A War Named Desire – Bandenkrieg und Brudermord - Alan Mak (2000)

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Maulwurf
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A War Named Desire – Bandenkrieg und Brudermord - Alan Mak (2000)

Beitrag von Maulwurf »

 
A War Named Desire – Bandenkrieg und Brudermord
Ai yu cheng
Hongkong 2000
Regie: Alan Mak
Francis Ng, Daniel Chan Hiu-Tung, Dave Wang, Gigi Leung, Sam Lee, David Lee Wai-Sheung, Pace Wu, Grace Lam


A War Named Desire - Bandenkrieg und Brudermord.jpg
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Jahr 2000, Neujahrsfest in Bangkok. Alle Menschen toben wie entfesselt durch die Straßen der Stadt und beschießen sich gegenseitig mit Wasserpistolen. Die Straßen sind überfüllt mit feiernden und lärmenden Menschen. Und mittendrin Henry, der wie besessen aus einer Pumpgun auf einen Regenschirm spritzt, dessen Besitzerin sich ständig vor ihm versteckt. Hinter dem Regenschirm verbirgt sich Snow, die wartet bis Henry ganz nahe bei ihr steht, und ihm dann ein Messer in den Körper rammt. Und irgendwo, am anderen Ende der Straße, steht Charles, der denkt dass Snow, seine Snow, die Snow die er immer heimlich geliebt hat, dass diese atemberaubend schöne und smarte Snow ihn an Henry verraten hat. Und der nun hilflos mitansehen muss, wie der verwundete Henry eine Waffe zieht.
Und das alles nur, weil Charles kleiner Bruder Jones aus Hongkong kommt und von Charles zwei Millionen will, die dieser seiner Familie vor zehn Jahren gestohlen hat. Und weil Jones‘ Freundin Jess meint, dass das alles ein ganz tolles Abenteuer ist, kommt sie auch mit. Doch aus dem ganz tollen Abenteuer wird ganz schnell ganz toll blutiger Ernst: Henry erkennt ein Schaf wenn er eines sieht, und Jones ist so ein Schaf. Ein Schaf, welches ihm ermöglicht, in der Gangsterhierachie aufzusteigen. Er tötet den Boss Sun und lässt erklären, dass Jones der Mörder ist. Jeder weiß dass dem nicht so ist, aber keinen interessiert es. Dem allerobersten Boss, King, ist das ebenfalls egal. Zwei Tage hat Charles Zeit, seinem Bruder die Schönheiten Thailands zu zeigen, doch am dritten Tag will er Jones‘ Kopf sehen. Und Charles‘ bester Freund und Partner, York, erhält den Auftrag Jones umzulegen. Doch weil Henry auch Snow töten will fliegt der Plan auf, und Charles und Jones, die beiden ungleichen Brüder, haben nur noch eine Möglichkeit: Sich ihren Weg durch die gesamte chinesische Gangsterfamilie Bangkoks freizuschießen.

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Viel Inhaltsangabe, aber die erste Stunde von A WAR NAMED DESIRE baut auch verdammt viele Handlungsstränge auf, deren Zusammenhänge nicht immer so ganz leicht zu durchschauen sind. Doch die Geschichte bekommt damit viel Tiefe, vor allem durch die starken Charaktere und die erstklassigen Schauspieler, und wenn dann im letzten Drittel das große Sterben losgeht wird einem schlagartig klar, warum sich Alan Mak so viel Zeit gelassen hat beim Aufbau der Story: Denn das Sterben geht wirklich unter die Haut, und manch ein Hauptdarsteller segnet das Zeitliche und hinterlässt dabei einen Kloß im Hals des Zuschauers.

Alan Mak hat uns den überragenden INFERNAL AFFAIRS geschenkt, und auch wenn A WAR NAMED DESIRE vielleicht nicht ganz in der gleichen Liga spielt, so konnte man vier Jahre vor dem erstgenannten auf jeden Fall bereits sehen, was Alan Mak zu dieser Zeit für ein Ausnahmetalent war. Die Bilder sind stylisch, die Figuren megacool, die Atmosphäre voller Blei genauso wie voller Freundschaft und Verrat, und die Shootouts stehen denen von John Woo in Punkto Choreographie nur wenig nach. Das Hongkong-Kino dieser Jahre kaute zwar rein prinzipiell meist nur die gleichen Geschichten durch, aber die Umsetzung macht den Unterschied, und die ist hier extrem zufriedenstellend. Die Charaktere sind geerdet genug um realistisch zu wirken, und durch den Drehort Bangkok ist die Grundstimmung auch willkommen anders als in den sonstigen HK-Thug-Filmen jener Zeit. Wobei diese Grundstimmung dabei ab den ersten Bildern bewusst als Ballade aufgebaut wird, wenn wir einem zerschossenen Pickup über die thailändischen Autobahnen folgen, sehen, dass aus dem Beifahrerfenster ein blutiger Arm hängt, und dazu melancholische Gitarrenmusik erklingt. Dieser traurig orientierte Score passt sowieso ganz hervorragend zu einem Film, zu dem mir gelegentlich sogar das Prädikat Noir einfällt.

A WAR NAMED DESIRE lässt sich Zeit für seine Geschichte, und macht damit alles richtig um ein hochgradig explosives Showdown vorzubereiten, dass mich an ein paar Stellen allen Ernstes atem- und fassungslos zurückließ. Unbedingte Empfehlung für alle, die tiefsinniges und hartes Gangsterkino mögen. Zeitlupen, Schießereien mit richtig Stil, heldenhaftes Sterben – Nichts Neues unter der Sonne, aber immer wieder gut!

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8/10
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