Götterdämmerung - Morgen stirbt Berlin - Joe Coppoletta (1999)

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Maulwurf
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Götterdämmerung - Morgen stirbt Berlin - Joe Coppoletta (1999)

Beitrag von Maulwurf »

Götterdämmerung - Morgen stirbt Berlin
Deutschland 1999
Regie: Joe Coppoletta
Christiane Paul, Tim Bergmann, Rüdiger Vogler, Christian Oliver, Sven Martinek, Horst Schulze, Joachim Tomaschewsky, Reiner Schöne, Dieter Wien, Hans-Jürgen Schatz, Nicolás Artajo, Eva Habermann


OFDB

Über 45 Tonnen Bomben wurden im zweiten Weltkrieg über Berlin abgeworfen, und nicht alle sind sofort explodiert. Bis heute werden in allen deutschen Städten bei Bauarbeiten immer wieder Bomben gefunden die noch scharf sind. Auf einer Baustelle am Potsdamer Platz explodiert eine davon, und löst damit ein Räderwerk in einer Höllenmaschine aus: Eine Bombe, gekoppelt mit einer unbekannten Anzahl anderer Bomben, die in einem unerbittlichen Countdown abläuft, und in mitten in der City von Berlin eine Sprengkraft von 800 Tonnen TNT auslösen wird. Gelegt wurde dieses Entsetzen gegen Ende des Krieges von einem Nazi-Geheimkommando: Lieber solle Berlin zerstört werden, als in die Hände des Feindes zu fallen. Und jetzt läuft der Zähler, und die Historikerin Sandra, ihr Mann, der Polizeitaucher Alex, und Inspektor Lobenstein vom LKA finden sich in einem erbitterten Kampf gegen die verrinnende Zeit, gegen bornierte Politiker, und gegen alte und neue Nazis, die diese Katastrophe gar nicht so katastrophal finden würden. Unternehmen Ragnarök läuft mit 65 Jahren Verspätung seiner Vollendung entgegen …

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OK, GÖTTERDÄMMERUNG ist voller Löcher, voller Unlogik und mit einigen historischen Verballhornungen versehen. OK, der Film hat definitiv viele Schwächen, Musik aus der Konserve, und Schauspieler, die nicht immer alle auf der Höhe der Zeit sind (die wunderbare Christiane Paul möchte ich hier ganz explizit ausnehmen!!). Ich weiß, dass die Handlung einigermaßen vorhersehbar abläuft, wirkliche Überraschungsmomente rar gesät sind, und die Charaktere so stereotyp sind dass es manchmal fast schmerzt.

Seine TV-Herkunft kann GÖTTERDÄMMERUNG eben auf keinen Fall verleugnen, aber es kann auf der anderen Seite halt auch nicht immer nur höchstbudgetiertes Blockbuster-Kino sein. Manchmal schafft es auch eine kleine Fernsehproduktion, einen angenehmen Abend zu gestalten. Denn eines ist GÖTTERDÄMMERUNG auf jeden Fall: Er ist spannend! Mag sein, dass ich in letzter Zeit zu viel Erzählkino gesehen habe, wo der Schwerpunkt mehr auf Erzählung als auf Spannung lag, aber über sehr lange Strecken hinweg verdient sich der Film das Attribut Thriller auf jeden Fall. Der Beginn ist noch einigermaßen gemächlich, und Regisseur Joe Coppoletta nimmt sich die Zeit seine Hauptfiguren liebevoll einzuführen. Das hat dann in nachfolgenden Szenen durchaus auch mal den Effekt, dass man als erfahrener Zuschauer genau weiß, wann der allerletzte Abschied kommt, und einer der Protagonisten als nächstes einem fiesen Killer oder einer noch fieseren Bombe zum Opfer fallen wird.

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Reingelegt! Einige Male spielt Coppoletta geschickt mit den Erwartungshaltungen des Zuschauers und dreht damit gewaltig an der Spannungsschraube. Und nicht immer ist glasklar, dass alle Hauptfiguren den Film sicher überleben werden. Der Tod begleitet das Drehbuch über weite Strecken als treuer Freund im Hintergrund …
Doch ausgerechnet zum Ende hin schwächelt das Drehbuch, und das Showdown ist gut gemacht, aber irgendwie ein klein wenig gegen die Wand gefahren. Kniffig, gut ausgedacht, aber die 90 Minuten davor seltsam konterkarierend.

Insgesamt aber auf jeden Fall solide Fernsehunterhaltung, die mit ihrer Schnitzeljagd nach dem großen Unbekannten gut unterhält und viel Freude bereitet. Und die Gastauftritte von Reiner Schöne und Eva Habermann gleichen dann so manches Fettnäpfchen locker wieder aus …

6/10

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