bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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buxtebrawler
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Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone

„Gandhi hätte sie wahrscheinlich erwürgt!“

Die letzte gemeinsame Regiearbeit des US-Trios David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker (kurz: „ZAZ“) nach „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ und „Top Secret“ datiert auf das Jahr 1986. Mit „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ nach einem Drehbuch Dale Launers emanzipierte man sich von seinen parodistischen Spoof-Komödien und versuchte sich erstmals an einer formal relativ konventionellen Komödie.

„Man kann niemandem trauen, nicht einmal der Polizei!“

Sam Stone (Danny DeVito, „Einer flog über das Kuckucksnest“), Inhaber eines Bekleidungsherstellers, ist ein skrupelloser Kapitalist, der seiner Affäre Carol (Anita Morris, „Blue City“) eröffnet, seine ihm verhasste Ehefrau Barbara (Bette Midler, „Verhext“) umbringen zu wollen, um an deren Familienvermögen zu gelangen. Noch bevor er seinen finsteren Plan durchführen kann, erfährt er jedoch, dass Barbara entführt wurde. Die Kidnapper fordern 500.000 Dollar für Barbaras Leben. Sam feiert dies insgeheim und denkt natürlich nicht im Traum daran, die geforderte Summe zu zahlen, ganz im Gegenteil: Er setzt alles daran, die Entführer zu verärgern, indem er umgehend die Journaille und die Polizei informiert, die Höhe des Lösegelds zu verhandeln versucht und sich dennoch weiterhin partout weigert, selbst wesentlich geringere Summen den Entführern zukommen zu lassen. Bei diesen handelt es sich um das Ehepaar Ken (Judge Reinhold, „Gremlins – Kleine Monster“) und Sandy (Helen Slater, „Supergirl“), zwei Menschen in Geldnot, die eigentlich keiner Fliege etwas zuleide tun können und sich zu diesem Schritt nur deshalb gezwungen sahen, weil Sam der aufstrebenden Modedesignerin Sandy ihre Entwürfe gestohlen und selbst zu Geld gemacht hat, während Sandy leer ausging. Nun haben sie jedoch die neurotische, bösartige Mrs. Stone am Hals, die sich als überaus wehrhaft erweist. Ken und Sandy sind zunehmend mit der Situation überfordert, während Carol ihre eigenen Pläne verfolgt und zusammen mit ihrem tumben Toyboy Earl (Bill Pullman, „Spaceballs“) ebenfalls Sam zu erpressen beginnt…

Auf den hübsch animierten Vorspann folgen Sams Mordpläne, ausführlich dargelegt von einem von Anfang bis Ende fulminant aufspielenden Danny DeVito. Die Entführer sind dilettantische, blutige Anfänger, für die man schnell Mitleid entwickelt, während die Entführte Mrs. Stone zunächst eine unsympathische Furie ist, bis sie die Situation annimmt, in ihrem Versteck ein straffes Fitness-Programm durchzieht und dadurch einige Pfunde purzeln, woraufhin sie ihre Lebensfreude zurückgewinnt – und endlich umgänglich wird. Als sie von Sams Zahlungsunwilligkeit erfährt, ist sie ganz aufgelöst und verbündet sich schließlich mit ihren Entführern. Die turbulente Handlung schlägt zahlreiche Haken und steckt voller völlig irrer Verwicklungen und Konfusionen, ein Missverständnis jagt das nächste. Die Unvorhersehbarkeit der raffiniert konstruierten Geschichte und die durch die Bank weg großartigen Leistungen des Schauspielensembles sind die größten Pluspunkte dieser ansonsten recht konventionell gestalteten Komödie, die nichts mehr mit dem Nonsens-Klamauk anderer „ZAZ“-Produktionen zu tun hat. Zwar fehlt bedauerlicherweise der anarchische Charme, der diese bisher ausgemacht hatte, und wirkt „Die unglaubliche Entführung…“ insgesamt wesentlich gefälliger, doch dafür ist die Ausrichtung des Films eine sehr sympathische, indem sie die Entführer in einer von Raffgier und Unehrlichkeit bestimmten Welt als die einzig normalen und vor allem menschlichen Wesen charakterisiert. Dass es Ken und Sandy als einzigen Ausweg aus ihrer finanziellen Misere betrachten, eine derartige Straftat zu begehen, während der eigentliche Verbrecher ein vermögendes Firmenoberhaupt ist, das den Hals nicht vollbekommt, ist zudem ein unmissverständlicher Seitenhieb auf das US-Wirtschaftssystem unter Reagan und Konsorten.

„Ruthless People“, so der stimmigere Originaltitel, ist ein bunter Spaß, der aus heutiger Perspektive zudem mit seinem ‘80er-Interieur-Schick im Überfluss begeistert. Es lohnt sich daher, diesen Film im Zuge des ‘80er-Rollbacks wiederzuentdecken, wenngleich Mick Jaggers Titelsong nicht das Gelbe vom Ei ist und generell andere Filme jener Epoche aufregendere Musik zu bieten haben. Bruce Springsteens Rock’n’Roller „Stand On It“ geht aber in jedem Falle klar und auch Nicole McClouds „Don’t You Want My Love“ hat was, ebenso Paul Youngs „Wherever I Lay My Hat (That's My Home)”. Ach, eigentlich ist die Ausbeute gar nicht so schlecht. Und welcher Heavy-Metal-Song wird eigentlich in der Kaufhausszene angespielt…?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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buxtebrawler
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Der sechste Kontinent

Die große Hafenrundfahrt in den Mastdarm der Erde (SchleFaZ)

„Wir sind lange genug auf der Erde rumgekrochen. Jetzt wollen wir endlich wissen, wie sie innen aussieht!“

Während seiner frühen Karriere verfilmte der britische Regisseur Kevin Connor mit „Caprona – Das vergessene Land“, „Der sechste Kontinent“, „Caprona 2. Teil – Menschen, die die Zeit vergaß“ und „Tauchfahrt des Schreckens“ drei Romane Edgar Rice Burroughs’ und einen Jules Vernes. Diese vier in den 1970ern im Auftrag der Amicus-Genrefilmschmiede entstandenen Werke lassen sich lose zu einer Tetralogie phantastischer Abenteuerfilme mit Science-Fiction-Anleihen zusammenfassen, die in erster Linie auf ein Kreaturen- und Effektspektakel setzen und sich gern die Darsteller teilen. Zwischen den beiden „Caprona“-Verfilmungen entstand „Der sechste Kontinent“, bei dem es sich um eine Verfilmung des Auftakts der siebenteiligen „Pellucidar“-Reihe Burroughs‘ handelt, der auf das Jahr 1914 datiert und aufgrund seiner Hohlwelt-Thematik grob an Jules Vernes „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ erinnert.

„Totaler Ausfall aller Systeme! Naja, etwas deprimierend…“

Dr. Perry (Peter Cushing, „Frankensteins Fluch“) hat einen Erdkernbohrer konstruiert, der in der Lage ist, selbst festestes Bergmassiv zu durchschlagen. Im Zuge einer feierlichen öffentlichen Präsentation bohren sich Dr. Perry und sein Assistent David (Doug McClure, „Die blutigen Geier von Alaska“) vertikal ins Erdinnere, um dieses zu erforschen. Jedoch verlieren sie dabei die Kontrolle über die Maschine und landen in Pellucidar, einem bisher unbekannten Kontinent unter der Erdoberfläche, der sowohl von fremdartiger, prähistorisch anmutender Fauna als auch von humanoiden Wesen und deren versklavten Menschen besiedelt wird. Unter permanentem rosa- bis purpurfarbenen Tageslicht werden die Abenteurer von den Sagoth gefangengenommen, primitiven zweibeinigen Schweinsaffenwesen, und zu ihren Sklaven gebracht. Die Sagoth wiederum stehen unter dem telepathischen Einfluss der Mahar, riesiger Flugsaurier, die regelmäßig Menschenopfer erhalten. Unter den Arbeitssklaven lernt David die junge, attraktive Dia (Caroline Munro, „Sindbads gefährliche Abenteuer“) kennen und freundet sich mit ihr an, muss jedoch auch erfahren, dass die verschiedenen menschlichen Stämme unter Tage miteinander verfeindet sind. Während Dr. Perry die unterirdische Welt erforscht, versucht David, die Menschen zu vereinen und zum gemeinsamen Schlag gegen die Unterdrücker zu bewegen. Ob er die Erdoberfläche jemals wiedersehen wird?

„Was für ein unglaublicher Anblick!“

Ein riesiges Man-in-suit-Federvieh stampft auf unsere Helden zu, die nach ihrer Gefangennahme hilflos mitansehen müssen, wie ein nicht minder monströses Doppelnashorn Menschen frisst und anschließend mit einem Artgenossen kämpft. Was auf dem virtuellen Papier zunächst einmal nach purem Kreaturen-Horror klingt, entpuppt sich als billig gemachtes Schauwerk irgendwo zwischen den späteren Familienfilm-Godzillas und der Augsburger Puppenkiste. In den leider allzu häufig recht unbeweglichen und somit wenig furchteinflößend aussehenden Viechern stecken bemitleidenswerte Stuntmen, wenn sie nicht direkt aus Pappmaché zusammengekleistert worden sind. Die Sprache der Schweinsaffenmenschen klingt stotterig, wie digitale Übertragungsfehler, mit menschlichen Hohlerdbewohnern lässt es sich jedoch ganz bequem auf Englisch kommunizieren – weshalb auch immer. Das ewig scheinende Tageslicht, das an den Nerven der Menschen zerrt, kann als subtil eingeflochtene Allegorie auf den notwendigen Dualismus zwischen hell und dunkel verstanden werden, die häufigen Zwischenschnitte auf die blinzelnden Augen der Mahar hingegen hämmern auch dem letzten Zuschauer ein, dass eine Art hypnotischer Kontakt zu den Sagoth besteht.

„Muskeln verdunkeln den Verstand!“

Dr. Perry, vom ehrwürdigen Peter Cushing komödiantisch gespielt, macht das Beste aus der Situation und forscht, was das Zeug hält, bezieht sogar plötzlich eine Art Arbeitsplatz in einer Steintafelbibliothek und findet grundsätzlich alles faszinierend. Als das bunten Treiben vor dem Farbfernsehgerät Verfolgender muss man sich jedoch durch zahlreiche ermüdende Kämpfe gegen Kreaturen, gegen Sagoth und gegen Menschen quälen, die etwas unbeholfen und behäbig inszeniert wurden. Der Trash-Faktor wird durch unvermittelt explodierende Kreaturen in die Höhe getrieben und irgendwann brennt’s in den Studiokulissen voller Rückprojektionen ständig. David scheint der erste zu sein, der auf die Idee kommt, die verfeindeten Stämme gegen die Sagoth und Mahar zu vereinen, was u.a. einen elendig langen Kampf gegen ohrlose Monster zur Folge hat. Auf ein zähes, gerade zu Beginn schlaff inszeniertes Finale mit weiterem explodierendem Viehzeug folgt ein (Achtung, Spoiler!) pathetischer Abschied, bevor man mit wie von Geisterhand repariertem Bohrer von einer offenbar neu errichteten Startrampe in bügelfrischen Klamotten gen nettem Abschlussgag aufbricht, der schließlich aus dem Film entlässt.

„Sie können mich nicht hypnotisieren, ich bin nämlich Engländer!“ (Häh?)

„Der sechste Kontinent” ist schon eine eigenartige Erfahrung. Die versammelte Expertise vor und hinter der Kamera wird für die langatmige Inszenierung eines schwachen Drehbuchs verheizt, das just definierte und veranschaulichte Regeln dieser Fantasy-Welt im nächsten Moment direkt wieder über Bord wirft und dadurch unschlüssig und beliebig wirkt. Eben noch tödliche Fallen stellen im nächsten Moment keine wirklichen Hürden mehr dar, die Hypnose- und Telepathie-Fähigkeiten der Mahar scheinen mir nichts, dir nichts arg eingeschränkt und das ehemals so mächtige und undurchdringliche Imperium des „sechsten Kontinents“ wird von einem zugereisten Briten mit etwas Hilfe wie im Vorbeigehen plattgemacht. Dass Davids Gebaren bei den fremden Stämmen aus heutiger Sicht doch arg nach klischiertem „weißem Erlöser“ müffelt und das vermittelte Frauenbild etwas fragwürdig erscheint – geschenkt. So etwas ist nun einmal Teil altertümlicher Fantasy und Abenteuer und macht ein Stück weit deren naiven Charme aus. Dass „Star Wars“- und „James Bond“-Kamerachef Alan Hume derart trashiges Treiben enttäuschend lieblos gestalteter Kreaturen vor Rückprojektionen aus der Konserve abfilmen muss, ist jedoch ebenso ernüchternd wie es die Rollen Cushings und Munros sind, die sich immerhin wacker durch diesen Unfug spielen.

Dem Vergleich zum wesentlich besseren „Tauchfahrt des Schreckens“ hält „Der sechste Kontinent“ nicht stand, dafür ist hier doch vieles zu – im wahrsten Sinne – unterirdisch. Punkten kann er jedoch mit seinem spielfreudigen Ensemble, der einen oder anderen unfreiwilligen Komik, Carolin Munros Dress und jenem speziellen Charme eigentlich bereits damals überholten Unterhaltungskinos dieser Couleur, das sein entsprechend geeichtes Publikum dazu verführt, sich diesen Stoff auch heute noch gern einmal zu drücken…
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Black Emanuelle VI: Sklavenmarkt der weißen Mädchen

„Journalisten – ein Beruf, für den ich absolut nichts übrighabe!“

Im Jahre 1978 verabschiedete sich der Italiener Joe D’Amato als Regisseur der „Black Emanuelle“-Sexploitation-Spielfilmreihe um einem damaligen breiten Publikum exotisch erscheinende rasende, reisende und ratternde Reporterin Emanuelle (Laura Gemser). D’Amato, der die Reihe ab dem zweiten Teil von seinem Vorgänger Bitto Albertini übernommen und mit seiner Handschrift als wenig zimperlicher Genre-Regisseur versehen hatte, hatte den dritten und fünften Beitrag der Reihe mit Horrorelementen angereichert (vermeintliche Snuff-Szenen, Kannibalismus) und den vierten mit sexualisierten Gewaltexzessen bisweilen schwer genießbar gestaltet, schaltete für seinen Abschied von Emanuelle diesbezüglich aber ein paar Gänge runter.

„In vieler Hinsicht sind Frauen wie eine ansteckende Krankheit!“

Emanuelle ist mit ihrer Freundin Susan Towers (Ely Galleani, „A Lizard in a Woman's Skin“) nach Nairobi gereist, wo sie versucht, für eine Reportage an ein Interview mit dem italienischen Straftäter Georgio Rivetti (Venantino Venantini, „Neun Gäste für den Tod“) zu gelangen, der sich dorthin zurückgezogen hat und eigentlich seine Ruhe haben möchte. Wenig überraschend haben sie keinen Erfolg und fahren zum Flughafen, wo sie, als Stewardessen verkleidet, Prinz Arausani (Pierre Marfurt, „Terror in Roma“) treffen wollen, der den Kontakt zu Rivetti vermitteln soll. Dort macht Emanuelle eine seltsame Beobachtung: Ein Mann (Gabriele Tinti, „Das wilde Auge“) schiebt eine junge Frau im Rollstuhl, lässt sich an einer Theke einen Koffer aushändigen und verlässt die Szenerie ohne die Frau, die nun von einem anderen Mann geschoben wird. Arausani arrangiert ein gemeinsames Treffen mit Rivetti. Das Quartett versteht sich gut miteinander, sodass man am nächsten Tag zu einer Safari aufbricht, wo Emanuelle sogar erfolgreich ein Geschäft zwischen Arausani und Rivetti vermitteln kann. Zurück in der Stadt erspäht Emanuelle erneut den Mann vom Flughafen und die junge Frau, die nun nicht mehr auf den Rollstuhl angewiesen scheint. Susan ermittelt, dass es sich beim Mann um Francis Harley handelt. Emanuelle reist nach New York, um ihren befreundeten Fotografen Jim Barnes (Bryan Rostron, „Ein Haufen verwegener Hunde“) zu treffen und ihn um Informationen zu Harley zu bitten. Barnes vermittelt sie an das Fotomodell Eva Trettel, die wiederum auf Ray Hamilton verweist, welcher sie schließlich mit einen Mädchenhändlerring in Berührung bringt. Dort trifft sie Harley tatsächlich wieder und beschließt kurzerhand, sich inkognito einzuschleusen. Man vermittelt sie nach San Diego…

Eine Fahrt durch Afrika, Bilder der Savanne – bereits in seinen ersten Bildern etabliert „Sklavenmarkt der weißen Mädchen“ sein Globetrotter-Sujet, das die gesamte Reihe auszeichnet. Als Emanuelles und Susans Auto eine Panne hat und in eine Werkstatt muss, gibt sich Susan dem Automechaniker körperlich hin, Laura masturbiert dazu und der Film hat seine ersten Softsexszenen. Weiter geht’s mit gleichgeschlechtlichen Liebeleien beider Damen unter der Dusche, bevor man sich auf die Safari begibt, wo Emanuelle und Laura es mit je einem der Männer treiben und nackt durch die Natur laufen. Der zumindest zum Teil originelle Schnitt kann leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass D’Amato seinen Film bis hierhin ebenso routiniert wie langweilig heruntergekurbelt hat, fast, als habe er keine große Lust mehr auf diese fünfte Fortsetzung und die Inszenierung der immer gleichen Schauwerte verspürt.

Nachdem der Prinz wieder abgereist ist, vergnügen sich Emanuelle, Laura und Rivetti noch mit einem Dreier, woraufhin sich der Film vom afrikanischen Kontinent verabschiedet. Beim Fotografen Barnes in New York platzt Emanuelle natürlich mitten in ein Erotik-Shooting. Mit nackter Haut geizt man wahrlich nicht, wenngleich die zig Verweise von einer kurzzeitig eingeführten und schnell wieder vergessenen Figur zur nächsten etwas ermüdend wirken und die Handlung Gefahr läuft, die Aufmerksamkeit ihres Publikums zu verlieren. Sobald sich Emanuelle aber in die bizarre konspirative Mädchenversteigerung eingeschlichen hat, gewinnt der Film an Unterhaltungswert, zumal er nun seinen pseudo-sozialkritischen Topos initiiert hat. Recht hübsch eingefangen hat D’Amato eine Sexszene in einem Fotolabor bei Rotlicht. In San Diego, wo Emanuelle nun selbst als Hostess antritt, muss sie vor Bordellbetreiberin Madame Claude (Gota Gobert, „KZ 09“) und ihrem Assistenten Stefan (Nicola D'Eramo, „Blutiger Schweiß“), einem tuntigen Transsexuellen, einen Eignungstest bestehen, indem sie einen Senator verwöhnt. Diesen besteht sie derart bravourös, dass Claude sogar selbst Hand an sich Hand legt. Stefan wird bei Emanuelles Anblick gar spontan bisexuell und treibt es mit ihr. Die völlige Überzeichnung, mit der diese Figur entworfen wurde, greift jedes Transsexuellen-Klischee auf und degradiert sie zu einer Art Comic-Relief – was jedoch später immerhin relativiert wird, wenn Stefan seine Kampfkunstfähigkeiten unter Beweis stellen darf.

Emanuelles investigativer Journalismus bei Madame Claude und Konsorten führt natürlich zur erwarteten Mischung aus weiteren entsprechend visualisierten Beobachtungen sexueller Aktivitäten und gefährlichen Situationen, die sogar Todesopfer fordern. Emanuelle spielt man einmal mehr übel mit, sie wird vergewaltigt und soll lobotomiert werden. Und natürlich wäre sie nicht Emanuelle, würde sie nicht ihren Körper und ihre Sexualität auch einsetzen, um brenzligen Situationen zu entkommen und letztlich ihre dunkle Haut einmal mehr zu retten. Man kennt das zur Genüge und schaut doch trotzdem auch diesmal wieder hin, denn Laura Gemser ist nach wie vor eine Augenweide. Die Sexploitation, in die ihre Rolle hier eingebettet wird, ist jedoch mittlerweile derart abgeschmackt, dass sie kaum noch wirkliche Überraschungsmomente hervorbringt. Der Wille, nicht ausschließlich ein männliches, weißes, heteronormatives Publikum mit anregenden Szenen zu unterhalten, ist erkennbar, die Filmfigur Emanuelle wirkt jedoch einmal mehr wie hin- und hergerissen zwischen der Verkörperung weltoffener, sexuell freizügiger, selbstbestimmter und selbstbewusster junger Frauen, die die Fesseln des Patriarchats durchschaut und abgestreift haben, und einer Projektionsfläche für diskussionswürdige Altherrenfantasien. Letztere werden ausgerechnet mit der finalen Pointe bedient, in der sich Emanuelle gegenüber einer ganzen Schiffsbesatzung bereitwillig prostituiert, um nach Los Angeles mitgenommen zu werden.

Bevor es zum Vollzug der „Zahlung“ kommt, wird jedoch abgeblendet, was das Konzept dieses Films, diesmal auf allzu krude Szenen, auf Gesplatter und Gekröse ebenso zu verzichten wie auf HC-Szenen und -Inserts, noch einmal unterstreicht. Schade nur, dass D’Amato den dadurch entstandenen Raum nicht in einem Maße mit sinnlicher Erotik wie noch im wirklich gut gelungenen zweiten Teil aufzufüllen verstand. Dafür darf Tinti, Gemsers Ehemann und Dauergast der „Black Emnuelle“-Reihe, diesmal einen Antagonisten verkörpern. Der kosmopolitische Ansatz der Reihe leidet dagegen ein wenig unter D’Amatos Drehort-Recycling. Der Soundtrack liefert ein paar Easy-Listening- und Disco-Nummern, die der eigentlichen Brisanz mancher Sequenz kaum gerecht werden – wie es strenggenommen das gesamte letzte Drittel inszenatorisch kaum tut. Irritierend rasch werden Totschlag, Missbrauch von Minderjährigen, Vergewaltigung und Todesangst denkbar undramatisch abgehandelt und von der Protagonistin ad acta gelegt, als sei all dies ihr täglich Brot. Was es wiederum gewissermaßen einige Filme lang ja auch tatsächlich war.

„Black Emanuelle VI: Sklavenmarkt der weißen Mädchen“ hat seine Momente, hat schöne Frauen, die eine oder andere geglückte Erotikszene und Gemsers Charisma, wirkt unterm Strich aber wie ein etwas müder Nachklapp. Jedenfalls tat es der Reihe gut, dass D’Amato den Staffelstab an Bruno Mattei übergab, der 1982 mit „Laura – Eine Frau geht durch die Hölle“ Emanuelle kurzerhand ins Gefängnis steckte…
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Höllenhunde des Secret Service

„Denkt dran: Wer zuerst schießt, lebt länger!“

Nach seiner Sandalenfilm-Phase, aber noch bevor er sich am Italo-Western versuchte, zum gefragten Giallo- und Poliziesco-Regisseur avancierte und mit „Mondo Cannibale“ das umstrittene Subgenre des Kannibalenfilms begründete, inszenierte der Italiener Umberto Lenzi mehrere Agentenfilme, sog. Eurospy-Beiträge, die im Fahrwasser der „James Bond“-Big-Budget-Filmreihe mitschwammen und einen Teil vom Kuchen abzubekommen versuchten. Auf „Heiße Grüße vom C.I.A.“ („A 008, operazione Stermino“, 1965) folgte noch im selben Jahr „Höllenhunde des Secret Service“ („Superseven chiama Cairo“) in italienisch-französischer Koproduktion mit Roger Browne in der Hauptrolle. Und wie der „James Bond“-Reihe die Romane Ian Flemings zugrunde liegen, handelt es sich angeblich auch hierbei um eine Romanverfilmung, nämlich von „S7 calling Cairo“ des Autors H. Humbert. Es darf jedoch bezweifelt werden, dass ein solcher Roman tatsächlich existiert, zumal Lenzi „Humphrey Humbert“ mehrfach als Pseudonym bei späteren Regiearbeiten verwendete.

„Sie genießen zu oft die Gesellschaft schöner Frauen!“

Der britische Geheimagent Martin Stevens (Roger Browne, „Argoman – Der phantastische Supermann“) erhält in der Londoner Zentrale den Auftrag, eine Schmalfilm-Handkamera zu beschaffen, und zwar eine ganz bestimmte: Eine skrupellose Gangsterbande hat aus einer nuklearen Forschungsstation in Liverpool ein neues Metall entwendet, das hundertmal radioaktiver als Uran ist. Dieses Baltonium, so der Name des Elements, wurde in das Objektiv der Kamera eingebaut und über die Grenzen bis nach Kairo geschmuggelt, wo es jedoch abhandenkam: Arglose Touristen haben die Kamera erworben. Hinter ihnen sind nun sowohl die Gangster um Anführer Alex (Massimo Serato, „El Cid“) als auch Stevens her, ein regelrechter Wettlauf beginnt. Stevens reist nach Kairo, wo man die attraktive Faddja (Rosalba Neri, „Arizona Colt“) auf ihn angesetzt hat. Zwar durchschaut er rasch Faddjas Spiel, doch lauern zahlreiche weitere Gefahren auf ihn. Das Baltonium darf keinesfalls wieder in falsche Hände geraten, stellt es doch eine Gefahr für den Weltfrieden dar!

„Wir bieten Ihnen ein äußerst interessantes Programm und ich bin sicher, Sie werden damit zufrieden sein.“ (Na, schauen wir mal…)

Roger Browne, der mit seinem markanten Kinn und der Pfeife im Mundwinkel ein wenig an Nick Knatterton erinnert, mimt also den Schmalfilmspur-007 „Superseven“ alias Stevens, einen machistischen Frauenheld und Dressman, der im Prolog knutschend mit der Blondine Cleopatra [sic!] im Bett liegt, als sie wegen eines vermeintlichen Termins plötzlich aufspringt. Sie zückt ihren Revolver, doch Stevens ist mit seinem umfunktionierten Kugelschreiber schneller und erschießt die Dame süffisant lächelnd. Durch diesen Einstieg ist die Genrezugehörigkeit bereits festgezurrt und jeder weiß, womit man es hier zu tun bekommt. Die Secret-Service-Kampfsportausbildung inklusive scharfem Maschinengewehr, deren Zeuge Stevens wird, mutet bereits derart unglaubwürdig übertrieben an, dass sich die Frage stellt, ob man sich gerade einen unfreiwillig komischen oder bewusst parodistisch angelegten Film ansieht. Dies bleibt bis zum Ende unklar.

„Er starb an einem Messerstich – eine im Orient weitverbreitete Krankheit…“

Rosalba Neri sorgt als Faddja direkt bei ihrem ersten Zusammentreffen mit Stevens für ein paar knisternde Akzente, auch ohne, wie so oft in ihren späteren Produktionen, blankzuziehen. Die später hinzustoßende Fabienne Dali („Die toten Augen des Dr. Dracula“), die als Denise in Konkurrenz zu Faddja tritt, verblasst gegen Neri und mogelt sich mit ungefähr eineinhalb Gesichtsausdrücken durch den Film. Neri meistert ihre Rolle auch hier mit ihrer ihr eigenen Anmut, sodass man es regelrecht bedauert, wenn ihre Rolle nach relativ kurzer Liebelei mit Stevens durch Denise „ersetzt“ wird. Umso gelungener die Überraschung, wenn sie später wieder in die Handlung eingreift. Lenzi ist bemüht, nicht nur die Damen, sondern auch Kairo ansprechend in Szene zu setzen, greift jedoch auch auf recht durchschaubar eingearbeitete Rückprojektionen bei Autofahrten sowie eingefügtes Archivmaterial zurück. Abgeschmeckt wird die Exotik mit orientalischen Tanzeinlagen in einem Vergnügungsclub.

„Ich begreife nicht, was das Ganze soll!“

Prügeleien, konspirative Treffen und Gespräche, Manipulationen und Fallen greift Lenzi als typische Genre-Ingredienzien auf, gibt Stevens als Gadgets aber lediglich erwähnten Kuli, einen Rasierapparat sowie ein, ähm, als Revolver getarntes Feuerzeug an die Hand. Als Zuspitzungen der Handlung fungieren ein fieser Mord in einer Autowerkstatt, eine Schießerei an den Pyramiden (bei der sich das Opfer reichlich dämlich verhält, indem es die Pyramiden hochklettert, um an möglichst exponierter Stelle abgeknallt zu werden), die Misshandlung und Tötung einer heroinabhängigen Handlangerin der Gangster sowie eine Elektroschockbehandlung Stevens‘. Grafisch explizit geht es dabei nicht zu, die Kamera blendet stets ab, bevor es richtig unappetitlich wird, stiehlt sich damit aber auch aus der Affäre, etwaige Spezialeffekte verwenden zu müssen.

Skurril und bizarr wird es, wenn man eine geschminkte Leiche gegenüber der Polizei als Puppe ausgibt – immerhin von vornherein als humoristische Szene angelegt –, sich die Gangster an barocker Aktmalerei aufgeilen, durch einen Fotofund ein Nazibezug hergestellt, aber nie wieder aufgegriffen wird, oder sich die Szenerie auf einen klischeehaft dargestellten Campingplatz verlagert, wo sich Stevens im strengen Anzug inmitten eines etwas zu vergnügten und sich offenbar über den gesamten Platz erstreckenden Ballspiels ins Bild schiebt. Ganz zu schweigen davon, dass es mit keiner Silbe problematisiert wird, welche gesundheitlichen Folgen ein derart radioaktives Metall bei den arglosen Besitzern, aber auch bei den Gangstern oder bei Stevens anrichten könnte. Ratlos zurück lässt auch der Umstand, dass Stevens‘ Bedrohung zweiter Grenzbeamter mit einem Revolver für die Polizei und Staatsanwaltschaft keinerlei Problem mehr darstellt, sobald sich herausstellt, dass es sich um ein getarntes Feuerzeug handelte. Man kann sogar kollektiv herzlich darüber lachen…

Beeindruckend sieht dagegen eine mit Rotfilter und Negativbildern visualisierte Szene aus, deren Sinn sich mir jedoch nicht ganz erschlossen hat. Zu London als Handlungsort gesellen sich im Laufe der Zeit Locarno und Rom hinzu, auf ein ausladendes Schurken-Hauptquartier muss man jedoch ebenso verzichten wie auf Gegner mit übermenschlichen Kräften und/oder besonderen Waffen respektive Fähigkeiten, mit denen die Originalreihe um James Bond so gern wucherte. Generell ist Alex keinerlei Konkurrenz zu manch exaltierterem Bond-Gegenspieler. Gar nicht schlecht gelungen ist das Finale auf dem Wasser, doch wirklich spannend oder aufregend ist dieser Film mit seinem viel zu reißerischen deutschen Titel nur selten. Dafür passiert ständig irgendetwas Verrücktes und scheint mir der Film zwischen unfreiwilliger Komik und einem zumindest zeitweise bewussten Augenzwinkern zu pendeln.

Zu keinem Zeitpunkt bekommt man den Eindruck, „Superseven“ Stevens wolle es wirklich mit Bond aufnehmen; stattdessen lassen Lenzi und Co. ein Abziehbild durch die Weltgeschichte gondeln und demonstrativ über all den Dingen stehen, die ebenso unwahrscheinlich sind wie die Geschehnisse bei 007, jedoch mit weit weniger Budget und Bombast aufgeblasen ihre geringe Substanz auf durchaus unterhaltsame bis amüsante Weise schneller offenbaren. Der humorige Epilog deutet eine Fortsetzung an, die mit „Die Höllenkatze des Kong-Fu“ im Jahr darauf tatsächlich folgte…
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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