dem Zuschauer erst kurz vor dem Ende eine genaue Übersicht über die teils mysteriösen Geschehnisse offenbart. Für eine Menge Spannung ist an dieser Stelle also garantiert gesorgt und auch wenn man bei voller Aufmerksamkeit eventuell schon etwas früher erkennen kann worauf das Ganze letztendlich hinausläuft, so kann man sich doch zu keiner Zeit gänzlich sicher sein, das die eigenen Vermutungen am Ende auch ins Schwarze treffen. So bekommt dann der Zuschauer auch immer nur kleinere Puzzle-Teilchen serviert, die einen auf die richtige Spur führen sollen, aber gleichzeitig legt Petersen auch immer wieder diverse falsche Spuren, um einen eventuell wieder in die Irre zu führen.

Das gelingt eigentlich auch recht gut und so tappt man doch fast die gesamte Laufzeit eher im Dunkeln über die Zusammenhänge, die auch Haupt-Charakter David Merrick (Tom Berenger) lange Zeit nicht erkennen kann. Im Prinzip ahnt er nur, das mit seinem Leben irgendetwas nicht stimmt und das es sich seltsam fremd anfühlt. Auch seine Erinnerungen kommen lediglich bruchstückhaft zurück, wollen jedoch lange kein rundes Gesamtbild ergeben. Greta Scacchi in der Rolle der anscheinend liebenden Ehefrau ist auch keine große Hilfe, um das Leben des schwerreichen Mannes wieder ins Lot zu bringen und nimmt im Laufe der Zeit noch eine ganz andere Rolle in dem phasenweise perfiden Katz-und Mausspiel ein. Etliche gelungene Wendungen und ein hervorragender Plot-Twist zum Ende hin machen dieses Werk zu einem echten Hingucker, der mit streckenweise herausragenden Bildern aufwarten kann. Wenn man überhaupt etwas kritisieren möchte, dann hätte man das Ende ein wenig einfallsreicher-und spektakulärer gestalten können. Der finale Schlusspunkt erscheint nämlich im Gegensatz zum Rest des Filmes eher mau und wirkt schon ein wenig unwürdig für einen Thriller mit der hier vorhandenen Klasse.

Ansonsten bietet sich allerdings kein Raum für Kritik, der dramaturgische Spannungsaufbau ist nämlich von der feinsten Sorte und auch in atmosphärischer Hinsicht kann "Tod im Spiegel" durchgehend überzeugen. Dabei herrscht im Prinzip von der ersten Minute an eine extrem dichte Grundstimmung vor, die Petersen mit zunehmender Laufzeit aber immer weiter zu steigern weiß und dem Betrachter dabei so manchen echten Gänsehaut-Moment beschert. In etlichen Passagen bekommt man dann auch ein wirklich herrliches Thriller-Erlebnis geboten, wozu auch der Aspekt eine ganze Menge beiträgt, das die wiederkehrenden Erinnerungsfetzen von Merrick in Form eines zerbrochenen Spiegels dargestellt werden, der sich mit der Zeit wieder zusammenfügt. So wird das Einfügen der kleinen Bruchstücke äußerst plastisch dargestellt und man kann sich ein sehr gutes Bild darüber machen. wie sehr die Hauptfigur unter ihren Erinnerungslücken leidet und daran fast innerlich zerbricht.

Eine weitere große Stärke dieses Werkes ist sicherlich das Mitwirken von Bob Hoskins, der in der tragenden Nebenrolle des Privat-Detektives eine absolut glänzende Performance an den Tag legt und durch ungemeine Spielfreude ins Auge fällt. Zusammen mit Berenger gelingt es ihm letztendlich auch, das ineinander verschachtelte Rätsel zu knacken und somit die unglaubliche Wahrheit ans Licht zu bringen, die einem bei der Erstsichtung des Filmes fast schon die Sprache verschlagen kann. Doch auch wenn man die Lösung kennt, erscheint "Tod im Spiegel auch nach mehrmaliger Sichtung immer wieder sehenswert. Bis auf den am Ende vorhandenen Plot-Twist büßt der Film nämlich nichts von seiner vorhandenen Klasse ein und bietet sich immer wieder dazu an, einen extrem spannenden Film-Abend vor dem heimischen TV zu verbringen.


Fazit:


Petersen hat mit "Tod im Spiegel" einen echten Hochspannungs-Thriller auf den Weg gebracht, der sich auch in der heutigen Zeit immer wieder gut anschauen lässt. Zwar fehlt dem Zuschauer nach der ersten Sichtung der finale Überraschungs-Effekt, doch hat das Werk weitaus mehr zu bieten. Niveauvolle Hollywood-Kost von einem deutschen Regisseur brillant in Szene gesetzt, allein das sind ausreichend Gründe, um sich diesen tollen Thriller einmal anzuschauen.


8,5/10
Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
Beiträge: 5596
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 01:46
Wohnort: Hildesheim

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

Bild




Insel des Schreckens
(Island of Terror)
mit Peter Cushing, Edward Judd, Carole Gray, Eddie Byrne, Sam Kydd, Niall MacGinnis, James Caffrey, Liam Gaffney, Roger Heathcote, Keith Bell, Margaret Lacey, Shay Gorman, Peter Forbes-Robertson
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Edward Mann / Al Ramsen
Kamera: Reginald H. Wyer
Musik: Malcolm Lockyer
FSK 16
Großbritannien / 1966

Eine mysteriöse Todesserie versetzt die Bewohner einer kleinen britischen Insel in Angst und Schrecken. Die Leichen sind nicht nur schrecklich entstellt, sondern auch völlig ohne Knochen. Ein Team von drei Wissenschaftlern versucht die Ursache zu erforschen und stößt dabei auf ein Labor, in dem Forschungsarbeiten für ein Mittel gegen Krebs durchgeführt wurden. Bei der Besichtigung des Labors überkommt ihnen eine grausame Vorahnung: Hier wurden monströse Kreaturen gezüchtet. Schnell versuche sie die Inselbewohner in Sicherheit zu bringen. Doch die Kreaturen vermehren sich rasant...


Terence Fisher war wohl unumstritten der bekannteste Regisseur der britischen Hammer-Studios und hat so manchen echten Klassiker des Horrorfilms auf den Weg gebracht. Auch der vorliegende "Insel des Schreckens" entstand unter seiner Regie und obwohl das Werk wohl nicht über den Bekanntheitsgrad eines "Frankensteins Fluch" oder "Dracula" verfügt, kann man den Film getrost als herrlichen Klassiker bezeichnen. Fisher erzählt einmal mehr eine wunderbar kreative Geschichte, die stellenweise schon einen leichten SCI/FI Einschlag erkennen lässt, der sich nahezu perfekt mit den typischen Horror-Elementen kombiniert und so eine exzellente Mixtur ergibt. Aus heutiger Sicht mag das Geschehen zwar alles andere als sonderlich gruselig erscheinen, doch erliegt der Zuschauer auch in diesem Fall dem handelsüblichen Charme, den im Prinzip alle Werke der britischen Film-Studios beinhalten.

Als Zugpferd ist in einer der Hauptrollen Hammer-Ikone Peter Cushing zu sehen, der wie eigentlich immer sehr souverän und spielfreudig agiert. Ihm zur Seite steht aber auch eine Darsteller-Regie, die dem Betrachter keinerlei Grund zur Beanstandung liefert, denn sämtliche Akteure können mit äußerst gutem Schauspiel aufwarten. Das dieses stellenweise ein wenig theatralisch erscheint ist dabei keine sonderliche Überraschung, denn dieses Merkmal kennt man ja gewöhnlich aus den Filmen der damaligen Zeit, so das es sich ganz einfach um einen Aspekt handelt, der fast schon automatisch dazugehört und keinesfalls als negative Kritik ausgelegt werden sollte. Ist man ansonsten von Hammer fast ausschließlich reine Horror-Filme gewohnt, so mischt sich dieses Mal halt auch eine leichte Note des Science Fiction Filmes bei, die dem Ganzen aber extrem gut zu Gesicht steht. In den Vordergrund rückt diese hauptsächlich durch die putzigen Monster, die hier durch Experimente eines Wissenschaftlers entstanden sind und für die ominöse Mord-Serie verantwortlich zeichnen.

Die Darstellung der Kreaturen ist nach heutigen Maßstäben schon äußerst niedlich und verursacht vielmehr ein Schmunzeln als eine Gänsehaut beim Zuschauer, doch tragen die possierlichen Viecher durchaus zum gelungenen Spannungsaufbau der Geschehnisse bei. Auf Härte oder blutige Szenen braucht man in diesem Fall selbstverständlich nicht zu warten, dafür erzeugt die Geschichte durch den Einsatz der einfachsten Mittel eine wunderbare Atmosphäre, die in einigen Passagen auch durchaus eine gewisse Bedrohlichkeit erkennen lässt. Hierzu trägt auch die herrliche Geräusch-Kulisse und der passende Score bei, denn die langsam immer stärker anschwellende Hintergrundmusik führt einen zwangsläufig zu den Höhepunkten der Ereignisse, in denen sich dann auch die aufgestaute Spannung entlädt. Dies alles geschieht in einem Tempo, das zwar keinesfalls als rasant bezeichnet werden kann, aber es kommt andererseits auch zu keiner Zeit zu irgendwelchen langatmigen Passagen, die das Seh-Vergnügen beeinträchtigen könnten.

"Insel des Schreckens" ist meiner persönlichen Meinung nach ein absolut sehenswerter Klassiker, der sämtliche Stilmittel der Hammer-Studios beinhaltet und von Terence Fisher grandios in Szene gesetzt wurde. Man erkennt die Handschrift des bekannten Regisseurs sofort und weiß dabei ganz genau, das man sich von der ersten Minute an auf ein tolles Film-Erlebnis einstellen kann, das einen durchgehend bestens und kurzweilig unterhält. Und auch wenn in vorliegendem Fall wohl nicht der hohe Bekanntheitsgrad einiger anderer Hammer-Filme vorhanden ist, so sollte man sich diese gelungene Kombination aus Horror-und SCI/FI auf keinen Fall entgehen lassen. Um hier ganz auf seine Kosten zu kommen, sollte man allerdings eine Vorliebe für die "alten Schinken" haben, denn aus der heutigen Sichtweise wirkt das Szenario selbstverständlich etwas antiquiert, was ich persönlich jedoch eher als Kompliment ansehe.


Fazit:


Nostalgiker und Fans der britischen Film-Studios kommen hier voll auf ihre Kosten und werden mit einer wunderbar atmosphärischen Geschichte konfrontiert. Terence Fisher hat hier einmal mehr sein untrügliches Gespür für den Geschmack der damaligen Zeit unter Beweis gestellt und somit einen Klassiker geschaffen, der auch in der heutigen Zeit nichts von seinem Charme verloren hat.


8,5/10
Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
Beiträge: 5596
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 01:46
Wohnort: Hildesheim

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

Bild




Allein gegen das Gesetz
(Il Vero e il falso)
mit Terence Hill, Martin Balsam, Paola Pitagora, Adalberto Maria Merli, Shirley Corrigan, Maria Teresa Albani, Rita Calderoni, Calisto Calisti, Ettore Geri, Piero Gerlini, Luigi Montini, Alessandro Sperli, Pietro Tordi
Regie: Eriprando Visconti
Drehbuch: Lorenzo Gicca Palli / Luigi Malerba / Eriprando Visconti
Kamera: Marcello Gatti
Musik: Giorgio Gaslini
FSK 12
Italien / 1971

Luisa Santini wird beschuldigt, die Geliebte ihres Mannes ermordet zu haben, und im Schnellverfahren zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Nach ihrer Entlassung muss sie feststellen, dass sie Opfer eines Komplotts war und ihr Mann mittlerweile mit der angeblich toten Frau zusammenlebt. Kurzerhand ermordet sie die Frau. Sie kommt erneut vor Gericht, wo ihr Anwalt Manin dafür kämpft, dass sie nicht noch einmal ins Gefängnis muss.


Über vier Jahrzehnte hat dieser brillante Justiz-Thriller von Eriprando Visconti nun schon auf dem Buckel, doch bei jeder neuen Sichtung versteht es das Werk, den Zuschauer aufs Neue in seinen Bann zu ziehen. Die erzählte Geschichte zählt sicherlich zu den am spannendsten mit dieser Thematik und präsentiert sich dabei als ein Szenario, das den Betrachter in einen innerlichen Zwiespalt versetzt. Man wird dabei durchgehend an seine persönlichen Grenzen zwischen Gesetz und Moral geführt, wobei insbesondere der menschliche Aspekt des Geschehens einem äußerst schwer zu schaffen macht. Im MIttelpunkt des Ganzen steht die junge-und hübsche Luisa Santini, die durch einen fatalen Justizirrtum unschuldig eine mehrjährige Haftstrafe absitzen muss. Das Tragische an den Ereignissen ist dabei gar nicht einmal der Irrtum an sich, sondern vielmehr die Art und Weise, wie dieser zustande kommt. Schlampige Ermittlungen und ein in erster Linie bornierter Staatsanwalt sind in der Hauptsache Schuld daran, das die junge Frau sieben Jahre ihres Lebens verliert. Martin Balsam liefert dabei in der Rolle des Anklägers eine glänzende Performance ab und mimt den eitlen und arroganten Ankläger absolut hervorragend. Nur an seiner eigenen Karriere interessiert scheut er nicht davor zurück, sämtliche Widersprüche während des Prozesses zu ignorieren.

Selbst im zweiten Verfahren, in dem Luisa dann wegen des wirklich begangenen Mordes vor Gericht steht, steht immer noch die Überzeugung im Raum, das im ersten Prozess keine Fehler gemacht wurden, was jedoch von Rechtsanwalt Manin (Terence Hill) glaubwürdig wiederlegt werden kann. Eriprando Visconti ist es hier geradezu perfekt gelungen, ein fehlerhaftes Rechts-System an den Pranger zu stellen und dabei die offensichtliche Willkür der Staatsorgane mehr als nur energisch zu kritisieren. Dadurch baut sich auch beim Zuschauer teils unbändige Wut auf, denn die teils hanebüchene Ermittlungsarbeit der Behörden lässt einem die Haare zu Berge stehen. Wenn man sieht, wie hier aus persönlichem Ehrgeiz mit dem Leben einer jungen Frau gespielt wird, kann man das Gesehene phasenweise nur recht schwer verarbeiten, da es einem extrem schwer im Magen liegt und einen äußerst schalen Nachgeschmack hinterlässt. Ganz nebenbei ist das gesamte Szenario ungeheuer spannend in Szene gesetzt worden, bis zur letzten Einstellung fiebert man dem Ergebnis des zweiten Prozesses entgegen und wird dann auch noch mit einem sehr tragischen Ende konfrontiert, das man zwar irgendwie erahnen konnte, das einen aber dennoch mit der Wucht eines Keulenschlags mitten in die Eingeweide trifft.

Mit diesem Schlusspunkt aus diesem Film entlassen zu werden stimmt einen äußerst nachdenklich und so ist es nicht sonderlich verwunderlich, das die Ereignisse einen selbst noch eine ganze Zeit beschäftigen, bis man das Ganze dann letztendlich wirklich verdaut hat. "Allein gegen das Gesetz" ist dabei ein Titel, der den Kern der Geschichte nahezu perfekt in den Vordergrund rückt, steht die gute Luisa doch so ziemlich allein gegen den gesamten Justiz-Apparat, der sich scheinbar gegen sie verschworen hat. Hinzu kommt auch noch erschwerend der Aspekt, das sich im Laufe der Geschehnisse ein wahrhaft perfides Komplott eröffnet, auf das ich aus Gründen der Spannung nicht weiter eingehen möchte. Auf jeden Fall aber zeigt sich ganz eindeutig, das bei genauerer Betrachtung sämtlicher Fakten und genauerer Untersuchungen schon im ersten Prozess ein Justizirrtum hätte vermieden werden können, was letztendlich nur an der Blasiertheit des Staatsanwaltes gescheitert ist, der die Karriere-Leiter einfach schneller erklimmen wollte. Ganz generell ist es die agierende Darsteller-Riege, die hier zu dem unglaublich guten Gesamteindruck beiträgt, den dieser Film hinterlässt. Sind schon die Hauptrollen absolut grandios besetzt, so bekommt man auch in den kleinsten Nebenrollen herausragendes Schauspiel zu sehen.

Letztendlich handelt es sich bei "Allein gegen das Gesetz" meiner persönlichen Meinung nach um einen der besten Justiz-Thriller überhaupt. Selten ist eine filmische Produktion so schonungslos mit einem Rechtssystem umgegangen und hat dieses auf eine so eindringlich Weise an den Pranger gestellt, wie es in vorliegendem Werk der Fall ist. Vermeidbare Fehler, offensichtliche Blindheit gegenüber von Tatsachen und die persönliche Eitelkeit eines Staatsanwaltes sind hier die Zutaten für einen hervorstechenden Gerichts-Film, den man unbedingt gesehen haben sollte. Und auch wenn man diese italienische Produktion schon unzählige Male gesehen hat zieht sie einen immer wieder in ihren unglaublichen Bann, da man die geschilderten Ereignisse kaum für möglich halten möchte, aber dennoch eines Besseren belehrt wird. Der eigene Zwiespalt zwischen Gesetz und Moral führt einen dabei an die eigenen Grenzen, wobei man im Prinzip durchgehend auf der Seite der Angeklagten steht, da man ihre Beweggründe vom menschlichen Standpunkt aus bestens nachvollziehen kann.


Fazit:


Auch nach mittlerweile über vier Jahrzehnten entfacht "Allein gegen das Gesetz" immer wieder seinen ganz eigenen reiz und führt einem eindrucksvoll vor Augen, wie schnell man unschuldig verurteilt werden kann. Gleichzeitig wirft der Film dabei etliche moralische Fragen auf, die auch nach mehrmaliger Sichtung nie eindeutig beantwortet werden können. Im Endeffekt bleibt es einem jeden selbst überlassen, das Gesehene auf sich wirken zu lassen und dementsprechend zu bewerten, doch der eigentliche Angeklagte hätte in vorliegendem Fall definitiv der italienische Justiz-Apparat sein müssen.


9/10
Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
Beiträge: 5596
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 01:46
Wohnort: Hildesheim

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

Bild




Gallowwalkers
(Gallowwalkers)
mit Wesley Snipes, Kevin Howarth, Riley Smith, Tanit Phoenix, Simona Brhlikova, Steven Elder, Patrick Bergin, Jay Grant, Hector Hank, David De Beer, Alyssa Pridham, Dallas Page, Derek Griffiths, Alex Avant
Regie: Andrew Goth
Drehbuch: Andrew Goth / Joanne Reay
Kamera: Henner Hofmann
Musik: Stephen Warbeck
keine Jugendfreigabe
Großbritannien / USA / 2012

Ein Fluch liegt auf Aman. Alle, die durch seine Kugel sterben, kommen zurück. Erst wenn sie ihren Kopf verlieren, sind sie für immer erledigt. Auch die fünf Männer, die seine große Liebe vergewaltigt und geschwängert haben, erheben sich wieder von den Toten. Jetzt soll die Rache auf ihrer Seite sein. Sie sammeln ein Heer von Untoten für das letzte Gefecht. Zu viele für einen einzelnen Mann. Aman rettet deshalb den jungen Sträfling Fabulos vor dem Galgen und bietet ihm einen gut bezahlten Job an: Er erwartet die Zombies am Schlachthaus seiner Ziehmutter, wo er seine Stiefschwester Sueno lieben gelernt hatte. Sie war bei der Geburt des Bastards in ihrem Leib gestorben. An dem Ort, an dem alles begann, soll es auch zu Ende gebracht werden ...


Blade is back


So steht es auf dem deutschen DVD-Cover und manch einer mag sich von diesem kurzen Satz ein wenig in die Irre führen lassen, so das er mit einer vollkommen falschen Erwartungshaltung an diesen Film herangeht. So sind sicherlich auch einige der größtenteils sehr negativen Kritiken zu erklären, die der neue Film mit Wesley Snipes bisher erhalten hat. Nach seiner Haftstrafe tritt der gute Mann hier in einer Kombination aus Western-und Horrorfilm auf, der sogar phasenweise dezente Fantasy-Einschläge erkennen lässt und durch diese ungewohnte Mischung durchaus seinen ganz eigenen Reiz auf den Zuschauer ausübt. Ganz bestimmt ist das Werk von Andrew Goth kein filmisches Meisterwerk und auch das Drehbuch erscheint an einigen Stellen ein wenig unausgegoren, doch insgesamt gesehen präsentiert sich eine jederzeit interessante Geschichte, aus der man allerdings noch etwas mehr hätte herausholen können. Viele Leute beklagen sich darüber, das der Film zu wenig Action beinhalten würde, was ich persönlich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen kann. Sicherlich handelt es sich definitiv nicht um ein Spektakel, doch das Geschehen ist dafür vielmehr auf klassischen Duellen aufgebaut, wie man sie aus den reinrassigen Western her kennt. Das mag nicht jeden Geschmack treffen, doch gerade dieser Aspekt ist in meinen Augen eine der Stärken eines Werkes, das zu Unrecht so viele schlechte Kritiken nach sich zieht und somit vollkommen unterbewertet wird.

In erster Linie überzeugt das Szenario durch eine ziemlich triste Atmosphäre, die hauptsächlich durch die äußerst karg ausgestatteten Kulissen erzeugt wird. Spielt sich doch das Ganze in einer wüstenähnlichen Location ab, die teilweise schon etwas von einer Endzeit-Stimmung hat. Gleichzeitig wirft die spartanische Ausstattung des Filmes die Frage auf, wo die geschätzten 17.000.000 $ Budget geblieben sind, die das Szenario angeblich verschlungen hat. Wie dem aber auch sei, diese herrliche Grundstimmung übt ihre ganz eigene Faszination aus, die sich ganz automatisch auch auf den Betrachter überträgt. Und so wartet man dann auch gespannt darauf wie sich die Story denn entwickeln mag, die zu Beginn noch ein wenig undurchsichtig erscheint und erst durch das hinzufügen diverser Rückblicke die Zusammenhänge erkennen lässt. In diesem Punkt hat Goth wirklich gute Arbeit geleistet und baut auch durch die eher ruhige Erzähl-Struktur der Ereignisse sehr gekonnt einen Spannungsbogen auf, der sich jederzeit sehen lassen kann. Auch wenn die Elemente des klassischen Western ganz eindeutig im Vordergrund stehen, werden immer wieder diverse Horror-Anteile eingefügt, die letztendlich für diese außergewöhnliche Mixtur sorgen, die "Gallowwalkers" in meinen Augen zu einem absolut sehenswerten Genre-Mix machen.

Im Bezug auf die Härte hätte sich manch einer eventuell etwas mehr erwartet, doch erscheinen die vorhandenen Passagen als vollkommen ausreichend, um hier die 18er Freigabe zu rechtfertigen. Dabei offenbart sich eine Mischung aus handgemachten-und CGI-Effekten, die man als größtenteils gelungen bezeichnen kann. Einige Szenen erscheinen schon ziemlich derbe, jedoch wird der übliche Rahmen zu keiner Zeit überschritten. So ergibt sich dann im Prinzip auch ein Gesamteindruck, der das Werk oberhalb des normalen Durchschnitts ansiedelt und je nach der Sichtweise des jeweiligen Betrachters kann man sogar von einem wirklich gelungenem Film sprechen. Auch die oft kritisierten Leistungen der Darsteller-Riege kann ich nicht nachvollziehen, sicherlich bekommt man keinerlei oscarreife Performances zu sehen und niemand spielt sich sonderlich in den Vordergrund, doch gerade für eine Geschichte dieser Art empfand ich das dargebotene Schauspiel als äußerst solide. Snipes agiert beispielsweise wortkarg und cool wie immer und auch die anderen Darsteller liefern keinerlei Grund zu größerer Beanstandung. Womit sich also einmal mehr die Frage stellt, warum "Gallowwalkers" eigentlich durch die Bank eher negative Kritiken nach sich zieht, die teilweise sicherlich aus einer falschen Erwartungshaltung heraus resultieren.

Im Endeffekt bekommt man nämlich einen ziemlich gelungenen Genre-Mix geboten, der sogar recht gut die einzelnen Elemente miteinander vermischt und so ein recht außergewöhnliches Film-Erlebnis anbietet, an dem man durchaus seine Freude haben kann. Kein filmisches Meisterwerk und schon gar kein Vergleich mit "Blade", aber eine extrem atmosphärische Kombination aus klassischem Western-und Horrorfilm, die zudem durch ein streckenweise unwirklich erscheinendes Ambiente schon Züge des Fantasy-Filmes erkennen lässt. Die trostlose Grundstimmung des Ganzen sorgt dann noch zusätzlich dafür, das ein beklemmendes Gefühl beim Zuschauer aufkommt, so das man insgesamt gesehen von einem gelungenen Szenario sprechen kann, das auf jeden Fall langatmig oder nicht lohnenswert erscheint. Natürlich ist es wie immer reine Geschmackssache, doch bin ich mitr ziemlich sicher, das auch "Gallowwalkers" seine Fan-Gemeinde finden wird.


Fazit:


Eine ruhige Erzählweise, klassische Western-Duelle und etliche Horror-Elemente ergeben hier eine sehr gelungene Mixtur. Sicherlich hätte man noch etwas mehr aus der interessanten Thematik herausholen können, doch insgesamt gesehen ist "Gallowwalkers" weitaus besser gelungen, als manche im Netz veröffentlichte Kritik es höchstwahrscheinlich vermuten lässt.


7/10
Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
Beiträge: 5596
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 01:46
Wohnort: Hildesheim

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Beitrag von horror1966 »

Bild




Battle of the Damned
(Battle of the Damned)
mit Dolph Lundgren, Matt Doran, Esteban Cueto, Lydia Look, David Field, Melanie Zanetti, Oda Maria, Jen Sung, Jeff Pruitt, Broadus Mattison, Tim Cooper, Kerry Wong
Regie: Christopher Hatton
Drehbuch: Christopher Hatton
Kamera: Roger Chingirian
Musik: Joe Ng / Ting Si Hao
keine Jugendfreigabe
Singapur / USA / 2013

Aus einer Forschungseinrichtung konnte sich ein tödlicher Virus seinen Weg in eine Großstadt bahnen und die Menschen dort in blutrünstige Zombies verwandeln. Ein reicher Industrieller sichert sich die Dienste des mit allen Wassern gewaschenen Söldners Max Gatling, der in der Stadt nach dessen Tochter fahnden soll. Tatsächlich findet Max das Mädchen in einer Gruppe Überlebender. Nun muss er sich allerdings mit Hilfe von auf das Niedermetzeln von Zombies spezialisierten Kampfrobotern den Weg zurück aus der Stadt bahnen.


Dieses Mal ist es 80er Jahre Ikone Dolph Lundgren, der sich hier mit unzähligen Virus-Infizierten anlegt und sich dabei fast im Alleingang durch eine im Prinzip nicht zu erfüllende Mission schlägt. Die Auferstehung diverser Action-Legenden vergangener Tage hat ja zur Zeit Hoch-Konjunktur und bietet in den meisten Fällen zudem auch noch sehr kurzweilige Unterhaltung. Diese ist zwar nicht unbedingt mit viel Anspruch versehen, bietet dem geneigten Fan aber genau das, was man sich von seinen Helden erwartet. Und so gibt auch der blonde Schwede eine durchaus gute Figur in diesem Zombie-Moped ab, das man ohne es zu beleidigen in die Kategorie B-Movie einordnen darf. Die Geschichte an sich bietet dabei nichts sonderlich Neues, einmal mehr sind Wissenschaftler daran Schuld, das eine Zombie- Epidemie ausgebrochen ist und die Menschheit dahin rafft. Das hier dargestellte Szenario beschränkt sich dabei auf eine einzelne Stadt, in der Lundgren die Tochter eines reichen Industriellen suchen soll. Nicht selten sind dabei Anlehnungen an einen Film wie "Resident Evil-Apocalypse" zu erkennen, der von der Story her ähnlich aufgebaut ist, so das sich durchaus einige Parallelen erkennen lassen.

Äußerst gelungen erscheint die trostlose Endzeit-Stimmung des Szenarios, das von der ersten Minute an in die Vollen geht. Ohne eine große Einführung wird der Zuschauer sofort in das Kampfgeschehen hinein geworfen und man bekommt eigentlich so gut wie keine Hintergründe für die vorherrschende Situation serviert. Das ist jedoch auch nicht zwingend notwendig, denn das Geschehen ist ganz eindeutig auf Action ausgelegt, die auch zu hauf vorhanden ist. Nun sollte man aber keinen Zombiefilm im üblichen Sinne erwarten, denn im Bezug auf Biss-Szenen und Splatter-Gore Einlagen hält sich das Werk von Christopher Hatton eher vornehm zurück, vielmehr bekommt der Betrachter die Action in Form von wilden Schießereien und diversen Nahkämpfen mit den Untoten präsentiert. Gerade bei Letzteren schwindet die Glaubwürdigkeit manchmal sehr stark, wobei man bei einem Film dieser Art in dieser Beziehung von Haus aus keine höheren Ansprüche hegen sollte. Sieht man jedoch, wie Lundgren an einen Laternenpfahl gefesselt dennoch etliche Zombies abwehrt, dann kann man sich teilweise ein Lachen kaum verkneifen. Wie dem aber auch sei, die Ereignisse gestalten sich größtenteils extrem unterhaltsam und kurzweilig, zudem erfährt die Action im letzten Drittel der Geschichte noch einmal eine Steigerung, als Kampf-Roboter auf der Bühne auftreten.

Mit deren Unterstützung gelingt es Lundgren und einigen Überlebenden auch, den untoten Horden immer wieder ein Schnippchen zu schlagen. Der schwedische Recke agiert dabei gewohnt wortkarg und versucht dabei immer wieder, seine ganz eigene Art des trockenen Humors in die Waagschale zu werfen, was ihm an etlichen Stellen auch durchaus gelingt.In vielen Passagen merkt man Lundgren jedoch auch an, das er etwas in die Jahre gekommen ist, denn seine Bewegungsabläufe wirken teilweise doch ein wenig eingerostet. Insgesamt gesehen tut das der Sache aber keinerlei Abbruch, denn trotz einiger augenscheinlicher Defizite bekommt man ein nettes Filmchen geboten, das sehr temporeich gestaltet ist und jede Menge Action beinhaltet, die streckenweise auch ansehnlich ins Bild gesetzt wurde. Größere Ansprüche sollte man allerdings nicht hegen, denn rein inhaltlich bietet die Geschichte kaum nennenswerte Substanz, was man aber auch nicht unbedingt erwarten sollte.

So bleibt am Ende ein B-Movie, den man sich jederzeit gut anschauen kann und der jede Menge Kurzweil bietet. Ein etwas in die Jahre gekommener Action-Held leistet dabei solide Arbeit, auch wenn das Szenario größtenteils jenseits jeglicher Glaubwürdigkeit angesiedelt ist. Die Mixtur aus Action, Zombiefilm und SCI/FI bietet äußerst solide Filmkost, die den geneigten Fan auf jeden Fall zufrieden stellen sollte.


Fazit:


Nichts Neues an der Zombie-Front, aber gute und sehenswerte Action-Unterhaltung mit einem insgesamt überzeugendem Dolph Lundgren. So kann man "Battle of the Damned" wohl am besten umschreiben. Für Genre-Freaks sollte man durchaus eine Empfehlung aussprechen, wobei man von Beginn an keine größeren Ansprüche an Logik oder inhaltliche Substanz stellen sollte. Wenn man dazu in der Lage ist, kommt man hier definitiv auf seine Kosten und wird mit einem kurzweiligen Film-Erlebnis belohnt.


6/10
Big Brother is watching you
Antworten