Hell's highway - Rowland Brown (1932)

Moderator: jogiwan

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Maulwurf
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Hell's highway - Rowland Brown (1932)

Beitrag von Maulwurf »

 
Hell's highway
Hell's highway
USA 1932
Regie: Rowland Brown
Richard Dix, Tom Brown, Rochelle Hudson, C. Henry Gordon, Oscar Apfel, Stanley Fields, John Arledge, Warner Richmond, Charles Middleton, Louise Carter, Sandy Roth, Clarence Muse, Fuzzy Knight, Louise Beavers, Allan Cavan, Eddie Hart


Hell's highway.jpg
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OFDB

Irgendwo in der Einöde baut eine Chain Gang, also eine Gruppe Strafarbeiter, eine Straße durch die Wüste. Die Tage bestehen aus dem Klopfen von Steinen, der Hitze, dem miesen Fraß, und den Attacken der sadistischen Wärter. Wer in der Hitze zusammenbricht oder aufbegehrt kommt in das „Hospital“, wie die Wärter es nennen: Eine sogenannte „Sweat Box“ aus Metall, in welcher der Delinquent gefesselt und bei extremen Temperaturen, Dehydrierung und Hitzestau etwas entgegendämmert, was auch ein langsamer Tod sein kann. Der junge Carter stirbt auf diese Weise, und der Gouverneur schickt einen Undercoveragenten in das Straflager, der herausfinden soll, was es mit dem Tod Carters auf sich hat.
Unter den Gefangenen ist Duke Ellis eine große Nummer. Er ist hart, auch gegen sich selbst, und vor allem ist er fair. Deswegen hat er sogar bei den Wärtern einen guten Ruf. Eines Nachts will er ausbrechen, doch im letzten Augenblick sieht er, dass unter den Neuankömmlingen sein kleiner Bruder Johnny ist. Duke entscheidet sich, im Lager zu bleiben, und auf Johnny aufzupassen. Der aber hat durchaus seinen eigenen Kopf und schafft es, ein Gewehr an sich zu bringen …

Was für ein Brett von Film. Auch wenn der ein oder andere Schnitt gesetzt wurde, und auch wenn der Schluss verzweifelt auf versöhnlich getrimmt wurde, kann ich den damaligen Misserfolg an den Kinokassen absolut nachvollziehen. Knüppelharte Männer, die eine Zielscheibe auf dem Rücken tragen, die bei allem was sie tun angekettet sind, selbst beim Schlafen, die zu Mittag Suppe und eine Gabel bekommen, und die nur noch eine einzige Chance haben um aus dieser Hölle herauszukommen: Schnell zu sterben! Ausbrechen? Praktisch chancenlos …

Und dabei zeigt HELL’S HIGHWAY eigentlich nur die extremen Auswüchse des ach so glorreichen und damals wie heute beliebten Kapitalismus: Die Sträflinge bauen die Straße im Auftrag eines Privatunternehmers, und der Aufseher des Gefängnisses bekommt vom Unternehmer eine Prämie dafür, wenn die Leute rechtzeitig fertig werden. Also wird geprügelt und gepeitscht, wird Terror ausgeübt und Druck aufgebaut, damit bloß möglichst viel Geld fließt. Der Wärter Popeye versucht Duke Ellis wegen irgendeiner Sache zu erpressen, aber Duke ist auf Draht: Er besitzt die Patronenhülsen die beweisen können, dass der Mord an Popeyes Frau nicht von drei auf der Flucht erschossenen Häftlingen, sondern von Popeye selber begangen wurde. Ein soziales Miteinander wie man es schon immer haben wollte …
Der Film ist, wie Bernward Knappik es in der 35MM schreibt, „ein düsterer, kalter und für damalige Verhältnisse brutaler Film“, der auch heute noch beeindruckt. Vor allem wenn man weiß, dass dem tatsächliche Ereignisse zugrunde liegen. Die Kälte und Brutalität mag vielleicht in jedem Gefängnisfilm (und natürlich auch in der Wirklichkeit) so sein, aber so etwas zu wissen und es in einem Film zu sehen, das sind zwei paar verschiedene Handschellen, und für einen normalen Maulwurf, der gerade mal in seinem Luxusleben gefangen ist, ist so eine Vorstellung der reine Horror. HELL’S HIGHWAY hat zwar eine Menge cooler Onliner und einen relativ freundlichen Schluss, aber die Gnadenlosigkeit, mit der hier Menschenverachtung und Hass ins Gesicht des Zuschauers geschleudert werden, steht einem modernen Film wie etwa Ric Roman Waughs SHOT CALLER in Nichts nach, nur dass er in der Gewaltdarstellung nicht so explizit ist wie sein modernes Pendant. Dafür macht das Kopfkino, gerade bei Dingen wie der Sweat Box, gruselige Überstunden.

Der Film kann auf einem beliebten Videoportal gesichtet werden und ist eine unbedingte Empfehlung für alle, die es ultrahart mögen.

7/10
Was ist die Hölle? Ein Augenblick, in dem man hätte aufpassen sollen, aber es nicht getan hat. Das ist die Hölle ...
Jack Grimaldi
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