Justine - Grausame Leidenschaften - Chris Boger (1977)

Moderator: jogiwan

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Justine - Grausame Leidenschaften - Chris Boger (1977)

Beitrag von buxtebrawler »

Cruel_Passion.jpg
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Originaltitel: Cruel Passions

Herstellungsland: Großbritannien / 1977

Regie: Chris Boger

Darsteller(innen): Koo Stark, Martin Potter, Lydia Lisle, Katherine Kath, Hope Jackman, Maggie Petersenr, Barry McGinn, Louis Ife, Jason White, Ann Michelle, Malou Cartwright, David Masterman u. A.
Juliette und Justine wurden in einem Waisenhaus großgezogen. Als sich die Nonnen eines Nachts über ihre Schützlinge hermachen, genießt Juliette die "Ausbildung" zur Bettzofe, während sich ihre Schwester Justine tugendhaft gegen die Vergewaltigung wehrt. Am nächsten Tag werden die Beiden aus dem Waisenhaus geworfen. Während sich Juliette mit Freuden immer neuen sexuellen Abenteuern hingibt, versucht Justine weiterhin auf dem Weg der Tugend zu wandeln. Doch diesen Weg geht sie vergeblich und am Ende ist ihre Unschuld fast gänzlich korrumpiert...
Quelle: www.ofdb.de

Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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Re: Justine - Grausame Leidenschaften - Chris Boger (1977)

Beitrag von buxtebrawler »

„Religion ist bloß die Tyrannei, mit der die Reichen und Mächtigen die Armen zu Sklaven machen, um sie zu erniedrigen!“

Nach seinem weitestgehend unbekannten Debüt „Summer Of Silence“ aus dem Jahre 1974 realisierte der britische Regisseur Chris Boger im Jahre 1977 seinen zweiten und zugleich letzten Spielfilm, das auf „Justine“ und anderen Schriften Marquis de Sades basierende Erotik-Drama „Justine – Grausame Leidenschaften“. „Cruel Passion“, so der Originaltitel, ist zwar ungleich populärer als Bogers Debüt, aber dennoch stets ein Geheimtipp geblieben. Aufgrund dessen gebe ich in den folgenden beiden Absätzen einen Überblick über die gesamte Handlung, insofern herrscht Spoiler-Alarm!

„Alles Körperliche muss doch natürlich sein!“

Ein Kloster in Frankreich: Der Vater der 17-jährigen Juliette (Lydia Lisle, „Der Elefantenmensch“) und ihrer 16-jährigen Schwester Justine (Koo Stark, „Emily“) wird außerhalb des Klostertors begraben, weil er durch seinen Suizid durch Erhängen eine Todsünde begangen hat. Die Mutter der Mädchen wird neben ihm beerdigt, beide sind nun Vollwaisen Die aufrührerische und unkeusche Juliette gibt sich dem gleichgeschlechtlichen Sex mit einer Nonne hin, während Schwester Claire (Malou Cartwright, „Was der schwedische Butler sah“), die enthaltsame und fromme Justine zu vergewaltigen versucht. Nun sind Juliette und Justine angehalten, das Kloster zu verlassen, das Geld ihrer Eltern streicht die Kirche ein. Gemeinsam wollen die Geschwister nun nach London und lassen sich von Lord Carlisle (Martin Potter, „Dämon des Grauens“), den sie auf der Kutschfahrt kennenlernen, zwecks Ausbildung zu Prostituierten an ein Bordell vermitteln. Der tuntige George (Barry McGinn, „Wie man sein Leben lebt“) dient ihnen als Versuchsobjekt und Juliette gibt sich schnell bereitwillig ihren Freiern hin, während Justine Pater Johns (Louis Ife, „The Second Sin“) Angebot annimmt, bei ihm unterzukommen, denn sie möchte nicht als Hure arbeiten. Der Pfaffe jedoch muss sich beherrschen, nicht zu onanieren oder gar über sie herzufallen. Justine erleidet erst einen grausamen Alptraum und schließlich einen Vergewaltigungsversuch des Pfaffen, der jedoch während der Verfolgungsjagd vom Dach stürzt und stirbt. Auf einem Friedhof wird Justine daraufhin von einer Gruppe Landstreicher um die alte Bonny (Hope Jackman, „Jenseits des Rechts“) aufgelesen, die sie baden und umsorgen – und ihr Angst machen, dass sie wegen Mordes gesucht werde, damit sie sich ihnen anschließt und für sie stiehlt. Bonny droht gar damit, sie von „ihren Jungs“ vergewaltigen zu lassen – Justine geriet also vom Regen in die Traufe.

„Es ist möglich, durch liebe die Trauer auszulöschen, mein Kind!“

Lord Carlisle (Martin Potter) hat sich derweil in Juliette verknallt und befreit sie aus dem Bordell. Die Landstreicher nutzen Justine als Köder ausgerechnet für einen Überfall auf die Kutsche, mit der Carlisle und Juliette reisen, und gehen sehr brutal vor, wollen alle Reisenden töten, inklusive Kind und Kegel. Doch Justine kann zumindest das Leben des Lords retten. Die Bande verlangt aber, dass er sie ihnen anschließt, damit er weiterleben dürfe. Gemeinsam gelingt die Flucht, doch die Mörder sind unerbittlich hinter ihnen her. Es kommt zum Kampf, erneut kann man fliehen. Doch Lord Carlisle zeigt sein wahres Gesicht, als er Justine ihre Hilfe dankt, indem er sie an einem See vergewaltigt. Er lässt sie verletzt zurück und flieht feige vor der Bande, deren Hunde über Justine herfallen und deren Männer sie ebenfalls vergewaltigen, um sie anschließend wie ein Stück Abfall in den See zu werfen. Der Lord wird ebenfalls von den Hunden gebissen und schließlich von einem Bandenmitglied ermordet.

„Unser Geschlecht dient der Natur nie so gut, als wenn es sich prostituiert!“

Jess Franco hatte diesen Stoff bereits 1969 verfilmt, doch Chris Bogers gut ausgestattete Low-Budget-Variante gefällt mir sogar noch besser: Diese ist krass, ja, richtiggehend wütend antiklerikal, wenn sie auch zeitweise etwas arg naiv die Prostitution zu verharmlosen scheint. Gruselszenen wie visualisierte Höllenfeuerfantasien, deren Effekt durch das Geschwafel einen Pfaffen verstärkt wird, oder die schnell geschnittene und mit Horrormasken ausgestattete Verbildlichung Justines Alptraums, in dem sie sich gekreuzigt wiederfindet, wechseln sich mit nie zu selbstzweckhaft werdenden Erotikszenen ab, beginnend mit einer nackten masturbierenden Nonne. Je dramatischere Züge die Entwicklung nimmt, desto stärker lässt der Erotikanteil nach; dennoch gelingt es immer wieder mal wieder, die kessen Jungdarstellerinnen entblößt in Szene zu setzen. Die Spielfreude Lisles und Starks teilt zwar nicht das gesamte Ensemble, Barry McGinn als George beispielsweise legt seine Rolle viel zu albern aus, was aber auch damit zusammenhängen dürfte, dass die Bordellszenen allesamt unpassend komödiantisch überzeichnet wurden. Der Tonfall des Films ist in seinem Changieren zwischen ordinär auf der einen und gefühlvoll und sensibel auf der anderen Seite ohnehin etwas gewöhnungsbedürftig, entscheidet sich in seinem Finale jedoch für ein konsequentes Anti-Happy-End, das einem deftigen Magenschwinger gleichkommt.

„Die Religion ist eine Krankheit, die geheilt werden muss!“

In ihm kulminiert die moralische Korruption nahezu aller Beteiligten auf dem Rücken der Geschwister, von denen insbesondere Justine auf tödliche Weise erfahren muss, wie nutz- und wertlos ihre Versuche sind, ein gottesfürchtiges Leben in einer durch und durch verkommenen Gesellschaft zu führen, deren religiöser Überbau aus nichts als Heuchelei und Machtmissbrauch besteht. Boger und sein Team erzählen diese Geschichte, ohne übermäßig in Sexploitation-Gefilden zu wildern (lassen aber deutliche Nunploitation-Einflüsse zu) und ohne in Sachen Tempo in Hektik oder Agonie zu verfallen. Die insgesamt prachtvolle Kameraführung fängt auch einige blutige Szenen ein, die Aussage und darstellerische wie erzählerische Entfaltung unterstreichen, statt von ihnen abzulenken. Von den angesprochenen Schwachpunkten einmal abgesehen ist „Justine – Grausame Leidenschaften“ ein relativ seriöses Erotikdrama, das sich zwischen all den belanglosen Nackedeifilmchen der 1970er zu entdecken lohnt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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