Zorn der Bestien - Jallikattu - Lijo Jose Pellissery (2019)

Moderator: jogiwan

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fritzcarraldo
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Zorn der Bestien - Jallikattu - Lijo Jose Pellissery (2019)

Beitrag von fritzcarraldo »

Zorn der Bestien - Jallikattu
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(Cinema am Ostertor Bremen; Weird Xperience)
(Jallikattu)
(Indien 2019)
Regie: Lijo Jose Pellissery
Mit: Antony Varghese
Chemban Vinod Jose
Sabumon Abdusamad
Ein indisches Dorf am Vorabend des Jallikattu, einem järhlichen Fest, an dem es zu einer Art Stierkampf kommt, bei dem der besagte Stier dann auch getötet werden soll.
Dieser wilde Stier entkommt dann aber und alle Beteiligten sind in heller Aufruhr. Immer mehr Personen sind beteiligt und die Handlungen und Emotionen kochen über.
Ein ungewöhnlicher Film, den der Verleih nicht wirklich verorten konnte. "Eine Mischung aus Mad Max Fury Road und der weiße Hai." Nun ja. Irgendwie ist immer alles eine Mischung aus irgendwas. Schlecht wäre es gewesen, wenn es eine Mischung aus Mad Max Jenseits der Donnerkuppel und Der weiße Hai 4 gewesen wäre. Zum Glück nicht. Der Stier ist zwar bis zum Ende zu sehen und startet auch immer wieder Angriffe, JALLIKATTU ist aber nicht wirklich ein Tierhorrorfilm. Wie man meinen Zeilen evtl. entnehmen kann, geht es hier eher um die Bestie Mensch. Die Stimmung steigert sich zum Schluß hin ins Wahnsinnige. So sind die letzten 10 Minuten auch fast schon apokalyptisch. Es ist sowieso schon unglaublich, wie viele Personen gleichzeitig oder schnell hintereinander gezeigt werden. Um einen gewissen Überblick geht es da schon lange nicht mehr. Ging es aber von Anfang an nicht. Alles wirkt hektisch und Charaktere sollen auch nicht wirklich eingeführt werden. Hektik und die daraus resultierende Gruppendynamik stehen im Vordergrund. Und mein zu Anfang gebrauchtes Wort "Aufruhr" ist dann wörtlich zu nehmen. Das alles wird dann noch von einem tollen Sounddesign untermalt.
Jallikattu lief gestern in der Bremer Reihe Weird Xperience. Und Jallikattu war dann auch eine wahrlich seltsame Erfahrung.
"Das Leben ist noch verrückter als Scheiße!" (Es war einmal in Amerika)

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Arkadin
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Re: Zorn der Bestien - Jallikattu - Lijo Jose Pellissery (2019)

Beitrag von Arkadin »

Weird Xperience zu ungewohnter Stunde, unter 2G+-Bedingungen und in einer Zeit, wo Bremen Rekordhalter in Inzidenzen ist. Dazu ein neuerer, unbekannter Film in dem indischen Dialekt Malayama mit deutschen Untertiteln. Sprich, wir hatten nach diversen Absagen unserer Stammgäste schon damit gerechnet, dass wir da allein sitzen. Umso erstaunter und erfreuter waren wir ob es ordentlichen Zuspruchs. 9 zahlende Gäste klingt jetzt nicht viel - ist es für uns aber. Der Film lohnte auch. Sehr dynamisch, viele Kamerafahrten hinter den zahlreichen Figuren her. Und wenn es mit Fackeln in den Dschungel geht, um einen amoklaufenden Bullen einzufangen ist das super atmosphärisch. Untermalt wird das von einem ins Blut gehenden, treibenden Soundtrack mit Chorgesängen. Man bekommt auch einen guten Einblick in die Dorfstrukturen im südwestlichen Indien. Was manchmal vielleicht auch ein Nachteil ist, denn ich hatte das Gefühl, dass sehr vieles was man hier nicht weiß oder versteht als Basiswissen vorausgesetzt wird. Auch nicht leicht ist es, dass der Film nur so von Menschen wimmelt. Da bleibt kaum Zeit einen mal richtig kennenzulernen, seine Motivation zu verstehen - oder ihn immer gleich wiederzuerkennen. Einige Figuren werden auch im Verlauf des Filmes einfach "vergessen". Plötzliche Rückblenden machen es nicht leichter. Trotzdem ein faszinierender, eindrucksvoller und wie gesagt sehr dynamischer Film, den man mehr spüren sollte als zu versuchen alles was da passiert zu verstehen. Ach ja: Auch wenn man es aufgrund des deutschen Titels und Plakats denken könnte: Kein Tierhorror. Die zornigen Bestien... das sind wir selber.
Früher war mehr Lametta
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karlAbundzu
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Re: Zorn der Bestien - Jallikattu - Lijo Jose Pellissery (2019)

Beitrag von karlAbundzu »

Ein Stier in einem größeren Dorf soll geschlachtet werden, er entkommt, und es entbrennt eine Jagd auf das Tier.
Um diese kleine Fabel entspinnt sich ein haftiges Werk. Immer wieder mit vielen schnellen rhythmischen Schnitten oder mit langen schnellen Kaerafahrten begleiten wir die verschiedenen Menschen, die irgendwie mit in die Jagd einbezogen sind. Viele Figuren tauchen auf, werden begleitet, werden wieder verloren, haben Rückblenden, bekommen Beziehungen zu einander. Dabei wird einiges angedeutet, und man bekommt einige Abgründe des menschlichen Tuns mit. Oder viel mehr des männlichen Teils der Menschheit: Denn hier sind es nur Männer, die aufgeregt den Stier verfolgen, die aber auch gegenseitig in Rache- und Neidgefühlen verstrickt sind, und die ihren Alpha gerne mal rauskehren. Die Frauen bleiben relativ, cool verfolgen ihr Ding, sind aber auch klar in der schwächeren Rolle.
Das ist rasant, hat mich voll mitgenommen, einen interessanten Geräuschescore, ein wunderbares Schlussbild, und einen starken animierten Abspann.
Ich bin begeistert.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.

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