Bob Roberts - Tim Robbins (1992)

Moderator: jogiwan

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ugo-piazza
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Bob Roberts - Tim Robbins (1992)

Beitrag von ugo-piazza »

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USA 1992

D: Tim Robbins, Alan Rickman, Giancarlo Esposito, Gore Vidal

Es ist 1990 und bei den Wahlen in Pennsylvania ist ein Platz im US-Senat zu besetzen. Der liberale Senator Brickley Paiste (dargestellt vom legendären Autor Gore Vidal), seit 3 Jahrzehnten im Amt, kandidiert erneut. Sein Herausforderer ist Bob Roberts.

Bob Roberts? DER Bob Roberts? Der Millionär von der Wall Street? Der Sänger, dessen beiden Alben "The freewheelin' Bob Roberts" und "The times they are a-changin' back" sich millionenfach verkauften? Dessen Lieder schon mal davon handeln, Drogenhändler gehängt sehen zu wollen? Der Mann, der den Aubruch der 60er als Verrat an amerikanischen Werten bezeichnet? Ja, genau DER Bob Roberts.

Paiste kann in den Umfragen zunächst einen komfortablen Vorsprung aufweisen, der aber bald schrumpft, als Gerüchte über eine außereheliche Beziehung mit einer Minderjährigen aufkommen. Unterdessen recherchiert der Investigativjournalist Bugs Raplin dem Vorwurf nach, eine Roberts und seinem Wahlkampfmanager Lukas Hart III nahestehende Hilfsorganisation hätte steuerbegünstigte Wohnungsbaukredite zweckentfremdet und zum Dogenschuggel mit Mittelamerika missbraucht. Raplins Vorwürfe lassen Bobs Umfragewerte sinken. Dann wird ein Attentat auf Roberts verübt...

...der mit Wirbelsäulenverletzungen überlebt. Die Tatwaffe wird bei Raplin gefunden, und der Journalist wird festgenommen. Doch es stellt sich bald heraus, dass Raplin nicht der Attentäter sein kann. Raplin wird freigelassen und noch vor der Wahl von einem "Patrioten" erschossen...


Tim Robbins gab sich in seinem Regiedebüt nicht nur selbst die Hauptrolle, auch die Songs von Bob Roberts sang Robbins selbst. Insbesondere gestaltete Robbins den Film konsequent durchgehend als Mockumentary, also als "gefälschte Doku", deren Kameras enttarnen, wie sich Roberts als Mann des Volkes darstellt, und dabei das Wahlvolk blendet. Roberts ist ein Mann, der keine Skrupel kennt, um seine Ziele zu erreichen.

Das mag 1992 vielleicht noch als reine Satire durchgegangen sein, aber wenn man sich die Entwicklung der "Vereinigten" Staaten seitdem anschaut, mit dem erschreckenden Tiefpunkt Donald Trump, muss man Robbins schon eher als Propheten preisen, dessen Warnungen nicht ernst genommen wurden.

Die Figur des Bob Roberts wurde als Antipode zu Bob Dylan angelegt, worauf ja schon die Albentitel (Album Nr. 3 "Bob on Bob" erscheint am Wahltag) hinweisen. Ein Sänger, der den kulturellen Backlash ins Reaktionäre predigt.



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Maulwurf hat geschrieben: Ugo, Du bist 'ne Wucht.

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