Gangster 2 - Takeshi Miyasaka (1997)

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Maulwurf
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Gangster 2 - Takeshi Miyasaka (1997)

Beitrag von Maulwurf »

 
Gangster 2
Tokyo Mafia 4
Japan 1997
Regie: Takeshi Miyasaka
Riki Takeuchi, Kazuhiro Masiko, Ryoko Imamura, Ren Ôsugi, Hirotarô Honda


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Ryo ist einer von den ganz harten jungen Streetfightern, und als er die Legende vom legendären Killer hört, der 300 Leute in einer Nacht getötet haben soll, da ist es um ihn geschehen: Er will auch ein Killer werden. Eine Legende auf den Straßen, so wie der legendäre Killer (dies ist keine textliche Wiederholung, sondern ein diskreter Hinweis darauf, wie oft einem dieser Terminus innerhalb der ersten Viertelstunde um die Ohren gehauen wird). Doch wie groß ist die Enttäuschung, als Ryo die Legende tatsächlich kennenlernt: In Wahrheit ist der Killer ein desillusionierter Säufer, der ohne das Töten nicht leben kann, und nur eines in seinem Leben noch richtig gut hinbekommt: Andere Menschen ums Leben zu bringen. Gleichzeitig merkt Ryo, dass er überhaupt nicht schießen kann, und als sich die junge Yuan, eine Zeugin eines Killjobs, in ihn verliebt, da wird sein Weltbild ganz allmählich und immer mehr erschüttert. Doch genau zu diesem Zeitpunkt mischt sich eine andere Gang ein und will die Kontrolle über das Killerbüro, für das Ryo und die Legende arbeiten, bekommen.

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Wahrscheinlich ist es keine gute Idee, den vierten und letzten Teil einer Serie als Standalone zu sehen. Die ersten beiden Teile, YAKUZA WARS und WRATH OF THE YAKUZA, kenne ich gleich gar nicht, und der dritte Teil, BATTLE FOR SHINJUKU, der in Deutschland unter dem Titel GANGSTER erschienen ist, hatte mir immerhin solala gefallen. Nun also der vierte Teil, in Deutschland GANGSTER 2, woanders auf der Welt YAKUZA BLOOD, und ob es da außer Riki Takeuchi irgendwelche Zusammenhänge zu den vorhergehenden Teilen gibt kann ich nicht sagen. Was ich sagen kann ist, dass das Vergnügen zumindest auf meiner Seite keines war.

Eine desolate Welt. Eine zerstörte Welt. Eine geradezu dystopische Stadt, die nur aus Abfall, Mord und Totschlag besteht. Es gibt eigentlich keine „normalen“ Menschen mehr, nur noch Killer, deren Auftraggeber, und ihre Opfer. Und andere Gangster, die das Geschäft übernehmen wollen. Die ersten fünf oder zehn Minuten von GANGSTER 2 ziehen den Zuschauer unnachgiebig in eine düstere und unwirtliche Landschaft. Wie eine kranke Steigerung von THE CROW brennen hier die Ölfässer, wärmen sich die Verlorenen ihre Hände am Feuer, und brechen ein paar Gangster in diese Idylle ein um zwei junge Männer zu töten. Nein, nicht einfach nur um sie zu töten, sondern sie zu fragen wer zuerst ausprobieren will, ob die einzige Patrone im Sechsschüsser sie vielleicht treffen mag. Ein abwechselndes russisches Roulette. Ryo will. Danach wäre eigentlich sein Freund dran, aber Ryo will wieder. Und wieder. Und er zeigt nicht das geringste bisschen Angst. Ryo hat mit diesem Leben schon lange abgeschlossen, und als er eine Chance bekommt, schlägt er seine Widersacher windelweich.

Dieser Teil des Films ist böse, düster und hat eine unglaubliche Sogkraft. Leider wird es danach aber schnell läppischer: Mit zunehmender Laufzeit entpuppt sich Ryo zwar als guter Kämpfer, der aber das Gemüt eines Halbwüchsigen hat, welcher davon träumt ein Erwachsener zu sein. Yabuki, der legendäre Killer, macht auf ihn den gleichen Eindruck, den ein drogen- und alkoholabhängiger Rockstar auf die kleinen Mädchen macht. Und so sehen wir Yabuki, der, immer mit einem Flachmann im Anschlag, von Killjob zu Killjob schlurft, und dabei den japsenden und um Aufmerksamkeit hechelnden Ryo hinter sich herzieht. Dazu noch die unschuldig-verspielte Yuan, ein paar Mal mehr und mal weniger sinistre Killer im langen Mantel, und fertig ist die Ansammlung von Gangstermelodram-Stereotypen, die sämtliche Erwartungen trifft, keinen einzigen unerwarteten Schlenker macht, und mich dreimal(!) zum Einschlafen gebracht hat. Die generische Musik und die entsetzlich unpassende deutsche Synchro geben dem langweiligen Stuss dann den Rest und lassen den Zuschauer erst am Ende wieder aufwachen, wenn Yabuki zwischen den brennenden Tonnen vom Beginn eine Menge Blei verschleudert. Das Ende ist erwartbar, genauso wie der Ablauf jeder einzelnen Szene im Voraus vorhergesagt werden kann, und irgendwie ist das Ganze einfach nur furchtbare Zeitverschwendung, vergleichbar mit den späten Steven Seagal-Filmen.Spätestens jetzt sollte klar sein, dass es deutlich besseres gibt …

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