Napoleon - Ridley Scott (2023)

Moderator: jogiwan

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Il Grande Silenzio
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Napoleon - Ridley Scott (2023)

Beitrag von Il Grande Silenzio »

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Originaltitel: Napoleon
Produktionsland: USA, Vereinigtes Königreich
Erscheinungsjahr: 2023
Länge Kinofassung: 158 Minuten
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Joaquin Phoenix, Vanessa Kirby, Ludivine Sagnier, u. a.

Inhalt:

Während der hartnäckige und skrupellose französische Heerführer Napoleon Bonaparte (Joaquin Phoenix) innerhalb kürzester Zeit zum Kaiser von Frankreich aufsteigt, erobert er gleichzeitig das Herz von Joséphine de Beauharnais (Vanessa Kirby). Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Napoleons taktisches Genie und seine großen Schlachten. Aus der Sicht seiner einzig wahren Liebe wird vor allem die unbeständige, destruktive Beziehung beleuchtet, die Napoleon in einen aussichtslosen Kampf um ihre Anerkennung und an den Rand der Zerstörung bringt.

Quelle: Filmstarts



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Salvatore Baccaro
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Re: Napoleon - Ridley Scott (2023)

Beitrag von Salvatore Baccaro »

Nachdem ich mir Ridley Scotts zweieinhalbstündiges Epos nunmehr endlich einmal besehen habe, stellt es sich für mich als eine ausgesprochen zwiespältige Angelegenheit dar:

NAPOLEON ist reichlich aus der Zeit gefallen, was man dahingehend ins Positive wenden kann, dass der Film sich auf die althergebrachten Tugenden des Monumentalkinos besinnt: Eine (wenn auch reichlich gebrochene) Heldenfigur; bildgewaltige Schlachtengemälde; pompöse Dekors, Bauten, Emotionen - für alle, die im Kino zunächst einmal nach einem Rausch für sämtliche Sinne suchen, dürfte NAPOLEON die Erwartungen vollumfänglich erfüllen.

All das kann man problemlos aber auch in ein negatives Licht tauchen: Dann wird NAPOLEON zu einem (fragwürdigen) Stück Heroisierung einer historischen Figur, (selbst wenn diese reichlich gebrochen sein mag); dann erhält das Ganze schnell einen nachgerade reaktionären Beigeschmack; dann ermüden die endlos ausgewalzten Szenen, in denen sich französische, russische, preußische Heere zu unterschiedlichen Jahreszeiten und auf unterschiedlichem Terrain gegenüberstehen, bald bloß noch.

Mit Dekonstruktionen des Historiengenres wie Marie Kreutzers CORSAGE (2022), der anhand von Kaiserin Sissi ein feministisches Statement zur Stand der Frau selbst in den regierenden Schichten des 19. Jahrhunderts abgibt, oder Albert Serras LA MORT DE LOUIS XIV (2017), der den titelgebenden Sonnenkönigen als schwerkranken Greis auf dem Totenbett porträtiert, hat Ridley Scotts Biopic nichts zu tun - stattdessen fällt es mir leicht, mir vorzustellen, dass der Film fast genauso - (abzüglich vielleicht der einen oder anderen expliziten Sexszene) - auch vor Dekaden hätte gedreht werden können.

Ich persönlich konnte mit den pathetischen Schlachtszenen wenig bis gar nichts anfangen, mich beschlich vor allem im letzten Drittel das Gefühl, dass der Film zu einer bloßen Illustration der Lebensstationen seines Helden gerät, die für all die gedacht ist, die sich das Lesen des Wikipedia-Artikel Bonapartes ersparen wollen, kann dem Film aber auch nicht absprechen, dass er funktional unterhält, und dass insbesondere Joaquin Phoenix eine exzeptionelle schauspielerische Leistung abliefert. Ein zwiespältiges Schwert, wie gesagt - und darüber, wie historisch akkurat das Ganze denn nun ist, sollen sich die Napoleon-Experten und -Expertinnen den Kopf zerbrechen...

Den ultimativen Napoleon-Film hat aber sowieso, btw, Abel Gance bereits in den 20ern gedreht...
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